Was wir von den Briten lernen können

 

Ihr dürft raten – wo könnte das sein? Wo trainiert man stundenlang im Regen? Ich darf noch nicht viel über dieses Projekt für die Reiter Revue international verraten, außer, dass es großartig war und wird!

 

Von einer Woche Recherchetour in England habe ich so einige Erkenntnisse mitgebracht. Wo ich genau war, darf ich noch nicht verraten. Es wird eine große Reportage für ein besonderes Heft der Reiter Revue international – bei wem ich ganz genau war, erzähle ich Euch, sobald ich darf.  Schnappschüsse und fünf Dinge, die ich da gelernt habe, kann ich schon jetzt mit Euch teilen.  Und diese Sachen kann man gerade jetzt, bei diesem Herbstwetter gerade, echt gut gebrauchen!

  1. Es gibt kein schlechtes Wetter. Ja, kennst Du den Spruch. Aber ich sage Dir: Du kennst ihn nicht. Britisch diesen Spruch verstehen, bedeutet: Drei Stunden im Regen reiten. Geplant. Durch die Pfützen stiefeln, sich vom Regen nicht von irgendwas abhalten lassen. Springtraining? Klar, wenn der Boden griffig genug ist. Dressur? Na klar. Springen auf der Weide? Mit Stollen aber natürlich! Hängerfahren: Logisch. Und bitte nicht zu früh aus dem Sattel steigen: Der wird dann ja nass.
  2. Zweckmäßigkeit ist das Wichtigste. Ich sah da weit weniger Glitzer und neue Kollektionen an den Pferden als bei uns! Wohl aber durchdachte Sachen – ordentliche Gamaschen, wenn gesprungen wird, ein Nathe-Stangen-Gebiss, weil das Pferd auf alles gebrochene aus Metall im Maul nicht gut reagierte. Da tragen selbst **-Reiterinnen, die auch modeln könnten, wenn man sie rein äußerlich betrachtet, ausgeblichene Kappen und einfache Jacken. Das Lederzeug der Pferde sieht aber tipptopp aus.
  3. Matsch ist überbewertet. Holzzäune und Hecken – darin wird investiert. Dass es Matsch gibt an Koppeleingängen – das ist normal. Man braucht eben die richtigen Stiefel, fertig. Es wird nicht alles befestigt, mit Paddockplatten, Unterbauten, Fleecen, wie bei uns.

    Die Belohnung danach – mit dem Parson Jack Russel Terrier im Wohnzimmer. Das war einer der Hunde meiner Gastgeber in England – ziemlich unwiderstehlich!

  4. Einfach reiten. Die Pferde leben zwar überwiegend eher in Boxen oder eben nur auf der Weide, von Paddockboxen, Offenställen und Aktivstallhaltungen im großen Stil ist noch nicht so viel zu sehen. Das mag rückständig sein. Nicht rückständig ist das einfach machen: Die Pferde werden bewegt. Da stehen sich weniger Pferde die Beine in den Bauch als bei uns, wo manche Freizeitpferde bis zur völligen Verfettung nur im Schritt und in Bodenarbeitsspielen bespaßt werden.
  5. Erst mal eine Tasse Tee. Klingt auch nach Klischee, ist es auch. Die Gemütsverfassung dahinter trifft aber auf vieles im Land zu: Der Brite an sich ist abwägend, bewahrt sein Temperament und ist wenig aufbrausend. Ein optimaler Zustand, wenn man mit Pferden agiert. Nicht aufgeregt, nicht langatmig, einfach gleichmäßig smooth!

Noch mehr darüber habe ich Euch drüben im Blog von wehorse aufgeschrieben – auch, wie ich selbst gestern erst das hier oben umgesetzt habe. Also – lassen wir uns von diesem nassen Herbstwetter nicht aufhalten!

Wie Du Deinen Reitersitz schnell immens verbesserst

Jedes Pferd und jede Übung verbessert sich, wenn der Reiter so ideal wie möglich sitzt. Unsere Geheimwaffe dafür heißt Elaine Butler. Foto: Klara Freitag

 

Den Reitersitz verbessern: Ob es ums Aussitzen lernen geht oder um doofe Sitzfehler, die Du an Dir kennst aber nicht abstellen kannst: Es gibt eine Sitzschulung, die Dir da gezielt und wirklich effektiv hilft. Es gibt nur einen Haken daran: Sie ist kein Zuckerschlecken!

Ich meine das Sitzschulungskonzept nach Mary Wanless, genannt ‚Ride with your mind‘. Zwei Mal im Jahr machen wir einen Kurs nach diesem Prinzip, und er ist der Hammer: Effizient hoch zehn. Dafür kommt die Engländerin Elaine Butler zu uns, die allerdings fließend Deutsch spricht. Es ist der Kurs, den ich jedem, egal auf welchem Niveau reitend, absolut empfehlen kann. Allerdings gibt es Input bis um Mitternacht (und das ist nicht ganz sprichwörtlich gemeint!). Aber es hilft. So, so sehr!

Effektiv den Sitz verbessern

Letztens traf ich eine alte Reitfreundin, die von diesen Kursen gehört hatte. „Ich kann mir das gar nicht vorstellen, was ihr da macht!“, sagte sie. Sie ist unheimlich engagiert mit ihrem Pferd, ist selbst Trainerin und bildet sich gern weiter. Tatsächlich gibt es keine Sitzschulungsmethode, die ich ähnlich dazu finde. Also versuchte ich es zu erklären: „Sie erklärt Dir Deinen Körper – Du lernst, unbewusst genutzte Muskulatur gezielt anzusprechen und dadurch verbessert sich Dein Sitz. Das ist so effektiv, dass Du auch direkt eine Veränderung im Pferd siehst!“

Theorie und Turnen für den Reitersitz

Tatsächlich ist Elaine Butler eine echt harte Nuss. Keine andere Trainerin, die zu uns kommt, müssen wir so im Tatendrang bremsen. Sie steht von morgens bis spätabends in der Halle, die Videokamera baumelt um den Hals, und sie filmt gezielt WÄHREND sie unterrichtet, stets nur die Schlüsselsequenzen. „Elaine, wenn wir jetzt nicht aufhören, bekommen wir alle kein Abendessen mehr“, heißt es irgendwann, wenn es längst dunkel draußen ist. Das ist kein Witz, sondern Standard. Ich glaube, Elaine würde bis 24 Uhr mit uns turnen, uns mehr Theorie eintrichtern, uns Bänder um den Körper schnallen, wenn wir sie nicht stoppen würden. Keine Sorge wegen der Pferde – die gehen nicht so lange. Aber der Theorie- und Turnteil ist jedes Mal super intensiv, zudem wird jeder Reiter einzeln in der Videoanalyse besprochen. Danach geht’s mit dem neuen Wissen noch mal aufs Pferd.

Sitzschulung mit Videoanalyse

Dass sie unterrichtet und gleichzeitig filmt ist schon für sich ein kleines Wunder. Schneiden ist nicht nötig – sie wählt schon beim Aufnehmen genau das aus, was Du später auch sehen musst. Das, was nicht gut ist zuerst, dann ihre Korrektur und die verbesserte Form. Tatsächlich funktioniert es jedes Mal. Ich habe noch keinen einzigen Reiter in ihren Kursen gesehen, der sich nicht verbessert hat.

Elaine Butler im Unterricht. Sie kommt am 6. und 7. November 2018 wieder zu uns – Teilnahme ist noch möglich! Infos unter „Kurse“. Foto: Kinga

Input ohne Ende

Allerdings muss man Nehmerqualitäten haben – es gibt Input, Input, Input. Nie unhöflich, das meine ich nicht mit Nehmerqualitäten. Aber man muss es abhaben können, ständig zu hören, was alles noch zu verbessern ist. Und sei Dir sicher: Das hört nicht auf. Ist die eine Baustelle behoben, geht’s mit der nächsten weiter. Uff. Diese Sitzschulung ist jedes Mal eine Herausforderung. Ich mache dennoch jedes Mal wieder mit – weil es mich einfach so sehr weiterbringt. Es ist die effektivste Sitzschulungsmethode, die ich kenne. Wenn Du selbst mal mitreiten willst bei Elaine, schau auf unsere Kursseite – am 6. und 7. November 2018 kommt sie wieder! Noch ist ein Reitplatz zu haben. Nicht verschweigen möchte ich, dass Elaine Butler eine wunderbare Kollegin hat, die jeden Monat bei uns vorbeischaut um auf unseren Sitz zu gucken: Hannah Engler. Sie ist ebenso von Mary Wanless in England ausgebildet worden. Hannah ist unheimlich engagiert, hat ein super Auge, arbeitet mit sehr guten inneren Bildern und hat stets ganz viel Motivation im Gepäck. Was würden wir ohne Dich machen, Hannah! Ihre Homepage findet ihr hier: www.gesundepferde.de

Peinliche Reitermomente, exklusiv für Stammleser

>>> Erkläre mal einem Mann, weshalb Du Dir Franklinrollen unter den Hintern legst – seltsame Situation. Genau das ist mir letztens passiert und dabei ist mir bewusst geworden, was wir alles für komische Dinge anstellen, um besser zu reiten (und das habe ich nur für Dich da reingeschrieben, liebe Ph.!). Diese Situation und drei Geräusche-Übungen aus Elaines Unterricht habe ich Euch hier bei wehorse beschrieben.

Warum beim Pferdeshopping unser Verstand aussetzt

Der Beitrag enthält Werbung.

Sogar im Aldi kannst Du mittlerweile Fair-Trade-Kaffee und Biomilch kaufen. Ethisch einzukaufen ist massentauglich geworden. Wenigstens zwischendurch mal. Nur im Reitsport hinkt alles hinterher.

Sondermüll auf der Weide

Wir knallen uns Sondermüll auf die Weide (Kunstrasen, in der Anschaffung eine echt billige Sache, um gegen Matschpaddocks vorzugehen). Wir sprühen Insektizide aufs Pferdefell (habe ich hier beschrieben). Wir kaufen Mode aus China, deren Herkunft dort nicht klar ist (nicht alles aus China ist unter schlechten Bedingungen hergestellt) und sobald ein spezieller Name darauf steht, empfinden wir es sogar als schmückend, erhebend, was Besonderes. Das ist doch Quatsch!

Nachhaltigkeit im Reitsport

Doch es gibt einen kleinen Hauch Gegenwind. Ich freue mich ja sehr, dass endlich das Thema Nachhaltigkeit von Reitsportfirmen aufgegriffen wird. 2016 bewarben sich für diese Kategorie des Spoga Awards nur drei Firmen, jetzt war die Auswahl viel größer. Das ist ein Preis, der auf einer Trend-Messe für den Reitsport, der Spoga eben, vergeben wird.

 

Reithosen und Sättel die fair produziert werden

 

Als Verkaufsargument herausgestellt wird Nachhaltigkeit immer noch zaghaft. Eigentlich echt seltsam, dass dieser Vorteil einiger Produkte nicht viel stärker beworben wird. Ein paar Höhepunkte:

 

  • Kudamono (die ich ja sehr mag, wisst ihr ja) führt demnächst Westen aus PET-Material, also aus recycelten Kunststoffflaschen. Ihre Jeans werden in Europa hergestellt (und da gelten eben andere Regeln für die Arbeiter, als in Fernost).
  • Horseware hat ebenso Westen aus diesem Recylingmaterial, zudem unterstützt die Firma in Kambodscha Hilfsprojekte großen Stil (ich habe für equitrends darüber geschrieben).
  • Stübben fertigt auf Wunsch ihren Sattel Virginia True Nature mit einer Gerbung aus Olivenbaumblättern an, was sehr umweltverträglich ist.
  • Stierna verwendet Bambus-Materialien für ihre Anziehsachen.
  • Procavallo, ein Onlineshop, nimmt nur Produkte auf, bei denen die Herkunft unbedenklich ist. Sie haben zum Beispiel Titan-Gebisse aus Deutschland, die nach Wunsch hergestellt werden. Oder Schabracken, ebenso in Deutschland gefertigt (mit dem süchtig machenden Online-Schabrackendesigner selbst auswählbar, wie die hinterher ausschauen). Ich habe seit einem Jahr solch eine, und sie ist wirklich hervorragend – trocknet super schnell und liegt auch ohne Strupfen unter dem Sattel ohne zu verrutschen. Habe allerdings auch den „anatomischen Schnitt“ gewählt, vielleicht liegt es daran.

 

Qualitativ kommt da in meinem Besitz nur eine uralte Stübben-Schabracke dran. Hübsche andere habe ich auch – aber die sind nach einer Saison im Gurtbereich verschlissen und mit Pilling verschönert. Und ich nehme das in Kauf – wie so viele von uns. Wenn die Schabracke hübsch genug aussieht.

Cool ist das nicht. Leider sind diese Firmen die ich oben nenne und ihr Engagement für die meisten Leute Neuigkeiten. Wäre schön, wenn es anders wäre! Fragt mal in einem lokalen Reitsportladen nach Fair-Trade oder nachhaltigen Produkten – da gibt es kaum etwas.

Links Stierna-Designerin Helena im Reitrock, rechts ich in ihrem Regenmantel. Oben mittig eine Reihe voll der schönen Kudamono-Reithosen auf dem Bundeschampionat.

Regenkleidung, Dich wirklich trocken hält

Stierna ist übrigens auch ein echter Tipp. Die Schweden haben ihr ganzes Konzept darauf ausgerichtet, dem Wetter zu trotzen – 10.000 mmWassersäule ihrer Klamotten ist mal eine Ansage, fast überall findet man nur 3000er mm. Seit ich im August in ein Gewitter mit Starkregen mit den Pferden gekommen bin, achte ich darauf. Das war die Hölle und nicht vorherzusehen (steh mal mit acht Kindern und Pferden in einem Gewitter. Oben gelber Himmel, Blitzen, Donnern, Hagelkörner unter den Füßen, langsam suppt das Wasser von allen Seiten auf Deine Haut. Not amused.). Es wurden alle klatschnass trotz guter Reitkleidung. Seitdem achte ich auf die Wassersäulen-Bezeichnung. Wir waren so nass, dass auch die Telefone in den Taschen eingeweicht wurden. Folge: Drei Handys waren tot, eins ist tot geblieben. Ganz schön scheiße, wenn Du mit einer Reitgruppe im Unwetter stehst, Hilfe holen möchtest und nur noch ein Telefon der Gruppe funktioniert.

Wassersäule 10.000 mm

Stierna hat einen super schönen Regenmantel im Programm, mit eben einer 10.000er Wassersäule. Man kann ihn über den Sattel und den Pferdepo hinter sich legen, so aufklappen, und erst dann sieht man seitlich reflektierende Streifen. Unter die Kapuze passt ein Helm. Ich hatte ihn an und war vor allem überrascht, wie leicht er ist. Der hat Lieblingsteil-Potenzial.

Das Beispiel Weltreiterspiele, Kingsland & Herr Helgstrand

Nun ja, auf jeden Fall habe ich mich echt gefreut, dass Kingsland nun auch eine Nachhaltigkeits-Linie herausgebracht hat. Die wurde auf der Spoga ebenso lobend herausgestellt. Ein Blick auf die Homepage jedoch und ich freute mich kein Stück mehr. Da stand unter News, ganz stolz, dass man bei Helgstrand Dressage zu Gast war, um die Klamotten zu shooten. Das ist alles andere als #betterhorsesport dort – vielfach bewiesen. Mehrfach veröffentlichte epona tv Bilder von Helgstrand, die deutlich in den Bereich tierschutzwidriges Abreiten fielen. Er wurde vom dänischen Verband auch verwarnt.

Das Geld von Helgstrand nehmen sie alle gern

Für sein Geschäft macht das rein gar nichts aus: Als Geschäftspartner ist er gern gesehen, weil Helgstrand eben viel Geld hat und viel Geld in den Pferdesport investiert. Mit alle meine ich: Der Mann pumpt Geld in diverse Richtungen im Pferdebereich. Er ersteigert Auktionspferde, sicherlich wird man auch nach den Körungen jetzt im Herbst wieder davon hören, welche Summen er dort gelassen hat. Jetzt bei den Weltreiterspielen ist es übrigens wieder genauso. Helgstrand Dressage macht das Portemonnaie auf und ist Hauptsponsor der Dressur dort.  Auf der Tryon-Homepage steht sein Name jetzt überall: „Purchase Tickets for Helgstrand Dressage“ ist nicht etwa Werbung für Helgstrand selbst. Nein, es geht um die Tickets der Weltreiterspiele. Die FEI ist dankbar und wird sowas von offensichtlich unterwandert, dass es schon jenseits von peinlich ist. Wer jetzt noch nach #betterhorsesport schreit – ist naiv. So wie ich.

Egal ob Hengstsamen kaufen oder den Pulli – Du entscheidest, wer Dein Geld bekommt.

Die kleine Macht: Bewusst kaufen. Gilt übrigens für Hengstsamen (wem gebe ich mein Geld? Herrn Helgstrand und seinen Helfern hier in Deutschland?) genauso wie für Klamotten. Für mich ist das ein No-Go. Werde ich nicht unterstützen.

Bewusstsein dafür, wen man durch sein Einkaufsverhalten stärkt, ist noch echt schwach ausgeprägt im Reitsport. Warum eigentlich? Es ist so sehr Thema auf allen möglichen Ebenen, Nachhaltigkeit, Fair Trade, ein müllfreieres Leben zu führen, Minimalismus ist en vogue.

Wir kaufen uns Bambus-Becher für den Kaffee, greifen im Supermarkt ins Bio-Regal – doch beim Shopping fürs Pferd setzt der Verstand aus.

Meine These: Wir machen uns eh schon so einen Kopf um unsere Pferde, dass dieser Bereich einfach nur dem Gefallen, was Schönes finden, der Leichtigkeit ohne Sorgen und Hintergedanken gewidmet ist. So, wie man im Supermarkt dann eben doch fett in Plastik eingepacktes Obst kauft, weil es eben gerade da liegt und man keinen Bock hat, noch woanders hinzu gehen und außerdem müde ist,  jede Entscheidung vom Gewissen prüfen zu lassen.

Weil wir faul sein wollen. Manchmal zumindest.

Verstehe ich. Mach ich ja selbst oft genug. Wenn man aber weiß, wo man etwas schönes und gut hergestelltes findet, dann ist es auf allen Ebenen rund. Wenn man das nicht zum Dogma macht, sondern eben die Augen offen hält und neues gut gemachtes entdeckt, dann ist es auch wirklich gar nicht mehr schwer.

 

Haltung zeigen als Reitsport-Firma

Einen Netzfund zum Thema ethisches Kaufen habe ich noch – nämlich wie die Modefirma Armed Angels mit einem rassistischen Brief an sie umgeht (hier). Großartig!

Haltung zeigen bedeutet,

dem eigenen Unternehmen ein Gesicht zu geben.

Genau das machen sie  und erzeugen so gleichzeitig richtig traffic auf ihrem facebook-Account. Haltung zeigen würde so manchen Unternehmen im Reitsport auch echt gut stehen.  Außerdem ist es ist eine Nische, in der noch ziemlich viel Platz ist.

 

Weiterlesen auf wehorse

Welche Trends ich auf der Spoga gefunden habe, das habe ich Euch hier bei wehorse aufgeschrieben. Es geht um Jacken mit dem schönsten Schnitt, Sport-Reitsachen, Halfter, Hufschuhe und ein Wunder-Putzmittel für Sättel, das ich schon ein Jahr lang getestet habe und das wirklich etwas kann .

Geheimtipp: Pferdekauf bei der Familie Hölscher

Quebella von Quattro B, eine der guten Stuten, die Familie Hölscher verkauft. Ihre Vollschwester ist in die USA verkauft worden – und gehört einer Blogleserin! Kleine Welt. Foto: Y. Voss für Hof Hölscher

 

Eine meiner liebsten Pferdezucht-Familien hängt die Zucht an den Nagel. Die Familie Hölscher aus Gehrde verkauft am 15. September ihren Bestand. Sie veranstalten an diesem Tag eine freiwillige Hofauktion. Es sind vom Fohlen bis zur zweifachen Hengstmutter alle Altersklassen dabei, Reitpferde wie Zuchtstuten (hier seht ihr alle im Auktionslot).

Hofauktion Hölscher

Es sind so tolle Pferde dabei! Eine Stute kenne ich persönlich, Quebella, eine feine Stute, die ich euch bei wehorse genauer vorstelle. Total witzig: ihre Vollschwester gehört einer Blogleserin, die wiederum in den USA wohnt. Gabriele Grunig hat mir Bilder geschickt und von ihrer Stute erzählt – sie ist sehr glücklich mit ihr (Ein Bild habe ich Euch ganz unten als P.S. an den Artikel gehangen).

Katrin Hölscher mit Stute und Fohlen. Foto: Hof Hölscher

 

Der Hengst Demirel ist zum Beispiel aus der Zucht der Hölschers, weit mehr gekörte Hengste stammen aus ihrer Zucht. Jedes dieser Pferde ist nicht nur eine Katalognummer, sondern ein Stück Familiengeschichte. Die Hölschers kennen die Mütter, Großmütter, häufig auch Urgroßmütter. Deshalb habe ich mir einige der Pferde herausgespickt und mit Katrin Hölscher telefoniert. Sie kennt jedes der Pferde seit dem frühesten Lebensalter und kann auch ihren Charakter und die Menschen, die ideal wären, perfekt beschreiben.

Das Frauenpferd Dajana

Dajana, Auktionsnummer 30,  hat einen ganz tollen Charakter. „Die ist durch nichts zu erschüttern und hat ein grenzenloses Vertrauen“, sagt Katrin Hölscher. Als Fohlen sie sie sehr anhänglich und zutraulich gewesen. Beim Anreiten jedoch hätten sich die Hölschers gesagt: „Jetzt die Nerven behalten! Die Kombination Vater Donatus mal Muttervater Don Frederico kann speziell sein!“ Es hat in der Phase auch etwas gedauert, „aber als sie da durch war, seit dem Tag ist sie durch nichts zu erschüttern“, erzählt Katrin Hölscher. Sie hat auf der Stutenschau ihre Klasse gewonnen, ihren überragenden Schritt zeigen können, und wurde dann für die Herwart v.d. Decken-Schau nominiert. Dort bekam sie den 1c-Preis – eine sehr begehrte Auszeichnung auf einer der traditionsreichsten, wichtigsten Zuchtschauen überhaupt in Deutschland.

Dajana, Grundqualität gepaart mit Gelassenheit und Elektrizität im gewünschten Moment. Dajana ist von Donatus – Brentano II – Likoto xx. Foto: Y. Voss für Hof Hölscher

 

„Die können sie anstellen, dann ist die voll da und macht alles, und danach lassen sie die wieder Schritt gehen und die ist ganz gelassen!“, erzählt die Züchterin. Vergangenes Wochenende war die Stute zum ersten Mal auf einem Turnier, „und sie ist direkt überall hingegangen, auch als Erste am Richterhäuschen vorbei war kein Problem!“ Auch der erste Schmiedetermin war ganz einfach – „sie ist braver als manches erwachsene Pferd!“ Der Wunschkandidat, der diese Stute ersteigern sollte? „Für Dajana würde ich mir eine gute Reiterin wünschen, die sie entsprechend fördert. Sie ist noch schüchtern und braucht jemanden, der sie schön dahinführt, dann kann die mal ganz viel!“ Dajana stammt wie der Jährling, den ich Euch als nächstes vorstelle, aus der Stutenfamilie der Elfenblume, genau wie Demirel und Fürst Fugger.

Jährlingshengst von Farrell – Dimaggio – Likoto xx. Foto: Y. Voss für Hof Hölscher

Der Liebling von Farrell

„Bei ihm haben wir am meisten gezweifelt, ob wir ihn tatsächlich abgeben sollen“, sagt Katrin Hölscher, „denn wir haben vom ersten Tag an gesagt: „Das ist einer!“ Der Jährling von Farrell, Auktionsnummer 23, ist der Liebling aller und auch das meist angefragte Auktionspferd bisher. Er ist besonders charmant und menschenbezogen, dabei super schick. „Ein ganz feinfühliges Pferd ist das!“, sagt die Züchterin, „Die sind alle so aus der Likoto xx!“ Diese Stute von Likoto xx ist seine Großmutter. Layla wird ebenso veräußert wie Farells Mutter Delayla. Was das für die Hölschers bedeutet, ist schnell klar, wenn die Züchterin erzählt, wie es zu Laylas Namen kam: „Als das Fohlen geboren wurde, und ich alle rief, dass sie kommen sollen, da hörte meine Tochter gerade das Lied Layla von Eric Clapton. Sie durfte das Fohlen taufen und benannte sie danach.“

Fiora von For Romance – Dimaggio – Fleurop I. Foto: Y. Voss für Hof Hölscher

Der Geheimtipp Dressurpferd: Fiora

Fiora, Auktionsnummer 32, ist wie alle Dimaggios eher ein Spätentwickler, sagt Katrin Hölscher. Dimaggio ist ihr Muttervater, die Stute selbst ist von For Romance. „Die wächst gerade, ist überbaut, aber hat freilaufend sehr gute Bewegungen. Für mich ist Fiora der Geheimtipp unter allen Pferden.“

Der Geheimtipp Springpferd: Nummer 24

Diese Jährlingsstute – noch ohne Namen –  ist nicht aus Hölschers Zucht, sie haben sie selbst gekauft. Die Stute mit der Auktionsnummer 24 stammt aus einer S-erfolgreichen Mutter. Die Großmutter brachte ein CHIO-Aachen-Pferd. Die Stute selbst kommt sehr nach ihrem Vater Stakkato Gold, weiter geht es mit Don Juan und Silvio I. „Das wird ein Spitzenpferd, sie hat ein wahnsinniges Leistungsblut. Liegen Stangen in der Halle, springt sie da einfach drüber, ohne dass irgendwer etwas tut.“ Dazu kann sie sich noch bewegen und sieht schick aus. Ein Geheimtipp ist die Stute, weil sie noch viel Zuwendung und Horsemanship-erfahrene Menschen braucht, bis sie voller Vertrauen in Menschen sein wird.

Rappstute unter dem Sattel im Trab

Diarella, genau mein Beuteschema: Bisschen speziell aber sooo gut! Foto: Y.Voss für Hof Hölscher

Die Dankbare: Diarella

Für diese Stute, Auktionsnummer 34, hofft die Züchterin sehr, dass sie genau die richtigen Hände findet: „Sie ist wach, sensibel und elektrisch. Die braucht jemanden, der sich Zeit nimmt und sich mit ihr beschäftigt“, erklärt Katrin Hölscher. Die junge Stute sei noch nicht so gelassen unter dem Reiter, hält die Luft an, klemme schon mal. Deshalb sei ihre wahre Qualität nicht sofort sichtbar. „Doch die wird richtig gut, die wird es danken!“ Sie ist sich da sicher, weil sie den Stamm und deren Eigenschaften so gut kennt. Die Abstammung lautet Don Index – Feiner Graf – Lungau. Viele aus der Großmutter seinen so gewesen, dreijährig, doch nachher tatsächlich so einfach zu handhaben wie Kinderpferde, dabei leistungsbereit. „Viele Reiter werden sagen: die ist mir zu elektrisch. Aber wenn man die mal auf seiner Seite hat, dann geht das wie geschmiert!“

Daquira, ein Reitpferd zum Ausbilden, wie es sich viele wünschen. Foto: Y. Voss für Hof Hölscher

Das perfekte Ausbildungspferd: Daquira

Ein Reitpferd par excellence ist diese Dancier-Stute. Daquira, Auktionsnummer 33, beschreibt die Züchterin als ein reeles Pferd, das sich als Ausbildungspferd perfekt eignet. Vater der Stute ist Dancier. Der Pik-Bube-Stamm steckt dahinter, Leistungsblut, zudem hat die Stute ein richtig kräftiges Hinterbein. „Ein ganz braves Pferd! Dabei keine Schlaftablette, aber anständig, da kann man jeden drauf setzen!“

Na, wer wäre Euer Favorit? Ich als Stutenmensch finde die 2jährige Dimaggio noch sehr attraktiv – diese hier, Nummer 26:

Oder vielleicht doch eher deren Mutter? Es sind einfach so viele gute Pferde! Ich wünsche den Pferden und Familie Hölscher das absolut Beste! Geht hin, wenn Ihr auf Pferdesuche seid, es wird sich sicherlich lohnen!

>> TERMIN 15.09.2018, Hofauktion Hölscher, Gehrde, Niedersachsen, Katalog ist hier zu finden!

P.S.: Hier sind noch zwei versprochene Bilder von Sandy, der Vollschwester zu Quebella, die jetzt bei Blogleserin Gabriele Grunig in New York lebt:

Was am Strand galoppieren und tanzen gehen gemeinsam haben


Es ist drei Uhr 37 und ich habe gerade mehrere Stunden zu sehr schlechter Musik bei sehr schlechter Luft getanzt. Es war dennoch fantastisch – es rauscht noch in meinen Ohren. Völlig egal, wie schlecht diese Läden, in denen wir getanzt haben, waren. Ich habe es dennoch genossen.

Weil Tanzen so nah am sich wahrhaftig lebendig fühlen ist.

Weil Du so im Moment bist.

Weil Du, wenn Du ohne zu denken tanzt, Dich, Deinen Körper,  das Leben so sehr feierst.

Weil es so schön ist, das zu teilen.

Weil wir Wesen sind, die darin aufgehen zu fühlen, aber das zu selten so zelebrieren.

Genau dasselbe ist es, was das am Strand reiten ausmacht.

 

(Kurze Erklärung: Ich bin gerade im Reiterurlaub in Holland. Wir haben neun Pferde eingepackt und sind hier hoch gefahren nach Zeeland. Wir reiten täglich. Und gehen manchmal aus – ähhh, einmal bisher.)

Jeder kann sich für einen Ritt am Strand begeistern

In der vergangenen Woche habe ich einige Bilder und Videos an Familie und Freunde geschickt oder auch auf Instagram geteilt. Von uns, wie wir hier am Strand entlangsausen. Man hört jeden Hufschlag so sehr auf dem festen Sandboden, der so glatt aussieht. Dem man noch ansieht, dass das Meer da kurz zuvor drüber lag. Es donnert, wenn wir da lang galoppieren und das ist eines der schönsten Geräusche überhaupt.

 

Das fasziniert. So viele haben mir  in den sozialen Medien daraufhin geschrieben, dass sie genau das auch machen wollen. Dass sie das lieben und auch schon gemacht haben. Dass es so schön aussähe. Aber auch die Nichtreiter reagieren begeistert. Mein Vater, deutlich ü 70, fragte, ob er das wohl auch noch machen kann. Meine Mutter schrieb: Davon träumen so viele, ihr macht das.

 

Es rührt die Menschen.

Mehr als vieles andere, was ich so von den Pferden erzähle oder zeige.

 

Uns selbst auch. Wir kommen alle beseelt von gelungenen Ritten heim (meint: Wenn das Wetter mitspielte, wir sind auch schon klatschnass geworden). Wir haben vom Glück gekostet. Warum ist das wohl so? Was bewegt uns daran, am Strand entlang zu sausen? Nur, dass da keine Bäume und Berge im Weg sind?

 

Wohl kaum.

 

Die Pferde schenken uns etwas. Zeit und Raum sind weg. Es ist so kitschig, wie dieser Spruch: Pferde verleihen Flügel. Doch da ist etwas dran. Wir sind im Moment, wir sind ganz da, wir haben Endorphine ohne Ende, wir flitzen so schnell, wie wir es nie ohne sie könnten. Es ist so ähnlich wie beim Tanzen – wir fühlen und sind so lebendig.

 

Nur ohne doofe Anmachen, schlechte Gerüche und einen Kater danach.

Am Strand reiten ist eines der besten Dinge auf der Welt.

 

Wer da Sehnsucht spürt, das selbst zu tun, doch so viele Abers im Kopf hat, warum das mit dem Strandritt auf dem eigenen Pferd doch nicht geht: Quatsch. Macht es. Aber eben gut vorbereitet (was die Pferde zuvor kennen sollten, habe ich Euch hier bei wehorse aufgeschrieben).

 

Auch das ist wie bei Tanzen: Wer sich traut loszulegen, gewöhnt sich und kann immer mehr das genießen, was er da tut. Auch wenn der Anfang vielleicht sorgenvoll oder ängstlich oder steif ist. Das wird schon.