Der Bloggeburtstag – Tag 2

Bereit für eine zweite Geschenkeflut?
Es wird fett heute!

Bloggeburtstag Geschenke
All die Geschenke, die Du da oben im Bild siehst, sind für eine von Euch, die das alles gewinnen kann. Auf diese Art feiere ich mit Euch meinen Bloggeburtstag – 4 Jahre lang gibt’s den Blog! Also, was ist in Tag 2 des Bloggeburtstags genau drin? Du kannst in diesem Blogpost folgende Geschenke gewinnen:

  1. Ein Jahres-Abo von wehorse! Das bedeutet: Zugang zu mehr als 700 Lehrvideos von Ausbildern wie Anja Beran, Uta Gräf, Falk Stankus, Elaine Butler, Claudia Butry, Chris Bartle, Britta Schöffmann und natürlich Ingrid Klimke. Es ist wie Netflix gucken, nur eben mit Pferdethemen: Peter Kreinberg zeigt Horsemanship-Übungen, Kolly Holland-Nell erklärt das Team-Pony-Concept und seine Spiele für Kinder, Dr. Ina Gösmeyer zeigt, wo genau man bei welchen Beschwerden sein Pferd selbst akkupressieren kann. Jim Masterson zeigt seine Körperarbeit mit dem Pferd, Philippe Karls Theorievorträge sind alle darin. Es ist ein unendlicher Wissensschatz vieler wichtiger Ausbilder unserer Zeit darin! Bei der Flut an Möglichkeiten möchte ich Euch einen Film besonders ans Herz legen: Blickschulung von Anja Beran. Ich arbeite seit einigen Jahren für wehorse, früher pferdia, und habe daher ziemlich viele Filme gesehen (das toppt allerdings easy Firmengründerin Inge Vogel, die einfach alle Filme so, so gut kennt. Aktuell feilen wir an was gemeinsam für wehorse,und das macht irre viel Spaß, ihr werdet es hoffentlich dieses Jahr noch sehen können!). Dankeschön an Christian und Sophie von wehorse für dieses formidable Geschenk!

  2. Das Pferdegesundheitsbuch aus dem FN-Verlag. Letztens fragte mich eine frisch gebackene Pferdebesitzerin, was für ein Buch ich ihr denn über Pferdekrankheiten empfehlen könnte. Mir fiel erst mal gar keins ein, dass die immense Bandbreite abdeckt. Vielleicht Lektüre zum Basispass, aber alles andere, was mir so einfiel, war entweder spezieller oder recht oberflächlich. Aber dann bekam ich bei einer geschätzten Kollegin einen Tipp: Dieses Buch da! Ich habe es mir angesehen und finde es gelungen. Denn es erklärt Veterinärmedizin für Laien und schafft den Spagat, Schulmedizin sowie alternative Methoden stets zu jeder beschriebenen Krankheit aufzuzählen. Ein Grundlagenbuch, das jeder im Schrank stehen haben sollte. Deshalb bekommt die Gewinnerin eins! Dankeschön für diesen Preis an den FN-Verlag!
  3. Ein Spezialheft von Cavallo zum Thema Foto: Hier findet Ihr wunderschöne Fotos von Cavallo-Fotografin Lisa Rädlein. Ein echtes Schätzchen! Mit Lisa habe ich die Titelgeschichte im August für Cavallo gemacht, wir haben einen Tag mit Anke und Ian Benson verbracht, den Horsemanshiptrainern aus Neuseeland, die ich schon lange schätze. Da lernte ich auch Lisa kennen und mochte  ihre Art sofort!
  4. Natürlich kommt auch noch was von mir dazu: Mein Kartenset vom Shop des Blogs mit den besten #betterhorsesport Sprüchen geht auch an die Gewinnerin.

So kannst Du gewinnen:

Du möchtest dieses Gewinnpaket haben? Dafür musst nur eins tun: Schreibe mir in die Kommentare, für welches Problem mit Deinem Pferd Du gern eine Lösung finden würdest! Der Kommentar ist Dein Gewinnlos.

Mitmachen dürfen jedoch nur alle Newsletterabonnenten des Blogs. Denn ich möchte, dass meine treuesten Leser die Geschenke bekommen. (Wenn Du häufiger Leser bist, aber Dich noch nicht für den Newsletter eingetragen hast, kannst Du das hier noch machen.) Es wird das komplette Gewinnpaket von Tag 2 an eine Person verlost.

Das Gewinnspiel startet sofort und endet am 3.10.2019.
Genauso lange kannst Du auch beim Tag 1 des Bloggewinnspiels mitmachen. Da gibt es zum Beispiel einen Equimero-Zaum zu gewinnen. Du darfst an so vielen Gewinntagen wie Du möchtest mitmachen, es gibt da keine Beschränkung.
Die genauen Teilnahmebedingungen stehen hier im Impressum.

VIEL GLÜCK!

Der Bloggeburstag – Tag 1

Dieser Beitrag enthält Werbung,
da viele tolle Marken und Firmen genannt werden.

Vier Jahre alt wird der Blog!

Deshalb gibt es Geschenke für Euch. Ach was, eine Geschenkeflut! Sieben Tage lang beschere ich Euch. Und wir starten sofort, jetzt!

 

Heute gibt es diese tollen Dinge zu gewinnen:

  1. Ein Taomero von Equimero. Das ist die neueste Erfindung des Equimero-Teams. Eine Kombination aus Sidepull und Knotenhalfter.  Die Gewinnerin darf sich eins selbst zusammenstellen. Das bedeutet, dass Du Größe und Farben komplett aussuchen darfst. Nase und das Verbindungsstück unterm Kopf sind aus Seil, das restliche Kopfstück ist aus Biothane gefertigt. Dankeschön an Saskia & Tina von Equimero für diesen tollen Preis!
  2. Ein Buchpaket aus dem Müller-Rüschlikon-Verlag. Mit zwei Büchern darin, zum einen dem tollen Titel „Einmal überbaut, immer überbaut“ von Claudia Weingand und Barbara Walter-Böller. Das Buch habe ich Euch hier auf dem Blog vorgestellt. Aber es kommt noch besser: Ganz frisch erschienen ist das Buch „Dehnungshaltung“ von Claudia Weingand und Katharina Möller. Das wurde schon heiß im Netz diskutiert und es ist einfach ein super spannendes Thema. Dankeschön an den Müller-Rüschlikon-Verlag für diesen schönen Gewinn!
  3. Meine Posterserie für Pferdemenschen. Bestehend aus drei DIN A4 großen Drucken im Lettering-Stil. Sehr hochwertig gedruckt auf 400-Gramm-Papier mit Lackdruck. Die Sätze darauf erinnern uns daran, was für ein unsagbares Glück wir haben, mit Pferden zu leben. Das Papier ist so kräftig, dass Du sie auch ohne Bilderrahmen an die Wand bringen kannst. Fühlbar richtig gute Qualität, in kleiner Druckerei sorgfältig lokal gedruckt.

    Die Poster zum Blog.

     

  4. Ein Cavallo-Spezialheft zum Thema Haltung. Das Heft bietet einen sehr guter Überblick, und ist sowohl für Einsteiger etwas, als auch für Leute, die viel Vorwissen haben. Vielen Dank an die Redaktion von Cavallo für dieses gute Idee! Beinahe jedem Gewinnerpaket liegt nämlich ein Spezialheft bei.

So kannst Du gewinnen:

Du möchtest dieses supertolle Gewinnpaket haben? Dafür musst nur eins tun: Schreibe mir in die Kommentare, welchen Blogartikel, also Text hier, Du einer Stallfreundin weiterempfehlen würdest! Zack, das ist Dein Gewinnlos.

Mitmachen dürfen jedoch nur alle Newsletterabonnenten des Blogs. Denn ich möchte, dass meine treuesten Leser die Geschenke bekommen. (Wenn Du häufiger Leser bist, aber Dich noch nicht für den Newsletter eingetragen hast, kannst Du das hier noch machen.) Es wird das komplette Gewinnpaket von Tag 1 an eine Person verlost.

Das Gewinnspiel startet sofort und endet am 3.10.2019. Die genauen Teilnahmebedingungen stehen hier im Impressum.

VIEL GLÜCK!

Auf Wiedersehen, wunderbare Ailena

Pferd und Mensch nebeneinander

Ist sie nicht wunderschön? Ailena fotografiert von Sarah Brummer.

 

Mir liegt was im Magen und ich muss es wohl auch hier einmal aussprechen. Denn ich mag das nicht, wenn Pferde einfach spurlos verschwinden aus Blogs, Berichten, Filmen.

Vor zweieinhalb Jahren begann ich, Ailena zu reiten. Damals hatte ich meine Fee noch, aber die musste stehen und ich hatte Reitsehnsucht. Ailena war neu hinzugekauft und ihre Besitzerin wollte sie nicht reiten, sondern suchte jemanden dafür.

 

Wie das Traumpferd so aussieht

Ailena war damals alles andere als mein Traumpferd. Sie erschien mir lang, sehr groß und vor allem unglaublich unausbalanciert. Ich habe noch nie in meinem Leben auf einem Pferd gesessen, dass die lange Seite so galoppierte wie sie: Ich hatte das Gefühl, ich werde gleich durch die Wand geschleudert. Sie ging wie eine Giraffe mit Badewannenrücken. Und sie hatte sehr wenig Vertrauen.

Das Foto entstand so ungefähr zu unserer Halbzeit. Da war sie schon geschmeidiger, beweglich und vor allem mental dabei! Wie man sieht: Groß ist sie nicht wirklich – nur mir erschien sie so. Foto: Franzi Schmitz

 

Irgendwie mochte ich diese Stute dennoch. Bald war klar: Sobald sie vertraut und zuhört, statt wegzulaufen und sich wegzudrücken, ist sie unheimlich engagiert.

Meine Fee starb im Februar 2017, wenige Monate nachdem ich begann, mit Ailena zu arbeiten. Chamonix hatte ich da zwar schon, aber sie zog erst im März zu mir. Ich behandelte Ailena einfach wie mein zweites Pferd, nahm sie auf all unsere Kurse mit und es entstand zwischen uns etwas. Sie veränderte sich und wir veränderten uns.

Zwei braune Pferde am Koppelzaun, Frau daneben streichelt ein Pferd.

In den letzten gemeinsamen Monaten entstand das Bild hier. Ein zufriedenes Pferdemädchen (gilt für alle drei auf dem Bild). Foto: Klara Freitag (Danke Klara! Sehr!)

Sie wurde schöner und schöner

Das Markanteste, äußerlich, war: Ihr Gesicht veränderte sich. Als ich sie kennenlernte, war ein Auge schräger angeordnet als das andere. Anfangs dachte ich, vielleicht hat sie da mal als junges Pferd einen Schlag drauf bekommen oder so. Tatsächlich wurde das Gesicht symmetrischer mit der Zeit. Je mehr sie ins Gleichgewicht kam, desto symmetrischer sahen die Augen aus. Sie wurde insgesamt mobiler, konnte ihren Körper besser bewegen, wusste wo er anfängt und aufhört. Ihr Geist wurde offener, sie hatte Vertrauen und gleichzeitig sah man diese Veränderung im Gesicht. Erstaunlich.

Pferd mit Knotenhalfter

Wir. P.S.: Sarah, ich bin Dir so dankbar für diese Fotos! Foto: Sarah Brummer

Wenn das Glück anders aussieht, als Du dachtest

Am schönsten war die Zeit, die wir allein in der Halle verbrachten. Ich glaube, ich bin von keinem einzigen Pferd, das ich je kannte, so häufig so glücklich abgestiegen wie von ihr. Sie wollte einfach unbedingt gefallen, alles verstehen. Sie reichte das Herz auf dem Tablett an, auf jeden Fall fühlte es sich für mich so an. Sie war körperlich nicht das Dressurpferd per excellence. Aber sie wollte. So, so sehr.

Es gab diesen Moment, ich kam aus der Reithalle, kratzte ihre Hufe aus und ich dachte, nein, ich wußte:  Sie wird alles lernen. ALLES.

 

Halsringreiten mit Lisa – auch eines der wunderschönen Erlebnisse mit Ailena. Foto: Franzi Schmitz  (Ich mag das Bild sehr Franzi, wie die ganze Reihe – wie gut, dass Du damals da warst! Danke!)

 

Und weg.

Ich bin leider nicht immer mutig. Ich war nicht mutig genug, Ailena sofort zu kaufen, als es möglich war. Als ich bereit war, war sie nicht mehr verkäuflich.

Genau an dem Punkt endet unsere Geschichte.

Ich bin wahnsinnig traurig darüber, sie gehen zu lassen. Da, wo sie wohnt, geht es ihr gut. Nur mir geht’s nicht gut ohne sie.

Pferd Dressur,Reithalle

Zwar steht sie da komisch herausgestellt, aber schaut ihr mal ins Gesicht: Ziemlich stolz darauf, was sie gerade gemacht hat. Das war in einem von vielen Kursen mit Claudia Butry. Foto:Klara Freitag

 

Ihr werdet noch einige Bilder sehen, die in unserer Zeit gemeinsam entstanden sind. Aber in der Zukunft gibt es Ailena und mich leider nicht mehr.

Pferd weg – Pferd verkauft: Kann man daraus was lernen?

Man kann ja bekanntlich aus jeder Scheiße, die das Leben so bereit hält, etwas lernen. Wenn ich ehrlich bin, erstickt bei mir die Traurigkeit gerade jeden klugen Gedanken. Wenn ich mir Mühe gebe, kann man das hier daraus lernen: Dass Glück manchmal nicht die Form und Optik hat, die man sich so vorgestellt hat. Und: Machen, wenn sich die Gelegenheit bietet. Gelegenheiten bleiben nicht auf ewig optional.

Und ich denke: Ach Du meine Güte, wie soll ich denn in so einer Situation meine oberschlauen #heartwideopen Vorsätze bitte leben. I try my best.

Pferdeweide

Was Dich wirklich mit Deinem Pferd glücklich macht

So einige von Euch werden es mitbekommen haben: Ich habe mit Chamonix den Stall gewechselt. Was heißt Stall, ich bin vom Fünf-Sterne-Domizil auf eine Jungpferdeweide gezogen. Witzig finde ich selbst, wie die neue und die alte Konstellation so wirken, wenn man sie mal notiert :

 

  • Alt: Paddocktrail mit Halle, allerbester Ebbe-Flut-Hallenboden, befestigte Paddockböden, super gepflegt, Solarium, Waschplatz, freie Trainerwahl, Box für Krankheit möglich, Wald 10 Minuten Schrittzeit entfernt. Stundenweise kleine Weide im Sommer, ansonsten ganzjährig 24/7 Heufütterung, gute Qualität. Stallmeisterin vom Fach. Status: Einstaller.
  • Neu: Ganzjahresweide, Weidezelt, Anbindeplatz, einfacher Roundpen mit Naturboden. Wald 15 Minuten Schrittzeit entfernt. Status: Eigener Herr.

 

Na, wo würdest Du einziehen?

 

Mein alter Stall hat sicherlich das Optimum an Features, was man sich so wünschen kann. Ein Sechser im Lotto. Beste Haltungs- und Trainingsbedingungen. Die neue Lösung gefällt mir aber besser! Verrückt, oder? Denn:

 

  • Ich finde es herrlich, mein eigener Herr zu sein.

  • Ich finde es fantastisch, dass ich nur meine eigenen Kompromisse leben muss.

  • Ich gehe da morgens oder abends über die Wiesen und gucke den Pferden zu. Manchmal nur ganz kurz, aber mehrfach am Tag. Ich bin viel mehr in der Herde, in dem Leben, das die Pferde führen, als früher.

  • Ich war in den letzten Jahren nie entspannter beim Pferd als jetzt.

 

Das Ganze hatte übrigens keinerlei finanzielle Komponente bezüglich der Entscheidung. By the way.

 

Ich hatte natürlich auch Bedenken. Vor allem, was reiterlich noch möglich sein wird. Wir haben Sommer, daher ist das natürlich momentan alles noch einfach. Aber selbst für den Sommer hatte ich Bedenken und das Witzige ist, dass sogar Freundinnen von mir gefragt haben: „Aber Dressur kannst Du ja jetzt gar nicht reiten, oder?“ Klar kann ich das! Überall – auf abgemähten Weiden, auf abgefressenen Weiden. Ist ja alles da. Oder einfach im Gelände. Dafür brauche ich nur eins: Willen, Konzentration und Konsequenz, das wirklich zu machen, statt rumzueiern. Oder, wenn ich ganz geraden Boden und Buchstaben an der Bande will: Woanders, wenn ich das Pony einfach auflade. Das geht natürlich nur, weil alleine sein (fürs Pferd) und alleine reiten (für mich) kein Thema sind. Und verladen auch nicht.

 

Dieser Stallwechsel hat mich aber auch zu der Frage geführt, was wir uns wirklich wünschen. So jeder, tief in sich. Und was gesellschaftlich anerkannte Wünsche sind, die man so einfach für sich selbst übernimmt. Für mich habe ich festgestellt: Ich brauche eher Freiheit als Luxus. Ich bin einfach so ein Typ. Auch wenn ein Offenstall mit Solarium fürs Pferd immer noch etwas ist, das ich genial finde (Da sitzt die Wehmut! Oder eher ein kleiner, kleiner Teil davon. Die echte Wehmut hat vier Beine, ist braun und immer noch in unserem alten Zuhause). Mal sehen, ob ich noch so begeistert von meiner Wildnis bin, wenn es kalt und regnerisch wird. Aber eins hat mich das hier auf jeden Fall gelehrt: Genauer nachfühlen, was eigentlich die eigenen Bedürfnisse sind. Und was vielleicht nur Wünsche sind, die man so hat, weil die so jeder gut findet. Kennst Du das? Hattest Du das auch schon mal?

 

Bei wehorse habe ich übrigens eine kleine Sache beschrieben, die auch zu diesem Thema passt, finde ich: Warum ich das Schenkelweichen für die Lektion halte, die mich in der letzten Zeit am meisten weitergebracht hat. Obwohl sie in manchen Kreisen nicht gerade beliebt ist! Lest mal, ist spannend, wer das alles so noch nutzt (Alizée Froment, Claudia Butry, David de Wispelaere, Carl Hester, Sara Oliveira zum Beispiel!). Grundsätzlich erklärt Euch Karolina auf 360 Grad Pferd, wo der Unterschied zwischen Schenkelweichen und Schulterherein liegt und warum Schenkelweichen nicht zu den Seitengängen zählt. Und sie vertritt eine etwas andere Meinung als ich zur Güte dieser Übung. Spannend also, beides zu lesen!

Wer Lust hat, seine Erfahrungen damit aufzuschreiben – sehr sehr gern! Freue mich immer über Feedback in den Kommentaren von Euch.

10 Punkte, die ich am CHIO Aachen nicht mag

Abendstimmung am Springplatz auf dem Turnier CHIO Aachen.

Es ist eine Hassliebe, ich und der CHIO Aachen. Auf wehorse habe ich Euch 10 Punkte aufgeschrieben, die ich an diesem Turnier besonders mag. Hier ist die andere Liste, die 10 Punkte, die ich am CHIO so gar nicht mag:

  1. Der CHIO ist von einer echten Volksveranstaltung mit großem Sportlerherz zu einem Kommerztempel geworden. Das Sportlerherz ist natürlich noch da. Doch das viel gerühmte Aachener Publikum zieht immer mehr den Kürzeren. Das beginnt bei den Kartenpreisen, der vor Jahren wegrationalisierten Stehplatzwiese und endet bei Kleinigkeiten wie plumper Moderation auf den Nebenschauplätzen des Turniers.
  2. Das war mal ein echter Hammer in diesem Jahr: Die Nominierten des Medienpreises „Das silberne Pferd“. Der Preis wird von den Turnierveranstaltern gemeinsam mit dem Deutschen Reiter- und Fahrerverband e.V. vergeben. Ziel ist, Online-Publikationen zu ehren, die für den Pferdesport begeistern. Das hat im vergangenen Jahr auch hervorragend geklappt, da wurde Juliane Barth von „Julis Eventer“ ausgezeichnet: Eine Vielseitigkeitsreiterin, die über ihren Sport bloggt und zudem beruflich über diesen berichtet. Auch im Auftrag des CHIOs selbst übrigens. Das mag ein kleiner Beigeschmack sein, aber Tatsache ist: Juliane macht einen super Job und hatte den Preis total verdient. In diesem Jahr aber wurden zwei Kanäle nominiert, die einfach fern jeder ähnlichen Qualität sind: BinieBo und der Podcast Neunkommanull. Verständlich wäre die Nominierung von Biniebo, wenn das ein Preis für gut funktionierendes Marketing und Kooperationen wäre. Ist er aber nicht. Inhaltlich ist BinieBo vielleicht Wendy-Award-tauglich, mehr aber nicht. Der Podcast ist ebenso kaum erwähnenswert. Was bitte sollte das? Zum Glück hat dann doch sportschau.de, ebenfalls nominiert, den Preis bekommen (wer überträgt nochmal in diesem Jahr besonders üppig?!). Ich habe mich übrigens weder in diesem, noch im vorigen Jahr für den Preis beworben – ist also kein Neidding, das hier. Was ich mir wünschen würde: Dass der Deutsche Reiter- und Fahrerverband mal seine Aufgabe wahrnimmt und mal genauer guckt, wer da nominiert wird. Es gibt hervorragende Online-Angebote, die für den Reitsport begeistern, ohne an Qualität einzubüßen und Beliebigkeit hoch zehn zu vermarkten.
  3. Es gibt zwei Reitweisen, die neue Reitweise und die richtige, so ähnlich sagte das einst Paul Stecken. Die FEI, der internationale Verband, macht keinen Hehl daraus, dass die althergebrachten Richtlinien von uns aus Deutschland nicht mit ihrem Ideal 1:1 übereinstimmen. Dennoch macht es mich traurig, immer wieder von Neuem, dass das Fachliche immer mehr dem Showsport und der Vermarktbarkeit weicht. Kann man in fast allen Prüfungnen analysieren.
  4. Dass das Essenszelt für die Presse so abgelegen ist, dass ich es nie nutze. Ich glaube, ein Mal in acht Jahren oder so. (Aber dafür gibt’s ja Schokolade umme, damit bekommt man mich sehr milde gestimmt).
    Turnierplatz CHIO Aachen, grüner Rasen, Zuschauer
  5. Auf Aachen sind alle stolz. Und dabei zu sein, darauf sind auch alle stolz. Und dazuzugehören, eine Rolle da zu spielen. Das ist nicht ungefährlich. Was ich eindeutig nicht mag: Das Duckmäuserische von vielen Aktiven und Ehrenamtlern und der Stolz, dabei zu sein, der jede Selbstkritik wegwischt.
  6. Wobei wir dann beim nächsten wären: Eine Hand wäscht die andere. Wer weiter rein blickt, in das System CHIO und FEI, der sieht viele Fähnchen und Abnicker.
  7. Die Eitelkeit Aachens. Ich mag Aachen, ich bin gern Aachenerin. Ich bin Reiterin, ich arbeite im und für den Reitsport. Und dennoch: Diese Eitelkeit von Veranstalter, der Stadt und ihrer Repräsentanten selbst, sowie der Sport-Elite, die ist überflüssig. Alle wären noch besser in ihrem Job, wenn sie das husch, einfach mal lassen würden. Das betrifft natürlich nicht alle. Ich generalisiere. Aber unterm Strich würde es vielen gut stehen, da mal Federn zu lassen.
  8. Dass da irgendwelche C-Promis hofiert werden. Ist nicht meins, so etwas. Bei der letzten Media-Night, die ich besucht habe (das ist das IT-Fest des CHIOS), stand neben uns auf dem roten Teppich eine Dame, die 20 Minuten in jeglichen Positionen posieren musste, damit ihr älterer Lebensgefährte sie aus jeder Perspektive auf dem Handy hatte. Genau so erscheint es mir oft: Ein Event, der wie eine abgerissene Seite aus der Bunten funktioniert. Um fair zu sein: Man kann da gut tanzen und feiern, wenn man diese Seite ausblendet. Echt jetzt! (Und wir haben danach auf dem Rasen des Abreiteplatzes heimlich weitergetanzt. Und das war am besten)
  9. Dass ich so wenig reel gerittene Pferde sehe. Ich freue mich über jedes. Ehrlich wahr. Das erinnert mich an ein Gespräch vor Jahren über die Frankfurter Buchmesse. Ich, naiv, um die 20, sagte zu einer gestandenen Redakteurin: „Ist das nicht wunderbar dort, um neue Bücher zu entdecken?“ Sie: „Also das wäre der letzte Ort für mich, um gute Bücher zu entdecken!“ Ich: „Findest Du das etwa nicht toll da?“ Sie: „Doch, aber aus anderen Gründen: Das ist ein Ort zum Sehen und Gesehen werden, das ist ein Fest, aber es hat nichts mit literarischer Qualität zu tun!“  Das Gleiche trifft für reelen Reitsport zu und ein Weltturnier wie den CHIO.
  10. Dass die Kutschen im Wald abgeschafft wurden. Der Weg weg vom Volksfest begann vielleicht hier, oder war auf jeden Fall eine fette Etappe: Früher fuhren die Gespanne durch den Aachener Wald. Die Leute pilgerten dahin, es war eine tolle Atmosphäre, friedlich, besonders. Kostenlos war es natürlich auch. Das gibt’s nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Sehr schade!

 

Ehrlich gesagt: Mir ist die Negativ-Liste schwerer gefallen als die Positiv-Liste drüben bei wehorse. Ich mag es dort. Trotz allem.