Was Instagram-Bildmotive mit uns & den Ansprüchen ans Pferd machen

 Fotos: Klara Freitag

Ich habe mit Klara Freitag ein Bildprojekt gestartet, bei dem wir typische Instagram-Motive nachstellen und mit der Realität abgleichen. Die erste Folge davon, das Nachtkleidchen-Motiv und die Analyse dazu, warum es so viele mögen, findet ihr auf wehorse.

 

Ich heirate ein Pferd

Das typische Fotomotiv Pferd plus festliches Kleid steht dem Nachthemdmotiv nahe. Allerdings ist es meist weniger filigran, aber noch beziehungslastiger aufgezogen. Da stehen Frauen neben ihren Pferden, als ob sie die heiraten wollten. Man könnte Pferd und Mann per Photoshop austauschen und niemandem würde etwas auffallen. Ganz klar zeigt es, wie sehr sich viele wünschen, ihre Bindung zum Pferd in ein Bild zu gießen. Aber es stellt eben auch eine unfassbare Überhöhung dar. Einen total interessanten Kommentar dazu hat Julia mit dem Account namens „Schnixie“ auf instagram geschrieben. Sie sagte dort: „Die innige Verbindung zum Vierbeiner hoffen manche durch sehr romantische Bilder zu unterstreichen, so nach dem Motto: Seht her, wie innig wir sind! Das ist ja offenbar sehr erstrebenswert in der Pferdewelt. Unsere Kuschelfotos sind allesamt mit Pferdekeksen im Schoß entstanden. Ich finde das krass, was es da inzwischen für einen Hype gibt, es scheint ja die Sehnsüchte der Menschen wieder zu spiegeln. Heute reden ja alle davon, dass man dringend immer diese innige Verbindung haben muss, um ein echter Horseman zu sein. Ich sage nur #beone und #twohearts. Haste das nicht, biste kein guter Pferdemensch. Wird daher wohl gern plakativ unterstrichen.“

Recht hat sie mit den Leckerlis – wo Innigkeit draufsteht, ist noch längst keine drin. Solche Tricks wie Leckerchen oder Pferdestimmen per App abspielen, damit die Ohren auf dem Bild gespitzt sind, sind üblich (warum auch nicht?). Interessant auch, dass sie die Hashtag-Kampagnen anspricht. Die Grundidee der #twohearts Kampagne finde ich gut (Was macht den Sport einzigartig? Dass zwei Individuen ihn gemeinsam ausüben.) Doch diese Kampagne des Weltreiterverbandes bekam von Anfang an mit der Auswahl der ersten Werbebotschafter eine Schieflage. Da warben internationale Reiter, die nun wirklich für alles andere als pferdefreundliches Reiten bekannt sind, für #twohearts, was das Ganze unglaubwürdig und abstrus erscheinen ließ.

Die Bindung zum Pferd wird stark beschworen, zur Normalität erklärt, auch wenn sie in der Realität selten in gleicher Intensität vorliegt. Diese Überhöhung macht was mit Menschen: Unzufriedenheit mit dem, was wirklich da ist zum Beispiel. Der Wunsch, schneller zur Einheit zu kommen, führt vielleicht auch zu Abwegen. Zu Schnelllösungen, die eher vom richtigen Weg abbringen. Denn tatsächlich entsteht Bindung durch korrektes Agieren, Geduld und Zeit.

Dass es normal zu sein scheint, eine vollendete Bindung zum Pferd zu haben, macht vor allem etwas mit jungen Pferdeleute, die mit Ostwind-Kinofilmen und stark bearbeiteteten Instagram-Bildern aufwachsen. Mehr als alles andere sind deshalb Vorbilder im echten Leben so wichtig, um den Wunsch und die Realität abzugleichen.

 

Sportlich-stylisch versus „Hauptsache noch irgendwie zum Pferd“!

 

Wo ich bei allen anderen Motiven dieser Serie mit mir im Reinen bin, und es mich nicht wirklich juckt, nicht hübsch gestylt zum Pferd zu erscheinen, da prallen in diesem Bilderpaar meine eigenen unerfüllten Ansprüche gegeneinander.

 

Bei diesem Motiv geht’s um die Ansprüche an uns im Bezug auf Fitness. Überall werden wir mit sportlichen Idealen zugeballert – Sportsachenwerbung zeigt uns, wie attraktiv man sein kann, wenn man sich quält (was auf diesen Bildern nie nach Qual aussieht), Reitsportmagazine erklären uns ständig, wie wir fit werden und wie wir unser Pferd fit machen (ja, auch ich mache das in vielen meiner Artikel und finde es ja auch sinnvoll).

 

Auch ich finde Sport toll, er tut mir gut und ich würde so gern mehr davon machen! Aber ich habe nur 24 Stunden am Tag und im Prioritäten-Wettbewerb verliert Sport häufig. Eure Kommentare auf Instagram zu diesem Bilderpaar waren ganz toll – so viele Gedanken über Ansprüche an sich, über Lebensphasen, über was man muss und soll und oder doch nicht sollte. Was mühelos aussehende Outfitposts auf jeden Fall machen: Eine Normalität beschwören, die für die wenigsten zutrifft. Das finde ich besonders bei Sport schade, denn eigentlich sollte Sport für den nicht-Leistungssportler ja ein Druckventil sein. Etwas, das einen Ausgleich schafft und gut tut. Und keine Sache, wo der Erfüllungsdruck vor dem Erlebnis selbst steht.

 

Dutt & Uralt-Stalljacke

 

Das typische, schicke Instagram-Bild: So gut wie nie würdet ihr mich mit Dutt und Ohrringen am Stall antreffen. Aber genauso hergerichtet sehen sie häufig aus, die Modelle in Reitsport-Katalogen. Die für Kleidung werben, die wir dann beim Kehren der Stallgasse anziehen sollen. Bisschen verrückt ist das schon. Der Realitätsabgleich: Auf dem anderen Bild seht ihr mich mit der schnellsten Frisur der Welt und in einer Aldi-Jacke, die mal vor Jahren als Skijacke in diesem Supermarkt verkauft wurde. Billig und relativ wahrscheinlich nicht ethisch einwandfrei hergestellt. Allerdings ist sie sehr warm. Deshalb hängt sie als Notfall-Jacke in meinem Spind. Falls ich mal mit guten Klamotten am Stall bin und schnell etwas überziehen muss. Oder wenn es doch kälter als gedacht ist. Dann packe ich sie aus.

 

Die Wahrheit liegt irgendwo dazwischen. Ich kann mich für gute Kleidung durchaus begeistern! Vor allem für tolle Schnitte und geschickte Details. Doch ich empfand es vor allem in meinen 20ern als den wahren Luxus, auch mal hässlich rumlaufen zu können. Weil man weiß, man könnte es im Handumdrehen ändern. Und weil man damit den Beweis vor sich selbst hat, dass man niemandem beweisen muss, wie beliebt, attraktiv oder whatever man ist (was an sich dann doch wieder etwas verquer ist – denn warum muss man sich so etwas beweisen?).

 

Die viel wichtigere Frage ist: Wie fühlt man sich, während man top-gestylt oder ausschauend wie Nachbars Lumpi herumläuft? Es ist ja nicht so, dass man sich automatisch super fühlt, wenn man sich Mühe beim Äußeren gegeben hat. Es ist durchaus möglich, sich supertoll und attraktiv zu fühlen, während man in etwas mit der Attraktivität eines Sacks steckt. Oder aber man fühlt sich furchtbar hässlich und voller Selbstzweifel, obwohl man sich sehr viel Zeit fürs Styling genommen hat.

 

Wie ist das bei Euch? Steht ihr in Ställen, in denen gewisse Marken zum guten Ton gehören? Sind Tage, an denen ihr Make-up tragt eher welche, an denen ihr Euch schlechter oder besser als sonst fühlt? Tragt ihr Nagellack, künstliche Wimpern oder aufwendige Frisuren im Stall? Oder tragt ihr alte normale Klamotten im Stall auf? Ich würde mich über ein paar Gedanken von Euch zu dem Thema freuen.

 

Ihr habt schon so tolle Kommentare auf Instagram hinterlassen, in welchen Monturen ihr beim Pferd erscheint – in Jogginghose, Schlafanzug und Gummistiefeln und und und. Wie gern würde ich mal Eure #reallife Bilder sehen! Wer mutig ist, postet mal eins – mit dem Hashtag #alifewithhorses finden wir die auch alle!

 

 

Wie ein saures Pferd wieder zu einem Traumpferd wurde

Fotos: Klara Freitag

Heute möchte ich Euch ein ganz besonderes Pferd aus dem Adventskalender für Pferdemenschen vorstellen. Es ist Dyri. Dyri hat eine heftige Lebensgeschichte und zum Glück die richtigen Menschen gefunden. Die er allerdings in diesem Jahr auf eine schwere Probe stellte. (Kurzer Einschub: Wer drüben von wehorse kommt – die Fortsetzung beginnt ungefähr mittig dieses Artikels!)

Junger gekörter Hengst, unreitbar

Dyri ist ein Isländer. Er wurde als junger Hengst gekört und sollte das Erbe seines imposanten Vaters antreten. Groß wurde er von seinem Züchter als Nachwuchsstar angekündigt, seine Qualität war herausragend: Ein Pferd mit sehr gutem Gangwerk, bester Abstammung, dazu so wüchsig, wie das die moderne Islandpferdezucht schätzt (hier ein Artikel seines Züchters).

Doch es kam ganz anders.

Als Dyri sieben Jahre alt war, stand er zum Verkauf. Als Wallach. Er stand auf einem Freizeitreiter-Hof, der nach der Rai-Methode arbeitete. Sie hatten Dyri als unreitbar erhalten. Wo er sein Trauma her hatte, wissen seine heutigen Besitzer nicht. Die Rai-Reiter hatten ihn so weit  wieder auf ihre Seite bekommen, dass er sich gebisslos reiten ließ. Er stieg jedoch immer mal wieder aus und machte nicht mehr mit. Bei der Bodenarbeit drehte er sich zum Beispiel blitzschnell um und zeigte dem Menschen sein Hinterteil. Er sei  mit Gebiss nie wieder reitbar, hieß es.

Dyri bekam seinen Spitznamen von Alizée Froment

In diesem Rai-Stall entdeckte ihn meine Freundin Philippa, die eine Ponyreitschule betreibt. Sie hatte ihre kleine Tochter dabei, fünf, sechs Jahre war diese zu diesem Zeitpunkt alt. Diese sah Dyri, der wie das Mammut aus Ice-Age aussieht und schloss ihre Arme um seinen Hals. „Den müssen wir kaufen“, sagte sie.  „Er war ein wunderschönes, imposantes Islandpferd, durch die Vorgeschichte günstig“, erinnert sich Philippa. Die Ähnlichkeit zu dem Mammut aus Ice-Age hat übrigens Alizée Froment festgestellt, als sie Dyri Jahre später bei uns im Kurs sah. Philippa kaufte Dyri, weil sie den Eindruck hatte, sie bekommt ihn wieder hin.

 

So war es dann auch. „Es gab Tage, da kooperierte er super, und andere, wo wir viel Rücksicht nehmen mussten“, erinnert sie sich. Dyri signalisierte seinen Reitern immer, dass sie über einen gewissen Punkt nicht hinausgehen dürfen. Er war und ist kein Pferd, das über Kraft und Dominanz zu gewinnen ist. Philippa gewann den Eindruck, dass er sein Trauma beim Eintölten erhalten hatte – denn ging es in diese Richtung, zeigte er extreme Stressreaktionen. Sie ritt Dyri daher jahrelang dreigängig. Im Unterricht lief er gebisslos, unter den Reitlehrern und auch im Gelände bald schon mit Gebiss. Vor drei Jahren wurde er mit viel Geduld eingetöltet. Das gelang, und Philippas Tochter lernte mit ihm das Springen über kleine Hindernisse.

Ohne Zügel Hufschlagfiguren im Galopp reiten

Dyris absolute Sternstunde mit Philippas Tochter habe ich drüben bei wehorse notiert – sie konnte ihn Anfang des Jahres komplett ohne Zaumzeug in allen Gangarten und vielen Hufschlagfiguren bei Lisa Röckener im Kurs reiten. Aus diesen zwei Kurstagen stammen auch alle Bilder auf dieser Seite.

Doch eines Tages in diesem Sommer 2018 stieg Dyri aus. Er blieb beim Reiten stehen, er bockte, er stieg. Für seine Familie aus heiterem Himmel. Natürlich suchten sie die Schuld erst bei sich, überdachten jeden Ritt, jeden Ausbildungsschritt, jeden vergangenen Tag. Philippa ist eine erfahrene Pferdefrau, sanft und klug, was die Pferdeausbildung betrifft. Sie holte sich Rat bei befreundeten Ausbildern und Trainern. Doch es blieb im Unklaren.

Das Kippen in alte Verhaltensmuster

Bis der Tierarzt feststellte, dass Dyri ein organisches Problem hatte: Er bekam schlecht Luft. Das war nicht aufgefallen, da er nicht hustete. Zudem diagnostizierte er ein altes Magengeschwür, das aufgrund der Luft-Thematik wieder Probleme machte. Vermutlich haben ihn diese Schmerzen und das nicht vorhandene Wohlbefinden in diese alten Verhaltensmuster kippen lassen.

Die jedoch nicht sofort wichen, als seine medizinische Behandlung anschlug. Dyri musste reiterlich wieder aus diesen herausgeführt werden. Philippa übernahm den Isländer wieder reiterlich, ihre Tochter durfte in dieser Phase nicht auf’s Pferd. Philippa vermutete, dass Dyri kein Pferd war, das mit Dominanz zu bekommen war. Genau das sagten ihr auch die Trainer, die sie mit ins Boot holte. Das waren zwei Gangpferdetrainer und ein befreundeter Horsemanshiplehrer.

Ian Bensons Rat

Von diesem, Ian Benson aus Neuseeland, stammt auch der Spruch, den ich zu Dyris Bild im Kalender kombiniert habe. Es geht darum, was wir zwischen den Momenten des Einsseins anstreben sollen mit unseren Pferden. Konkret ritt Philippa Dyri ins Gelände und stieg ab, wenn er nicht mehr weiterging. Sie führte ihn an und stieg wieder auf, wenn sie das Gefühl bekam, dass es jetzt geht. Sein Steigen war kein normales, über das man mal eben mit Durchsetzungskraft hinwegreiten konnte. Sein Blick wurde komplett anders, da war nichts Sanftes mehr, es war böse und drohend. Philippa macht nicht vieles Angst, was mit Pferden zu tun hat. Aber diese Warnung von Dyri war extrem. Sie nahm sie hin und suchte einen Weg, dennoch weiter zu machen. Mit dieser Strategie bewegte sie ihn weiter, zusätzlich zur medizinischen Behandlung natürlich. Wer so ein Pferd hat, probiert alles aus: Osteo, Akkupunktur, alternative Heilmethoden. Irgendwann gab es den Moment, dass Philippa fühlte: Du braucht jetzt nicht absteigen. Du kannst darüber hinweg reiten. Das klappte. Ihre zwei Gangpferdetrainer stiegen mit ein, ritten ihn auch. Immer häufiger konnte über das Abwenden das Steigen verhindert werden.

Es gab keinen Moment, an dem es Klick machte und alles wie zuvor war. Aber es wurde Stück für Stück besser. Irgendwann war er wieder ganz normal im Gelände reitbar, und irgendwann auch wieder in der Halle. Irgendwann war das Gefühl so gut, dass ihre Tochter wieder drauf durfte.

Und heute ist es wieder so wie zu ihrer Sternstunde: Die Tochter reitet wieder regelmäßig aus, sie reitet ihn auf Halsring und ohne alles auf dem Platz und das feine Pferdchen Dyri ist wieder ganz bei ihnen.

Dyri hat uns Achtsamkeit gelehrt

Ich habe schon öfters im Blog über Philippa geschrieben, und was ich von ihr lerne (Freude beim Reiten, zum Beispiel). Als ich sie im Interview zu diesem Artikel fragte, was sie daraus mitgenommen hätte, da war ich schon wieder verblüfft. Ihre Antwort lautete:

„Ich liebe ihn mehr als vorher, weil ich dachte, wir verlieren ihn.“

 

Sie hatte Zweifel zwischendurch, dass es wieder wird, erzählte sie.

„Ich bin dankbarer für alles, was klappt. Es ist ein Riesengeschenk so ein besonderes Pferd  zu haben. Ich hatte noch nie ein so feines Pferd. Das haben wir nicht reingeritten, das ist er einfach! Er hat uns so viel beigebracht. Dyri hat uns so viel Achtsamkeit für Pferde vermittelt.“

Zum Beispiel, dass man nicht schlecht gelaunt im Sattel sitzen darf. Das spiegelt Dyri nämlich so extrem, dass er dann seine Zusammenarbeit aufkündigt. Zwischen Tochter und Mutter herrscht daher nun auch die Vereinbarung, dass auf Ausritten keine Streitgespräche erlaubt sind.

Ich weiß nicht, wieviele Pferdeleute doch innerlich über ihr Pferd geschimpft hätten, sich leid getan hätten, das sowas sie betrifft. Zu Beginn dieses Artikels habe ich auch geschrieben, dass Dyri seine Menschen auf eine Probe stellte. Wie anders klingt da Philippas Resümee! Ihr Resultat ist komplett positiv und da ich sie kenne, bin ich überzeugt, dass das auch genau so ist, und es mehr als Worte sind. Ich bin ziemlich froh, dass Menschen wie Philippa in meinem Leben sind. Danke!

 

Das allerschönste Bild von Dyri ist nur auf zwei Sachen zu sehen: Als Startseite auf dem Handy seiner Besitzerin und auf der Seite vom ersten Dezember des Adventskalenders! Neugierig? Guck hier, da ist er auf der zweiten Seite sichtbar. Und auch der Spruch von Ian Benson dazu. Einem der klügsten Horsemanship-Trainer, die ich kenne.

Peter Pfister zu 50 Tagessätzen verurteilt

Horsemanshiptrainer Peter Pfister wurde am 14.09.2018 vom Amtsgericht Leverkusen zu 50 Tagessätzen verurteilt.

Warum, was passierte?

Ein Pferd kam in seinem Kurs zu Tode. Auf Videos sieht man, wie er es mithilfe von Stricken in eine Position zwingen wollte, um ihm einen Zirkustrick beibringen. Dabei stieg und stürzte das Pferd mehrfach. Es starb letztlich, vermutlich durch einen Genickbruch.

Was bedeutet 50 Tagessätze?

Die Tagessätze beziffern die Höhe des Strafmaßes. Ein Tagessatz entspricht einem Tag Freiheitsstrafe. Wie hoch eine Geldstrafe absolut ist, bemisst sich dann nach dem jeweiligen Nettoeinkommen eines Beschuldigten. Bei einem Nettoeinkommen von z.B. 900 Euro beträgt die Tagessatzhöhe 30 Euro.

Ist das belegt?

Ich habe schon kurz nach dem Fall die Videos persönlich gesehen, mich dazu aber nicht geäußert, da es ein schwebendes Verfahren war. Das Urteil hat mir der Oberstaatsanwalt Bremer aus Köln bestätigt per E-Mail. Genauer Wortlaut:

Gute Tag Frau Aretz,
der Beschuldigte ist mit rechtskräftigem Strafbefehl des Amtsgerichts Köln vom 14.09.2018 wegen Verstoßes gegen § 17 Nr. 2 Buchstabe a), §§ 303, 303 c StGB zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen verurteilt worden. Zu dem Betrag und zu weiteren Details kann ich mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte des Beschuldigten nichts mitteilen.
Mit freundlichen Grüßen
Bremer
Oberstaatsanwalt

Was ist das für ein Trainer?

Ich habe schon vor etlichen Jahren mit Peter Pfister als Journalistin gearbeitet. Seine Erklärungen waren stets pferdefreundlich, er eloquent und beliebt bei seinen Schülern. Einige meiner früheren Mit-Einstaller sind regelmäßig zu seinen Kursen gefahren. Es gab damals keinen Anlass für mich, anzunehmen, dass dieser Trainer pferdeunfreundlich arbeitet. Nie ist mir etwas zu Ohren gekommen, das im Entferntesten mit diesem Vorfall zu vergleichen wäre.

Meine Meinung zu diesem Vorfall:

Die Videos sprechen für sich. Ich kann nicht verstehen, wie ein Trainer so sehr gegen ein Pferd arbeiten kann. Die Schuldfrage, nun auch gerichtlich bestätigt, ist eindeutig. Die öffentliche Kommunikation nach dem Vorfall war miserabel. Es wurde längere Zeit keine Reue kommuniziert. Dass es überhaupt so gekommen ist, ist entsetzlich. Anzunehmen ist natürlich, dass er das  Pferd nicht töten wollte und ihm ebenso keinen erheblichen Schaden zufügen wollte. Das Hinfallen und Steigen nahm er jedoch in Kauf. Ein so erfahrener Pferdemensch hätte wissen müssen, wie gefährlich das ist. Zudem ging er komplett über die Signale des Pferdes hinweg, das entsetzt mich. Und ich bin entsetzt, wie sehr sich jemand ändern kann. Und hoffe, es wird wieder anders.

Was lernen andere Trainer daraus?

Die Reaktion von vielen war: „Oh je, dem ist ein Missgeschick passiert und alle stürzen sich darauf! Wir müssen zu ihm stehen.“ Wer alle vorhandenen Videos gesehen hat, und alle Sinne beisammen hat, kann das meiner Meinung nach nicht so sehen. Hier hat jemand grob gehandelt, sehr grob. Das hat jeder einzelne in der Hand, ob er so agiert oder nicht. Informiert Euch, bevor Ihr für jemanden Partei ergreift.

Lügen über das Eindecken von Pferden & die Dehnungshaltung

Futter für Streitgespräche unter Reitern! Dehnungshaltung ja oder nein, Eindecken ja oder nein, Pad ja oder nein: Warum es keine einfachen Antworten gibt. Das hier ist der zweite Teil meines Textes über vier Thesen:

 

  1. Sperrriemen gehören abgeschafft.
  2. Ein Sattel muss so passen, dass kein Pad nötig ist.
  3. Pferde brauchen keine Decke, die zerstören nur die Thermoregulation.
  4. Die Dehnungshaltung bringt Pferde auf die Vorhand und ist daher schädlich.

 

Ich behaupte: Mit diesen, schön plakativ gepostet, könnte ich ganz schön viele Fans, Likes und Teilungen erreichen. Auch mit entsprechenden Artikeln, die genau die aufgestellten Thesen untermauern. Nur wäre das Quatsch. Warum, liest Du hier und im ersten Teil des Textes drüben auf wehorse.

Wenn ich eins gelernt habe in den Jahren, in denen ich mich beruflich in der Pferdeszene umschaue und so als Journalistin mit vielen Ausbildern und Trainern, Reitern und Pferdemenschen Kontakt habe, dann ist es: Nicht zu früh urteilen. Genau hingucken. Abwägen. Genau das fehlt mir manchmal in der Breite. Manchmal kommt’s mir vor, als ob jemand irgendwo etwas aufgeschnappt hat, sagen wir mal: „Ein passender Sattel braucht kein Pad“. Und dann wird das jahrelang wiedergekäut und ohne abzuwägen als reine Wahrheit weitergegeben.

Sattelpads bei Springsätteln

Wie wäre es, stattdessen neugierig zu bleiben und nach dem Warum zu fragen? Nach Varianten zu gucken?

Beim Beispiel Pad wäre das: Welche Sparten der Reiterei nutzen vor allem Pads? Kann es kurzfristige oder langfristige gute Gründe geben, welche zu benutzen? Wie kann man verhindern, dass der Sattel mit Pad zu eng ist? Dann fallen die Antworten nämlich schon viel differenzierter aus. Die Pad-Allergie kommt eher aus der Dressur- und Alternativszene. Pads nutzen Springreiter und Westernreiter vermehrter (Aus folgenden Gründen: weniger verstellbare Bäume bei den einen, Vorliebe für nicht abänderbare Latexpolsterungen und einem Sattel für mehrere Pferde bei den anderen). Dass der Sattel so ausgerichtet werden muss, dass das Pad mit eingerechnet ist, macht so einen großen Unterschied.

Die Richterin und ihr Lästern über mein Pad

Es ist so einfach zu verurteilen und so viel schwerer, abzuwägen. Das betrifft übrigens nicht nur schlecht informierte Menschen. Mir ist das übrigens schon selbst passiert: Ich ritt mit einem Korrekturpad unterm Sattel, das als Lammfell-Kranz rund um den Sattel sichtbar war. Eine Richterin am Rande zeterte los, dass diese Lammfelle die Kammer verkleinern und dass das ja eine ganz blöde Mode sei, Felle unter den Sattel zu packen. Da ist es wieder, das schnelle Urteil.

Pads machen den Sattel enger

An sich hat sie ja recht: Ja, Pads machen den Sattel enger. Aber vielleicht gibt es ja dennoch Gründe, eins zu nutzen. Um muskulär schlechte Phasen zu überbrücken, zum Beispiel. Wie wäre es, die Möglichkeit mit einzuschließen, dass der Reiter vielleicht doch nicht so doof ist, wie angenommen, und diese Kombination tatsächlich vom Sattler hat anpassen lassen? Könnte ja auch sein.

Aber, und das sei auch gesagt: Ja, das Ideal ist, dass ein Sattel ohne Schnickschnack einfach passt. Nur ist es in der Realität oft leider nicht ganz so einfach.

Pferde eindecken ist ein Glaubenskrieg geworden

Nächstes Thema, hochaktuell: Pferde eindecken, ja oder nein. Da geistert das Wort Thermoregulation durchs Netz. Ein Thema, das unter den Pferdehaltern, die sich besonders viele Gedanken ums Pferd machen, auf Facebook zur Winterzeit rauf und runter geteilt wird. Nur wäre es ja ganz schön, wenn ein bisschen mehr unterschieden wird, welche Art von Pferd man denn zuhause stehen hat. Der ungeschorene Isländer braucht sicher keine Decke (außer, er ist nassgeschwitzt und soll draußen trocknen!), beim Pferd mit viel Blutanteil sieht die Fellstruktur und damit die Sache schon komplett anders aus. Ebenso bei alten Pferden, bei Pferden, die Kälte auf dem Rücken nicht abhaben können, zu dünnen Pferden, bei Pferden mit wenig Fell oder weicher Haarstruktur.

300 Gramm Decken braucht kaum jemand in Deutschland

Das alles wird aber nicht beachtet in den Posts, in denen auf das Eindecken der Pferde geschimpft wird. Ich will nicht wissen, wie viele Pferde nach Lektüre dieser eindimensionalen Pamphlete zitternd im Regen stehen! Oder aber, und das ist in die andere Richtung zu kurz gedacht, viel zu warm eingedeckt in ihrer Box warten. Letztes Jahr habe ich einen Hersteller einer App interviewt, der Temperaturen unter Decken gemessen hat. Nach dem Test stieg er bei seinen Privatpferden von 200 und 300 Gramm Decken auf 50 und 100 Gramm Decken um. Denn die Messungen zeigten klar, dass die warmen Decken zu viel zu hohen Temperaturen rund um das Pferd führten. Also: Es kommt darauf an.

Dehnungshaltung: Was ist dran an der Kritik?

Ein Thema, das ganz viele Reiter an der Basis verunsichert, ist die Kritik an der Dehnungshaltung. Sie geistert seit Monaten durchs Netz. Gift sei die, sagen zwei Schulen, die speziellen Reit-Philosophien anhängen. Das Pferd käme dadurch auf die Vorhand und so verschleiße es schneller. Das wird geschrieben und gleichzeitig werden Positiv-Filme, so sind sie wohl gemeint, mit Pferden gezeigt, die mit weggedrücktem Rücken und in absoluter Aufrichtung Lektion um Lektion zeigen. Merkmale, die garantiert nicht gesund fürs Pferd sind.

Die Kritik an der Dehnungshaltung ist weder ganz falsch noch ganz richtig. Sie kann stimmen, wenn: Ich ein Pferd nur vorwärts-abwärts reite. Dann könnte es je nach Gebäude früher oder später passieren, dass es nur auf der Vorhand rum gurkt. Wenn der Reiter außer Acht lässt, dass das Pferd dabei im Gleichgewicht sein sollte, das Hinterbein zum heranschließen nutzt und er darauf achtet, dass sich der Winkel zwischen Ganasche und Unterhalslinie öffnet. Wie eine Dehnungsbereitschaft gut ausgeführt ist, und welche Fehler auftreten können, das hat das übrigens Dr. Britta Schöffmann hier auf wehorse sehr gut erklärt.

 

Vorwärts-Abwärts braucht man, wenn

Komplett ohne Dehnungshaltung reiten zu wollen ist für die allermeisten Pferde keine gute Idee. Wenn ich die Dehnungshaltung, die Dehnungsbereitschaft komplett aus meinem Repertoire streiche, dann kann sich die Kraftübertragung von hinten nach vorn nicht korrekt entfalten. Dann habe ich keine Bewegung durchs Pferd, kein rhythmisches Muskelan- und abspannen, keinen leicht aufgewölbten Rücken und eben keine Kräftigung von den Partien, die es mir erlauben, ein Pferd zu reiten, ohne dass es Schaden nimmt.

Die Dosis macht das Gift. Und der Pferdetyp. Es kommt eben drauf an, was ein Pferd gerade braucht. Das eine Pferd bringt zuviel Dehnungshaltung vielleicht aus der Balance und auf die Vorhand. Das andere Pferd braucht häufigere Phasen in Dehnungshaltung, um die Idee zu entwickeln, über den Rücken an die Hand heranzutreten, mit gut arbeitendem Hinterbein. Es lernt, den Rücken leicht aufzuwölben, die Bauchmuskulatur zu nutzen, die untere Halsmuskulatur locker zu lassen und auch mit tiefer Nase den Brustkorb anzuheben. Was überhaupt nicht einfach ist, das korrekt zu reiten!

Es kommt darauf an

Eigentlich sollte ein guter Ausbilder erkennen und vermitteln, wann was angebracht ist. Das ist das verwirrende, für so viele Reiter: Dass manche hoch dekorierte Ausbilder schwarz und weiß sagen, und nicht „es kommt darauf an.“ Das ist die kompliziertere Antwort, die Erklärung und Mühe seitens des Ausbilders verlangt. Und den Schüler nicht dumm hält.

Danke an alle Ausbilder, die genau erklären

Ich danke den Reitlehrern, die sich immer wieder auseinandersetzen und tatsächlich lehren wollen: Reitern helfen wollen, zu verstehen, was das Pferd gerade braucht. Und sie in die Lage versetzen, das selbst zu tun. Das ist mühselig. Aber unabdingbar, wenn man wirklich pro Pferd arbeiten will.

Interview mit Julis Eventer: Vielseitigkeit, Training bei Chris Bartle & Muskelaufbau

Chris Bartle, britischer Vielseitigkeits-Nationaltrainer, und Bloggerin Juliane Barth auf ihrer Stute Nessi. Foto: Laura Gause

 

Ich wollte unbedingt mit Juliane von Julis Eventer sprechen, da sie letztens bei Chris Bartle einen Lehrgang mitgeritten ist. Dieser Trainer hat lange das deutsche Vielseitigkeit-Nationalteam betreut und ist nun wieder für die Briten zuständig. Mit ihnen holte er bei den Weltreiterspielen in Tryon Einzel- und Teamgold.

 

Bald in der Spezialausgabe der Reiter Revue: Große Homestory bei Chris Bartle

Ich selbst war im September bei Chris Bartle daheim in England und habe ihn dort für die Reiter Revue international einen Tag lang begleitet und mir seinen Unterricht und Beritt angesehen. Mein Eindruck: Ein grandioser Trainer und feiner Mensch! Mein Portrait über ihn ist ab dem 7. November im Ingrid-Klimke-Spezialheft der Reiter Revue zu lesen.

Neues Live-Interviewformat

Dies hier ist übrigens die erste Folge einer neuen Live-Interview-Serie. Denn das Gespräch mit Juliane habe ich live auf Instagram geführt, heute könnt ihr es Euch dort auch noch ansehen, bevor es sich automatisch löscht (hier, unter Storys).

Empfehlung: Julis Eventer

Juliane bloggt auf www.julis-eventer.de, wofür sie in diesem Jahr mit dem Medienpreis Silbernes Pferd ausgezeichnet wurde. Außerdem ist sie für den Vielseitigkeitssport in Tryon gewesen, um von den Weltreiterspielen dort zu berichten und Videos zu senden – denn beruflich ist sie Producerin, beschäftigt sich also mit Filmen.

Meine Live-Interviews werden von nun an Sonntags auf Instagram auf meinem Account alifewithhorses_de zu finden sein!

Ihr lest nun den zweiten Teil des Interviews mit Juliane – den ersten Teil dieses Interviews findet Ihr bei wehorse. Darin geht es um den Springsitz nach Chris Bartle und wie ungewöhnlich das ist, ihn auszuführen.

Juliane, was magst Du an der Vielseitigkeit?
Ich bin ein Geländereiter, aber das sagen wahrscheinlich alle Vielseitigkeitsreiter! Das Geländereiten ist am tollsten. Wenn man das lange macht, ich mache es nun seit mehr als 10 Jahren, dann gibt es immer ein paar Momente an die man sich besonders erinnert. Weil man etwas mit seinem Pferd gemeinsam geschafft hat. Im Springen ist man nach 50, 60 Sekunden im Ziel. Natürlich freut man sich dann auch, man hat auch Ziele, ob das jetzt das erste M Springen ist, das man geschafft hat, zum Beispiel. Im Gelände ist es noch mal anders. Man ist im Gelände länger unterwegs und fühlt die Verbundenheit viel stärker. Man tut etwas, aber dann hat man eine Sekunde gepennt, dann tut das Pferd irgendwas für einen, man merkt, wir wollen da rüber! Dann kommst Du ins Ziel und es ist der totale Gefühlsüberschuss.

>> Nicht ins Gelände, wenn Du nicht 100 % fit bist!

Spielt es dabei auch eine Rolle, dass die Gesundheit von Pferd und Reiter ja total voneinander abhängig ist? Das sind ja alles feste Hindernisse!
Das man heil ankommt, ja, das spielt eine Rolle. Ich als Amateur mache es so, dass ich nur los reite, wenn ich ein gutes Gefühl hab. Habe ich einen Schnupfen oder einen Scheisstag, dann ist das bei Dressur und Springen egal – da kannst da auch durchreiten. Dann fällt halt mal eine Stange oder Du bekommst eine 5,5. Aber im Gelände starte ich nicht, wenn ich ein blödes Gefühl habe. Dafür ist es zu anspruchsvoll und es kann zuviel sein. Aber wenn man es geschafft hat, ist es ein ganz tolles Gefühl.

Was hat dir in den ersten Jahren am meisten geholfen um Sicherheit zu bekommen?
Ich hatte das große Glück, dass meine Mutter mir geholfen hat. In meiner Kaderzeit von 14 bis 16 Jahren habe ich das Pferd Jimmy von meiner Mutter übernommen. Das ist der Dunkelfuchs, der jetzt bei uns in Rente auf der Weide steht. Der war in den ersten Jahren totaler Schisser, er mochte kein Wasser. Meine Mutter ist jedes Turnier rausgeflogen. Sie hat die komplette Vorarbeit gemacht. So dass ich  A und L reiten konnte. Ein Sterne war dann schon wieder anders. Es hat auch geholfen, dass ich nicht alleine war: In der Kaderzeit ist man im Team und meine Mutter war immer dabei, das gibt Sicherheit.

In Deinem Blog oder auf Instagram hört man immer mal wieder was von Deiner Mutter. Was ist sie denn so geritten früher und was macht sie heute mit Euren Pferden?
Sie ist bis Deutsche Meisterschaft geritten. Als ich so richtig im Sport war, wurde das ein bisschen weniger. Bis so vor zwei, drei Jahren ist sie noch normal im Gelände geritten. Aber jetzt hat sie beide Kreuzbänder kaputt, ein Mal rechts, einmal links. Ich habe ihr das Geländereiten mit der Stute untersagt (Juliane lacht, und sagt:), ich brauche sie doch noch!

Mit der Nessi, meinst Du?
Ja, das war mit ihr das zweite Mal, dass das Kreuzband kaputt war. Dieses unkontrollierte Rumgespringe von Nessi ist nicht so leicht zu sitzen!

Wieviele Pferde hast Du momentan im Training?
Drei, also zwei momentan, und mein großer Alani kommt Dienstag wieder. Dann fange ich mit dem wieder an.

>> Meine Mutter macht die Basis-Dressurarbeit

Welche Pferde reitest Du, und welche Deine Mutter?
Nessi reitet fast nur meine Mutter. Das Pferd ist unglaublich schwierig in der Dressur,  weil sie ganz lange mit Schlaufzügel geritten worden ist. Wir haben sie sechsjährig bekommen. Die wusste nicht, wie sie den Hals ausbalanciert. Nessi ans Gebiss zu bekommen, da sind wir  immer noch dran. Da braucht man Geduld. Ich hab‘ nicht die endlose Geduld für die Stute, die diese bräuchte. Meine Mutter macht die Basisarbeit. Sie nutzt auch Cavaletti und Kreuze mit ihr und wenn wir zum Training fahren, reite ich Nessi im Springtrainng und Geländetraining. Ja, und vor Turnieren reite ich dann auch noch mal Dressur (sie lacht). Teddy reite nur ich.

Das ist das Pony?
Der ist kein Pony mehr, der ist 1,57 Meter!

Oh sorry, aber aus meinem Mund ist Pony immer ein Lob, ich liebe Ponys!
Der sieht auch ein bisschen aus wie ein Pony. Momentn habe ich den Plan drei Mal die Woche Dressur zu reiten. Denn meine beste Freundin hat gesagt: Wenn du mal M-Dressur reiten willst, musst Du einfach mal reiten! und nicht immer suchen: Da war ein Fehler und hier war ein Fehler! Einfach mal reiten. Auch ein bisschen Springtraining, aber nicht zu viel, sonst hat er keine Lust mehr.  Bei dem machts nichts wenn der mal Pause hat. Alani kommt Dienstag wieder aus einer Verletzungspause auf der Weide. Er wird langsam aufgebaut,  ich habe vier Monate Zeit, bis der wieder gut aussehen sollte für die Saison.

Julianes Fuchs Ted oben im April nach einer Pause, dann im Mai, Juni und Oktober. Foto: Julis Eventer

 

Deine Bilder zum Muskelaufbau von Ted sind wirklich eindrucksvoll, erzähl‘ mal, wie Du das gemacht hast!
Teddy war sieben Monate auf der Weide, aber sah vorher gut bemuskelt aus. Das ist ja anders, als wenn Du einen 4-Jährigen hast, der noch nie Muskulatur aufgebaut hatte. Ted ist ein Pferd das recht klein ist, er muskelt recht schnell auf. Das ist kein Vergleich zu Alani beispielsweise. Bei Ted wäre es vielleicht auch schneller gegangen, aber ich war auch mal Luschi zwischendurch! Aber Muskulatur braucht auch Zeit zum Wachsen. Ständig zu trainieren macht es auch nicht schneller.

>> 30 Minuten Arbeitsphase reichen!

Stimmt, das funktioniert nämlich nicht, jeden Tag gleich viel zu tun. Du brauchst Leistungsspitzen und Regenerationsphasen. Aber was genau machst Du in einer Einheit? Wie lang ist eine Einheit bei Dir?
Im ersten Monat habe ich ihn 20,30 Minuten longiert alle zwei, drei Tage. Das natürlich in allen Gangarten. Das habe ich gesteigert innerhalb einer Einheit, nicht von der zeitlichen Länge her, sondern von der Intensität. Anfangs habe ich ihn nur vorwärtsabwärts geritten, dann aufgenommen. Wenn ich dabei gemerkt habe, der kann das noch nicht halten, dann habe ich ihn nach ein,zwei Minuten wieder rausgelassen. Gelände haben wir leider nicht so gutes hier. Anfangs habe ich auch den Aquatrainer eingesetzt. Aber das war ganz am Anfang, ich glaube nicht, dass das so viel ausgemacht hat. Ich denke, es ist der Mix aus allem: Training, an der Longe Stangenarbeit, Reiten, Fütterung. Über Stangen an der Longe zu treten hasst er allerdings, er ist so ein Glotz-Pferd und schnorchelt bei jeder Stange. Mitte April habe ich angefangen ihn zu reiten. Die letzten beiden Monate hat er den Schritt gemacht, dass ich ihn mehr packen kann. Seitdem reite ich mehr Tempo-Unterschiede. Momentan reite ich so 30-35 Minuten und davon 20 ein bisschen mehr.

>> Schulterherein, Übergänge, Außengalopp

Was sind für Dich versammelnde Übungen auf Eurem Niveau?
Volten, damit ich ihn überhaupt aufs Hinterbein bekomme. Außengalopp habe ich recht früh reingenommen, da er sich da setzen muss. Wir sind jetzt noch nicht bei Galopppirouetten oder so. Schritt-Galopp-Übergänge haben wir auch gemacht, Schulterherein haben wir jetzt seit zwei, drei Wochen im Galopp angefangen und zuvor schon etwas im Trab. Galopp-Traversale haben wir einfach mal ausprobiert, weil ich mal in Richtung Dressurreiter M reiten will. Meine Trainierin hat gesagt: Dann gucken wir mal, wie er das macht. Ted kann das alles, aber nur wenn er gut drauf ist. Wenn er nicht gut drauf ist, geht er nichtmal ins Viereck.

Warum standen Ted und Alani eigentlich?
Ted hatte eine Arschloch-Phase und Alani hatte sich verletzt.

Und, hat das auf die Weide stellen bei Ted etwas gebracht?
Bis jetzt schon. Der ist halt speziell.

Nutzt Du Horsemanship um Eure Bindung zu stärken, oder steht das auf der To-Do-Liste?
(Juliane lacht und sagt:) Das steht auf der To-Do-Liste! Ich bräuchte jemanden, der mir was zeigt. Bisher kenne ich nur eine Dominanzübung, laufen und den Pferden sagen, sie haben stehen zubleiben. Dafür bräuchte ich jemanden, der mir Basics zeigt. Ich bin nicht abgeneigt, aber wenn man so gar nichts kann, finde ich das schwierig!

Ich kenne da einige – im November fahre ich zum Beispiel extra nach Norddeutschland um mir die Trainerin Sarah Brummer anzusehen, von ihr kenne ich bisher nur Videos, die aber sehr fein aussehen. Ich will wissen, ob sie tatsächlich so gut arbeitet. Andere gute Adressen sind zum Beispiel: Lisa Röckener, Dina Hodde, Saskia Gunzer ist auch bei Euch in der Ecke und kann sowas auch (auch wenn sie als Schwerpunkt Arbeit an der Hand und am Langzügel macht) und natürlich solche Altmeister wie Peter KreinbergIan Benson, Alfonso Aguilar.

Mit wem trainierst Du denn dressurmäßig?
Da haben wir jetzt mal was Neues ausprobiert. Claudia Schröder gibt mir Freitags Unterricht. Ich bin viel bei Annika Martens geritten, wir müssen immer fahren, weil an unserem Hof kein Trainer arbeitet.

Wie sieht es denn mit dem Training bei Euch beiden gemeinsam aus, mit Deiner Mutter und Dir? Klappt das, sich von unten gegenseitig was zu sagen?
Puh! So cavaletti- und stangenmäßig sag‘ ich ihr schon mal was. Meine Mutter sagt mir schon mal dressurmäßig etwas. Wir wissen beide, wann wir nichts mehr sagen sollten!

>> Welches Futter ist gesponsert?

Was fütterst Du für den Muskelaufbau?
Ich füttere Myoplast von Equitop. Für Alani, der braucht muskelmäßig immer etwas in der Saison. Mit Ted habe ich im Mai angefangen, nachdem er nicht mehr so mager war. Dann kann er das erst verwerten, wenn da noch gar nichts drauf ist, macht das keinen Sinn.

Hier kam noch die Frage einer Leserin, ob Du nur gesponsorte Produkte verfütterst?
Bei uns im Stall wird ganz normal Hafer gefüttert. Ich habe dieses Jahr einen Futtertest mit Josera gemaht, aber die fand ich schon zuvor gut. Das war ein Test über sechs, sieben Monate von März bis September. Jetzt haben wir wieder auf Hafer umgestellt, das ist für mich und meinen Stallbesitzer kompliziert mit eigenem Futter. Es war einfach spannend zu sehen, was sich verändert in so einer Zeit. Ich kann nicht sagen es war total gut oder total shlecht, die Pferde haben sich über die Saison selbst auch sehr verändert. Das Myoplast kaufe ich ganz normal.

Nach wie vielen Dosen Myoplast merkst Du einen Effekt?
Bei Teddy merkt man es nach einer Dose. Man sagt von Myoplast , dass die Pferde bisschen geschmeidiger sind, wenn die das bekommen. Bei Teddy merkte ich das nach einer Dose, bei Alani dauerte es länger, bei dem dauert immer alles länger.

Vielen Dank für das interessante Interview!

Es war auch sehr lustig – wie lustig es war, müsstet Ihr Euch dann im Video ansehen, das kommt schriftlich kaum rüber! Es ist heute, am 29.10.2018, noch auf Instagram sichtbar, bevor es sich automatisch löscht. Kommenden Sonntag gibt es ein neues Live-Video auf meinem Kanal alifewithhorses_de auf Instagram! Das Schöne ist auch: Ihr könnt da selbst Fragen reinwerfen, weil es ja live ist. Also ein sehr schönes Format, um sich online zu unterhalten.

P.S.: Zuletzt haben wir uns noch kurz über Pulsuhren und Training mit der Pulsuhr unterhalten. Das ist definitiv einen extra-Blogpost wert, und daher werdet Ihr demnächst etwas darüber erfahren!