Meine neue Ausbildung im Team Pony Concept

Der größte Glücksfall in meinem Beruf als Reitsportjournalistin ist es, dass ich über viele hippologische Tellerränder gucken darf. Viele Nischen, Reitphilosophien, Reitausbilder sehe und kennenlerne. Vor sechs Jahren habe ich über ein extrem innovatives Modell für Reitunterricht im Kindergartenalter geschrieben. Vor zwei Jahren drehte pferdia, heute wehorse, Lehrfilme genau über dieses Modell von Kolly Holland Nell, dem Team Pony Concept. Das Kinder zu Pferdemenschen ausbildet. Spielerisch, bevor sie überhaupt reiten lernen.

Reitpädagogik für die Kleinsten

Weil lernen nie aufhört – und wie schön ist das bitte! – mache ich jetzt selbst noch die Ausbildung zur Reitpädagogin nach dem Team Pony Concept. Weil das eine Zusatzqualifikation ist, die ich besonders sinnvoll finde, wenn es um Kinderreitunterricht geht. Im kleinen Rahmen, als Hobby, gebe ich Kinderreitunterricht (mit der Trainer C Basissport Qualifikation – was aber alles und nix heißen kann, meiner Meinung nach). Weil ich es extrem erfüllend und sinnvoll finde, Kinder mit der Pferdewelt bekannt zu machen.

Zum ersten Fortbildungs-Lehrgang sind wir übrigens zu viert gefahren, Philippa, mit der ich die Kurse organisiere, sowie Rachel und Janine, zwei der Reitlehrerinnen aus Philippas Ponyreitschule zudem.

Beim Wäscheklammer-Spiel lernen die Kinder die Fellfarben kennen. Hier testen das die Reitlehrerinnen Janine und Rachel von der Ponyreitschule Gut Charolie.

 

Gruppenspiele für Kinder von 3 bis 9 Jahren

Das Besondere am Team Pony Concept ist, dass es sich an Kinder zwischen drei und neun Jahren richtet. In Gruppenspielen lernen die Kinder ganz viel über das Verhalten von Ponys. Kolly Holland-Nells Ziel ist es, wie gesagt, Kinder zu Pferdemenschen auszubilden. Nicht zu Reitern, wohlgemerkt! Deshalb sind immer zwei Ponies dabei – sie laufen am Strick der Reitpädagogen einfach mit während der Gruppenspiele. Die Kinder dürfen abwechselnd darauf sitzen, aber sind weiter Teil des Spiels.

Dort bei Kolly haben wir Erwachsenen dann ein ganzes Wochenende mit Spielen verbracht. Ich bin gerannt, habe Pony gespielt, habe Bastelarbeiten angeschaut, Kreide-Pferdchen bewundert und erklärt bekommen, wie ich Gummibärchen-Tüten auf einem Ponyrücken platziere. Kolly Holland-Nell legt nämlich eine leere Gummibärchen-Tüte auf den Ponyrücken und sagt ihren Reitkindern dann: „Versuch mal so aufzusteigen, dass ich möglichst nichts knistern höre!“ Die Reitkinder steigen dann ganz besonders vorsichtig von der Aufstiegshilfe auf den Ponyrücken. Guter Trick, oder?

Pony Prinzie ist nicht nur für die Kinder der Lehrmeister, sondern auch in der Erwachsenenfortbildung ziemlich geduldig!

Ponyschule gut verpackt

Was ich immens fand: Hinter all den so locker daherkommenden Spielen steckt ein ausgeklügeltes Konzept. Sind die Kinder durch diese Ausbildung gegangen, dann haben Sie ein sicheres Wissen, was Futtermittelkunde, Pferdehaltung, Pferdepflege und Pferdeverhalten angeht. Sie können ihre Ponys alleine fertig machen für die Reitstunde und sind sicher im Handling. Perfekt!

Es wirkt alles total einfach und spielerisch, doch dahinter steht ein Konzept, das Kinder zu Pferdemenschen ausbildet: Das Team Pony Concept.

 

Pferdewissen für Kinder

So spielerisch, und doch so wirkungsvoll. Diese Ausbildung schließt gleich zwei Lücken: Zum einen das Vorwissen der Kinder. Es gibt so viele Kinder im Reitschulalltag, die keine Ahnung davon haben, welche Bedürfnisse Pferde haben, wie sie sich verständigen und was es heißt, ein Fluchttier zu sein. Für all solche Dinge, die früher nebenbei im Stalllalltag gelernt wurden, ist heutzutage nur wenig Zeit da.

Das Hängebrückenspiel: Hier in der Fortbildung mimen die Erwachsenen die Kindergruppe. Ausbilderin Kolly Holland-Nell hält Pony Schoko am Strick.

 

Zum anderen sehnen sich die Kinder nach Umgang mit Tieren und oft möchten Eltern schon ihre recht kleinen Kinder zum Reiten anmelden. Nur was bitte soll ein fünfjähriges Kind in einer Abteilungsgruppe? Funktioniert selten, und wenn, ist es auch noch ungesund für den Körper, so lange im Sattel zu sitzen. Mit diesen pferdebezogenen Gruppenspielen gibt’s eine Alternative, ein Angebot für so junge Kinder anzubieten.

Seminarleiterin Kolly Holland-Nell mit ihren beiden Ponys daheim…

… und als Dozentin. Sie schult Trainer darin, Angebote für jüngere Kinder zu schaffen.

 

P.S.: Ich hatte letztens ein spannendes Gespräch mit einer jungen Stallkollegin, die unbedingt so schnell wie möglich den Trainerschein machen möchte. Was Du unbedingt bedenken solltest, wenn Du auch mit dem Gedanken spielst, habe ich drüben bei wehorse aufgeschrieben. Und soviel sei verraten: Wenn ich nochmal 20 wäre, vielleicht würde ich dann auch so mit den Hufen scharren, um einen bestimmten Schein zu bekommen. Aber wenn ich mich selbst nochmal sprechen würde, mein 20-jähriges Ich, würde ich ihm erzählen, dass es so viel da draußen zu erleben, lernen und zu machen gibt, es läuft nix weg. Mehr darüber: Drüben!

 

Buchrezension: „Einmal überbaut, immer überbaut“

Rot eingezeichnet hier der Musculus longissimus, der lange Rückenmuskel.

 

Dieser Beitrag enthält Werbung.
Denn: Ihr könnt das hier besprochene Buch 3x gewinnen!

Lerne über den Körperbau Deines Pferdes & wie Du ihm durch Training helfen kannst – genau darum geht es in diesem Buch namens „Einmal überbaut, immer überbaut?“. Ich hatte es drei Minuten in der Hand und fand es sofort spannend: Es erklärt Zusammenhänge zwischen Exterieur verschiedener Pferde, Muskeln und Faszien anhand von kurzen Textpassagen, Illustrationen und Beispielfotos.

Das Buch ist im Müller Rüschlikon Verlag soeben im Januar 2019 erschienen und kostet 24,90 Euro.

 

Nachdem ich es komplett gelesen habe, bleibt derselbe Eindruck: „Einmal überbaut, immer überbaut?“ aus dem Verlag Müller Rüschlikon ist ein sehr hilfreiches, praxisnahes Buch! Geschrieben haben es zwei Osteopathinnen. Die eine ist sehr erfahren und in der Osteo-Szene ziemlich bekannt, sie heißt Barbara Welter-Böller. Die zweite Autorin ist Claudia Weingand, ebenfalls Osteopathin (und Schülerin der erstgenannten), zudem Fachjournalistin und Autorin. Sie war viele Jahre Chefredakteurin der Feinen Hilfen. Im Team ist so ein fachlich sehr gutes Buch entstanden, das zudem ganz einfach lesbar ist. Ich habe es verschlungen!

Wie Du Deinem Pferd durch gezieltes Training hilfst

Das Buch ist keine knochentrockene Theorieabhandlung, sondern es geht sofort in die praktische Analyse hinein: Welche Pferdetypen gibt es bezüglich des Exterieurs? Was sagen Eigenheiten wie zum Beispiel ein rückständiges Vorderbein über das Pferd aus? Was ist durch Training änderbar und was weniger? Welche Art von Training braucht es, um Eigenheiten des Exterieurs auszugleichen oder sogar wett zu machen?

 

Der Serratus-Muskel, der immens wichtig ist, wenn das Pferd Reitergewicht tragen soll.

 

Genau das macht dieses Buch sehr wertvoll. Niemand muss Angst vor erschlagender Theorie haben: Es werden in leicht verständlichen kurzen Texten die wichtigsten Muskeln erklärt. Der Leser sieht und kann verstehen, warum alle Welt vom Trapezmuskel spricht, der aber in Wirklichkeit nur fingerdick ist, wenn auch ziemlich groß von der Fläche her. Und er erfährt, welche Muskeln es denn tatsächlich ist, die durch unpassende Sättel zum Beispiel atrophieren.

Anleitung zum Muskelaufbau beim Pferd

Das Buch macht ziemlich viel Hoffnung. Weil es viel verspricht, wie man durch gezieltes Training Exterieurprobleme verbessern kann. Diese Versprechen werden jedoch durch Anatomiewissen gestützt und werden dadurch glaubwürdig.

 

Das Pferd wachsen lassen?!

Mir ging es so, dass ich mich sofort während der Lektüre am liebsten sofort auf in den Stall gemacht hätte, um die Trainingsideen umzusetzen. Ein Beispiel aus dem Abschnitt „Trainingstipps für Pferde mit ansteigender Rückenlinie“:

„Durch gezieltes Training kann auch ein älteres Pferd im Widerristbereich um mehrere Zentimeter wachsen. Den M. serratus ventralis trainiert man über Trabarbeit, denn hierbei muss er aktiv an- und abspannen, um den Rumpf, überspitzt formuliert, davor zu bewahren, durch die Vorderbeine durch auf den Boden zu krachen. Auch im Galopp muss er sehr aktiv sein, allerdings muss er dann das gesamte Rumpfgewicht plus Beschleunigungskräfte in der vorderen Einbeinstütze abfedern, was einen untrainierten Sägemuskel überfordern kann.“

Acht Wochen gezieltes Trabtraining

Es folgt eine genauere Beschreibung und auch auf Gefahren durch falsch verstandenes Training wird hingewiesen. Doch schon acht Wochen Trabtraining jeden zweiten Tag an der Longe sollen hier den Unterschied machen. Alternative, für all diejenigen, die ungern longieren oder mehr Abwechslung möchten: Ausritte als Handpferd, bei denen der Schwerpunkt auf der Trabarbeit liegt. Das Pferd soll mehrere Minuten am Stück durchtraben und kein Reitergewicht tragen, diese Regel gilt für beide Methoden, ob Longentraining oder Handpferdetraining. Ich wusste das alles schon mal, wie wichtig Trabarbeit zum Aufbau des Reitpferdes ist – es ist so hervorragend, das noch mal so gut erklärt zu lesen!

Exterieur Pferd:
Was Wietskes Körper über ihre Stärken & Schwächen verrät

Ganz toll ist auch das Kapitel zum Schluss, in dem einzelne Beispielpferde analysiert werden. Auf je vier Seiten werden markante Exterieur-Merkmale erklärt. Diese geben Indizien auf Problematiken des Pferdes. Die Autorinnen erklären diese und geben Trainingsempfehlungen. Sie besprechen einen Tinker, eine Friesin und mehrere Warmbluttypen. Die Friesin ist einigen Bloglesern wahrscheinlich bekannt: Es ist Wietske, die Stute von Dressurausbilderin Claudia Butry, die viele unserer Kurse leitet.

Welcher Muskel war das nochmal?

Das Einzige, was ich in diesem Buch wirklich vermisst habe, ist ein Glossar, so dass man schnell mal „Trapezmuskel“ oder „M. serratus ventralis“ nachschlagen kann. Denn wie schnell vergisst man wieder, wo genau welcher Muskel saß! Aber das ist auch schon alles. Grundsätzlich finde ich das Buch sehr gelungen, sehr lehrreich, und würde gern mehr davon lesen, am liebsten noch zehn weitere Pferdeanalysen sehen!

Gewinnspiel

Ihr könnt dieses Buch gewinnen: Ich verlose gemeinsam mit dem Verlag Müller Rüschlikon drei Exemplare des Buchs. Eins könnt Ihr auf Instagram gewinnen (ab Montagabend online), zwei verlose ich hier direkt im Blog. Ihr dürft gleichzeitig auf beiden Kanälen mitmachen. Wer teilnehmen möchte, beantwortet mir bitte folgende Frage in den Kommentaren: „Welche Schwachstelle siehst Du bei Deinem Pferd & würdest sie gern durch gezieltes Training verbessern?“ In die Kommentare kommst Du, wenn Du direkt unter der Überschrift des Artikels unten rechts auf „Kommentare“ klickst. Das Gewinnspiel startet am 4.2. um 12 Uhr und endet am 7.2. um 24 Uhr. Alle genauen Gewinnspielbedingungen findest Du hier im Impressum. Viel Glück!

 

11 Hacks für den Stallalltag

 

Fotos: Klara Freitag

Heute gibt’s echte Insiderinfos: Ich erzähle Euch was über Reitunterwäsche (ja, meine!), über den ultimativen Trick für Reiterhaare meiner Schwägerin, über Putzmittel der Profireiter, Ordnung im Reiterspind und was für Essen in den Spinden meiner Leser steckt. Die allerbesten Alltagstricks gesammelt hier für Euch! Noch mehr findet Ihr drüben im Partnerbeitrag auf wehorse, wie immer montags. Schreibt mir gern, was Euch den Stallalltag erleichtert! Es werden Marken genannt, daher darf der Hinweis ‚Werbung‘ nicht fehlen.

1.Trockenhaarshampoo

Das ist die Entdeckung meinerseits seit Weihnachten 2018. Meine trendbewußte Schwägerin erzählte mir davon, ich kannte es nur als fies weiß staubendes Zeug aus Kindheitstagen. Das ist null Komma null mit den heutigen Trockenshampoos zu vergleichen! Trockenshampoo ist wohl DAS Zeug für alle jungen Menschen, die sich mit Stylingsachen auskennen. Weil es zum Beispiel Griff in die Haare bringt, was diverse Frisuren einfacher macht. Wenn Du es nicht schaffst, zwischen Stall und dem nächsten Termin unter die Dusche zu springen, dann rettet Dich das Trockenshampoo: Es macht nämlich Gerüche weg. Ich habe es auch gleich auch mal am Pferd ausprobiert und festgestellt: Es macht Pferdehaare so schön griffig, dass man danach ideal flechten kann. Bei uns ist es ein Bauernzopf aktuell. Ich finde es besser als Schaumfestiger, den ich früher für Turnierzöpfe benutzt habe. Allerdings kommt es wohl sehr auf die Marke an. Meins heißt Batiste und funktioniert super. Da ich an der Quelle sitze, die fast alle marktgängigen probiert hat (Hallo Mel!), hier die sehr subjektive Auswahl der besten: Gut soll noch das von Aussie, OUAI und Kevin Murphy sein, okay das von dm balea.

2. Putzmittel von Profis

Ich habe auch meine Profi-Reiter im Umfeld gefragt, mit was die so putzen. Sie müssen schließlich viel mehr Pferde sauber bekommen und nutzen ihre Sachen auch häufiger, als der typische Ein-Pferd-Besitzer. Dabei wurde mir das „Gamaschenwunder“ empfohlen, das zwischen den Wäschen die Gamaschen gut sauber macht, und ein Schuhputzzeug namens „Mr Shoe Shine“. Ich selbst schwöre auf die Equixtreme Lederpflege für Sättel und Trensen. Sie haben mir vergrautes Zubehör wieder tiefschwarz gezaubert und das ohne Farbpigmente, einfach nur durch Pflege.

3. Eine sehr gute Kopflampe

Ist eine der besten Investitionen für alle Selbstversorger, Hundespaziergänger, Leute, die ihr Pferd auf dunklen Paddocktrails im Winterhalbjahr suchen müssen! Ich hätte nie gedacht, dass es da solche Unterschiede gibt. Meine Lampe ist so gut, dass ich sogar von Joggingpartnern gebeten werde, die doch anzuziehen, wenn wir loslaufen! Der Lichtkegel ist einfach viel größer und heller als bei anderen Lampen, zudem hält sie sehr gut am Kopf.

4. Überzieh-Schuhe für’s Auto

Den Pferdedreck nicht ins Reiterauto tragen – ein echt schwieriges Unterfangen! Plastik-Überziehschuhe können da schon mal was retten. Ob das ein schlammiger Turnierparkplatz oder der verschlammte Auslauf Schuld war, egal. Man kann ganz einfache aus dem Sanitärbereich nutzen oder etwas exklusivere mit Sohle von Tchibo. Ganz gut vorbereitete Menschen haben natürlich eine Transportbox mit Wechselschuhen im Auto.

5. Illy-Kaffeedosen im Spind

Ich bin ja ein bekennender Kaffee-Junkie, auch, wenn ich schon viel weniger davon trinke als zu den Zeiten, wo es zwei Liter pro Tag waren! Wir haben daheim etliche leere Illy-Kaffeedosen aus Metall mit fest schließendem Drehdeckel, die aromasichernd sind. Diese Dosen sind einfach nur hervorragend für alles, was im Reiterspind gesichert werden muss! Ich nutze sie für Pülverchen, die ins Futter kommen aber auch, um eigene Essenvorräte aufzubewahren – es gibt eine Dose in meinem Schrank, auf der steht „Süßes“ drauf, und die wird abwechselnd mit Keksen und Schokolade befüllt. Oder Nüssen, wenn ich mal keinen Zucker esse.

 

6. Essen am Stall

Absolut notwendig, eine Notration am Stall, finde ich! „Was esst Ihr im Stall?!“ habe ich letztens deshalb in einer Instastory gefragt, und die Antworten waren entweder sehr gesund und praktisch (Möhren & Äpfel von den Pferden) oder nicht gerade feinschmeckerisch (Instantprodukte wie Heiße Tassen) oder kamen mir äußerst bekannt vor (Müsliriegel, Schokolade, Nüsse). Ich würde sagen: Da geht noch was. Bei mir liegen Multivitaminsaftflaschen, Kakaoflaschen und Süßigkeiten im Schrank. Und im Auto liegt Trockenobst bereit.

7. Kohlesohlen gegen kalte Füße

Einweg-Kohlesohlen aus dem Drogeriemarkt sind ein echter Glücksgriff für jeden, der stundenlang im Stall herumläuft. Wer die einmal ausprobiert hat, weiß, wovon ich rede! Probiert es aus!

 

8. Der Klassiker: Babypflegetücher

Falls dieser Tipp irgendwann noch unbekannt ist, das darf nicht sein, deshalb sei er hier nochmal benannt: Mit Babypflegetüchern kann man so gut wie alles sehr schnell sauber bekommen! Nur oberflächlich, aber wenn man schnell mal vor dem Unterricht über die Trense huschen will oder dem Pferd die Nüstern putzen will oder über die eigenen Schuhe schnell mal drübergeht – Gold wert. Erzählt es aber besser keinem Lederfachmann (und putzt Eure Sachen zwischendurch ordentlich!) – die finden das nämlich nicht wirklich gut.

 9. Plastikflaschen gegen das Einfrieren von Tränken

Wer sein Pferd im Offenstall hält, kennt das Drama ums Wasser, sobald es friert. Wir haben seit vergangenem Jahr eine beheizbare, sich selbst füllende Tränke. Die ist Gold wert, denn dadurch trinken die Pferde genug, was Koliken vorbeugt. Dieses zu wenige Trinken bei kalten Temperaturen ist nämlich ein großes Thema bei draußen gehaltenen Pferden! Die typische Empfehlung für Offenstaller sind isolierte Badewannen, die von unten mit Grabkerzen gegen das Einfrieren bestückt sind. Den Gedanken von Feuer am Stall mag nun aus verständlichen Gründen nicht jeder. Eine gute Idee, um die Oberfläche von Tränken eisfrei zu halten ist folgende: PET-Getränkeflaschen zur Hälfte mit Salzwasser füllen, zudrehen. Davon einige auf der Tränke schwimmen lassen, je mehr, desto besser. Durch die Bewegung der Flaschen friert das Wasser nicht so schnell ein.

10. Stallmäntel aus dem eigenen Kleiderschrank

Tipp einer Freundin: Sie hat sich einen Steppmantel beim Schneider mit Reißverschluss bestücken lassen, so dass sie ihn auf dem Pferd beim Ausreiten anziehen kann. Sehr guter Hinweis für alle, die weniger Ressourcen verbrauchen möchten! Ich finde den Tipp auch für Kinder gut, denn für die findet man kaum Reitmäntel, wohl aber normale lange Mäntel.

11. Die BH-Frage & der Mineralfutter-Trick

Die beiden habe ich auch drüben bei wehorse verraten, aber ich finde beide so genial, dass ich sie hier auch aufschreibe:  Neckholder-BHs sind super zum Reiten! Wer nicht unbedingt einen Sport-BH braucht oder schon mal vergisst, ihn anzuziehen, hat damit echt eine gute Alternative dazu! Damit fischt man nämlich nicht nach jeder flotteren Gangart nach einem Träger. Das Mineralfutter: Ich hasse es, im Halbdunkeln auf diese transparenten Abmess-Hütchen zu schielen und die Striche zu lesen. Das muss ich nicht mehr, seit ich eine digitale Löffelwaage habe! Richtig gut, sie zeigt am Stil an, wie schwer das Pulver oder die Pellets sind. Meine ist von Tchibo und günstig, es gibt auch welche von WMF zum Beispiel, kostet auch nicht die Welt.

P.S.: Ahhh, ich hab‘ noch einen! Fast vergessen – meine Leserin Line Tinker hat mir auf facebook erzählt, dass sie im Reiterstübchen einen elektrischen Skischuhhalter stehen haben. So einen mit mehreren Armen für vier oder sechs Paar Schuhe. Damit kann man Reithandschuhe trocknen aber natürlich auch Stiefeletten oder Socken. Sehr gute Idee! Kathi Knabl hat immer eine Wärmflasche im Spind, um es an der Bande länger auszuhalten. Tina Schäfer von Procavallo, auch eine Stammleserin, schwört auf Reitunterwäsche von Icebreaker. Schuh-Putzbürsten zum Drüberlaufen sind bei uns im Stall übrigens an jeder Ecke aufgestellt, auch ein guter Alltagstipp. Wer seine Sattelkammer bzw. seinen Schrank so richtig picobello aufräumen möchte, der findet bei Karolina auf dem Blog Tipps einer Aufräumexpertin dazu. Auch mit guten Hinweisen für die Stallapotheke! Bei Pferdekult sind Ideen zum Selbermachen gesammelt, die den Selbstversorger-Alltag erleichtern: Wie man eine große Heuschubkarre baut, oder die Futterkammer organisiert, zum Beispiel.

5 Dinge, die auch Fortgeschrittene beim Leichttraben häufig falsch machen

1. Nur nach oben aufstehen

Viele Reiter nehmen ihr Becken beim Leichttraben zu wenig nach vorn mit. Die Idee, nach vorn aufzustehen, soll aber nicht aus dem Kopf-Hals-Schulterbereich kommen, sondern die Schwungbasis sollte das Becken sein.

2. Zu wenig gestreckt aufstehen

Ein Test, um die eigene optimale Position zu finden: Aufstehen wie beim Leichttraben, aber am höchsten Punkt stehen bleiben. Dies für einige Tritte ausgeführt, zeigt Dir, wie weit Du aufstehen kannst!

Aus unserem Claudia-Butry-Kurs: Hier gab’s noch andere Ideen für Sitzschulung-Fortschritte! Foto: Klara Freitag

3. Zu wenig hoch oder weit aufstehen

Zu wenig oder zu weit nach oben aufzustehen sind beides Fehler, die direkte Auswirkungen auf das Pferd haben. Häufiger ist jedoch, zu wenig weit aufzustehen. Durch den Takt, den der Reiter vorgibt, kann er direkt auf die Weite der Tritte des Pferdes Einfluss nehmen. Die Idee, einen Tick länger am höchsten Punkt oben zu bleiben, hilft vielen Reitern, das Pferd dazu zu animinieren, größere Tritte zu machen und weiter zu schwingen. Dennoch sollen beide verbunden bleiben, es bringt natürlich nichts, völlig ataktisch aufzustehen.

Die Fußballen weich und leicht im Bügel lassen, auch beim Leichttraben, ist ein Sitzschulungsdetail aus der Mary-Wanless-Methode. Foto: Klara Freitag

4.Aufstehen vorwiegend aus den Steigbügeln heraus

Ein wichtiges Kriterium für ein gutes Leichttraben ist, dass die Fußballen dennoch verhältnismäßig leicht in den Steigbügeln liegen. Wer hier stark stützt, steht fester und unharmonischer auf. Besser verbunden mit dem Pferderücken bist Du, wenn Du Dir beim Leichttraben vorstellst, dass Deine Beine an den Knien enden. Das Aufstehen muss laut der Mary-Wanless-Methode vorwiegend durch das Hebeln der Oberschenkel entstehen. Wer so erstmals aufsteht, der wird nach ein paar Runden deutlich seine Muskulatur spüren – auch als geübter Reiter.

5.Zu weit hinten einsitzen

Sitzt der Reiter zu weit hinten ein, dann gibt er mit jedem Einsitzen Druck in Richtung Sattelefter ab. Dadurch wird sein Gewicht nicht mehr gleichmäßig verteilt, sondern vor allem in den hinteren Bereich der Kissenpolsterung verschoben. Das kann unangenehm für das Pferd sein und sogar zu Rückenschmerzen führen.

Leichttraben: Übung zum Testen

Eine schöne Übung, um das eigene Körpergefühl beim Leichttraben zu verbessern: Abwechseln zwischen normalem Leichttraben bei jeder Wechsel der Diagonale (1:1) und je zwei Tritte stehenbleiben, einen Tritt sitzen (2:1).  Probiert es mal aus! Vielleicht ist das Pferd zunächst verwundert, doch nach ein, zwei Runden wird es bemerken, dass Du einfach normal weiter traben möchtest, auch wenn Du da oben drauf heute etwas anders machst. Dann bleib auch einfach mal für drei, vier Tritte in der Luft am höchsten Punkt stehen. Fühl die Höhe nach und stehe nächstes Mal bewußt so weit auf, wie Du es in der Übung zuvor gespürt hast.

 

Na, wird’s warm bei den Übungen? Mein Hund hat vorgesorgt. Foto: Klara Freitag

 

Mir haben Elaine Butler, Hannah Engler (beide arbeiten nach dem Mary-Wanless-Sitzschulungssystem) und Claudia Butry (Sitzschulung nach der Bewegungslehre von Eckart Meyners) geholfen, den Sitz auch nach vielen Reitjahren noch mal zu verbessern. Elemente aus ihrem Unterricht sind in diesem Text zu finden – sie selbst können es sicherlich noch mal viel besser direkt im Unterricht erklären!

Gebisse für empfindliche Pferde

Wenn ich mich auf eine Sache beschränken sollte, für die ich in 2018 eine Lösung gefunden habe, dann wären es die Gebisse. Ich habe so viele Gebisse im vergangenen Jahr ausprobiert wie noch nie zuvor.

Der Grund dafür: Beide Stuten sind extrem empfindlich im Maul, reagieren aber extrem unterschiedlich: Reitponystute Chamonix neigt dazu, sich einzurollen.  Warmblutstute Ailena hebt sich heraus, sobald man eine Millisekunde zu spät mit der nachgebenden Hand ist.

 

Einfach & doppelt gebrochene Gebisse

Ich habe eine ganze Gebisssammlung ausprobiert. Angefangen mit einfach und doppelt gebrochenen Standardgebissen, von Sprenger Aurigan bis namenloses Konkurrenzprodukt. Dann, weil ich den Eindruck hatte, die Stuten möchten etwas Leichteres im Maul haben, habe ich Happy mouth Gebisse ausprobiert. Diese Plastik-Gebisse mit Apfelgeschmack. Das war besser, aber noch nicht ideal. Das Pony hatte innerhalb weniger Monate so auf dem Gebiss herumgekaut, dass scharfe Ecken entstanden. Das Gebiss wanderte in die Mülltonne. Ich wechselte auf eine Schenkeltrense mit recht dünnem doppelt gebrochenem Gebiss (das ist auf dem Foto unten zu sehen). Das lag schön ruhig durch die Schenkel, das fand Chamonix gar nicht so schlecht. Ideal war es dennoch nicht.

Chamonix mit der doppelt gebrochenen Schenkeltrense. Sie war eine gute Idee, aber noch besser geht sie auf Nahte-Stange. Fotos: Klara Freitag

Titangebiss und Plastikgebisse

Ailena war mit ihrem einfach gebrochenen Gebiss nicht ganz unglücklich, ging mit dem doppelt gebrochenen Sprenger aber zufriedener. Blieb die Sache mit dem Gewicht. Ich wechselte zu Lorenzini Titan, ebenfalls doppelt gebrochen und dünner. Davon hatte ich viel Gutes gehört, es ist sehr leicht, es wärmt sich schnell an und die Pferde mögen das Material. Stimmt auch alles. Das Gebiss war jedoch anatomisch gebogen, ich hatte darauf beim Kauf nicht geachtet. Blöd, denn diese Form ist keineswegs sanfter, sondern unterbricht den polsternden Effekt der Zunge und ist damit direkter, also schärfer, als ein nicht anatomisch gebogenes Gebiss. Also funktionierte das recht gut, sie akzeptiert das Gebiss an sich super  – aber wehe, ich war einen Ticken zu spät mit der Hand – das kam gar nicht gut an, also Problem weiterhin nicht gelöst. Dass ich nicht zu spät mit der Hand sein möchte ist klar und natürlich arbeite ich da dran – aber ich muss es ihr ja auch nicht unangenehmer machen, als es sein muss. Daher war meine Suche nicht beendet.

Empfehlung vom Tierarzt – und einer Schülerin von Chris Bartle

Dann las ich von Nathe-Gebissen. Das ist eigentlich ja nichts Neues, die gibt es schon lange. Aber sie waren aus meinem Blickfeld verschwunden. Dass diese Gebisse aus einem speziellen Kunststoff oft sehr gut angenommen werden von Pferden, die problematisch im Maul sind, hörte ich von vielen Seiten. Kennt Ihr das, wenn einem auf einmal von allen Seiten etwas über den Weg läuft? Ich sah dann bei meinem Besuch in England bei Vielseitigkeits-NationaltrainerChris Bartle ein Pferd einer Schülerin von ihm auf Nathe laufen und fragte sie, weshalb sie es nutzt und ob sie zufrieden ist. Ja, sagte sie, sie sei sehr zufrieden, das Pferd möge diese Stange sehr. Eine Stange? Ja, eine Stange.

Eine Stange namens Standardgebiss

Dann kam mein Tierarzt um den Pferden die Zähne zu machen, und ich erzählte ihm von den Anlehnungsproblemen und dass egal, wie fein ich mit der Hand sein möchte, beide Stuten nicht wirklich zufrieden liefen.  Zu Ailena sagte er: „Sie ist bei der Zahnbehandlung sehr empfindlich am Gaumen und mag es nicht, wenn ich den Gaumen berühre. Probiere mal eine Stange aus!“ Dass die Stute sediert der Berührung am Gaumen ausweicht, fand ich schon beachtlich. Eine Stange empfahl mein Tierarzt, damit nichts an den Gaumen kommt, wie es mit gebrochenen Gebissen passieren kann.

 

Ideales Schäumen und endlich: Herandehnen!

Ich kaufte zunächst für Chamonix eine Nathe Stange, Standardgebiss nennt sich das bei der Firma. Das Material ist so flexibel, dass man es in der Hand biegen kann, es ist nicht starr (und es geht nicht vom Kauen kaputt!). Von Chamonix Reaktion auf das Gebiss war ich begeistert: Sie traute sich endlich, an das Gebiss heranzutreten und schäumte schön zart. So, wie man sich das wünscht, also keine riesigen Flocken und heftiges Sabbern, sondern ein schöner Schaumrand an den Lippen. Dann habe ich Ailena auch eine gekauft. Da genau das gleiche Ergebnis: Das Herausheben ist so gut wie weg, kommt fast gar nicht mehr vor. Sie läuft super zufrieden!

Gebisswechsel ersetzt niemals die Ausbildung

Die Gebisse sind keine Wundermittel und kaschieren Ausbildungslücken nicht. Dennoch ist deutlich spürbar, dass beide Pferde mit ihren Nathe-Stangen bisher von allem, was ich ausprobiert habe, am zufriedensten gehen. Zwar ist nicht alles komplett weg – Chamonix kommt zum Beispiel immer wieder noch zu eng, vor allem, wenn sie müde wird („Hinter die Senkrechte kommen ist oft eine Frage der Kraft!“, Zitat von Claudia Butry, recht hat sie). Aber sie sperrt weit weniger, als sie das zuvor tat (ohne Zügelkontakt – einfach so, am hingegebenen Zügel, macht sie das immer wieder mal. Ich deute das als Unbehagen bzgl. des Gebisses) und scheint die Stange und das Nathe-Material bisher am allerbesten von allen Gebissen zu finden.

Ausbildung und Ausrüstung

Natürlich sind Ausbildungsprobleme nicht mit Gegenständen zu kompensieren. Aber wenn ich das Gefühl habe, da stimmt was nicht ,das ist nicht ideal fürs Pferd, dann suche ich eben nach einer Verbesserung. Und die haben mir die Nathe-Gebisse für beide Stuten absolut gebracht!

 

P.S.: Auf wehorse habe ich aufgeschrieben, welche Dinge ich in 2018 noch so gelernt habe! Mit einer super Übung für einen schönen, getragenen Galopp von Claudia Butry.