Peter Pfister zu 50 Tagessätzen verurteilt

Horsemanshiptrainer Peter Pfister wurde am 14.09.2018 vom Amtsgericht Leverkusen zu 50 Tagessätzen verurteilt.

Warum, was passierte?

Ein Pferd kam in seinem Kurs zu Tode. Auf Videos sieht man, wie er es mithilfe von Stricken in eine Position zwingen wollte, um ihm einen Zirkustrick beibringen. Dabei stieg und stürzte das Pferd mehrfach. Es starb letztlich, vermutlich durch einen Genickbruch.

Was bedeutet 50 Tagessätze?

Die Tagessätze beziffern die Höhe des Strafmaßes. Ein Tagessatz entspricht einem Tag Freiheitsstrafe. Wie hoch eine Geldstrafe absolut ist, bemisst sich dann nach dem jeweiligen Nettoeinkommen eines Beschuldigten. Bei einem Nettoeinkommen von z.B. 900 Euro beträgt die Tagessatzhöhe 30 Euro.

Ist das belegt?

Ich habe schon kurz nach dem Fall die Videos persönlich gesehen, mich dazu aber nicht geäußert, da es ein schwebendes Verfahren war. Das Urteil hat mir der Oberstaatsanwalt Bremer aus Köln bestätigt per E-Mail. Genauer Wortlaut:

Gute Tag Frau Aretz,
der Beschuldigte ist mit rechtskräftigem Strafbefehl des Amtsgerichts Köln vom 14.09.2018 wegen Verstoßes gegen § 17 Nr. 2 Buchstabe a), §§ 303, 303 c StGB zu einer Geldstrafe von 50 Tagessätzen verurteilt worden. Zu dem Betrag und zu weiteren Details kann ich mit Blick auf die Persönlichkeitsrechte des Beschuldigten nichts mitteilen.
Mit freundlichen Grüßen
Bremer
Oberstaatsanwalt

Was ist das für ein Trainer?

Ich habe schon vor etlichen Jahren mit Peter Pfister als Journalistin gearbeitet. Seine Erklärungen waren stets pferdefreundlich, er eloquent und beliebt bei seinen Schülern. Einige meiner früheren Mit-Einstaller sind regelmäßig zu seinen Kursen gefahren. Es gab damals keinen Anlass für mich, anzunehmen, dass dieser Trainer pferdeunfreundlich arbeitet. Nie ist mir etwas zu Ohren gekommen, das im Entferntesten mit diesem Vorfall zu vergleichen wäre.

Meine Meinung zu diesem Vorfall:

Die Videos sprechen für sich. Ich kann nicht verstehen, wie ein Trainer so sehr gegen ein Pferd arbeiten kann. Die Schuldfrage, nun auch gerichtlich bestätigt, ist eindeutig. Die öffentliche Kommunikation nach dem Vorfall war miserabel. Es wurde längere Zeit keine Reue kommuniziert. Dass es überhaupt so gekommen ist, ist entsetzlich. Anzunehmen ist natürlich, dass er das  Pferd nicht töten wollte und ihm ebenso keinen erheblichen Schaden zufügen wollte. Das Hinfallen und Steigen nahm er jedoch in Kauf. Ein so erfahrener Pferdemensch hätte wissen müssen, wie gefährlich das ist. Zudem ging er komplett über die Signale des Pferdes hinweg, das entsetzt mich. Und ich bin entsetzt, wie sehr sich jemand ändern kann. Und hoffe, es wird wieder anders.

Was lernen andere Trainer daraus?

Die Reaktion von vielen war: „Oh je, dem ist ein Missgeschick passiert und alle stürzen sich darauf! Wir müssen zu ihm stehen.“ Wer alle vorhandenen Videos gesehen hat, und alle Sinne beisammen hat, kann das meiner Meinung nach nicht so sehen. Hier hat jemand grob gehandelt, sehr grob. Das hat jeder einzelne in der Hand, ob er so agiert oder nicht. Informiert Euch, bevor Ihr für jemanden Partei ergreift.

8 Kommentare

  1. Das ist mal eine ausgewogene Behandlung des Vorfalls, die ich in alken Aspekten unterstreiche.

  2. Danke für diesen Artikel. Mir ging dieser furchtbare „Vorfall“ so oft noch durch den Kopf. Ich kann auch deine Ansicht hier nur bestätigen. Für mich heißt es immer die Beziehung zum Pferd an die erste Stelle setzen.

  3. Es wurde ja leider der Eindruck erweckt, dass andere Trainer versuchten, durch Hass/Neid/Missgunst-Vorwürfe Kritiker an Pfister mundtot zu machen, nicht zuletzt durch Pfister selber, der dies ziemlich schamlos in einer Pferdezeitschrift von sich gab.
    Kollegenschelte ist in diesen Kreisen verpönt, da wird mit Bibelsprüchen um sich geworfen, um das Thema zu beenden.
    Tatsächlich haben sich nur sehr wenige Trainer öffentlich getraut, Kritik an Pfister zu äußern. Zu groß ist wohl die Angst, selber ins Kreuzfeuer zu geraten.

  4. Ich verzichte hier bewusst auf alles Drumherum und konzentriere mich auf das Faktische.

  5. Ich bin gerade überrascht von den Kommentaren. Ich kenne Herrn Pfister nicht, habe aber eine ausführliche Erklärung von ihm gelesen, in der er den Vorgang analysiert hat und sich selber in dieser Situation sehr in Frage stellte. Das würden wir uns von FN Trainern und Reitern wünschen, die z. B. Pferde stocklahm vorstellen oder nach einen halben Jahr des zur Verfügung Stellens völlig verdorben, unreitbar und mit kissing spines wieder zurück geben. Da straft keiner ab. Nach wie vor bin ich der Meinung , wenn ich als Besitzer sehe, das etwas aus dem Ruder läuft, habe auch ich einen Teil meiner Verantwortung und muss etwas dagegen tun. Ein ganzer Kurs stand drumherum und hat nicht eingegriffen. Das sollte einen zum Nachdenken anregen.

  6. Liebe Christiane, ich empfehle, dazu erst eine eigene Meinung zu formulieren, wenn man die Filme gesehen hat. Dann wird klar, über was für eine Ebene hier gesprochen wird. Es gibt viele schlimme Dinge in der Pferdewelt – in diesem Artikel geht’s mir darum, diese eine Sache in ein objektives Licht zu rücken. Und das Mittel der Objektivität ist ein Gerichtsurteil. Viele Grüße, Jeannette

  7. Korrektur: Der Strafbefehl gegen Peter Pfister wurde vom Amtsgericht Leverkusen, nicht vom Amtsgericht Köln, ausgesprochen. Das wurde mir heute (13.11.2018) vom Oberstaatsanwalt Ulrich Bremer mitgeteilt.

  8. Liebe Jeanette,
    vielen Dank für Deine wie immer konzentrierte und ausgewogene Meinung. Ich habe mir damals dieses Video auch angetan und mit Schaudern überlegt, inwieweit ich als Besitzerin dieses Pferdes imstande gewesen wäre, rechtzeitig einzugreifen. Ich fürchte nämlich, ich wäre viel zu „gefreezt“ gewesen, schließlich geht man ja mit einem gewissen Vorschussvertrauen in einen Kurs mit einem bekannt pferdefreundlich arbeitenden Trainer. Und dann erstmal begreifen, was vor sich geht…