Der große Gurtvergleich – Folge 5: Der Mattes Lammfell-Gurt

Sattelgurt-Woche bei a life with horses!

Fotos: Klara Freitag

Wahrscheinlich ist es der bekannteste Gurt für empfindliche Pferde: Ein Lammfellgurt. Ich habe einen der Firma Mattes getestet.

Insgesamt habe ich in fünf Gurtmodelle in Lang- und Kurzgurtversion mehrere Monate lang getestet und an drei Pferden ausprobiert, die vor dem Test heftiges Unwohlsein (bis hin zum Schnappen), mittleres (Gesichtsausdruck verändert sich deutlich, Ohren angelegt) und leichtes Unwohlsein (nur leichte Mimik-Veränderung) beim Gurten zeigten.

 

 

Erfahrungen mit Lammfellgurten

Die Ergebnisse lest ihr in dieser Woche auf meinem Blog – jeden Tag stelle ich Euch ein Gurtmodell ganz genau vor, abschließend könnt Ihr dann das gesamte Testergebnis aller Modelle im Vergleich lesen. Welche Kriterien generell wichtig sind bei der Auswahl eines Gurtes für ein Pferd, das Gurtzwang hat oder leichtes Unbehagen beim Gurten zeigt, habe ich Euch hier bei wehorse aufgeschrieben.

Lammfellgurte gibt es inzwischen in sehr unterschiedlichen Formen, je nach Gurtungslage. Mein hier besprochener Gurt von Mattes fällt unter die Bezeichnung „asymmetrische Form“.

Das ist gut

Der Gurt ist sehr hautsymphathisch und gleicht die widrigsten Verhältnisse aus. Da scheuert nichts, es gibt keine Druckstellen oder Aufreibungen. Das Lammfell selbst ist sehr dichtflorig und kann so seine Pufferfunktion gut erfüllen. Die Lammfell-Qualitäten unter den Herstellern sind sehr unterschiedlich, meiner Erfahrung nach. Ich hatte schon Modelle in der Hand, deren Flor so locker und dünn ist, dass man sie mühelos zu Bierdeckel-Dicke zusammendrücken konnte. Das hier ist einer, der guten Widerstand und ein echtes Polster bietet.

Das sagen die Pferde

Durch den hohen Flor folgt die Berührung des Bauches sanft. Alle Pferde mochten das Lammfell am Bauch – das sah man an der Mimik. Der Gurt wird von Gurtzwang-Pferden gut toleriert und die Symptome lindern sich.

Handling im Alltag

Das Angurten ist einfach – man muss nicht so penibel sein beim Gurten, wie bei manch anderem Gurtsystem. Damit meine ich nicht das beidseitige Nachgurten mit viel Zeit  – das ist sowieso selbstverständlich bei empfindlichen Pferden. Der Mensch kann bei diesem Gurt weniger Fehler machen  – es gibt keine Elastik, die dazu verleitet, zu fest zu gurten. Es gibt keine besonderen Handgriffe zur Gurtkontrolle. Und es gibt so gut wie keine Gefahr, dass sich das Pferd irgendwo aufscheuert. Daher können mit diesem Gurt auch Menschen umgehen, die neu im Pferdebereich sind. Kinder und Einsteiger zum Beispiel. Das ist ein riesengroßer Vorteil.

Material

Das Lammfell ist mit Klett an einen gesteppten Gurt befestigt. So kann beides separat trocknen oder gewaschen werden.  

Pflege

Der Kerngurt darf in die Waschmaschine. Das Lammfell soll nach Gebrauch trocknen und dann im trockenen Zustand gebürstet werden. Der Hersteller empfiehlt, es zudem regelmäßig mit Spezialshampoo ebenfalls zu waschen.

 

Schwachstellen

Dadurch, dass der Gurt schwerelastische Einsätze an den Schnallen hat, gibt’s außer dem Lammfell keine weitere Pufferung. Das wäre etwas, das ich mir wünschen würde: Eine Mattes-Gurtversion mit weicherer Elastik. Nach meiner Testreihe, in der ja auch Gurte mit viel Elastik oder Gummielementen eingesetzt wurden, kann ich mir vorstellen, dass es den Gurt nochmals mehr in Richtung Akzeptanz bei Problempferden bringen würde, wenn dies geändert würde.

Die Schnallen mit Federbespannung – die unheimlich hochwertig und solide aussehen – mögen praktisch für den Reiter sein, weil die Dornen der Schnalle von alleine schließen. Doch genau dies führt dazu, dass ein Lösen aus einem Loch heraus ziemlich ruckelt. Das ist bei Gurtzwang-Pferden nicht ideal. Da wäre meiner Meinung bezüglich der Schnallen weniger mehr gewesen.

Testurteil

Dieser Gurt ist schon fast der Klassiker für empfindliche Pferde. Er ist einfach zu handhaben, bietet dem Pferd viel Komfort und ist so für jeden Reiter empfehlenswert. Er ist zwar keiner, der sofort alle Auffälligkeiten beim Pferd verschwinden lässt. Doch man kann sich mit diesem Gurt einfach total sicher sein, dass er seinen Job macht und das Pferd gut bedient ist: Und zwar egal, ob jemand drittes sattelt, ob man am Strand mit Salzwasser und Sand zu kämpfen hat oder ob man ein Pferd mit extrem sensibler Haut und schnellem Haarbruch hat. Der Gurt ist so zuverlässig wie ein VW Golf. Das ist etwas wert.

 

Folgende Gurtbesprechungen lest Ihr diese Woche auf www.alifewithhorses.de:

 

  1. Stübben Equisoft Gurt
  2. Pferdefaible Tapestry Komfort Gurt
  3. USG Tekna Gurt
  4. Euroriding Equitation Privilège bzw. Eric le Tixerant Gurt
  5. Mattes Gurt
  6. Resümee & Vergleich

6 Kommentare

  1. Hallo Jeannette, ich habe auch einen mattes Kurzgurt Form Atlético. Mein Pferd war als es zu mir kam recht empfindlich beim gurten. Ich hatte erst einen einfachen Neopren Gurt ohne elastik. Dann einen anatomisch geformten abwaschbar. Beide Gurte warennicht ideal. Den lammfellgurt findet Pferd gut. Ich finde ihn nur vor allem im Sommer sehr lang trocknend, sodass er am nächsten Tag oft noch feucht ist. Ich überlege schon ein zweites Fell zu kaufen, da man es ja abkletten kann, damit ich immer ein trockenes habe.
    Ich würde ihn wieder kaufen.
    Viele Grüße Gaby

  2. Hallo Gaby, danke für Deinen Kommentar! Ein zweites Fell ist eine gute Idee – bin ich noch nicht drauf gekommen. Warum hast Du den Atlético gewählt? Er wird ja für sportliche Figuren empfohlen, ich habe aber auch schon gehört, dass Leute ihn gerade für bauchige Pferde nutzen, obwohl das anders empfohlen wird. Aber das soll auch funktionieren. Wie ist das bei Dir? Viele Grüße Jeannette

  3. Hallo Jeannette,

    bin vor ein paar Jahren auch zu dem Mattes Gurt gekommen. Ich hatte das Problem, dass mein Pferd von sämtlichen Gurten immer wieder offene Druckstellen hatte. Der Vorteil der Gurte von Mattes liegt M. E. nicht nur in dem sehr guten Lammfell sondern auch darin, dass der Gurt wirklich da liegen bleibt, wo man ihn gurtet und nichts verrutscht weder Sattel noch Gurt, auch ohne den Gurt „festknallen“ zu müssen.. Ich benutze den asymmetrisch und den anatomisch geformten Kurzgurt. Beide liegen perfekt bei meinen drei Pferden. Ich hatte mir die Gurte gekauft, bei denen man das Lammfell nicht abmachen kann. Da jetzt nach 7 Jahren das Lammfell kaputt gegangen ist, habe ich es entfernt und mir für den anatomischen Gurt ein Ersatzlammfell (eigentlich für die Gurte mit abnehmbarem Lammfell) bestellt. Das Ersatzlammfell passt perfekt auf den Gurt. Optimaler Weise sollte man vielleicht noch einen Klett aufnähen. Klappt aber auch ohne. Ich bin mit den Gurten sehr zufrieden und würde mir momentan keinen anderen Gurt zulegen.
    Liebe Grüße Vera

  4. Hi Vera, danke für Deine Erfahrung. Gute Idee mit dem Ersatz für die festgenähten Gurte, das habe ich noch nicht gehört! Liebe Grüße, Jeannette

  5. Hallo Jeanette, sehr spannende Reihe!
    ich bin seit ein paar Jahren auch beim Lammfell Gurt hängen geblieben. Zwar kein Mattes, sondern ein Mondgurt von Christ. Finde ich total gut, liegt wo er soll, rutscht nicht, auch wenn man mal etwas Luft lässt. Gibt keine scheuerstellen und er ist recht gut zu pflegen. Da ich aber den Sattel gewechselt habe, sind meine vorhandenen Gurte zu lang. Übern Sommer musste ein einfacher Neopren Gurt herhalten, der tuts auch, aber bei chronischer Atemwegserkrankung hätte ich schon gerne was entlastendes. Mal sehen, was es nun wird, durch deine Testreihe fällt mir dir Wahl denke ich leichter