Auf Wiedersehen, wunderbare Ailena

Pferd und Mensch nebeneinander

Ist sie nicht wunderschön? Ailena fotografiert von Sarah Brummer.

 

Mir liegt was im Magen und ich muss es wohl auch hier einmal aussprechen. Denn ich mag das nicht, wenn Pferde einfach spurlos verschwinden aus Blogs, Berichten, Filmen.

Vor zweieinhalb Jahren begann ich, Ailena zu reiten. Damals hatte ich meine Fee noch, aber die musste stehen und ich hatte Reitsehnsucht. Ailena war neu hinzugekauft und ihre Besitzerin wollte sie nicht reiten, sondern suchte jemanden dafür.

 

Wie das Traumpferd so aussieht

Ailena war damals alles andere als mein Traumpferd. Sie erschien mir lang, sehr groß und vor allem unglaublich unausbalanciert. Ich habe noch nie in meinem Leben auf einem Pferd gesessen, dass die lange Seite so galoppierte wie sie: Ich hatte das Gefühl, ich werde gleich durch die Wand geschleudert. Sie ging wie eine Giraffe mit Badewannenrücken. Und sie hatte sehr wenig Vertrauen.

Das Foto entstand so ungefähr zu unserer Halbzeit. Da war sie schon geschmeidiger, beweglich und vor allem mental dabei! Wie man sieht: Groß ist sie nicht wirklich – nur mir erschien sie so. Foto: Franzi Schmitz

 

Irgendwie mochte ich diese Stute dennoch. Bald war klar: Sobald sie vertraut und zuhört, statt wegzulaufen und sich wegzudrücken, ist sie unheimlich engagiert.

Meine Fee starb im Februar 2017, wenige Monate nachdem ich begann, mit Ailena zu arbeiten. Chamonix hatte ich da zwar schon, aber sie zog erst im März zu mir. Ich behandelte Ailena einfach wie mein zweites Pferd, nahm sie auf all unsere Kurse mit und es entstand zwischen uns etwas. Sie veränderte sich und wir veränderten uns.

Zwei braune Pferde am Koppelzaun, Frau daneben streichelt ein Pferd.

In den letzten gemeinsamen Monaten entstand das Bild hier. Ein zufriedenes Pferdemädchen (gilt für alle drei auf dem Bild). Foto: Klara Freitag (Danke Klara! Sehr!)

Sie wurde schöner und schöner

Das Markanteste, äußerlich, war: Ihr Gesicht veränderte sich. Als ich sie kennenlernte, war ein Auge schräger angeordnet als das andere. Anfangs dachte ich, vielleicht hat sie da mal als junges Pferd einen Schlag drauf bekommen oder so. Tatsächlich wurde das Gesicht symmetrischer mit der Zeit. Je mehr sie ins Gleichgewicht kam, desto symmetrischer sahen die Augen aus. Sie wurde insgesamt mobiler, konnte ihren Körper besser bewegen, wusste wo er anfängt und aufhört. Ihr Geist wurde offener, sie hatte Vertrauen und gleichzeitig sah man diese Veränderung im Gesicht. Erstaunlich.

Pferd mit Knotenhalfter

Wir. P.S.: Sarah, ich bin Dir so dankbar für diese Fotos! Foto: Sarah Brummer

Wenn das Glück anders aussieht, als Du dachtest

Am schönsten war die Zeit, die wir allein in der Halle verbrachten. Ich glaube, ich bin von keinem einzigen Pferd, das ich je kannte, so häufig so glücklich abgestiegen wie von ihr. Sie wollte einfach unbedingt gefallen, alles verstehen. Sie reichte das Herz auf dem Tablett an, auf jeden Fall fühlte es sich für mich so an. Sie war körperlich nicht das Dressurpferd per excellence. Aber sie wollte. So, so sehr.

Es gab diesen Moment, ich kam aus der Reithalle, kratzte ihre Hufe aus und ich dachte, nein, ich wußte:  Sie wird alles lernen. ALLES.

 

Halsringreiten mit Lisa – auch eines der wunderschönen Erlebnisse mit Ailena. Foto: Franzi Schmitz  (Ich mag das Bild sehr Franzi, wie die ganze Reihe – wie gut, dass Du damals da warst! Danke!)

 

Und weg.

Ich bin leider nicht immer mutig. Ich war nicht mutig genug, Ailena sofort zu kaufen, als es möglich war. Als ich bereit war, war sie nicht mehr verkäuflich.

Genau an dem Punkt endet unsere Geschichte.

Ich bin wahnsinnig traurig darüber, sie gehen zu lassen. Da, wo sie wohnt, geht es ihr gut. Nur mir geht’s nicht gut ohne sie.

Pferd Dressur,Reithalle

Zwar steht sie da komisch herausgestellt, aber schaut ihr mal ins Gesicht: Ziemlich stolz darauf, was sie gerade gemacht hat. Das war in einem von vielen Kursen mit Claudia Butry. Foto:Klara Freitag

 

Ihr werdet noch einige Bilder sehen, die in unserer Zeit gemeinsam entstanden sind. Aber in der Zukunft gibt es Ailena und mich leider nicht mehr.

Pferd weg – Pferd verkauft: Kann man daraus was lernen?

Man kann ja bekanntlich aus jeder Scheiße, die das Leben so bereit hält, etwas lernen. Wenn ich ehrlich bin, erstickt bei mir die Traurigkeit gerade jeden klugen Gedanken. Wenn ich mir Mühe gebe, kann man das hier daraus lernen: Dass Glück manchmal nicht die Form und Optik hat, die man sich so vorgestellt hat. Und: Machen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Gelegenheiten bleiben nicht auf ewig optional.

Und ich denke: Ach Du meine Güte, wie soll ich denn in so einer Situation meine oberschlauen #heartwideopen Vorsätze bitte leben. I try my best.

Pferdeweide

Was Dich wirklich mit Deinem Pferd glücklich macht

So einige von Euch werden es mitbekommen haben: Ich habe mit Chamonix den Stall gewechselt. Was heißt Stall, ich bin vom Fünf-Sterne-Domizil auf eine Jungpferdeweide gezogen. Witzig finde ich selbst, wie die neue und die alte Konstellation so wirken, wenn man sie mal notiert :

 

  • Alt: Paddocktrail mit Halle, allerbester Ebbe-Flut-Hallenboden, befestigte Paddockböden, super gepflegt, Solarium, Waschplatz, freie Trainerwahl, Box für Krankheit möglich, Wald 10 Minuten Schrittzeit entfernt. Stundenweise kleine Weide im Sommer, ansonsten ganzjährig 24/7 Heufütterung, gute Qualität. Stallmeisterin vom Fach. Status: Einstaller.
  • Neu: Ganzjahresweide, Weidezelt, Anbindeplatz, einfacher Roundpen mit Naturboden. Wald 15 Minuten Schrittzeit entfernt. Status: Eigener Herr.

 

Na, wo würdest Du einziehen?

 

Mein alter Stall hat sicherlich das Optimum an Features, was man sich so wünschen kann. Ein Sechser im Lotto. Beste Haltungs- und Trainingsbedingungen. Die neue Lösung gefällt mir aber besser! Verrückt, oder? Denn:

 

  • Ich finde es herrlich, mein eigener Herr zu sein.

  • Ich finde es fantastisch, dass ich nur meine eigenen Kompromisse leben muss.

  • Ich gehe da morgens oder abends über die Wiesen und gucke den Pferden zu. Manchmal nur ganz kurz, aber mehrfach am Tag. Ich bin viel mehr in der Herde, in dem Leben, das die Pferde führen, als früher.

  • Ich war in den letzten Jahren nie entspannter beim Pferd als jetzt.

 

Das Ganze hatte übrigens keinerlei finanzielle Komponente bezüglich der Entscheidung. By the way.

 

Ich hatte natürlich auch Bedenken. Vor allem, was reiterlich noch möglich sein wird. Wir haben Sommer, daher ist das natürlich momentan alles noch einfach. Aber selbst für den Sommer hatte ich Bedenken und das Witzige ist, dass sogar Freundinnen von mir gefragt haben: „Aber Dressur kannst Du ja jetzt gar nicht reiten, oder?“ Klar kann ich das! Überall – auf abgemähten Weiden, auf abgefressenen Weiden. Ist ja alles da. Oder einfach im Gelände. Dafür brauche ich nur eins: Willen, Konzentration und Konsequenz, das wirklich zu machen, statt rumzueiern. Oder, wenn ich ganz geraden Boden und Buchstaben an der Bande will: Woanders, wenn ich das Pony einfach auflade. Das geht natürlich nur, weil alleine sein (fürs Pferd) und alleine reiten (für mich) kein Thema sind. Und verladen auch nicht.

 

Dieser Stallwechsel hat mich aber auch zu der Frage geführt, was wir uns wirklich wünschen. So jeder, tief in sich. Und was gesellschaftlich anerkannte Wünsche sind, die man so einfach für sich selbst übernimmt. Für mich habe ich festgestellt: Ich brauche eher Freiheit als Luxus. Ich bin einfach so ein Typ. Auch wenn ein Offenstall mit Solarium fürs Pferd immer noch etwas ist, das ich genial finde (Da sitzt die Wehmut! Oder eher ein kleiner, kleiner Teil davon. Die echte Wehmut hat vier Beine, ist braun und immer noch in unserem alten Zuhause). Mal sehen, ob ich noch so begeistert von meiner Wildnis bin, wenn es kalt und regnerisch wird. Aber eins hat mich das hier auf jeden Fall gelehrt: Genauer nachfühlen, was eigentlich die eigenen Bedürfnisse sind. Und was vielleicht nur Wünsche sind, die man so hat, weil die so jeder gut findet. Kennst Du das? Hattest Du das auch schon mal?

 

Bei wehorse habe ich übrigens eine kleine Sache beschrieben, die auch zu diesem Thema passt, finde ich: Warum ich das Schenkelweichen für die Lektion halte, die mich in der letzten Zeit am meisten weitergebracht hat. Obwohl sie in manchen Kreisen nicht gerade beliebt ist! Lest mal, ist spannend, wer das alles so noch nutzt (Alizée Froment, Claudia Butry, David de Wispelaere, Carl Hester, Sara Oliveira zum Beispiel!). Grundsätzlich erklärt Euch Karolina auf 360 Grad Pferd, wo der Unterschied zwischen Schenkelweichen und Schulterherein liegt und warum Schenkelweichen nicht zu den Seitengängen zählt. Und sie vertritt eine etwas andere Meinung als ich zur Güte dieser Übung. Spannend also, beides zu lesen!

Wer Lust hat, seine Erfahrungen damit aufzuschreiben – sehr sehr gern! Freue mich immer über Feedback in den Kommentaren von Euch.

10 Punkte, die ich am CHIO Aachen nicht mag

Abendstimmung am Springplatz auf dem Turnier CHIO Aachen.

Es ist eine Hassliebe, ich und der CHIO Aachen. Auf wehorse habe ich Euch 10 Punkte aufgeschrieben, die ich an diesem Turnier besonders mag. Hier ist die andere Liste, die 10 Punkte, die ich am CHIO so gar nicht mag:

  1. Der CHIO ist von einer echten Volksveranstaltung mit großem Sportlerherz zu einem Kommerztempel geworden. Das Sportlerherz ist natürlich noch da. Doch das viel gerühmte Aachener Publikum zieht immer mehr den Kürzeren. Das beginnt bei den Kartenpreisen, der vor Jahren wegrationalisierten Stehplatzwiese und endet bei Kleinigkeiten wie plumper Moderation auf den Nebenschauplätzen des Turniers.
  2. Das war mal ein echter Hammer in diesem Jahr: Die Nominierten des Medienpreises „Das silberne Pferd“. Der Preis wird von den Turnierveranstaltern gemeinsam mit dem Deutschen Reiter- und Fahrerverband e.V. vergeben. Ziel ist, Online-Publikationen zu ehren, die für den Pferdesport begeistern. Das hat im vergangenen Jahr auch hervorragend geklappt, da wurde Juliane Barth von „Julis Eventer“ ausgezeichnet: Eine Vielseitigkeitsreiterin, die über ihren Sport bloggt und zudem beruflich über diesen berichtet. Auch im Auftrag des CHIOs selbst übrigens. Das mag ein kleiner Beigeschmack sein, aber Tatsache ist: Juliane macht einen super Job und hatte den Preis total verdient. In diesem Jahr aber wurden zwei Kanäle nominiert, die einfach fern jeder ähnlichen Qualität sind: BinieBo und der Podcast Neunkommanull. Verständlich wäre die Nominierung von Biniebo, wenn das ein Preis für gut funktionierendes Marketing und Kooperationen wäre. Ist er aber nicht. Inhaltlich ist BinieBo vielleicht Wendy-Award-tauglich, mehr aber nicht. Der Podcast ist ebenso kaum erwähnenswert. Was bitte sollte das? Zum Glück hat dann doch sportschau.de, ebenfalls nominiert, den Preis bekommen (wer überträgt nochmal in diesem Jahr besonders üppig?!). Ich habe mich übrigens weder in diesem, noch im vorigen Jahr für den Preis beworben – ist also kein Neidding, das hier. Was ich mir wünschen würde: Dass der Deutsche Reiter- und Fahrerverband mal seine Aufgabe wahrnimmt und mal genauer guckt, wer da nominiert wird. Es gibt hervorragende Online-Angebote, die für den Reitsport begeistern, ohne an Qualität einzubüßen und Beliebigkeit hoch zehn zu vermarkten.
  3. Es gibt zwei Reitweisen, die neue Reitweise und die richtige, so ähnlich sagte das einst Paul Stecken. Die FEI, der internationale Verband, macht keinen Hehl daraus, dass die althergebrachten Richtlinien von uns aus Deutschland nicht mit ihrem Ideal 1:1 übereinstimmen. Dennoch macht es mich traurig, immer wieder von Neuem, dass das Fachliche immer mehr dem Showsport und der Vermarktbarkeit weicht. Kann man in fast allen Prüfungnen analysieren.
  4. Dass das Essenszelt für die Presse so abgelegen ist, dass ich es nie nutze. Ich glaube, ein Mal in acht Jahren oder so. (Aber dafür gibt’s ja Schokolade umme, damit bekommt man mich sehr milde gestimmt).
    Turnierplatz CHIO Aachen, grüner Rasen, Zuschauer
  5. Auf Aachen sind alle stolz. Und dabei zu sein, darauf sind auch alle stolz. Und dazuzugehören, eine Rolle da zu spielen. Das ist nicht ungefährlich. Was ich eindeutig nicht mag: Das Duckmäuserische von vielen Aktiven und Ehrenamtlern und der Stolz, dabei zu sein, der jede Selbstkritik wegwischt.
  6. Wobei wir dann beim nächsten wären: Eine Hand wäscht die andere. Wer weiter rein blickt, in das System CHIO und FEI, der sieht viele Fähnchen und Abnicker.
  7. Die Eitelkeit Aachens. Ich mag Aachen, ich bin gern Aachenerin. Ich bin Reiterin, ich arbeite im und für den Reitsport. Und dennoch: Diese Eitelkeit von Veranstalter, der Stadt und ihrer Repräsentanten selbst, sowie der Sport-Elite, die ist überflüssig. Alle wären noch besser in ihrem Job, wenn sie das husch, einfach mal lassen würden. Das betrifft natürlich nicht alle. Ich generalisiere. Aber unterm Strich würde es vielen gut stehen, da mal Federn zu lassen.
  8. Dass da irgendwelche C-Promis hofiert werden. Ist nicht meins, so etwas. Bei der letzten Media-Night, die ich besucht habe (das ist das IT-Fest des CHIOS), stand neben uns auf dem roten Teppich eine Dame, die 20 Minuten in jeglichen Positionen posieren musste, damit ihr älterer Lebensgefährte sie aus jeder Perspektive auf dem Handy hatte. Genau so erscheint es mir oft: Ein Event, der wie eine abgerissene Seite aus der Bunten funktioniert. Um fair zu sein: Man kann da gut tanzen und feiern, wenn man diese Seite ausblendet. Echt jetzt! (Und wir haben danach auf dem Rasen des Abreiteplatzes heimlich weitergetanzt. Und das war am besten)
  9. Dass ich so wenig reel gerittene Pferde sehe. Ich freue mich über jedes. Ehrlich wahr. Das erinnert mich an ein Gespräch vor Jahren über die Frankfurter Buchmesse. Ich, naiv, um die 20, sagte zu einer gestandenen Redakteurin: „Ist das nicht wunderbar dort, um neue Bücher zu entdecken?“ Sie: „Also das wäre der letzte Ort für mich, um gute Bücher zu entdecken!“ Ich: „Findest Du das etwa nicht toll da?“ Sie: „Doch, aber aus anderen Gründen: Das ist ein Ort zum Sehen und Gesehen werden, das ist ein Fest, aber es hat nichts mit literarischer Qualität zu tun!“  Das Gleiche trifft für reelen Reitsport zu und ein Weltturnier wie den CHIO.
  10. Dass die Kutschen im Wald abgeschafft wurden. Der Weg weg vom Volksfest begann vielleicht hier, oder war auf jeden Fall eine fette Etappe: Früher fuhren die Gespanne durch den Aachener Wald. Die Leute pilgerten dahin, es war eine tolle Atmosphäre, friedlich, besonders. Kostenlos war es natürlich auch. Das gibt’s nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Sehr schade!

 

Ehrlich gesagt: Mir ist die Negativ-Liste schwerer gefallen als die Positiv-Liste drüben bei wehorse. Ich mag es dort. Trotz allem.

Pferde haben: Über das soziale Gewissen der Reiter.

Letztens hatte ich einen Chat mit einer Followerin auf Instagram, über den ich seit Wochen nachdenke. Es war kein schöner, eher eine Diskussion. Den Anlass weiß ich gar nicht mehr, aber was sie sinngemäß schrieb war:

„Manche sind sich nicht bewusst, in welcher privilegierten Lage sie sind.“

Sie meinte damit mich und meine Follower. Ich fand das erst ganz schön daneben. Ich habe keinen Kanal, um den es nur um puren Luxus, ständig neueste Outfits und Statussymbole geht.

Frau streicht Pferd über den Kopf.

Unser Pony Chamonix und ich. Foto: Klara Freitag

 

Die Followerin arbeitet im sozialen Bereich und hat Klienten, die echte Existenzprobleme haben. Natürlich ist die Fallhöhe da immens. Nach dem ersten Ärger verflogen war – „wie kann mich bitte jemand so wahrnehmen?“, habe ich aber immer wieder daran denken müssen.

Das Soziale Gewissen der Reiter

Unterm Strich stimmt das ja: Ich lebe in einem sicheren Land. Ich habe ein Dach über dem Kopf, genug zu essen, Arbeit, ich habe sogar eine Leidenschaft, die ich ausleben kann, mehrere sogar, Tiere, Menschen, die mir gut tun, um mich herum. Das ist nicht selbstverständlich. Aber der finanzielle Aspekt bleibt. Selbst wenn ich nicht in einem Stall mit Goldgeschnörkel, Empfangszimmer mit Kamin und etlichen Angestellten stehe: Ich gebe viel Geld aus für Pferde. Schon immer.

Wie alle, die Pferde haben.

Wie teuer ist ein Pferd? Und was könnte man stattdessen Gutes damit tun?

Bei wehorse drüben habe ich übrigens gerade aufgeschrieben, wie viel ein Pferd pro Monat kostet. Habe ich auch mal einem Chefredakteur als Thema vorgeschlagen, mit Deutschlandkarte und Boxenpreisen dazu. Finde ich nämlich extrem spannend. „Das will doch keiner wissen!“ sagte der jedoch, „das ist ja gruselig!“ Wir mussten beide lachen, am Telefon, als er das sagte. Er hat nämlich ziemlich viele Pferde zuhause stehen. Augen zumachen also.

Pferd statt Eigentumswohnung

An eine Redaktionssekretärin vor vielen Jahren erinnere ich mich auch zu diesem Thema. Als ihr Dressurpferd starb (sie war auf höherem Niveau reiterlich unterwegs, das kostet eben auch, sicherlich nicht einfach mit einem Sekretärinnengehalt), da sagte sie: „Andere Freundinnen haben eine Eigentumswohnung, ich hatte ein Dressurpferd.“ Deshalb wollte sie auch nicht wieder ein eigenes Pferd haben. Ich war knapp über 20 Jahre alt damals und fand das reichlich wenig emotional: „All die Erlebnisse, die sie mit diesem Pferd wohl gehabt hatte, zählten die denn gar nicht?“, fragte mein junges Ego. Aber es stimmt: Für viele Leute mit kleinerem oder normalem Einkommen geht die Altersabsicherung fürs Pferd drauf. Der Spruch, jemand spare sich das Pferd vom Mund ab, stimmt auch für viele. Dass ein Pferd besitzen nicht bedeutet, reich zu sein, muss ich hier wohl niemandem erklären.

Aber wenn es um „Fürs Alter sparen oder alles fürs Pferd raushauen“ geht, dann ist man ja wieder bei sich und seinem kleinen Leben. Meiner Followerin ging es ja darum, wie man so einen Luxus leben kann, während es anderen wirklich dreckig geht.

Es ist ungerecht, egal, wie ich es drehe.

Mich triggert das auch, weil ich ein Mensch bin, der im Leistungskodex erzogen wurde: Wenn Du leistest, arbeitest, hast Du auch was verdient. Dann darfst Du auch was davon haben. Nicht protzen, alles schön auf dem Boden geblieben. Aber es steht Dir zu. Was Dir nicht in den Schoß fällt, was Du selbst erreicht hast, das darfst Du schätzen.

Ist auch verquer, ich weiß das inzwischen (zum Glück!). Was dieser Gedankengang zudem missachtet, sind die unterschiedlichen Schwierigkeiten und Bedingungen auf Lebenswegen. Das Privileg beginnt bei der Geburt und dem Kontinent, auf dem man zur Welt kommt. Soziale Schicht, Bildungsniveau der Eltern: Das sind alles Quellen für unterschiedliche Startpositionen im Leben. Die zentrale Frage lautet deshalb:

 

Wie steht es um mein soziales Gewissen, wenn ich so viel Geld in Pferde stecke?

 

Ich würde so gern sagen: Ja, klar. Hier, ich setze mich für X, Y, Z ein. Aber das, was ich tatsächlich mache, ist klein: Ich gebe Junkies Essen ab, zum Beispiel, wenn sie mich vor dem Supermarkt anbetteln um Geld. Aber was ist das schon? Wenn mir die Armut vor die Füße fällt, dann mache ich etwas. Na toll.

Soll ich jetzt Weihnachtsspenden oder das Schreiben über Reiter für Afrika als große Taten meinerseits anpreisen?

Kann ich mein soziales Gewissen mit Spenden beruhigen?

Aber wenn man Größer denkt: Bedeutet soziales gesellschaftliches Engagement, wie Spendengalas organisieren, wirklich etwas? Das war zum Beispiel für zwei Menschen in meinem Umfeld  jahrzehntelanger Lebensinhalt. Meint das wirklich, soziales Gewissen leben?

Ja und nein.

Nein, weil es da ganz oft einfach auch nur um Status, Geselligkeit und Gesehen werden geht. Weil echte Empathie und Mitgefühl nicht in Zahlen gemessen werden.  Ja, weil es tatsächlich hilft. Geld wird nun mal schlicht und einfach für gute Dinge gebraucht. Ich sehe regelmäßig Klienten beim Therapeutischen Reiten, zum Beispiel. Ich sehe, wie viel die Pferde den Menschen da bedeuten.

Ehrlich gesagt – ich habe immer noch keine Antwort auf den Vorwurf meiner Followerin. Außer, dass ich drüber nachdenke.

Und dass ich so handle, wie ich handle, weil etwas in mir innerlich schreit, dass ich mit Pferden zusammen sein will. Egal wie.

Nenn es Liebe, nenn es Leidenschaft. Oder eben Ignoranz, Privileg. Wie war doch gleich mein Slogan vom Blog: A life with horses. Es geht nicht ohne.

 

 

Wie Du Jakobskreuzkraut erkennst und was gegen Ampfer hilft

Der Schreck aller Pferdeleute ist gelb blühend und heißt Jakobskreuzkraut. Aber noch nicht mal Profis erkennen die Pflanze sicher. Mich rief mein Nachbar,  Landwirt, vergangenes Jahr an und sagte: „Du hast Jakobskreuzkraut auf der Wiese stehen!“ Ich war natürlich alarmiert (vielleicht war das auch nur ein Test?). Ich fuhr zu Wiese und entdeckte, ja, blühende gelbe Pflanzen. Aber es war bloß das harmlose Wiesenpippau, das eine ganz andere Blütenform hat als das Jakobskreuzkraut. Keine einzige Giftpflanze stand auf der gesamten Wiese. Deshalb: Selbst schlau machen!

Vorurteil: Gelbe Blumen sind Jakobskreuzkraut und müssen ausgerissen werden.

Es gibt noch allerlei andere gelbblühende Pflanzen, mit denen das giftige Jakobskreuzkraut gern verwechselt wird. Rainfarn zum Beispiel, Wiesenpippau oder Johanniskraut.

So erkennt man Jakobskreuzkraut sicher

Sichere Kennzeichen: Es hat 13 Blütenblätter! Gemeint sind die äußeren, länglichen Blütenblätter, korrekt heißen sie Zungenblütenblätter. Die inneren sind so klein, dass man sie gar nicht als Blütenblätter wahrnimmt sondern als Blüteninneres. Nachzählen hilft also, wenn man sich unsicher ist. Schon dabei Handschuhe tragen, auch für den Menschen ist die Pflanze und ihr Saft giftig! Typisch ist auch der violettfarbene Stängel. Das trifft aber auch nur auf mehrjährige Pflanzen zu, vor allem im ersten Jahr ist Jakobskreuzkraut schwieriger zu erkennen. Es ist eine grünblättrige Rosette, deren Blätter bodennah ausgebreitet sind zu sehen. Auf der Seite vom Arbeitskreis Kreuzkraut e.V.. ist gut dargestellt, wie junges Jakobskreuzkraut aussieht. 

Ein Stängel Jakobskreuzkraut und das Pferd ist tot!

Jakobskreuzkraut kann schlimme Folgen für die Gesundheit haben, aber von einem Stängel stirbt kein Pferd. 40 Gramm einer Frischpflanze reichen jedoch schon pro Kilogramm Körpergewicht Pferd, um tödlich zu wirken. Bei einen Kleinpferd sind es 15 Kilo Futter oder 2 Kilogramm Heu. Natürlich haben aber weitaus geringere Mengen Jakobskreuzkraut im Futter Folgen für die Gesundheit! Die Giftstoffe lagern sich in der Leber an, die Konsequenzen sind schleichend. Daher ist mit Jakobskreuzkraut nicht zu spaßen. Entsorgt werden sollte es in einer Tüte verschlossen im Müll. Nicht auf den Misthaufen werfen!

Gegen Ampfer hilft nichts. Außer Chemie.

Stumpfblättriger Ampfer, bei uns auch Ochsenblatt genannt, ist wirklich meine Hasspflanze. Ich dachte, ich weiss alles darüber: Oft ein Anzeiger für Kalkbedarf, Samen bleiben 70 Jahre lang fruchtbar, nur von Hand ausstechen samt Wurzel hilft, wenn man nicht spritzen will oder darf. Doch dann hatte ich letztens ein Interview mit jemandem, der sich in der Grünlandwirtschaft so richtig gut auskennt und habe etwas Neues gelernt: Zum richtigen Zeitpunkt geschnitten schwächt das Schneiden die Pflanze so, dass man gute Chancen hat, sie los zu werden.

Ampfer auf Pferdeweiden durch den Schnitt zum richtigen Zeitpunkt verdrängen

Der Schnittzeitpunkt ist das Wichtige: Dann, wenn die Kraft der Pflanze nach oben wandert, im Stadium zwischen Blüte und Samen. Vorsicht, das Zeitfenster ist eng, eine Woche nach der Blüte ist der Samen schon keimfähig. Dennoch ein hervorragender Tipp für alle, die zu viel Ampfer haben, als dass man ihn per Hand erledigen könnte! Spannend auch dieser Versuch, Ampfer mit Heißwasser zu töten. Interessant ist, dass in dem Beitrag auch gesagt wird, dass nur die ersten 10 Zentimeter Wurzel der Pflanze austriebsfähig ist. Das ist doch eine gute Nachricht auch für die, die ausstechen, und nicht immer jeden Fitzel der Wurzel erreichen!

 

Bei wehorse habe ich übrigens mal aufgeschrieben, welche Vorurteile ich so bezüglich der Weidehaltung hatte und was sich erfüllt hat, und was nicht. Es geht darum, wie gesund Weidboden für Hufe ist, ob man es in seinen Alltag integriert bekommt, abzuäppeln und ob das Pferd auf der Dauerweide an Kondition verliert.