Trainingsreize & Pausentage: Die richtige Mischung finden

Fotos: Klara Freitag

Das hier ist der zweite Teil des Textes  – den Teil 1 zum Thema Muskelaufbau liest Du drüben bei wehorse. Dort steht, welche vier Regeln zum Muskelaufbau grundlegend wichtig sind, was ein Trainingsreiz überhaupt ist und welches die zwei häufigsten Fehler von Reitern sind. Nämlich: Zu viel und zu ähnlich üben oder aber das Gegenteil, nie ins wirkliche Training, das auch den Körper beansprucht, kommen.

Wieviel tut Dein Pferd? Meins könnte definitiv mehr tun!

Wichtig für die Freizeitreiter, die ihr Pferd tendenziell zu wenig körperlich fordern

Wichtig für diejenigen Menschen, die eher zu wenig als zu viel tun: Wenn wir nicht nur eine gute Beziehung zum Pferd, sondern auch ein Pferd mit guter Bemuskelung haben möchten, dann müssen wir uns um seinen Körper kümmern. Das meint auch: Es belasten. Denn genau das ist ein Trainingsreiz: Eine Belastung. Dadurch wird den Zellen in den Muskeln ein Anreiz geboten. Nur das gibt ihnen das Signal zum Wachsen. Ohne diesen sieht der Körper keine Veranlassung, sich zu verändern. Die Pause bis zum nächsten Trainingsreiz ist wichtig, damit der Muskel Zeit hat, sich zu verändern.

Frau und Hindernisstange

Proteine und Muskulatur

Futtertechnisch muss was für die Muskeln im Trog sein – sonst haben diese kleinen Kraftwerke keinen Brennstoff, sozusagen. Deshalb ist es wichtig, zu wissen, ob Dein Pferd genug Protein zu sich nimmt. Damit ist der gesamte Proteingehalt gemeint, der in Heu oder Heulage plus der in Krippenfutter. Ich sage bewusst Krippenfutter, um hier nicht in den Glaubenskrieg Getreidefütterung oder getreidefreie Fütterung zu geraten. Das ist ein anderes Feld. Also: Für viele Pferde reicht gutes Heu in passender Menge zum Pferd und seiner Leistung aus, andere brauchen eine weitere Proteinquelle hinzu (und Mineralfutter, ist eh klar, oder?). Die allermeisten Freizeitreiter überschätzen die Arbeitsleistung ihres Pferdes und füttern tendenziell zu viel als zu wenig. Auch nicht gut, denn geschieht dies über einen längeren Zeitraum, können Stoffwechselerkrankungen die Folge sein. Wer es ganz genau wissen will, kommt an einer Futteranalyse durch einen unabhängigen Futterexperten nicht herum.

Frau auf Palomino, daneben Isabelle Gerfer

Eine Lösung meinerseits zu mehr Trainingsreizen: Mit Isabelle springen! Das macht Spaß und ist für uns definitiv herausfordernd.

 

Überschwellige Trainingsreize

Neben dem zu wenig tun, das ich drüben bei wehorse genauer beschrieben habe (es hat sich über die Jahre verändert, bei allen Freizeitreitern und auch ich kann da leider nur sagen: erwischt! Wanderreitenundmehr hat das nämlich sehr klug in ihrem Beitrag auf Instagram vom 10.3.2019 analysiert!), ist die zu hohe Belastung ein anderes Thema. Leistungssteigerung und Muskelwachstum ist nur mit vernünftig eingesetzten Trainingsreizen möglich. Doch auch das mit Verstand. Bei wirklich überschwelligen Trainingsreizen wie Reiten unter Turnierbedingungen sollten 48 Stunden ruhige Arbeit folgen, auch, um das Sehnen- und Fasziensystem zu entlasten, empfiehlt Ausbilderin Claudia Butry. Das hat gesundheitliche Gründe: Kollagene, also zum Beispiel Sehnenfasern und Faszien brauchen 48 Stunden, damit die Aufbauprozesse wieder in einem idealeren Verhältnis zu den Abbauprozessen stehen.

 

Pausentage sinnvoll gestalten

Sinnvoll für solche Pausentage sind koordinative Übungen, joggen lassen, Arbeit an der Hand im Schritt oder einfach Spazierenreiten, empfiehlt Claudia Butry. Also ruhige Bewegung. Auch für Reha-Pferde, zum Beispiel welche, die nach einem Sehnenschaden wieder aufgebaut werden sollen, ist diese Regel besonders wichtig. „Ein Beispiel wäre: Im Aufbau nach einem ausgeheilten Sehnenschaden wird irgendwann der Trab wieder hinzukommen. Nach einer solchen Trabsequenz brauchen die Strukturen Zeit, um sich davon zu erholen. Dann würden idealerweise zwei Tage Schritt folgen, bevor der Trab wieder hinzukommt.“

Mit Dressurausbilderin Claudia Butry, hier in unserer Mitte, veranstalten Philippa (rechts) und ich 2019 viele Kurse – der erste ist ein Onlinekurs zum Thema Schiefe & Seitengänge Ende März! Ist das was für Dich? Dann melde Dich gern an.

 

Das Pferd überfordern

Vor jeder Entscheidung, was nun angebracht ist, mehr Leistung, weniger, gezieltere oder was auch immer, steht eine vernünftige Analyse vom Ist-Zustand. Was ja immer total einfach ist, wenn man sich andere ansieht, aber umso schwerer, wenn man das bei sich selbst erfassen soll. Hilfreich fand ich da diese tollen Zeilen zum Thema Trainingslehre, Einstellung zum Pferd und persönliche Geduld aus dem Buch „Feines Reiten auf motivierten Pferden“ aus dem fn Verlag von Uta Gräf und Friederike Heidenhof. Da steht: „Feines Reiten auf motiviereten Pferden ist unser Ziel. Und das können wir nur erreichen, wenn wir unsere Pferde weder über- noch unterfordern.“ Patentrezepte, was ein drei, vier- oder fünfjähriges Pferd können sollte, nenne sie deshalb nämlich bewusst nicht. Und sie werden noch deutlicher:

 

Was soll ein vierjähriges Pferd können?

„Wir möchten dafür sensibilisieren, dass der Reiter in seiner Einstellung zum Pferd überhaupt bereit ist, Rücksicht auf das Leistungsvermögen seines Pferdes zu nehmen. Es also nicht als eine Art Sportgerät zu betrachten, das die Leistung erbringen msus, welche den (ggf. hohen) Kaufpreis rechtfertigt. Banal ausgedrückt: Ein Pferd, das dreijährig 50.000 Euro gekostet hat, muss noch lange nicht in der Lage sein, in ein paar Jahren das piaffieren zu erlernen, nur weil sich sein Reiter dies wünscht. Ein Pferd ist auch kein Angestellter, der für seine Leistung „bezahlt“ wird (Futter).“

 

Übertrainiert oder noch nicht reif für die Lektion

Diese Einstellung, die hier Uta Gräf und Friederike Heidenhof so vorbildlich zeigen, hilft nicht nur dem Pferd. Sie ist auch zielorientiert, weil sie hilft, das, was da ist, wertfreier einzuschätzen, unemotionaler, und dadurch fairer zu entscheiden. Einjeder sollte sich fragen: Macht das Pferd freudig mit? Fallen ihm Dinge schwer und das wird nicht besser? Solche Signale sind wichtig, um das Training anzupassen – und zwar bevor das Pferd völlig demotiviert, übertrainiert und damit vermindert leistungsfähig oder frustriert ist oder aber krank wird. Manchmal geht es mit einem weiteren Ausbildungsschritt, einer neuen Lektion zum Beispiel, einfach nicht weiter. Das frustriert.

Wenn es einfach nicht klappen will

Auch hier reden die beiden Klartext: „Wenn Sie also spüren, dass sich Ihr Pferd über die Maßen anstrengen muss, gibt es nur einen einzigen Rat: Lassen Sie es sein oder warten sie eine Weile.“ Mit ‚lassen sie es sein‘ ist nicht gemeint, das Reiten an den Nagel zu hängen. Die beiden beziehen sich auf eben eine Lektion, die noch schwerfällt. Sie schlagen vor, sich zunächst auf andere Aspekte des Trainings konzentrieren und nicht das, was eh schon zu lange schwerfällt, weiter zu üben. Stattdessen Zwischenschritte einzubauen und die Lektionen, die nicht klappen wollten, nur vorbereiten und nicht zu reiten. Wochen, Monate später nochmal danach fragen, was nicht klappte. Danach kann die Welt schon ganz anders aussehen!

Ihr merkt: Ich mag das Buch und kann es nur empfehlen.

Haben Dir auch Claudias Tipps gefallen? Ich mag ihre Erklärungen sehr, weil sie stets fundiert und nachvollziehbar sind. Ende März gibt sie bei uns einen Kurs und hält ein Online-Webinar, zu dem Du Dich gern hier anmelden kannst. Es heißt „Schiefe & wie Seitengänge helfen„.

Wie sieht es bei Euch aus? Ist Euer Thema eher zu viel tun oder zu wenig?

 

 

Alle leiden mit, alle schimpfen mit: Wie ein Brand die Pferdewelt beschäftigt

Nichts war emotionaler dieser Tage, in der virtuellen Reiterwelt, als diese traurige Begebenheit. Der Brand im Stall Rothenberger führte zu einem kollektivem Entsetzen in der reiterlichen Internetwelt. Es gab so viele Beileidsbekundungen und gute Wünsche, überall in den Sozialen Medien waren diese zu lesen, egal ob auf Facebook oder auf Instagram.

Und genauso möchte ich diesen Text beginnen: Es ist eine Tragödie und ich möchte allen Betroffenen mein Mitgefühl aussprechen. Die Fakten sind nur eins – fünf gestorbene Pferde, einige verletzte Pferde, verletzte Menschen. Das andere ist der Albtraum, den die Familie jeden Tag sieht, wenn sie auf ihren versehrten Hof schaut. Und der, der sich in den Köpfen von denen abspielt, die im Feuer waren, die gerettet haben und gesehen haben, was nicht zu retten war. Das Ausmaß kann keiner, der nicht dabei war, erfassen. Nur erahnen.

Brand im Stall Rothenberger: Anteilnahme und Störenfriede

Im Internet gab es viel Anteilnahme. Zunächst. Nach ein, zwei Tagen ging es in vielen Beiträgen aber um etwas anderes: Ein kollektives Entsetzen über ein paar Menschen, die den Brand nutzten, um gegen Boxenhaltung zu stänkern. Was natürlich völlig fehlangbracht ist. Anstandslos. Es gab einige Beiträge, die sagten: „Wo bleibt Eure Kinderstube!“ Hat seine Berechtigung, das zu sagen und somit dagegen zu halten, stimmt ja auch. Doch durch die Reaktion auf diese Stänkerer verschob sich die Wahrnehmung. Es wurde das Gefühl hergestellt, dass ganz viele Leute keinen Anstand hätten, dass es ganz viele militante Tierrechtler gäbe, dass es ganz viele Leute gäbe, die Brandopfer angriffen. In absoluten Zahlen ist es kaum der Rede wert: Ich habe genau vier Personen oder facebookprofile gezählt, die gestänkert haben. Vielleicht habe ich welche übersehen, kann sein. Doch selbst, wenn es doppelt so viele sein sollten oder gar 20: Dagegen stehen tausende mitfühlende, aufrichtige Stimmen.

 

Vier gegen Tausende

Wie frech das ist, Menschen anzugreifen, die gerade so einen Albtraum durchleben, das führte dazu, dass viele dazu etwas sagen wollten. Doch genau dadurch wurde diesen Quertreibern ordentlich Gehör verschafft (und ich weiß, auch durch meine Worte hier ist das so. Dennoch denke ich, dass es wichtig ist, die Zahlen geradezurücken, und daher gehe ich das Risiko ein). Es ist doch so: Ein paar Idioten gibt es immer. Egal, ob es ums Internet oder das reale Leben geht. Vier Personen im Verhältnis zu mehreren Tausenden: Wenn das ein Gesellschaftsbarometer ist, dann sogar ein positives! Nur wie ist die allgemeine Wahrnehmung? Dass es ganz viele solcher Idioten gibt. Vielleicht war es falsch, den Stänkerern Aufmerksamkeit zu widmen. Mit ihnen zu diskutieren. Fair zu sein, den Dialog zu suchen. Position gegen sie zu beziehen. Denn nur dadurch ist das überhaupt ein Thema geworden. Zahlenmäßig ist der große Beifall, den die Familie erfahren hat, dem mit unfassbarem Abstand überlegen. Zum Glück!

So viel positive Energie von allen Seiten

Und das ist wichtig, dass wir das alle wahrnehmen: Es waren nur ein paar Idioten. Es macht die Tragödie nicht kleiner, die sich abgespielt hat. Aber all die Anteilnahme, all die Kommentare und guten Wünsche – es ist da ganz viel Positives unterwegs. Das sollten wir wahrnehmen, denn es stärkt alle.

Wen Cosmos Rettung nicht berührt, der hat kein Herz

Übrigens ist die Internetseite der Rothenbergers, die unter „News“ über ihre Situation nach dem Brand berichten, sehr empfehlenswert. Sie finden schonungslose und aufrichtige Worte. Sie reden über das Trauma, dass sie erlebt haben, über die Rettung ihrer Pferde. Wie zum Beispiel Cosmo Soenke in der Feuernacht vertraute, sich ohne Halfter aus dem brennenden Stall führen ließ. Wie sie die Pferde, die sie nicht mehr retten konnten, vermissen. Und wie diese jungen Menschen darüber nachdenken und sich Vorwürfe machen, dass sie nicht noch mehr Pferde retten konnten. Wer da nicht berührt ist, der hat kein Herz.

 

Hengste gucken – zwischen Netz und Realtität

Wird ne schwierige Kiste hier. Denn ich habe gerade von dieser Aktion, 6 Wochen lang ohne zu Meckern gehört. Mecker-Fasten also. Halte ich für sehr sinnvoll, besonders im Pferdebereich. Kein Lästern, ein Meckern, keine Schwarzmalerei.

Reitponyhengstschau in Münster

Schwer wird’s, weil: Ich war auf einer Hengstschau und habe viele tolle Pferde gesehen. Nur eben auch ganz schön viel Murks. Und wenn ich mich an mein neues Motto halte, darf ich darüber ja kaum was sagen. Also probiere ich es mal mit einem Mittelweg (denn streng genommen fängt das mit dem Meckerfasten ja auch erst Mittwoch an). Also: Ein Mal Entsetzen ohne irgendeinen Namen dazu zu nennen, und dann eine ordentliche Lobhudelei!

Takt und Durchschwung sehen

Man sagt ja: „Guck’ dir die Hengste in echt an“, bloß nicht nur Videos. Weiß jeder, ist kein Geheimtipp. Dennoch bin ich immer wieder davon geplättet, wie unterschiedlich Foto, Film und Realität sein können. Wie taktmäßig ein Pferd oder Pony geht, wie es seinen Körper nutzt, wie feingliedrig oder nicht es ist, all das sieht man mit den eigenen Augen so viel besser. Am Sonntag war ich auf der Kleinpferdehengstschau in Münster und habe so einige Internet-Favoriten meinerseits mal so ganz schnell wieder von der potentiellen Liste für unsere Reitponystute gestrichen.

Kreative Lösungen für bessere Bilder

Schon unfassbar, was man alles so nur über mediales Beobachten nicht sieht: Eine derart auffällige schlechte Hinterhandaktivität blieb bisher im Verborgenen (dank gut kuratierter Filmausschnitte und Bilder), ein schlechter Schritt wird weggeredet (einfach, indem man den mit Worten lobt und aus nichtssagenden Blickwinkeln filmt). Ein paar Reitponys waren dabei, wo ich dachte: „Schickes Pferd!“. Pferd wohlgemerkt. Von Pony war da nix mehr übrig. Aber es gibt auch ganz viel, das nicht bewusst weggelassen wird, was man einfach nur richtig wahrnehmen und sehen kann, wenn man es live sieht.

Das ganze Pferd wahrnehmen und erfassen geht eben nur in echt. Vor Ort.

Nach der Show hab’ ich mir nochmal geschworen: Ich sag’ nie wieder irgendwas über irgendeinen Hengst, den ich nicht in echt gesehen habe. Öffentlich, beruflich würde ich das sowieso nicht tun, aber auch nicht privat. Denn es können Welten zwischen den Eindrücken liegen.

Das beste Pony und zwei Gute

Übrigens gilt das auch im Positiven: Mein neuer Favorit war nämlich auf meiner ursprünglichen Liste gar nicht weit oben. Aber live war er einfach herausstechend unter allen Hengsten auf dieser Veranstaltung! So gut durch den Körper, so gleichmäßig gut in allen Gangarten und dazu so locker bewegte sich kaum ein anderer. Es war Cosmo Royale. Zuvor hatte ich immer weitergeblättert: Langweilige Fuchsfarbe (gemein, sorry, ich weiß, und ja, ein gutes Pferd hat keine Farbe…). Was aber auf einen Schlag völlig, völlig egal wird, wenn man den mal in Bewegung sieht. Der hat Schritt, Trab sowieso, der hat Galopp, der wird nicht breit, der geht schon ganz ordentlich durch die Ecken. Und sieht so aus, als ob man ihn an- und abschalten kann. Ist aber auch ganz gut beritten, das Pony. Also: Ich bin Fuchsfan für’s Erste.

Wer auf Instagram überzeugt

Witziges Detail übrigens: Ich habe Cosmo Royale meinen Instagram-Followern in der Story gezeigt. Ein guter Trab-Mitschnitt, allerdings kurz, ein paar Sekunden lang. Dann habe ich sie gegen einen Ponyhengst mit mehr Süß-Faktor abstimmen lassen, dem ich auch mehr Videozeit gegeben habe in der Story (2 Filme, ungefähr 3x soviel Zeit wie dem erstgenannten). Wer war im Team Cosmo Royale? Nur knappe 15 Prozent. Alle flogen auf das Pony mit mehr Süß-Faktor und mit mehr Videozeit. Ich bin mir sicher, dass das Ergebnis anders ausgefallen wäre, wenn sie beide Hengste ebenso live gesehen hätten.

Reitpony, von Kindern zu bedienen

Zwei andere, die mir besonders positiv aufgefallen sind, waren der zierliche Coer Noble, der sich nämlich von seiner kleinen Reiterin (und Besitzerin zugleich!) durch die Show pilotieren liess. Der war derjenige, der in meiner Story Cosmo Royale ausgestochen hat. Ein Pony mit sehr guten Grundgangarten und dazu noch sowas von brav. Nicht gerade selbstverständlich, dass ein Ponyhengst von einem Kind vorgestellt wird, wirklich toll! Außerdem mochte ich noch Diamond Touch –  kein Geheimtipp mehr, aber dennoch sympathisch. Mit Schritt, mit Galopp, Trab sowieso und mit ganz viel Ponycharme. Nur: Es muss ja auch passen. Mit Chamonix, die sich zwar auch sehr gut bewegen kann, aber ja auch ganz gern zulangt, könnte da ein etwas kugeliges Pony rauskommen, das allerdings fantastische Grundgangarten hat. Obwohl – das fände bestimmt auch seine Fans, eine richtige Knutschkugel habe ich da vor Augen. Also – alles noch nicht in trockenen Tüchern, mal sehen!

 

P.S.: Das waren natürlich nicht die einzigen guten Ponys da. Ich hab‘ eine Brille auf, und die heißt Chamonix. Meint: Ich gucke mir nur das genau an, was für meine Stute passen könnte.

Horsemanship mit Sarah Brummer: Über Zeichen der Entspannung

Fotos: Sarah Brummer & Hannah Aretz

 

Über eine Trainingseinheit mit Horsemanship-Ausbilderin Sarah Brummer, in der ich gelernt habe, zwischen konditionierter Entspannung und tatsächlicher Entspannung zu unterscheiden.

 

Sarah Brummer war bei mir.

Und es ist ganz komisch, darüber zu schreiben. Wir haben zwar konkrete Übungen gemacht, aber es passiert bei dieser Art von Horsemanship, wie Sarah sie lehrt, auch gleichzeitig so viel auf der fühlenden Ebene, das passt nicht so richtig in einen journalistisch-beschreibenden Stil.

Dabei ist genau diese Eigenschaft das Gute, was die Arbeit mit ihr ausmacht: Sie fühlt viel und sie weiß viel. Diese Kombination schätze ich sehr. Kommt das nämlich zusammen, dann wird das Pferd richtig gesehen und gelesen und der Mensch ebenso, und es ergibt sich ein so gutes Lern- und Beieinandersein-Klima.

Unsere erste Aufgabe war das so genannte Freundschaftsspiel. Seeehr unspektakulär, jeder kann das machen, und dennoch passiert dabei viel!

So geht’s: Ich sollte das Pferd, in diesem Fall Ailena, am ganzen Körper abtasten und befühlen und auf ihre Reaktion achten: Was mag sie, wo hält sie still, wo entspannt sie scheinbar und wo wirklich? Wo ist sie angespannt?

Kleinigkeiten am Pferd erspüren

Ailena hob zum Beispiel den Kopf, wenn ich die Hand hinter ihr linkes Ohr, in den Genickbereich, legte. Auf der rechten Seite hingegen blieb sie entspannt. Ich sollte bei so einer Reaktion (es war nicht deutlich ruckend oder so, man musste schon genau hinsehen, um den Unterschied zu bemerken), einfach eine Weile verharren und selbst Gelassenheit ausstrahlen, durchatmen  – bis die Stute selbst ausamtete, entspannte. Das funktionierte. Ich lobte sie und entfernte mich, drehte mich etwas von ihr weg. Die süße Ailena kam aber immer wieder hinterher getapst – was ich ja sehr charmant finde, schließlich hat es lang genug gedauert, bis sie mir endlich vertraute und aus einer Giraffe ein entspanntes Pferd wurde. (Später dann hat Sarah mir erklärt, dass ich ihr zu mehr Selbstbewusstsein auch ohne mich verhelfen könnte, indem ich ihr auch von etwas weiter weg ein gutes Gefühl vermittele, dass sie eben nicht immer so nah an mir sein muss dafür.)

Konditionierte Entspannungs-Signale

Sehr interessant: Ailena hatte schnell verstanden, dass ich auf diese Entspannung hinauswollte. Sarah sagte dann: „Achte darauf, dass sie wirklich entspannt ist und nicht einfach Signale der Entspannung liefert, weil sie bemerkt hat, dass Du diese lobst.“ Solche Fehlkonditionierungen können nämlich passieren – dann bekommt man ein Schnauben, ein Kauen oder so, obwohl der komplette Pferdekörper noch gar nicht entspannt ist. Fand ich sehr spannend!

Linda Tellington-Jones & Inges Beobachtung

Das erinnerte mich zudem sehr an eine Beobachtung, die mir Inge Vogel (die mit ihrem Mann damals pferdia, nun wehorse gegründet hat) von einem Dreh mit Linda Tellington-Jones erzählt hatte. Da ging es um eine Stute, die sich nicht gern an den Ohren anfassen ließ. Und um ein Pferd, das sich nicht gern beidseitig anbinden ließ. „Über wie viele kleine Signale der Pferde wir tagtäglich einfach hinweggehen!“, sagte mir Inge, selbst eine gestandene Pferdefrau, und obwohl das nur ein Gesprächsfetzen war, blieb er mir im Gedächtnis. Ich glaube, wir kennen alle kleine Signale, die wir ignorieren. Wir nennen sie vielleicht anders, nennen sie zickig, schlecht gelaunt, ideenreich oder so. Und gehen darüber hinweg, so lang sie nicht so stark sind, dass wir denken, wir müssen was dagegen tun (oder dafür!), weil wir ja noch einen anderen Plan haben für den Tag.

Nur – wie wäre es anders möglich? Manchmal reicht es schon, einfach das wahrzunehmen, dass das Pferd das unangenehm findet, aber dezent ohne Druckverstärkung dranzubleiben. Selbst Entspannung zu zeigen – so kommt das Pferd dahin, das zu spiegeln.

Druckverstärkung: Häufig sage ich da ‚Nein, Danke!‘

Ich bin weißgott kein super erfahrener Mensch im Horsemanship-Thema. Ich bin jemand, der eher nicht weiter macht, wenn irgendwas sagt, das es nicht richtig ist, sich nicht gut anfühlt. Deshalb sind auch so viele Horsemanship-Dinge, die immer mehr in die Druckverstärkung gehen, nicht mein Ding. Aber das hier, das hat mir sehr gut gefallen. Es verändert nämlich sehr viel in der Beziehung zum Pferd.

Humanship passt dazu

Seit so vier Jahren sehne ich mich immer nach dem Sommer, wenn ich Ian und Anke Benson zusehen kann bei den Kursen, die sie hier in der Region geben. Das sind nämlich die Horsemanship-Menschen, von denen ich außerdem begeistert lerne. Manchmal habe ich in ihren Kursen auch mitgemacht, oft habe ich zugesehen. Meine Handbremse war stets: Du solltest ganz gut mit Dir selbst im Gleichgewicht sein bei dieser Art zu arbeiten, denn die führt Dich zu Deinen eigenen Themen (und das ist ja nicht immer angenehm, nicht wahr?!). Das macht was mit einem. Aber ich glaube, den Zahn hab‘ ich mir selbst gezogen.

Kennt ihr das, wenn irgendwas Euch auf einmal anspringt? Ich glaube, 2019 wird mein Horsemanship-Jahr. Ich möchte mehr davon!  Mehr lernen von Ian, Anke und Sarah!

Drüben bei wehorse habe ich übrigens über den Dokumentarfilm „Stiller Kamerad“, in dem die Pferde anscheinend nach Ian Benson gearbeitet wurde, geschrieben! Ian und Anke findet ihr hier: www.humanship.co.nz, Sarah findet ihr hier: www.sarahbrummer.ch.

Welche Erfahrungen hast Du im Bereich Horsemanship gemacht? Erzähl mir gern davon, ob als PN, als Kommentar (das am liebsten!) oder auf Facebook. Ich lese sie alle!

Was Dein Pferd eifriger macht

Chamonix geht regelmäßig ins Gelände – auch an Regentagen! Es ist vielleicht nicht bequem, aber sehr einfach, so für Abwechslung zu sorgen. Auch das hilft bei der Motivation. All unsere Fotos in diesem Text sind an so einem typisch verregnetem Tag im Rheinland entstanden. Ohne Lederzeug am Kopf muss man hinterher auch nicht so viel einseifen und eincremen (das ist ihr gewonnener Equizaum übrigens. Ist mit dem Schlauch zu säubern, sehr praktisch und sie mag die Lösung hinter den Ohren sehr!).

 

Fotos: Klara Freitag

Trainingserfolg & eine gute Beziehung zwischen Pferd und Mensch sind machbar. Motivation für Dein Pferd auch! Mit diesen Tipps rückst Du diesem Ziel näher.

Ein motiviertes, fleißiges Pferd, das nur darauf wartet, mit Dir etwas zu unternehmen fühlt sich wunderbar an! Drüben bei wehorse habe ich Dir 5 Tipps für den Menschen aufgeschrieben, die zu mehr Trainingserfolg und Trainingszufriedenheit führen. Hier ist die Ergänzung zum Pferd. Ich bin gespannt, was Du davon schon umsetzt und was für Dich ein hilfreicher Gedanke ist. Erzähle mir gern davon in den Kommentaren!

1. Kurze Reprisen

Für diejenigen Reiter, die gern zuviel machen und so in Gefahr laufen, ihr Pferd zu frustrieren, hilft die Faustregel, 20 Minuten Aufwärmen, 10 Minuten Abwärmen und maximal 20 Minuten Arbeitsphase! Das ist eine Faustregel, die Alter, Trainingszustand und Gesundheit nicht beachtet – sie ist also mit Vorsicht zu genießen. Wenn Du besser nach Bauchgefühl arbeitest, oder je nach Trainingstag entscheidest, ist das natürlich auch gut und prima. Es gibt jedoch Reiter, die beißen sich fest und ertappen sich dabei, mehr als eine Stunde auf dem Pferd zu hocken obwohl es muskel- und konditionstechnisch nach 40 Minuten absolut genug hat. Wer also zum übertreiben neigt: Stell‘ Dir die Uhr am Handy, so dass Du erinnert wirst. Toll sind zur Trainingskontrolle auch Apps, die die Minuten in den jeweiligen Gangarten messen.

2. Gut reiten & loben

So simpel es klingt: Wer ein glückliches Pferd will, muss gut und fair reiten. Zum Thema Abwechslung im Pferdealltage sagt Dr Wilfried Bechtolsheimer, der Vater und Co-Trainer von Laura Tomlinson, der auch Dressurrichter ist und selbst bis in die höchste Klasse reitet: „Die ganze Abwechslung im Trainingsplan hilft nicht, wenn die Pferde nicht gut geritten werden. Das bedeutet ungerecht, zu grob und mit zu wenig Lob.“ Das hat er mir mal vor einigen Jahren, als ich den Hof der Bechtholsheimers in England besuchte, in einem Interview erzählt. Fand ich ein sehr, sehr gutes Zitat! Bei denen stehen übrigens die Rentner in Offenställen – Elitehengst Polarion zum Beispiel habe ich damals als Rentner in seinem Offenstall gesehen.  

Sobald man mit der richtigen Kleidung draußen ist, ist das Regenwetter wirklich egal! Zu rutschig war es uns bisher nicht.

3. Sofort bestätigen

Gestern war ich schon fertig mit den Pferden, aber hörte noch einer anderen Einstallerin zwangsläufig zu, als ich noch auf der Stallgasse hantierte. Sie ritt ihre junge Stute und rief ganz oft freudige Sachen. Sowas wie „Ja genau!“ oder „Fein“, den genauen Wortlaut weiss ich nicht mehr. Ich musste ziemlich in mich hinein grinsen, denn ich mache das genauso. Egal, wie bescheuert es klingt, ich lobe viel mit der Stimme und zeige meine Freude den Pferden. Sie mögen das! Ich bin kein fantastischer Ausbilder, aber meine Pferde wollen verstehen, was ich möchte, weil sie es toll finden, gefeiert zu werden.

4. Früh genug aufhören

Ein todsicheres Rezept, damit sich Dein Pferd eine gerade verstandene Lektion merkt, und darüber noch begeistert ist, lautet: Aufhören. Sofort. Zügel lang, Platz verlassen, Hals klopfen, bummeln gehen, andere gemeinsame Zeit verleben, ohne irgendwas zu wollen. Das ist sehr leicht durchgeführt – wenn der Reiter sich nicht verführen lässt, es doch noch mal zu versuchen, oder doch noch ein bisschen zuvor abzureiten. Dann ist der Lerneffekt viel, viel geringer. Warnsignal: Wenn der Reiter denkt: „Noch ein Mal, und dann ist’s gut!“ ist es meist das eine Mal zuviel. Probiere es aus und freu Dich auf den Ritt am Tag danach: Dein Pferd wird gefallen wollen!

Egal wie klatschnass wir geworden sind in diesem Winter – ich war immer trocken unter meinem neuen Reitregenmantel von Stierna! Wirklich empfehlenswert und schön noch dazu (das ist Werbung aus Überzeugung!).

5. Disziplin & Regelmäßigkeit

Jetzt wird es deutsch und genau: Sei regelmäßig beim Pferd. Muskelaufbau funktioniert nicht, wenn man alle Jubeljahre nur kontinuierlich dran bleibt. Beziehungsaufbau funktioniert auch nicht, wenn Du Dein Pferd nur dann und wann bespaßt. Gerade im Freizeitbereich ist das „zu wenig“ eher ein Thema, als die Überbelastung vom Pferd. Unsere Pferde sind Lauftiere – ihre Lunge muss beansprucht werden, um gesund zu bleiben (und das geht nicht im Schritt). Ihre Muskeln und Bänder wie Sehen müssen trainiert sein, damit sie uns gesund tragen können. Tu was – und nicht nur am Wochenende oder wenn Du Unterricht bekommst!