Hengste gucken – zwischen Netz und Realtität

Wird ne schwierige Kiste hier. Denn ich habe gerade von dieser Aktion, 6 Wochen lang ohne zu Meckern gehört. Mecker-Fasten also. Halte ich für sehr sinnvoll, besonders im Pferdebereich. Kein Lästern, ein Meckern, keine Schwarzmalerei.

Reitponyhengstschau in Münster

Schwer wird’s, weil: Ich war auf einer Hengstschau und habe viele tolle Pferde gesehen. Nur eben auch ganz schön viel Murks. Und wenn ich mich an mein neues Motto halte, darf ich darüber ja kaum was sagen. Also probiere ich es mal mit einem Mittelweg (denn streng genommen fängt das mit dem Meckerfasten ja auch erst Mittwoch an). Also: Ein Mal Entsetzen ohne irgendeinen Namen dazu zu nennen, und dann eine ordentliche Lobhudelei!

Takt und Durchschwung sehen

Man sagt ja: „Guck’ dir die Hengste in echt an“, bloß nicht nur Videos. Weiß jeder, ist kein Geheimtipp. Dennoch bin ich immer wieder davon geplättet, wie unterschiedlich Foto, Film und Realität sein können. Wie taktmäßig ein Pferd oder Pony geht, wie es seinen Körper nutzt, wie feingliedrig oder nicht es ist, all das sieht man mit den eigenen Augen so viel besser. Am Sonntag war ich auf der Kleinpferdehengstschau in Münster und habe so einige Internet-Favoriten meinerseits mal so ganz schnell wieder von der potentiellen Liste für unsere Reitponystute gestrichen.

Kreative Lösungen für bessere Bilder

Schon unfassbar, was man alles so nur über mediales Beobachten nicht sieht: Eine derart auffällige schlechte Hinterhandaktivität blieb bisher im Verborgenen (dank gut kuratierter Filmausschnitte und Bilder), ein schlechter Schritt wird weggeredet (einfach, indem man den mit Worten lobt und aus nichtssagenden Blickwinkeln filmt). Ein paar Reitponys waren dabei, wo ich dachte: „Schickes Pferd!“. Pferd wohlgemerkt. Von Pony war da nix mehr übrig. Aber es gibt auch ganz viel, das nicht bewusst weggelassen wird, was man einfach nur richtig wahrnehmen und sehen kann, wenn man es live sieht.

Das ganze Pferd wahrnehmen und erfassen geht eben nur in echt. Vor Ort.

Nach der Show hab’ ich mir nochmal geschworen: Ich sag’ nie wieder irgendwas über irgendeinen Hengst, den ich nicht in echt gesehen habe. Öffentlich, beruflich würde ich das sowieso nicht tun, aber auch nicht privat. Denn es können Welten zwischen den Eindrücken liegen.

Das beste Pony und zwei Gute

Übrigens gilt das auch im Positiven: Mein neuer Favorit war nämlich auf meiner ursprünglichen Liste gar nicht weit oben. Aber live war er einfach herausstechend unter allen Hengsten auf dieser Veranstaltung! So gut durch den Körper, so gleichmäßig gut in allen Gangarten und dazu so locker bewegte sich kaum ein anderer. Es war Cosmo Royale. Zuvor hatte ich immer weitergeblättert: Langweilige Fuchsfarbe (gemein, sorry, ich weiß, und ja, ein gutes Pferd hat keine Farbe…). Was aber auf einen Schlag völlig, völlig egal wird, wenn man den mal in Bewegung sieht. Der hat Schritt, Trab sowieso, der hat Galopp, der wird nicht breit, der geht schon ganz ordentlich durch die Ecken. Und sieht so aus, als ob man ihn an- und abschalten kann. Ist aber auch ganz gut beritten, das Pony. Also: Ich bin Fuchsfan für’s Erste.

Wer auf Instagram überzeugt

Witziges Detail übrigens: Ich habe Cosmo Royale meinen Instagram-Followern in der Story gezeigt. Ein guter Trab-Mitschnitt, allerdings kurz, ein paar Sekunden lang. Dann habe ich sie gegen einen Ponyhengst mit mehr Süß-Faktor abstimmen lassen, dem ich auch mehr Videozeit gegeben habe in der Story (2 Filme, ungefähr 3x soviel Zeit wie dem erstgenannten). Wer war im Team Cosmo Royale? Nur knappe 15 Prozent. Alle flogen auf das Pony mit mehr Süß-Faktor und mit mehr Videozeit. Ich bin mir sicher, dass das Ergebnis anders ausgefallen wäre, wenn sie beide Hengste ebenso live gesehen hätten.

Reitpony, von Kindern zu bedienen

Zwei andere, die mir besonders positiv aufgefallen sind, waren der zierliche Coer Noble, der sich nämlich von seiner kleinen Reiterin (und Besitzerin zugleich!) durch die Show pilotieren liess. Der war derjenige, der in meiner Story Cosmo Royale ausgestochen hat. Ein Pony mit sehr guten Grundgangarten und dazu noch sowas von brav. Nicht gerade selbstverständlich, dass ein Ponyhengst von einem Kind vorgestellt wird, wirklich toll! Außerdem mochte ich noch Diamond Touch –  kein Geheimtipp mehr, aber dennoch sympathisch. Mit Schritt, mit Galopp, Trab sowieso und mit ganz viel Ponycharme. Nur: Es muss ja auch passen. Mit Chamonix, die sich zwar auch sehr gut bewegen kann, aber ja auch ganz gern zulangt, könnte da ein etwas kugeliges Pony rauskommen, das allerdings fantastische Grundgangarten hat. Obwohl – das fände bestimmt auch seine Fans, eine richtige Knutschkugel habe ich da vor Augen. Also – alles noch nicht in trockenen Tüchern, mal sehen!

 

P.S.: Das waren natürlich nicht die einzigen guten Ponys da. Ich hab‘ eine Brille auf, und die heißt Chamonix. Meint: Ich gucke mir nur das genau an, was für meine Stute passen könnte.

Horsemanship mit Sarah Brummer: Über Zeichen der Entspannung

Fotos: Sarah Brummer & Hannah Aretz

 

Über eine Trainingseinheit mit Horsemanship-Ausbilderin Sarah Brummer, in der ich gelernt habe, zwischen konditionierter Entspannung und tatsächlicher Entspannung zu unterscheiden.

 

Sarah Brummer war bei mir.

Und es ist ganz komisch, darüber zu schreiben. Wir haben zwar konkrete Übungen gemacht, aber es passiert bei dieser Art von Horsemanship, wie Sarah sie lehrt, auch gleichzeitig so viel auf der fühlenden Ebene, das passt nicht so richtig in einen journalistisch-beschreibenden Stil.

Dabei ist genau diese Eigenschaft das Gute, was die Arbeit mit ihr ausmacht: Sie fühlt viel und sie weiß viel. Diese Kombination schätze ich sehr. Kommt das nämlich zusammen, dann wird das Pferd richtig gesehen und gelesen und der Mensch ebenso, und es ergibt sich ein so gutes Lern- und Beieinandersein-Klima.

Unsere erste Aufgabe war das so genannte Freundschaftsspiel. Seeehr unspektakulär, jeder kann das machen, und dennoch passiert dabei viel!

So geht’s: Ich sollte das Pferd, in diesem Fall Ailena, am ganzen Körper abtasten und befühlen und auf ihre Reaktion achten: Was mag sie, wo hält sie still, wo entspannt sie scheinbar und wo wirklich? Wo ist sie angespannt?

Kleinigkeiten am Pferd erspüren

Ailena hob zum Beispiel den Kopf, wenn ich die Hand hinter ihr linkes Ohr, in den Genickbereich, legte. Auf der rechten Seite hingegen blieb sie entspannt. Ich sollte bei so einer Reaktion (es war nicht deutlich ruckend oder so, man musste schon genau hinsehen, um den Unterschied zu bemerken), einfach eine Weile verharren und selbst Gelassenheit ausstrahlen, durchatmen  – bis die Stute selbst ausamtete, entspannte. Das funktionierte. Ich lobte sie und entfernte mich, drehte mich etwas von ihr weg. Die süße Ailena kam aber immer wieder hinterher getapst – was ich ja sehr charmant finde, schließlich hat es lang genug gedauert, bis sie mir endlich vertraute und aus einer Giraffe ein entspanntes Pferd wurde. (Später dann hat Sarah mir erklärt, dass ich ihr zu mehr Selbstbewusstsein auch ohne mich verhelfen könnte, indem ich ihr auch von etwas weiter weg ein gutes Gefühl vermittele, dass sie eben nicht immer so nah an mir sein muss dafür.)

Konditionierte Entspannungs-Signale

Sehr interessant: Ailena hatte schnell verstanden, dass ich auf diese Entspannung hinauswollte. Sarah sagte dann: „Achte darauf, dass sie wirklich entspannt ist und nicht einfach Signale der Entspannung liefert, weil sie bemerkt hat, dass Du diese lobst.“ Solche Fehlkonditionierungen können nämlich passieren – dann bekommt man ein Schnauben, ein Kauen oder so, obwohl der komplette Pferdekörper noch gar nicht entspannt ist. Fand ich sehr spannend!

Linda Tellington-Jones & Inges Beobachtung

Das erinnerte mich zudem sehr an eine Beobachtung, die mir Inge Vogel (die mit ihrem Mann damals pferdia, nun wehorse gegründet hat) von einem Dreh mit Linda Tellington-Jones erzählt hatte. Da ging es um eine Stute, die sich nicht gern an den Ohren anfassen ließ. Und um ein Pferd, das sich nicht gern beidseitig anbinden ließ. „Über wie viele kleine Signale der Pferde wir tagtäglich einfach hinweggehen!“, sagte mir Inge, selbst eine gestandene Pferdefrau, und obwohl das nur ein Gesprächsfetzen war, blieb er mir im Gedächtnis. Ich glaube, wir kennen alle kleine Signale, die wir ignorieren. Wir nennen sie vielleicht anders, nennen sie zickig, schlecht gelaunt, ideenreich oder so. Und gehen darüber hinweg, so lang sie nicht so stark sind, dass wir denken, wir müssen was dagegen tun (oder dafür!), weil wir ja noch einen anderen Plan haben für den Tag.

Nur – wie wäre es anders möglich? Manchmal reicht es schon, einfach das wahrzunehmen, dass das Pferd das unangenehm findet, aber dezent ohne Druckverstärkung dranzubleiben. Selbst Entspannung zu zeigen – so kommt das Pferd dahin, das zu spiegeln.

Druckverstärkung: Häufig sage ich da ‚Nein, Danke!‘

Ich bin weißgott kein super erfahrener Mensch im Horsemanship-Thema. Ich bin jemand, der eher nicht weiter macht, wenn irgendwas sagt, das es nicht richtig ist, sich nicht gut anfühlt. Deshalb sind auch so viele Horsemanship-Dinge, die immer mehr in die Druckverstärkung gehen, nicht mein Ding. Aber das hier, das hat mir sehr gut gefallen. Es verändert nämlich sehr viel in der Beziehung zum Pferd.

Humanship passt dazu

Seit so vier Jahren sehne ich mich immer nach dem Sommer, wenn ich Ian und Anke Benson zusehen kann bei den Kursen, die sie hier in der Region geben. Das sind nämlich die Horsemanship-Menschen, von denen ich außerdem begeistert lerne. Manchmal habe ich in ihren Kursen auch mitgemacht, oft habe ich zugesehen. Meine Handbremse war stets: Du solltest ganz gut mit Dir selbst im Gleichgewicht sein bei dieser Art zu arbeiten, denn die führt Dich zu Deinen eigenen Themen (und das ist ja nicht immer angenehm, nicht wahr?!). Das macht was mit einem. Aber ich glaube, den Zahn hab‘ ich mir selbst gezogen.

Kennt ihr das, wenn irgendwas Euch auf einmal anspringt? Ich glaube, 2019 wird mein Horsemanship-Jahr. Ich möchte mehr davon!  Mehr lernen von Ian, Anke und Sarah!

Drüben bei wehorse habe ich übrigens über den Dokumentarfilm „Stiller Kamerad“, in dem die Pferde anscheinend nach Ian Benson gearbeitet wurde, geschrieben! Ian und Anke findet ihr hier: www.humanship.co.nz, Sarah findet ihr hier: www.sarahbrummer.ch.

Welche Erfahrungen hast Du im Bereich Horsemanship gemacht? Erzähl mir gern davon, ob als PN, als Kommentar (das am liebsten!) oder auf Facebook. Ich lese sie alle!

Was Dein Pferd eifriger macht

Chamonix geht regelmäßig ins Gelände – auch an Regentagen! Es ist vielleicht nicht bequem, aber sehr einfach, so für Abwechslung zu sorgen. Auch das hilft bei der Motivation. All unsere Fotos in diesem Text sind an so einem typisch verregnetem Tag im Rheinland entstanden. Ohne Lederzeug am Kopf muss man hinterher auch nicht so viel einseifen und eincremen (das ist ihr gewonnener Equizaum übrigens. Ist mit dem Schlauch zu säubern, sehr praktisch und sie mag die Lösung hinter den Ohren sehr!).

 

Fotos: Klara Freitag

Trainingserfolg & eine gute Beziehung zwischen Pferd und Mensch sind machbar. Motivation für Dein Pferd auch! Mit diesen Tipps rückst Du diesem Ziel näher.

Ein motiviertes, fleißiges Pferd, das nur darauf wartet, mit Dir etwas zu unternehmen fühlt sich wunderbar an! Drüben bei wehorse habe ich Dir 5 Tipps für den Menschen aufgeschrieben, die zu mehr Trainingserfolg und Trainingszufriedenheit führen. Hier ist die Ergänzung zum Pferd. Ich bin gespannt, was Du davon schon umsetzt und was für Dich ein hilfreicher Gedanke ist. Erzähle mir gern davon in den Kommentaren!

1. Kurze Reprisen

Für diejenigen Reiter, die gern zuviel machen und so in Gefahr laufen, ihr Pferd zu frustrieren, hilft die Faustregel, 20 Minuten Aufwärmen, 10 Minuten Abwärmen und maximal 20 Minuten Arbeitsphase! Das ist eine Faustregel, die Alter, Trainingszustand und Gesundheit nicht beachtet – sie ist also mit Vorsicht zu genießen. Wenn Du besser nach Bauchgefühl arbeitest, oder je nach Trainingstag entscheidest, ist das natürlich auch gut und prima. Es gibt jedoch Reiter, die beißen sich fest und ertappen sich dabei, mehr als eine Stunde auf dem Pferd zu hocken obwohl es muskel- und konditionstechnisch nach 40 Minuten absolut genug hat. Wer also zum übertreiben neigt: Stell‘ Dir die Uhr am Handy, so dass Du erinnert wirst. Toll sind zur Trainingskontrolle auch Apps, die die Minuten in den jeweiligen Gangarten messen.

2. Gut reiten & loben

So simpel es klingt: Wer ein glückliches Pferd will, muss gut und fair reiten. Zum Thema Abwechslung im Pferdealltage sagt Dr Wilfried Bechtolsheimer, der Vater und Co-Trainer von Laura Tomlinson, der auch Dressurrichter ist und selbst bis in die höchste Klasse reitet: „Die ganze Abwechslung im Trainingsplan hilft nicht, wenn die Pferde nicht gut geritten werden. Das bedeutet ungerecht, zu grob und mit zu wenig Lob.“ Das hat er mir mal vor einigen Jahren, als ich den Hof der Bechtholsheimers in England besuchte, in einem Interview erzählt. Fand ich ein sehr, sehr gutes Zitat! Bei denen stehen übrigens die Rentner in Offenställen – Elitehengst Polarion zum Beispiel habe ich damals als Rentner in seinem Offenstall gesehen.  

Sobald man mit der richtigen Kleidung draußen ist, ist das Regenwetter wirklich egal! Zu rutschig war es uns bisher nicht.

3. Sofort bestätigen

Gestern war ich schon fertig mit den Pferden, aber hörte noch einer anderen Einstallerin zwangsläufig zu, als ich noch auf der Stallgasse hantierte. Sie ritt ihre junge Stute und rief ganz oft freudige Sachen. Sowas wie „Ja genau!“ oder „Fein“, den genauen Wortlaut weiss ich nicht mehr. Ich musste ziemlich in mich hinein grinsen, denn ich mache das genauso. Egal, wie bescheuert es klingt, ich lobe viel mit der Stimme und zeige meine Freude den Pferden. Sie mögen das! Ich bin kein fantastischer Ausbilder, aber meine Pferde wollen verstehen, was ich möchte, weil sie es toll finden, gefeiert zu werden.

4. Früh genug aufhören

Ein todsicheres Rezept, damit sich Dein Pferd eine gerade verstandene Lektion merkt, und darüber noch begeistert ist, lautet: Aufhören. Sofort. Zügel lang, Platz verlassen, Hals klopfen, bummeln gehen, andere gemeinsame Zeit verleben, ohne irgendwas zu wollen. Das ist sehr leicht durchgeführt – wenn der Reiter sich nicht verführen lässt, es doch noch mal zu versuchen, oder doch noch ein bisschen zuvor abzureiten. Dann ist der Lerneffekt viel, viel geringer. Warnsignal: Wenn der Reiter denkt: „Noch ein Mal, und dann ist’s gut!“ ist es meist das eine Mal zuviel. Probiere es aus und freu Dich auf den Ritt am Tag danach: Dein Pferd wird gefallen wollen!

Egal wie klatschnass wir geworden sind in diesem Winter – ich war immer trocken unter meinem neuen Reitregenmantel von Stierna! Wirklich empfehlenswert und schön noch dazu (das ist Werbung aus Überzeugung!).

5. Disziplin & Regelmäßigkeit

Jetzt wird es deutsch und genau: Sei regelmäßig beim Pferd. Muskelaufbau funktioniert nicht, wenn man alle Jubeljahre nur kontinuierlich dran bleibt. Beziehungsaufbau funktioniert auch nicht, wenn Du Dein Pferd nur dann und wann bespaßt. Gerade im Freizeitbereich ist das „zu wenig“ eher ein Thema, als die Überbelastung vom Pferd. Unsere Pferde sind Lauftiere – ihre Lunge muss beansprucht werden, um gesund zu bleiben (und das geht nicht im Schritt). Ihre Muskeln und Bänder wie Sehen müssen trainiert sein, damit sie uns gesund tragen können. Tu was – und nicht nur am Wochenende oder wenn Du Unterricht bekommst!

Meine neue Ausbildung im Team Pony Concept

Der größte Glücksfall in meinem Beruf als Reitsportjournalistin ist es, dass ich über viele hippologische Tellerränder gucken darf. Viele Nischen, Reitphilosophien, Reitausbilder sehe und kennenlerne. Vor sechs Jahren habe ich über ein extrem innovatives Modell für Reitunterricht im Kindergartenalter geschrieben. Vor zwei Jahren drehte pferdia, heute wehorse, Lehrfilme genau über dieses Modell von Kolly Holland Nell, dem Team Pony Concept. Das Kinder zu Pferdemenschen ausbildet. Spielerisch, bevor sie überhaupt reiten lernen.

Reitpädagogik für die Kleinsten

Weil lernen nie aufhört – und wie schön ist das bitte! – mache ich jetzt selbst noch die Ausbildung zur Reitpädagogin nach dem Team Pony Concept. Weil das eine Zusatzqualifikation ist, die ich besonders sinnvoll finde, wenn es um Kinderreitunterricht geht. Im kleinen Rahmen, als Hobby, gebe ich Kinderreitunterricht (mit der Trainer C Basissport Qualifikation – was aber alles und nix heißen kann, meiner Meinung nach). Weil ich es extrem erfüllend und sinnvoll finde, Kinder mit der Pferdewelt bekannt zu machen.

Zum ersten Fortbildungs-Lehrgang sind wir übrigens zu viert gefahren, Philippa, mit der ich die Kurse organisiere, sowie Rachel und Janine, zwei der Reitlehrerinnen aus Philippas Ponyreitschule zudem.

Beim Wäscheklammer-Spiel lernen die Kinder die Fellfarben kennen. Hier testen das die Reitlehrerinnen Janine und Rachel von der Ponyreitschule Gut Charolie.

 

Gruppenspiele für Kinder von 3 bis 9 Jahren

Das Besondere am Team Pony Concept ist, dass es sich an Kinder zwischen drei und neun Jahren richtet. In Gruppenspielen lernen die Kinder ganz viel über das Verhalten von Ponys. Kolly Holland-Nells Ziel ist es, wie gesagt, Kinder zu Pferdemenschen auszubilden. Nicht zu Reitern, wohlgemerkt! Deshalb sind immer zwei Ponies dabei – sie laufen am Strick der Reitpädagogen einfach mit während der Gruppenspiele. Die Kinder dürfen abwechselnd darauf sitzen, aber sind weiter Teil des Spiels.

Dort bei Kolly haben wir Erwachsenen dann ein ganzes Wochenende mit Spielen verbracht. Ich bin gerannt, habe Pony gespielt, habe Bastelarbeiten angeschaut, Kreide-Pferdchen bewundert und erklärt bekommen, wie ich Gummibärchen-Tüten auf einem Ponyrücken platziere. Kolly Holland-Nell legt nämlich eine leere Gummibärchen-Tüte auf den Ponyrücken und sagt ihren Reitkindern dann: „Versuch mal so aufzusteigen, dass ich möglichst nichts knistern höre!“ Die Reitkinder steigen dann ganz besonders vorsichtig von der Aufstiegshilfe auf den Ponyrücken. Guter Trick, oder?

Pony Prinzie ist nicht nur für die Kinder der Lehrmeister, sondern auch in der Erwachsenenfortbildung ziemlich geduldig!

Ponyschule gut verpackt

Was ich immens fand: Hinter all den so locker daherkommenden Spielen steckt ein ausgeklügeltes Konzept. Sind die Kinder durch diese Ausbildung gegangen, dann haben Sie ein sicheres Wissen, was Futtermittelkunde, Pferdehaltung, Pferdepflege und Pferdeverhalten angeht. Sie können ihre Ponys alleine fertig machen für die Reitstunde und sind sicher im Handling. Perfekt!

Es wirkt alles total einfach und spielerisch, doch dahinter steht ein Konzept, das Kinder zu Pferdemenschen ausbildet: Das Team Pony Concept.

 

Pferdewissen für Kinder

So spielerisch, und doch so wirkungsvoll. Diese Ausbildung schließt gleich zwei Lücken: Zum einen das Vorwissen der Kinder. Es gibt so viele Kinder im Reitschulalltag, die keine Ahnung davon haben, welche Bedürfnisse Pferde haben, wie sie sich verständigen und was es heißt, ein Fluchttier zu sein. Für all solche Dinge, die früher nebenbei im Stalllalltag gelernt wurden, ist heutzutage nur wenig Zeit da.

Das Hängebrückenspiel: Hier in der Fortbildung mimen die Erwachsenen die Kindergruppe. Ausbilderin Kolly Holland-Nell hält Pony Schoko am Strick.

 

Zum anderen sehnen sich die Kinder nach Umgang mit Tieren und oft möchten Eltern schon ihre recht kleinen Kinder zum Reiten anmelden. Nur was bitte soll ein fünfjähriges Kind in einer Abteilungsgruppe? Funktioniert selten, und wenn, ist es auch noch ungesund für den Körper, so lange im Sattel zu sitzen. Mit diesen pferdebezogenen Gruppenspielen gibt’s eine Alternative, ein Angebot für so junge Kinder anzubieten.

Seminarleiterin Kolly Holland-Nell mit ihren beiden Ponys daheim…

… und als Dozentin. Sie schult Trainer darin, Angebote für jüngere Kinder zu schaffen.

 

P.S.: Ich hatte letztens ein spannendes Gespräch mit einer jungen Stallkollegin, die unbedingt so schnell wie möglich den Trainerschein machen möchte. Was Du unbedingt bedenken solltest, wenn Du auch mit dem Gedanken spielst, habe ich drüben bei wehorse aufgeschrieben. Und soviel sei verraten: Wenn ich nochmal 20 wäre, vielleicht würde ich dann auch so mit den Hufen scharren, um einen bestimmten Schein zu bekommen. Aber wenn ich mich selbst nochmal sprechen würde, mein 20-jähriges Ich, würde ich ihm erzählen, dass es so viel da draußen zu erleben, lernen und zu machen gibt, es läuft nix weg. Mehr darüber: Drüben!

 

Buchrezension: „Einmal überbaut, immer überbaut“

Rot eingezeichnet hier der Musculus longissimus, der lange Rückenmuskel.

 

Dieser Beitrag enthält Werbung.
Denn: Ihr könnt das hier besprochene Buch 3x gewinnen!

Lerne über den Körperbau Deines Pferdes & wie Du ihm durch Training helfen kannst – genau darum geht es in diesem Buch namens „Einmal überbaut, immer überbaut?“. Ich hatte es drei Minuten in der Hand und fand es sofort spannend: Es erklärt Zusammenhänge zwischen Exterieur verschiedener Pferde, Muskeln und Faszien anhand von kurzen Textpassagen, Illustrationen und Beispielfotos.

Das Buch ist im Müller Rüschlikon Verlag soeben im Januar 2019 erschienen und kostet 24,90 Euro.

 

Nachdem ich es komplett gelesen habe, bleibt derselbe Eindruck: „Einmal überbaut, immer überbaut?“ aus dem Verlag Müller Rüschlikon ist ein sehr hilfreiches, praxisnahes Buch! Geschrieben haben es zwei Osteopathinnen. Die eine ist sehr erfahren und in der Osteo-Szene ziemlich bekannt, sie heißt Barbara Welter-Böller. Die zweite Autorin ist Claudia Weingand, ebenfalls Osteopathin (und Schülerin der erstgenannten), zudem Fachjournalistin und Autorin. Sie war viele Jahre Chefredakteurin der Feinen Hilfen. Im Team ist so ein fachlich sehr gutes Buch entstanden, das zudem ganz einfach lesbar ist. Ich habe es verschlungen!

Wie Du Deinem Pferd durch gezieltes Training hilfst

Das Buch ist keine knochentrockene Theorieabhandlung, sondern es geht sofort in die praktische Analyse hinein: Welche Pferdetypen gibt es bezüglich des Exterieurs? Was sagen Eigenheiten wie zum Beispiel ein rückständiges Vorderbein über das Pferd aus? Was ist durch Training änderbar und was weniger? Welche Art von Training braucht es, um Eigenheiten des Exterieurs auszugleichen oder sogar wett zu machen?

 

Der Serratus-Muskel, der immens wichtig ist, wenn das Pferd Reitergewicht tragen soll.

 

Genau das macht dieses Buch sehr wertvoll. Niemand muss Angst vor erschlagender Theorie haben: Es werden in leicht verständlichen kurzen Texten die wichtigsten Muskeln erklärt. Der Leser sieht und kann verstehen, warum alle Welt vom Trapezmuskel spricht, der aber in Wirklichkeit nur fingerdick ist, wenn auch ziemlich groß von der Fläche her. Und er erfährt, welche Muskeln es denn tatsächlich ist, die durch unpassende Sättel zum Beispiel atrophieren.

Anleitung zum Muskelaufbau beim Pferd

Das Buch macht ziemlich viel Hoffnung. Weil es viel verspricht, wie man durch gezieltes Training Exterieurprobleme verbessern kann. Diese Versprechen werden jedoch durch Anatomiewissen gestützt und werden dadurch glaubwürdig.

 

Das Pferd wachsen lassen?!

Mir ging es so, dass ich mich sofort während der Lektüre am liebsten sofort auf in den Stall gemacht hätte, um die Trainingsideen umzusetzen. Ein Beispiel aus dem Abschnitt „Trainingstipps für Pferde mit ansteigender Rückenlinie“:

„Durch gezieltes Training kann auch ein älteres Pferd im Widerristbereich um mehrere Zentimeter wachsen. Den M. serratus ventralis trainiert man über Trabarbeit, denn hierbei muss er aktiv an- und abspannen, um den Rumpf, überspitzt formuliert, davor zu bewahren, durch die Vorderbeine durch auf den Boden zu krachen. Auch im Galopp muss er sehr aktiv sein, allerdings muss er dann das gesamte Rumpfgewicht plus Beschleunigungskräfte in der vorderen Einbeinstütze abfedern, was einen untrainierten Sägemuskel überfordern kann.“

Acht Wochen gezieltes Trabtraining

Es folgt eine genauere Beschreibung und auch auf Gefahren durch falsch verstandenes Training wird hingewiesen. Doch schon acht Wochen Trabtraining jeden zweiten Tag an der Longe sollen hier den Unterschied machen. Alternative, für all diejenigen, die ungern longieren oder mehr Abwechslung möchten: Ausritte als Handpferd, bei denen der Schwerpunkt auf der Trabarbeit liegt. Das Pferd soll mehrere Minuten am Stück durchtraben und kein Reitergewicht tragen, diese Regel gilt für beide Methoden, ob Longentraining oder Handpferdetraining. Ich wusste das alles schon mal, wie wichtig Trabarbeit zum Aufbau des Reitpferdes ist – es ist so hervorragend, das noch mal so gut erklärt zu lesen!

Exterieur Pferd:
Was Wietskes Körper über ihre Stärken & Schwächen verrät

Ganz toll ist auch das Kapitel zum Schluss, in dem einzelne Beispielpferde analysiert werden. Auf je vier Seiten werden markante Exterieur-Merkmale erklärt. Diese geben Indizien auf Problematiken des Pferdes. Die Autorinnen erklären diese und geben Trainingsempfehlungen. Sie besprechen einen Tinker, eine Friesin und mehrere Warmbluttypen. Die Friesin ist einigen Bloglesern wahrscheinlich bekannt: Es ist Wietske, die Stute von Dressurausbilderin Claudia Butry, die viele unserer Kurse leitet.

Welcher Muskel war das nochmal?

Das Einzige, was ich in diesem Buch wirklich vermisst habe, ist ein Glossar, so dass man schnell mal „Trapezmuskel“ oder „M. serratus ventralis“ nachschlagen kann. Denn wie schnell vergisst man wieder, wo genau welcher Muskel saß! Aber das ist auch schon alles. Grundsätzlich finde ich das Buch sehr gelungen, sehr lehrreich, und würde gern mehr davon lesen, am liebsten noch zehn weitere Pferdeanalysen sehen!

Gewinnspiel

Ihr könnt dieses Buch gewinnen: Ich verlose gemeinsam mit dem Verlag Müller Rüschlikon drei Exemplare des Buchs. Eins könnt Ihr auf Instagram gewinnen (ab Montagabend online), zwei verlose ich hier direkt im Blog. Ihr dürft gleichzeitig auf beiden Kanälen mitmachen. Wer teilnehmen möchte, beantwortet mir bitte folgende Frage in den Kommentaren: „Welche Schwachstelle siehst Du bei Deinem Pferd & würdest sie gern durch gezieltes Training verbessern?“ In die Kommentare kommst Du, wenn Du direkt unter der Überschrift des Artikels unten rechts auf „Kommentare“ klickst. Das Gewinnspiel startet am 4.2. um 12 Uhr und endet am 7.2. um 24 Uhr. Alle genauen Gewinnspielbedingungen findest Du hier im Impressum. Viel Glück!