So geht positiver, motivierender Reitunterricht!

Fotos: Klara Freitag

Eigentlich ist es ja soooo simpel in der Theorie: Man nehme einen Reitlehrer, der eine Menge weiß und es vermag, sein Wissen weiterzugeben. Dann füge man einen tollen Kursort hinzu, wissbegierige und nette Menschen und schwupp-die-wupp ist die perfekte Lernathmosphäre da. Am Rand lauschen alle und freuen sich mit, wenn es klappt, was Reiter und Pferd da fabrizieren sollen. Keiner lästert, alle bemühen sich, das Beste zu geben. Und zwischendurch gibt’s Tee, Kaffee und was zu Essen und ganz viel Fachsimpelei. Einfach richtig gute Reitkurse eben.

Ziel des Kurses für dieses Paar war: An der Losgelassenheit und am Sitz arbeiten. Das Bild zeigt, dass das ganz gut klappte!

Reitschüler motivieren

In der Realität sieht es leider oft anders aus. Weil da vielleicht dann doch nicht so viel Lust auf Wissensvermittlung da ist, weil dann vielleicht doch nur Warmblutreiter tatsächlich gut unterrichtet werden, weil die Zuschauer am Rande es viel besser wissen als derjenige im Sattel und das auch raushängen lassen.

Konzentriertes Zuschauen, abwechselnd mit guten Unterhaltungen: Es war voll bei uns im März!

Den richtigen Reitlehrer finden

Zurück zu den Basics, immer wieder und das mit Freude – das war häufiger Thema im Kurs.

 

Philippa, mit der ich die Kurse organisiere, und ich können mit Stolz sagen: Bei uns ist das nicht so. Unser Kurs mit Claudia Butry war wirklich, wirklich sehr nach an diesem Ideal von der Wunschvorstellung da oben. Das liegt natürlich sehr am Trainer: Claudia weiss viel und kann das vermitteln. Und sie hat Lust auf jedes Niveau, so lange der Reiter wirklich lernen will und fair zum Pferd ist. Egal welche Pferderasse, egal, ob es um Basis geht oder um etwas Fortgeschrittenes.

Faires Reiten lernen

Blakkur und Philippa arbeiten sich auf einer kleinen gebogenen Linie durch sämtliche Seitengänge im Schritt. Von wo nach wo sind sie in diesem Bild unterwegs? Sieht nach Schulterherein aus.

 

Aber es sind auch und vor allem die Menschen, die zu uns kommen, die die Atmosphäre besonders machen. Irgendwie schaffen wir es mit Philippas Reitschule, Claudias Einzugsgebiet und meinem Blog jedes Mal wieder eine super spannende Mischung an Menschen, die das Beste für’s Pferd wollen, zusammenzustellen. Ist einfach so. Und das auf so unterschiedlichen Ebenen. Wir hatten in Claudias Märzkurs Warmblüter, die ganz gut auf Turnieren unterwegs sind, eine Friesin die im Kurs die ersten Tritte auf dem Weg zur Piaffe erlernte, einen Apaloosa-Araber-Mix in der Grundausbildung, Isländer, die das komplette Schritt-Seitengangprogramm können und mehrere Reitponys, die lernen, über den Rücken taktmäßig zu gehen (oder besser: Reiter, die lernen, ihre Ponys über den Rücken zu reiten).

Reitkurse, die Dich wirklich weiterbringen

Was mich immer wieder an Claudias Unterricht fasziniert, ist, dass sie so gut Prioritäten setzen kann. Sie überfrachtet keinen mit Input, sondern pickt sich eine Sache nach der anderen heraus. Es ist jedes Mal sehr hilfreich und auch umsetzbar für den Reiter. Alle, wirklich alle Reiter kamen beschwingt aus dem Kurs heraus. Voll neuen Mutes und neuer Trainingsideen.

Da sieht man das Kursziel Losgelassenheit für dieses Paar schon ganz schön gut!

Feedbacks zu unserem Claudia-Butry-Reitkurs

Bei jedem Paar waren Fortschritte innerhalb der Einheit und in den beiden Kurstagen zu sehen. Damit ihr nicht nur meine Meinung dazu lest, habe ich ein paar Zeilen aus den Feedback-Bögen der Teilnehmer herausgeschrieben (die einzigen Verbesserungen, die wir machen sollen laut den Feedbacks, sind den Eingang und den Einlass am Vortag zu verbessern. Wir brüten darüber, wie das angenehmer werden kann!).  Also, hier kommen ein paar Meinungen!

Die Reiterin des Fuchses, den ihr da oben seht schreibt:

„Meine Erwartungen waren, dass ich Hilfe und Tipps für meinen Sitz bekomme und für die Losgelassenheit meines Pferdes.“

Zum Glück hat sie genau das auch gefunden beim Kurs:

„Es war sehr toll, meine Erwartungen wurden voll erfüllt. Besonders gut fand ich, dass Claudia mich genau da abgeholt hat, wo Bolero und ich gerade stehen. Sie konnte uns sehr gut helfen. Außerdem hatten wir tolle Bedingungen… und man war von sehr netten Menschen umgeben.“

Ahhh, ich schmelze dahin, liebe St.! Freut mich sehr, dass es Dir so gut bei uns gefallen hat, es war das erste Mal. Übrigens ist sie nachgerückt, noch in der letzten Woche vor dem Kurs, und stand nicht an erster Stelle auf der Warteliste! Es geht immer noch was über die Wartelisten zeigt die Erfahrung.

Der nächste Reitkurs und die Warteliste

Auch wenn alle Kursplätze in diesem Jahr schon für die Reiter vergeben sind, macht es Sinn, sich auf die Wartelisten schreiben zu lassen. Das sag‘ ich ja ganz häufig, ebenso, dass zuschauen unterschätzt ist. Man sieht so gute vorher-nachher-Unterschiede und kann die ganz anders wahrnehmen, wenn man nicht mit dem eigenen Pferd und der eigenen Reiterei beschäftigt ist. Hier ein Feedback von einer Zuschauerin, die sich als Wiedereinsteigerin ihr erstes eigenes Pferd gekauft hat:

„Die Erwartungen wurden erfüllt. Viel Tipps, viele Infos, dabei immer Gelassenheit und entspannte Atmosphäre. Super viele Übungen zum Geraderichten und die richtigen Hilfen für die Seitengänge gelernt!“

 

Dressurausbilderin Claudia Butry. Sie arbeitet nach der Eckart-Meyners-Bewegungslehre für den Reitersitz und orientiert sich in der Dressur an der klassischen Reitkunst, ist zudem Trainerin A FN.

 

Hier noch ein Feedback von zwei Schwestern, die erstmals mit Pferd dabei waren. Eine von Ihnen hat unsere Kurse erst mal zuvor als Zuschauerin vor zwei Jahren kennengelernt:

„Erwartungen haben sich erfüllt, tolle Atmosphäre zum Unterrichten! Absolut fair zum Pferd, fordern ohne überfordern! Gute Anforderungen durch 2 x 30 Minuten , tolle Kursorganisation und tolle Ausbilderin. Problem wurde erkannt und mit viel Input für zuhause versorgt.“

Rassenvielfalt pur auf unserem Reitkurs: Apaloosa-Araber-Stute Shamani, es gaben aber auch eine Friesin, Isländer, Warmblüter, Reitponys im Kurs.

 

Also, das war ein toller Auftakt in unsere Kurssaison 2019! Wir danken Claudia für dieses wunderbare, inspirierende und lehrreiche Wochenende und allen Zuschauern und Reitern für ihr Kommen und die Bereicherung durch Eure Ideen, Fragen, Euer Wissen und Eure gegenseitige Zugewandtheit.

Ein Plädoyer für die kleinen Dinge beim Lernen mit dem Pferd

Pferde in Offenstall und Frau

 

Fotos: Klara Freitag

Ich faste momentan. Jedoch keine Lebensmittel, sondern ich bemühe mich, nicht zu meckern und nicht zu jammern. Für diesen Text jetzt brauche ich einige Zeilen Pause davon.

Denn ich kann eins nicht mehr sehen: Nämlich, dass in der Reiterwelt alle irgendwas Spektakuläres oder scheinbar Anspruchsvolles zeigen wollen. Und aus diesem Grund Bilder und Filmchen posten, auf denen irgendwas Freies ohne Ausrüstungsmaterial zu sehen ist. Oder irgendein Gereit, das tolle Lektionen zeigen soll.

Pferdeausbildung ad absurdum

Ob es dann wirklich da ist, was sie zeigen wollen und ob es wirklich gut ist – das scheint völlig egal. Hauptsache, man kann was zeigen, das als schwierig und wertig gilt. Das entspricht häufig nicht dem, was tatsächlich gerade die Aufgabe von diesem Paar wäre, wenn es wirklich um reale Pferdeausbildung gehen würde. Denn ansonsten wäre die Ausführung besser. Manchmal hat man den Eindruck, derjenige hat noch gar nicht verstanden, worum es in der Ausführung geht, aber macht und lobpreist das. Unperfektes wird in den Himmel gehoben. Es als ‚work in progress‘ zu bezeichnen fände ich völlig in Ordnung. Auch Zwischenschritte zu erklären und zeigen ist etwas ganz anderes, das meine ich nicht.

Pferd streicheln

Pferd und Mensch reel ausbilden

Diese Gipfelstürmer-Haltung von Sonntagsspaziergängern nervt mich, weil ich dieses Ziel grundfalsch finde. Es ist viel wichtiger, scheinbar kleinere Dinge gut zu machen, die aber Pferd und Mensch tatsächlich ein Stück weiter oder näher bringen. Es ist okay ein Sonntagsspaziergänger zu sein. Es ist auch okay, ein reiterlicher Gipfelstürmer zu sein. Aber etwas vorzugeben, was nicht da ist, oder noch nicht da ist, das macht einfach keinen Sinn. Es schürt nur eine seltsame Anspruchshaltung und Atmosphäre. Einer übrigens merkt es garantiert, wie wenig dahinter steckt, egal, wie viele applaudieren: Das Pferd.

Stolz auf Basisausbildung und Kleinigkeiten

Stattdessen würde ich mir mehr Inbrunst für Basisthemen wünschen. Mehr Stolz und Freude darüber, dass man sich mit solchen Kleinigkeiten beschäftigt und ihnen die Aufmerksamkeit gibt, die sie brauchen. Mehr positive Zugewandtheit für solche Themen von außen.

Pferd streicheln

Es geht um Details und das ziemlich lange

Jetzt am vergangenen Wochenende auf dem Reitkurs mit Claudia Butry ging es ganz häufig um die kleinen, unspektakulären Dinge. Meinerseits zum Beispiel um Details im Sitz (ich muss auf der rechten Hand  auf meine Längsachse achten, ich drehe mich da gern unbewusst leicht nach außen und das setzt Ailena sofort um und schnurrt mit der Hinterhand hinein,  ohne dass ich das will) oder Grundlegendes in der Basisarbeit (Chamonix’ ehrliches Herantreten ans Gebiss und durch den Körper sich bewegen von hinten nach vorn ist immer wieder und immer noch ein riesiges Thema für uns).

Feine Signale am Boden noch feiner geben

Oder auch letztens, als Horsemanshipausbilderin Sarah Brummer da war. Wir beschäftigten uns mit Sachen am Boden wie: „Kann ich das noch feiner fragen?“ Zum Beispiel beim Rückwärtsschicken die Finger noch wartender auf dem Fell nutzen. Ich legte sie zuvor tippend an die Brust und gab dem Pferd mit den Fingern eine Bewegungsidee nach hinten. Daraufhin treten die Stuten zurück, Ailena wie Chamonix. Ist ja auch schon eine feine Reaktion, die mir bisher reichte. Sarah zeigte mir, dass es mit noch weniger geht, allein durch das Berühren des Pferdes und ohne Druckverstärkung, einfach mit der Idee im Kopf warten!  Das Irre ist: Es funktioniert. Noch feiner fragen, noch mehr ohne die kleinste Druckverstärkung einfach warten, bis das Pferd die richtige Lösung anbietet. Das geht, wenn der Fokus stimmt und das Timing. Die Pferde haben das sichtlich gemocht. Wie schön! Das Pferd aus der Ferne zu schicken ist übrigens eine ganz andere Fragestellung und natürlich eine, die spektakulärer aussieht. Ich finde es aber auch sehr bereichernd, zu merken, dass ich sie mit einem feineren Fingerzeichen zurückschicken kann als bisher, auch wenn von außen kein Mensch sieht, ob mein Finger nur aufliegt oder drückt.

Ein Satz, den Sarah Brummer letztens aufgeschrieben hat, fällt mir da noch ein, den ich total wichtig finde:

 Für mich haben alle spektakulären Manöver, die man ach so häufig sieht, nicht die gleiche Wertigkeit, als wenn das Pferd mit ganzem Verständnis und Herz dabei ist.

Da gehe ich total mit. Wer ist mit im Team #Detailliebe? Und woran feilt ihr gerade?

 

P.S.: Auf wehorse habe ich über die zwei modernen Varianten von Zuckerbrot & Peitsche geschrieben. Es geht um Druckverstärkung und um das Clickern. Schaut mal rein!

Was Dein Pferd braucht, um sich in seinem Körper wohler zu fühlen

Fotos: Klara Freitag

Bald kommt Claudia Butry wieder und für mich fängt damit erst die Kurssaison und das neue Jahr so richtig an! (Ja, sag ich im März).

Sie bringt ein super Webinar mit, das sich um Seitengänge und die natürliche Schiefe des Pferdes dreht. Das habe ich zum Anlass genommen, mal ihre Bananen-Lehrtechnik vorzustellen. Drüben bei wehorse habe ich darüber geschrieben, wie man sich besonders einfach merken kann, wie sich das Pferd beim Renvers bewegt.

Hilfe, ein Seitengang!

Halt, jetzt nicht „Renvers – Hilfe!“ denken! Es ist einfach.

Schau: Du stellst Dir eine Banane vor. Die ist das Pferd. Beim Renvers ist das Pferd nach außen gebogen – die Banane legen wir deshalb gedacht auch mit der Biegung nach außen in eine imaginäre Reitbahn. Das Ende der Banane befindet sich auf dem ersten Hufschlag, die Spitze der Banane, die Vorhand, liegt auf dem zweiten Hufschlag.

Das ist es schon. Jetzt bewegt sich die Banane vorwärts.

Warum überhaupt Seitengänge reiten?

Aber warum soll man so etwas wie ein Renvers überhaupt reiten? Warum überhaupt Seitengänge nutzen? Dafür gibt es fantastische Gründe! Denn Du kannst mit gezieltem Einsatz von Seitengängen Deinem Pferd helfen, sich besser in seinem Körper zurecht zu finden.

Das Pferd gesund erhalten & gleichzeitig tausend tolle Nebeneffekte einheimsen

Per Fachsprache erklärt: Sie tragen zur Geraderichtung bei. Du kannst ihm helfen, gegen die natürliche Schiefe zu arbeiten und somit die Reiterlast besser tragen zu können. Es trägt zur Gesunderhaltung bei. Ganz nebenbei fühlen sich die Pferde in ihrem Körper dadurch wohler, werden geschmeidiger, nehmen den Körper anders war und belasten in gleichmäßiger auch ohne Reitergewicht.

Das Webinar mit Claudia Butry zum Thema

Das Renvers ist zum Beispiel für ein Pferd, das von Natur aus rechts hohl ist, auf der rechten Hand förderlich. Warum, wieso, weshalb, das erklärt Claudia Butry im Kurs und im Webinar am kommenden Freitag, den 29.03.2019.

Wie ist Dein Pferd schief? Welche Übungsabläufe helfen ihm daher?

Du lernst, wie Du überhaupt erkennst, wo die hohle Seite Deines Pferdes ist. Welche Anzeichen an der Longe und unter dem Sattel Dir Hinweise darauf geben. Und Du lernst Übungen kennen, die Deinem Pferd helfen. Und keine Sorge vor dem Renvers! Das ist eine Übung von vielen, es gibt auch etliche fürs Basis-Niveau.

Danach weißt Du, welche Übungsabläufe Du häufiger einbauen solltest, damit Dein Pferd seinem Körper entsprechend gymnastiziert wird. Anmelden dazu kannst Du Dich bis Donnerstag übrigens hier: Webinar-Anmeldung. Sehen wir uns? Ich würde mich freuen!

Trainingsreize & Pausentage: Die richtige Mischung finden

Fotos: Klara Freitag

Das hier ist der zweite Teil des Textes  – den Teil 1 zum Thema Muskelaufbau liest Du drüben bei wehorse. Dort steht, welche vier Regeln zum Muskelaufbau grundlegend wichtig sind, was ein Trainingsreiz überhaupt ist und welches die zwei häufigsten Fehler von Reitern sind. Nämlich: Zu viel und zu ähnlich üben oder aber das Gegenteil, nie ins wirkliche Training, das auch den Körper beansprucht, kommen.

Wieviel tut Dein Pferd? Meins könnte definitiv mehr tun!

Wichtig für die Freizeitreiter, die ihr Pferd tendenziell zu wenig körperlich fordern

Wichtig für diejenigen Menschen, die eher zu wenig als zu viel tun: Wenn wir nicht nur eine gute Beziehung zum Pferd, sondern auch ein Pferd mit guter Bemuskelung haben möchten, dann müssen wir uns um seinen Körper kümmern. Das meint auch: Es belasten. Denn genau das ist ein Trainingsreiz: Eine Belastung. Dadurch wird den Zellen in den Muskeln ein Anreiz geboten. Nur das gibt ihnen das Signal zum Wachsen. Ohne diesen sieht der Körper keine Veranlassung, sich zu verändern. Die Pause bis zum nächsten Trainingsreiz ist wichtig, damit der Muskel Zeit hat, sich zu verändern.

Frau und Hindernisstange

Proteine und Muskulatur

Futtertechnisch muss was für die Muskeln im Trog sein – sonst haben diese kleinen Kraftwerke keinen Brennstoff, sozusagen. Deshalb ist es wichtig, zu wissen, ob Dein Pferd genug Protein zu sich nimmt. Damit ist der gesamte Proteingehalt gemeint, der in Heu oder Heulage plus der in Krippenfutter. Ich sage bewusst Krippenfutter, um hier nicht in den Glaubenskrieg Getreidefütterung oder getreidefreie Fütterung zu geraten. Das ist ein anderes Feld. Also: Für viele Pferde reicht gutes Heu in passender Menge zum Pferd und seiner Leistung aus, andere brauchen eine weitere Proteinquelle hinzu (und Mineralfutter, ist eh klar, oder?). Die allermeisten Freizeitreiter überschätzen die Arbeitsleistung ihres Pferdes und füttern tendenziell zu viel als zu wenig. Auch nicht gut, denn geschieht dies über einen längeren Zeitraum, können Stoffwechselerkrankungen die Folge sein. Wer es ganz genau wissen will, kommt an einer Futteranalyse durch einen unabhängigen Futterexperten nicht herum.

Frau auf Palomino, daneben Isabelle Gerfer

Eine Lösung meinerseits zu mehr Trainingsreizen: Mit Isabelle springen! Das macht Spaß und ist für uns definitiv herausfordernd.

 

Überschwellige Trainingsreize

Neben dem zu wenig tun, das ich drüben bei wehorse genauer beschrieben habe (es hat sich über die Jahre verändert, bei allen Freizeitreitern und auch ich kann da leider nur sagen: erwischt! Wanderreitenundmehr hat das nämlich sehr klug in ihrem Beitrag auf Instagram vom 10.3.2019 analysiert!), ist die zu hohe Belastung ein anderes Thema. Leistungssteigerung und Muskelwachstum ist nur mit vernünftig eingesetzten Trainingsreizen möglich. Doch auch das mit Verstand. Bei wirklich überschwelligen Trainingsreizen wie Reiten unter Turnierbedingungen sollten 48 Stunden ruhige Arbeit folgen, auch, um das Sehnen- und Fasziensystem zu entlasten, empfiehlt Ausbilderin Claudia Butry. Das hat gesundheitliche Gründe: Kollagene, also zum Beispiel Sehnenfasern und Faszien brauchen 48 Stunden, damit die Aufbauprozesse wieder in einem idealeren Verhältnis zu den Abbauprozessen stehen.

 

Pausentage sinnvoll gestalten

Sinnvoll für solche Pausentage sind koordinative Übungen, joggen lassen, Arbeit an der Hand im Schritt oder einfach Spazierenreiten, empfiehlt Claudia Butry. Also ruhige Bewegung. Auch für Reha-Pferde, zum Beispiel welche, die nach einem Sehnenschaden wieder aufgebaut werden sollen, ist diese Regel besonders wichtig. „Ein Beispiel wäre: Im Aufbau nach einem ausgeheilten Sehnenschaden wird irgendwann der Trab wieder hinzukommen. Nach einer solchen Trabsequenz brauchen die Strukturen Zeit, um sich davon zu erholen. Dann würden idealerweise zwei Tage Schritt folgen, bevor der Trab wieder hinzukommt.“

Mit Dressurausbilderin Claudia Butry, hier in unserer Mitte, veranstalten Philippa (rechts) und ich 2019 viele Kurse – der erste ist ein Onlinekurs zum Thema Schiefe & Seitengänge Ende März! Ist das was für Dich? Dann melde Dich gern an.

 

Das Pferd überfordern

Vor jeder Entscheidung, was nun angebracht ist, mehr Leistung, weniger, gezieltere oder was auch immer, steht eine vernünftige Analyse vom Ist-Zustand. Was ja immer total einfach ist, wenn man sich andere ansieht, aber umso schwerer, wenn man das bei sich selbst erfassen soll. Hilfreich fand ich da diese tollen Zeilen zum Thema Trainingslehre, Einstellung zum Pferd und persönliche Geduld aus dem Buch „Feines Reiten auf motivierten Pferden“ aus dem fn Verlag von Uta Gräf und Friederike Heidenhof. Da steht: „Feines Reiten auf motiviereten Pferden ist unser Ziel. Und das können wir nur erreichen, wenn wir unsere Pferde weder über- noch unterfordern.“ Patentrezepte, was ein drei, vier- oder fünfjähriges Pferd können sollte, nenne sie deshalb nämlich bewusst nicht. Und sie werden noch deutlicher:

 

Was soll ein vierjähriges Pferd können?

„Wir möchten dafür sensibilisieren, dass der Reiter in seiner Einstellung zum Pferd überhaupt bereit ist, Rücksicht auf das Leistungsvermögen seines Pferdes zu nehmen. Es also nicht als eine Art Sportgerät zu betrachten, das die Leistung erbringen msus, welche den (ggf. hohen) Kaufpreis rechtfertigt. Banal ausgedrückt: Ein Pferd, das dreijährig 50.000 Euro gekostet hat, muss noch lange nicht in der Lage sein, in ein paar Jahren das piaffieren zu erlernen, nur weil sich sein Reiter dies wünscht. Ein Pferd ist auch kein Angestellter, der für seine Leistung „bezahlt“ wird (Futter).“

 

Übertrainiert oder noch nicht reif für die Lektion

Diese Einstellung, die hier Uta Gräf und Friederike Heidenhof so vorbildlich zeigen, hilft nicht nur dem Pferd. Sie ist auch zielorientiert, weil sie hilft, das, was da ist, wertfreier einzuschätzen, unemotionaler, und dadurch fairer zu entscheiden. Einjeder sollte sich fragen: Macht das Pferd freudig mit? Fallen ihm Dinge schwer und das wird nicht besser? Solche Signale sind wichtig, um das Training anzupassen – und zwar bevor das Pferd völlig demotiviert, übertrainiert und damit vermindert leistungsfähig oder frustriert ist oder aber krank wird. Manchmal geht es mit einem weiteren Ausbildungsschritt, einer neuen Lektion zum Beispiel, einfach nicht weiter. Das frustriert.

Wenn es einfach nicht klappen will

Auch hier reden die beiden Klartext: „Wenn Sie also spüren, dass sich Ihr Pferd über die Maßen anstrengen muss, gibt es nur einen einzigen Rat: Lassen Sie es sein oder warten sie eine Weile.“ Mit ‚lassen sie es sein‘ ist nicht gemeint, das Reiten an den Nagel zu hängen. Die beiden beziehen sich auf eben eine Lektion, die noch schwerfällt. Sie schlagen vor, sich zunächst auf andere Aspekte des Trainings konzentrieren und nicht das, was eh schon zu lange schwerfällt, weiter zu üben. Stattdessen Zwischenschritte einzubauen und die Lektionen, die nicht klappen wollten, nur vorbereiten und nicht zu reiten. Wochen, Monate später nochmal danach fragen, was nicht klappte. Danach kann die Welt schon ganz anders aussehen!

Ihr merkt: Ich mag das Buch und kann es nur empfehlen.

Haben Dir auch Claudias Tipps gefallen? Ich mag ihre Erklärungen sehr, weil sie stets fundiert und nachvollziehbar sind. Ende März gibt sie bei uns einen Kurs und hält ein Online-Webinar, zu dem Du Dich gern hier anmelden kannst. Es heißt „Schiefe & wie Seitengänge helfen„.

Wie sieht es bei Euch aus? Ist Euer Thema eher zu viel tun oder zu wenig?

 

 

Alle leiden mit, alle schimpfen mit: Wie ein Brand die Pferdewelt beschäftigt

Nichts war emotionaler dieser Tage, in der virtuellen Reiterwelt, als diese traurige Begebenheit. Der Brand im Stall Rothenberger führte zu einem kollektivem Entsetzen in der reiterlichen Internetwelt. Es gab so viele Beileidsbekundungen und gute Wünsche, überall in den Sozialen Medien waren diese zu lesen, egal ob auf Facebook oder auf Instagram.

Und genauso möchte ich diesen Text beginnen: Es ist eine Tragödie und ich möchte allen Betroffenen mein Mitgefühl aussprechen. Die Fakten sind nur eins – fünf gestorbene Pferde, einige verletzte Pferde, verletzte Menschen. Das andere ist der Albtraum, den die Familie jeden Tag sieht, wenn sie auf ihren versehrten Hof schaut. Und der, der sich in den Köpfen von denen abspielt, die im Feuer waren, die gerettet haben und gesehen haben, was nicht zu retten war. Das Ausmaß kann keiner, der nicht dabei war, erfassen. Nur erahnen.

Brand im Stall Rothenberger: Anteilnahme und Störenfriede

Im Internet gab es viel Anteilnahme. Zunächst. Nach ein, zwei Tagen ging es in vielen Beiträgen aber um etwas anderes: Ein kollektives Entsetzen über ein paar Menschen, die den Brand nutzten, um gegen Boxenhaltung zu stänkern. Was natürlich völlig fehlangbracht ist. Anstandslos. Es gab einige Beiträge, die sagten: „Wo bleibt Eure Kinderstube!“ Hat seine Berechtigung, das zu sagen und somit dagegen zu halten, stimmt ja auch. Doch durch die Reaktion auf diese Stänkerer verschob sich die Wahrnehmung. Es wurde das Gefühl hergestellt, dass ganz viele Leute keinen Anstand hätten, dass es ganz viele militante Tierrechtler gäbe, dass es ganz viele Leute gäbe, die Brandopfer angriffen. In absoluten Zahlen ist es kaum der Rede wert: Ich habe genau vier Personen oder facebookprofile gezählt, die gestänkert haben. Vielleicht habe ich welche übersehen, kann sein. Doch selbst, wenn es doppelt so viele sein sollten oder gar 20: Dagegen stehen tausende mitfühlende, aufrichtige Stimmen.

 

Vier gegen Tausende

Wie frech das ist, Menschen anzugreifen, die gerade so einen Albtraum durchleben, das führte dazu, dass viele dazu etwas sagen wollten. Doch genau dadurch wurde diesen Quertreibern ordentlich Gehör verschafft (und ich weiß, auch durch meine Worte hier ist das so. Dennoch denke ich, dass es wichtig ist, die Zahlen geradezurücken, und daher gehe ich das Risiko ein). Es ist doch so: Ein paar Idioten gibt es immer. Egal, ob es ums Internet oder das reale Leben geht. Vier Personen im Verhältnis zu mehreren Tausenden: Wenn das ein Gesellschaftsbarometer ist, dann sogar ein positives! Nur wie ist die allgemeine Wahrnehmung? Dass es ganz viele solcher Idioten gibt. Vielleicht war es falsch, den Stänkerern Aufmerksamkeit zu widmen. Mit ihnen zu diskutieren. Fair zu sein, den Dialog zu suchen. Position gegen sie zu beziehen. Denn nur dadurch ist das überhaupt ein Thema geworden. Zahlenmäßig ist der große Beifall, den die Familie erfahren hat, dem mit unfassbarem Abstand überlegen. Zum Glück!

So viel positive Energie von allen Seiten

Und das ist wichtig, dass wir das alle wahrnehmen: Es waren nur ein paar Idioten. Es macht die Tragödie nicht kleiner, die sich abgespielt hat. Aber all die Anteilnahme, all die Kommentare und guten Wünsche – es ist da ganz viel Positives unterwegs. Das sollten wir wahrnehmen, denn es stärkt alle.

Wen Cosmos Rettung nicht berührt, der hat kein Herz

Übrigens ist die Internetseite der Rothenbergers, die unter „News“ über ihre Situation nach dem Brand berichten, sehr empfehlenswert. Sie finden schonungslose und aufrichtige Worte. Sie reden über das Trauma, dass sie erlebt haben, über die Rettung ihrer Pferde. Wie zum Beispiel Cosmo Soenke in der Feuernacht vertraute, sich ohne Halfter aus dem brennenden Stall führen ließ. Wie sie die Pferde, die sie nicht mehr retten konnten, vermissen. Und wie diese jungen Menschen darüber nachdenken und sich Vorwürfe machen, dass sie nicht noch mehr Pferde retten konnten. Wer da nicht berührt ist, der hat kein Herz.