Achtsamkeit – was sie an Deiner Beziehung zu Deinem Pferd ändert

Diese wunderbare Stimmung springt einen bei Miri von Mein Faible, die das E-Book zum Thema Achtsamkeit veröffentlicht hat, stets an. Egal, ob man von ihr auf Instagram, auf dem Blog oder im E-Book etwas hört. Foto: www.alexandraevang.de

 

Dieser Beitrag enthält Werbung  & ein Gewinnspiel.

Zwei E-Books gehen nämlich an Euch!

 

Schon mal von Achtsamkeit gehört? Das bedeutet, ganz in einer Situation zu bleiben, ohne Erwartungen, ohne den Gedanken an das, was als nächstes ansteht. Beim Zusammensein mit Pferden kann Achtsamkeit sehr viel mehr an Beziehung zum Pferd möglich machen. Eine E-Book-Rezension und ein Test, wie gut es im Alltag funktioniert. 

 

Einer von vielen schönen Momenten an diesem Wochenende: Ailena, wie sie im Paddock im Sand lag. Müde, mit halbgeschlossenen Augen die Sonne genießend. So sah ich sie, als ich sie zum Reiten abholen wollte. Die Stute wollte gern noch etwas liegen bleiben – das haben wir dann auch so gemacht.

 

Ich musste dabei an Achtsamkeit denken. Das meint das Wahrnehmen von dem, was gerade ist, ohne daran direkt etwas ändern zu wollen oder in Gedanken schon beim nächsten Punkt auf der Tagesliste zu sein. Das ist nämlich auch das Thema eines E-Books, das ich gerade lese. Statt bei Ailena zu verweilen, ein wenig, hätte ich hätte einfach sagen können: „Hey hallo Ailena! Los, komm, wir haben gleich Unterricht!“ Sie wäre bestimmt direkt aufgestanden, wenn ich ein bisschen energischer gefragt hätte. Es war ein perfekter Frühlingsmorgen. Sonnig und warm. Er war noch perfekter, weil ich ein bisschen inne gehalten habe in dieser Situation.

 

Achtsamkeit beim Pferd

 

So konnte ich bemerken, dass sie mir vertraut und zwar so vertraut, dass sie liegen bleibt, egal, ob ich ihre Ponysträhnen neu krame, ihren Schnurrbart (sie hat tatsächlich einen!) zwischen meinen Fingern zwirbele oder mich an sie lege oder gar auf ihren Rücken klettere. Das klingt jetzt alles in der schnellen Aufzählung eher lästig, aber ich bin mir ziemlich sicher, dass ich das nicht war in dem Moment.

 

Etwas später dann, als ich sagte: „Komm, Ailena, jetzt wär’s doch ganz schön, wenn wir mal loslegen“ ist sie mit hinunter gegangen, weg vom Paddocktrail, hinunter zur Reithalle. Ich hatte den Eindruck, dass dieses bisschen Verweilen uns beiden gefiel, und dass sie jetzt, nach ein wenig beisammen sein und trödeln, auch gern mitkommt.

 

Dieses darauf achten, was gerade ist, das übe ich gerade. Dabei hilft mir immer wieder die Seite von MeinFaible, Miri macht die (www.meinfaible.de). Ich mag übrigens ihre Instastories sehr, die sind wie kleine Mini-Coachings zu ihrem Lieblingsthema. Sie hat sich nämlich darauf spezialisiert, das Thema Achtsamkeit mit den Pferden zu verknüpfen. Von ihr ist auch das Ebook mit dem Namen „Vier Wochen Achtsamkeit“.

 

Besonders interessant für Reiter mit Stress

Ihr E-Book wartet schon lange bei mir darauf, angesehen zu werden. Da ich nämlich jemand bin, der immer sagt „zu wenig Zeit, zu viel Stress, hunderttausend Sachen zu tun“ und eben auch tatsächlich immer gern noch eine Schippe draufpackt (Kind, Arbeit, Reiten, Arbeit, Joggen, Pferd versorgen, Arbeit, Hund, Arbeit, Jungpferdewiese, Arbeit, Blog, Arbeit, Yoga, Arbeit) lag es wirklich lange, lange ungesehen herum. Das ist total schade, denn es ist wunderbar! Gerade für so Durch-Den-Alltag-Hetzer wie mich.

 

Das sind Miri und ihre Stute Faible. Foto: www.meinfaible.de

Reiter wahrnehmen, ohne zu urteilen

 

Eine Sache, die im E-Book viel Aufmerksamkeit bekommt, ist das Nicht-Bewerten. Das einfach wahrnehmen ohne zu urteilen. Das ist etwas, was ich seit längerem übe und es besonders in unserer Reiterwelt wichtig finde. Es meint quasi das Gegenteil vom Besserwissen an der Bande. Nicht-Bewerten meint für mich: Sich Menschen, Reitweisen, Ausbildungssysteme häufig und mehrfach anzusehen, mit neugierigen Augen und bestem Ansinnen. Und erst spät, spät urteilen. Wir sehen immer nur Teile des Puzzles.

 

Mentaltraining für Reiter

Witzig finde ich ja immer, wenn sich Dinge aus verschiedenen Richtungen nähern. Für die Reiter Revue habe ich gerade einen Artikel über Wut im Sattel recherchiert (richtig, es gab auch schon einen Blogartikel von mir dazu, wo ich über dieses Gefühl Wut schreibe, wie ich es schon im Sattel erlebt habe, hier. Der neue Artikel behandelt das Thema journalistisch, es erklären also diverse Experten, was man tun kann bei Wut und wie sie überhaupt entsteht). Ein Tipp der Mentaltrainierin Anke Heimsoeth, um generell zufriedener zu werden ist: ein Dankbarkeitstagebuch zu führen. Genau das findet sich auch in Miris E-Book als Übung wieder. Schön finde ich, dass bei Miri alles machbar klingt, denn „es reicht schon ein kleiner Satz“ jeden Abend, schreibt sie. Obwohl es ein Vier-Wochen-Selbstlern-Kurs ist, habe ich überhaupt nicht das Gefühl gehabt, ich hätte mir jetzt noch einen Berg Arbeit zusätzlich aufgeladen.

 

Pferde und eine lächelnde Frau im Schnee.

Miri und rechts im Bild ihre Stute Faible. Sie lebt übrigens auch auf einem Paddocktrail. Foto: www.alexandraevang.de

 

Wissenschaftlich zu erklären

Das Dankbarkeits-Tagebuch ist übrigens keine spinnerte Sache, sondern es lässt sich sogar medizinisch erklären, warum das unsere Wahrnehmung schult. Das Stichwort ist hierfür Neuroplastizität – was bedeutet, dass das Gehirn formbar ist. Trainiert man bestimmte Dinge, dann verändern sich die Verschaltungen zwischen Nervenzellen und es können sich, zum Beispiel bei Leistungssportlern und Profimusikern ist das nachgewiesen, sogar übergeordnete anatomische Strukturen verändern. Neurale Netzwerke können sich infolge von intensiver Lern- und Umwelterfahrungen reorganisieren – so beschreibt das Neurowissenschaftler Professor Dr. Lutz Jäncke von der Universität Zürich zum Beispiel in Spektrum der Wissenschaft. Vereinfacht ausgedrückt und auf unser Beispiel bezogen: Trainiert man Dankbarkeit, dann fällt einem so etwas auch häufiger automatisch ein. Das macht zufriedener. Denn so kann man negative Gedanken langfristig auch bewusst durch positive ersetzen, zunächst bewusst, irgendwann auch unterbewusst.

 

Ich will nicht zu viel verraten – denn dieses E-Book ist eine Anleitung für eine Reise zu sich selbst und zu dem, was man gern im Leben machen möchte und sein möchte. Nicht nur im Reiterleben! Vier Wochen Achtsamkeit heißt es, und es ist in diese vier Wochen auch gegliedert. Pro Woche gibt es unterschiedliche Schwerpunkte und praktische Übungen. Die Einheiten sind klar, flüssig und nicht aufgebauscht, es ist ein schmales Büchlein mit um die 40 Seiten. Die alle Zuversicht ausstrahlen und irgendwie sehr viel Lust auf Machen schaffen.

 

Das E-Book ist übrigens mit sehr schönen Bildern von Alexandra Evang illustriert, die eine echte Beziehung zwischen Mensch und Pferd spürbar machen. Man sieht ganz viel Freude, Energie und Nähe. Miri sitzt da zum Beispiel inmitten der Herde ihrer Stute Faible im Schnee, das Licht ist weich und klar und es kommt einfach nur eine wunderbare Sehnsucht nach der Bindung zwischen Pferd und Mensch rüber.

 

Energiefresser und Energiespender

Eine Kleinigkeit noch: In einem Punkt im Buch wird davon gesprochen, dass man mal auflisten soll, was einem Energie gibt und was einem diese nimmt. Was oder wer das im Alltag sein kann. Dazu gibt es eine Übung, wie diese Punkte angeschaut und eingeordnet werden können.

 

Was an der Pferde-Reha gut war

Ich habe pferdetechnisch in der letzten Zeit bemerkt, dass es bereichernd ist, sich mal andere Dinge rund um das Pferd anzusehen. Die man sonst nicht tut und die daher nicht mit Erwartungen an sich selbst („Besser werden, mehr tun“) verbunden sind. Zum einen habe ich das in der langen Reha-Zeit meines Ponys bemerkt. Ich musste sie wochenlang Schritt führen, später auch an der Hand traben. Dass wir durch das Dorf gelaufen sind, an Kirche und Bäcker vorbei, an einer anderen Pferdeherde, an Baustellen und Straßen, das hat die Stute nochmal gelassener gemacht und unserer Bindung gut getan. Ganz nebenbei bin ich wieder viel mehr zum Joggen gekommen, mit ihr an der Hand und dem Hund noch dazu. Das war wunderschön, und ich hätte das niemals so häufig, jeden Tag, getan, wäre sie gesund geblieben. Das war ganz klar ein Punkt, der mir die letzten Wochen viel schöner gemacht hat – ein Energiespender. Ich habe den Frühling wirklich sehr direkt erlebt dieses Jahr, weil ich einfach jeden Tag noch mehr unterwegs und draußen war. Ich habe das nicht erwartet, weil ich ja sowieso jeden Tag auch sonst mit dem Hund unterwegs bin. Aber immer auf unseren gängigen Runden, zu stets ähnlichen Uhrzeiten. Das war jetzt anders.

Ich habe sofort Waldbodengerüche in der Erinnerung und spätabendliche Sonnenstrahlen vor Augen, die durch die Bäume auf den Weg treffen, wenn ich darüber nachdenke. Es war einfach schön, gerade auch diese Regelmäßigkeit täglich. Das habe ich letztlich dem Griffelbeinbruch zu verdanken. Verrückt, denn eigentlich will man ja nun wirklich keine Krankheitsgeschichten mit Pferd haben!

 

Voltigieren für Erwachsene

Zufällig habe ich in der vergangenen Woche noch etwas anderes Neues ausprobiert, nämlich Erwachsenen-Voltigieren. Dort hingegangen bin ich mit rein gar keinen Erwartungen. Ich bin hingegangen, weil ich dachte, das könnte ein tolles Magazinthema sein, denn dort voltigieren Zwanzigjährige gemeinsam mit Mittsechzigern. Der Selbstversuch zeigte mir: Das macht richtig viel Spaß! Es ist auf gute Art anstrengend. Anstrengender, als ich dache, denn ich hatte ordentlich Muskelkater in den Oberarmen danach! Das sind für mich zwei Beispiele für Energiespender und zugleich für das Achtsam im Moment sein, ohne Erwartungen und ohne zu urteilen.

 

Also: Ich bin froh, dass mir Miri dieses E-Book geschickt hat. Es ist leicht und das ist gut. Denn niemand braucht noch mehr Stress und Anstrengung, wenn er eben diese loswerden möchte. Ich mag es sehr – ich mag ihre Art, zu schreiben, und die Ideen, die sich so klar und wenig aufdringlich darin sammeln. Natürlich ist das nur etwas für Menschen, die Lust auf Coaching und Selbsterfahrung haben. Wenn man sich darauf einlässt – dann bereichert es!

 

Gewinnspiel

Wer eines dieser E-Books gern hätte: Ihr könnt zwei davon im Wert von je 39 Euro gewinnen. Oder einfach bei Miri eins bestellen, hier auf ihrer Seite MeinFaible. Wer gewinnen möchte: Schreibt mir in die Kommentare, wie das Thema Achtsamkeit bei den Pferden in Eurem Leben vorkommt. Was klappt wann, was nicht? Was hilft Euch dabei? Das Gewinnspiel startet am 14.05.2018 um 13 Uhr und endet am 17.05. um 13 Uhr. Alle genauen Gewinnspielbedingungen findet Ihr hier im Impressum. Viel Glück!

 

 

 

 

WFFS – Hengsthalter bestätigt Gendefekt

So sehen Mut und Transparenz aus: Die erste Hengststation lässt all ihre Hengste auf die Genkrankheit WFFS untersuchen und veröffentlicht, dass sie einen Träger-Hengst besitzt.

Bei WFFS reißt die Haut durch normale Berührungen. Nur wenn die Anlage für WFFS von beiden Elterntieren weitergegeben wird, erkrankt das Fohlen. Solche Fohlen müssen eingeschläfert werden. Bisher wird die Krankheit todgeschwiegen – daher ist diese Veröffentlichung ein großer Fortschritt, der zeigt, wie verantwortungsvolle Anpaarungen in Zukunft möglich sein können.

WFFS, warmblod fragile foal syndrom, ist in der Warmblutpopulation nicht selten genetisch angelegt – Studien gehen davon aus, dass 6 bis 11 Prozent aller Warmblüter selbst Träger für diese Krankheit sind. Das bedeutet sie sind augenscheinlich gesund, können die Veranlagung aber weitergeben. 

Hengsthalter erzählt von WFFS-Träger

Hilltop Farms in den USA hat nun seine Warmbluthengste – aller europäischer, deutscher und niederländischer Abstammung – durchtesten lassen. Das ist unglaublich mutig und zukunftsorientiert, denn bisher gilt WFFS als die dunkle Krankheit, über die niemand spricht. In Deutschland ist Hilltop Farms wahrscheinlich den meisten durch den imposanten Schimmelhengst Comic Hilltop FRH ein Begriff, der jahrelang auf internationalen Turnierplätzen unter diesem Namen zu sehen war. Zur Zeit ist Comic über das Landgestüt NRW zu beziehen. Achtung, bitte differenzieren: Dieser Hengst hat mit der WFFS-Debatte nichts zu tun, außer, dass er das hierzulande bekannteste Pferd der Hilltop Farms ist.

Die Krankheit tritt auf, wenn Mutter und Vater augenscheinlich gesund sind, aber beide WFFS-Trägertiere sind. Geben sie beide die WFFS-Veranlagung mit, erkrankt das Fohlen. Neben der schnell reißenden Haut ist ein weiteres Symptom, dass die Fohlen meistens nicht aufstehen. Es gibt keine Heilung, WFFS-Fohlen müssen eingeschläfert werden. Meist kommt es aber gar nicht zur Geburt eines voll entwickelten WFFS-Fohlens: Die meisten der WFFS-Fohlen gehen, so vermutet die Wissenschaft aktuell, zuvor im embryonalen Stadium ab und werden daher als Abort gezählt, als verfohlt oder nicht tragend geblieben. Daher ist die Dunkelziffer vermutlich hoch.

Aufklärung für Züchter

Auf Anfrage einer Stutenbesitzerin ließ Hilltop Farms alle Hengste testen und veröffentlichte die Ergebnisse. Die Stutenbesitzerin hatte zuvor ein WFFS-Fohlen von einem Hengst erhalten, den die Station mit vermarktet. Wohlgemerkt ließ Hilltop Farms nur die eigenen Hengste, nicht diejenigen, die über sie vermarktet werden, testen. Das Testergebnis des Hengstes, von dem das WFFS-Fohlen geboren wurde, ist nicht auf der Seite veröffentlicht.

SOLIMAN DE HUS X RASCALINO

Veröffentlicht hat Hilltop Farms jedoch das positive Testergebnis eines eigenen Hengstes: Sternlicht von Soliman de Hus x Rascalino sei WFFS-Träger, schreiben sie. Also ein Hengst mit einer auch in Deutschland gängigen Abstammung. Sternlicht ist ein moderner Rappe mit Blesse, acht Jahre alt, auf St-Georges-Niveau in den USA startend. Bisher habe es keinen WFFS-Fall mit dem Hengst gegeben (der statistisch gesehen zu 25% bei einer Verpaarung an eine WFFS-Trägerin auftritt), berichtet die Station.

Hilltop Farms nimmt Sternlicht für diese Saison aus der Besamung heraus, um Zeit für Aufklärung der Züchter zu gewinnen. Denn wird er an trägerfreie Stuten angepaart, sind ausschließlich gesunde Fohlen zu erwarten. Sie schreiben auf ihrer Homepage:

„Wir hoffen, dass wir durch unsere Veröffentlichung dazu beitragen können, wie ein Katalysator für die Pferdeszene wirken zu können und sie dadurch voran zu bringen.“

Diese Entscheidung löst in den USA eine Welle aus – auch die nordamerikanische Vertretung des KWPN hat ein Statement über ihre facebookseite abgegeben (HIER in voller Länge zu lesen). Ein Auszug daraus:

Der KWPN Nordamerika ist sich bewusst, dass viele Mitglieder besorgt sind aufgrund des Gendefekts (WFFS), und wir untersuchen und diskutieren nun die beste Strategie, die Gesundheit und das Wohl unserer Pferde zu sichern und zudem unseren Züchtern dabei zur Seite zu stehen, gute Zuchtentscheidungen zu treffen um die besten und gesündesten Pferde zuzüchten. Unser Büro steht in engem Kontakt mit dem KWPN Hauptsitz in den Niederlanden, die ebenso weiterihin die Situation beobachten. Wir werden jedes weitere Wissen mit unseren Mitgliedern über die Website, E-Mail-Newsletter und die Sozialen Medien teilen.

Gendefekt-Träger

 

Es ist ein ganz großer Schritt nach vorne, dass endlich ein Hengsthalter den Mut hat, von der Krankheit zu sprechen und Ergebnisse zu veröffentlichen.

„Die einen haben Gewissen, die anderen nicht“

so formulierte es eine Schweizer Züchterin, die sich bei mir meldete, weil sie ebenfalls unwissentlich einen WFFS-Fall produziert hatte und erlebte, wie der betreffende Hengst auch danach ohne Warnung an Züchter weitervermarktet wurde. In Deutschland wird das Thema bisher genauso verschwiegen – wie ich am eigenen Leib erfahren konnte, als meine Stute ein WFFS-Fohlen bekam.

Aufklärung ist für alle Züchter so wichtig, ein Test auf den Gendefekt kostet 100 Euro, er kann per Blut, Haare oder Sperma durchgeführt werden (ich habe bei Laboklin testen lassen, hier). Mehr über mein WFFS-Fohlen (Abstammung der WFFS-postiven Mutter: Landadel x Sinatra v. Sinus xx) und eine Linksammlung zu aktuellen Forschungsergebnissen kann man hier lesen. Den Hengsthalter des Hengstes, mit dem ich dieses Fohlen gezogen habe, habe ich abermals aufgefordert, öffentlich zu machen, dass der Hengst den Gendefekt vererben kann. Ich hoffe, die Vorreiterrolle in den USA durch die Hilltop Farms hat einen Effekt auf die Hengsthalter hierzulande, zukunftsorientiert und korrekt zu handeln. Gesetzlich sind auch sie dem Tierschutzgesetz verplichtet.

 

Das Tierschutzgesetz einhalten

Denn Züchter und Hengsthalter haben eine ethische Verpflichtung, kein Tierleid zu produzieren. Das ist  im Tierschutzgesetz § 11b 1. und 2. festgehalten. Wissentlich Nachzucht zu produzieren, die WFFS erkrankt sein könnte, demnach todgeweiht, ist nicht mit dem Tierschutzgesetz kompatibel. Wer vom Befund weiß, diesen aber öffentlich nicht seinen Züchtern mitteilt, nimmt weitere WFFS-Fälle in Kauf. Und handelt so gegen das Gesetz.

 

Wie gefährlich ist Halsringreiten?

Achtung, Fangfrage! Reiten auf Halsring und Reiten ohne Zaumzeug kann wunderbar sein – oder ein Risiko. Denn gefährlich ist nur alles, was man nicht kann. Wenn man sich selbst überschätzt.

 Über den schmalen Grad zwischen Leichtsinn, Begeisterung und Vernunft wenn es um’s Pferd geht.

Mein erstes Mal nur auf Halsring bzw. Equizügel. Ailena hat das wunderbar gemacht, und ich brauchte tatsächlich den Anschubser, es doch einfach zu probieren – es funktionierte, sogar Zirkel verkleinern im Galopp. Foto: Klara Freitag

 

Plus, groooßes Anliegen: Weshalb Trainer aufhören sollten, ihre Schüler abhängig zu halten und sie stattdessen zu urteilsfähigen Reitern ausbilden sollten. 

 

 

Letztens habe ich ein Foto in einer Instagram-Story gepostet, das eine junge Ausbilderin auf dem Turnier zeigte. Sie hatte eine 7,8 in einer Prüfung bekommen. Danach hatte sie das Zaumzeug abgenommen und ritt zwischen den Anhängern umher. Das Pferd hatte also den Kopf nackt, sie nutzte die Zügel als Halsring. Dabei filmte sie mit dem Mobiltelefon.

 

 

Ich schrieb dazu:

„Sie ist die Coolste! Fette Wertnote einheimsen, vom Pferd aus das Zaumzeug abnehmen, zwischen den Anhängern herumreiten UND währenddessen eine Story drehen!“

 

 

Daraufhin antwortete mir jemand:

„Cool ist das so lange, bis etwas passiert und die Versicherung nicht zahlt.“

 

 

Tja. In dem Moment gab es zwei Stimmen in mir: Eine, die laut rief:

 

„Scheiß Deutschland!“ Kann man nicht einmal ohne Kritik eine besondere Leistung genießen, ohne der #killjoy zu sein?

 

 

Die andere rief, ebenso laut:

 

„Das stimmt, und stell’ Dir mal vor, jetzt machen das junge Mädchen nach und es passiert denen was!“

 

 

Reiten mit Halsring ist Anspruchsvoll!

 

Natürlich habe ich das Beispiel der jungen Ausbilderin nicht gepostet, um andere zu animieren, das Gleiche zu tun. Diese junge Frau ist nicht irgendjemand, nicht eine von vielen talentierten Reiterinnen. Sie hat inzwischen besondere Fähigkeiten – und das zu erkennen, habe ich voraus gesetzt. Vielleicht müsste man es jedes Mal dazu sagen, ja.

Faszination und Vernunft. Genau um diese beiden Pole geht es ständig bei uns Reiterleuten. Ständig muss jeder für sich selbst einschätzen, was im Alltag okay ist und was nicht. In manchen Fällen ist die Antwort glasklar. Probe gefällig?

 

  1. Kann ich Geländesprünge wie eine Ingrid Klimke anreiten, weil ich das irgendwo gesehen habe? („Natürlich nicht!“ gilt vermutlich für die meisten von uns.)
  2. Kann ich einen jungen Hengst erziehen, so wie das Stefan Schneider häufig für seine Frau Uta Gräf macht? („Eher nicht!“ gilt vermutlich für die meisten von uns.)
  3. Kann ich mein Pferd so schön piaffieren und passagieren wie Jessica von Bredow-Werndl das im Moment auf Dalera BB zeigt? (Tja….)

 

Bei diesen Aufgaben ist vielen sofort klar, was möglich ist und was nicht. Beim Umgang mit dem ganz normalen Pferd gilt das aber genauso! Wer denkt, er könne einfach ohne Zaumzeug draußen herum reiten, unterschätzt, welche Arbeit dahinter steckt. Die Pferde der jungen Frau, über die ich den Beitrag postete, sind zum Beispiel absolut am Sitz und haben zudem einen „Stopp!“ antrainiert, per Horsemanship, mit dem sie sie in jeder Lage zum Stehen bringt.

 

Wenn man diese Unterscheidung (Was gilt für den Experten, was gilt für mich?) machen kann, dann kann man auch jenseits der eigenen Erfahrungswelt etwas als besondere Leistung stehen lassen. Und denkt nicht gleich, dass man das nachmachen sollte.

 

So viele Stunden Arbeit stecken hinter Wundern

 

Wie viele Stunden, Tage, Monate, Jahre an Arbeit und Emsigkeit dahinter stecken, bis man sowas gefahrlos machen kann, wie diese Ausbilderin mit dem Halsring auf dem Turniergelände, vergessen viele. So viel Kontrolle und so viel Vertrauen brauchen Zeit und Können.

 

Allerdings wird bei uns in Deutschland der Sicherheitsgedanke auch gern dazu genutzt, zu entmutigen. Schüler werden tendenziell eher dazu ermutigt, lange, lange, lange unter der Fittiche von Reitlehrer XYZ zu bleiben, bevor sie an ihre eigenen Fähigkeiten glauben und bevor sie neue, eigene Wege oder einen neuen Mentor suchen. Das ist einerseits gut. Denn es hilft, eine grundsolide Basis zu entwickeln. Ein Koordinatensystem, an dem man neue Einflüsse messen und einordnen kann.

 

AUsbilder: ErZieht Eure Schüler zur Eigenständigkeit!

 

Aber: Es hat nicht nur Vorteile. Das erzieht auch dazu, keine eigenen Entscheidungen treffen zu können. Manch ein Reiter traut sich gar nicht, das eigene Pferd ohne Trainer zu arbeiten. Die Lösung lautet: Ausbilder sollten ihre Aufgabe mehr denn je darin sehen, ihren Schülern Urteilsfähigkeit beizubringen. Das schützt nämlich auch vor Selbstüberschätzung. Genau diese führt nämlich zu riskanten Aktionen.

 

Warum man Großes auch feiern darf

 

Bei aller Vernunft im Alltäglichen – und die ist notwendig, absolut! – ich möchte es mir nicht nehmen lassen, ungewöhnliche Leistungen fantastisch zu finden. Es ist wahnsinnig toll, dass wir so einige Menschen in der Reiterwelt haben, die Sachen mit Pferden fabrizieren, die uns ins Staunen versetzen können.

 

Das darf man feiern!

 

Wann Leichtsinn okay ist

 

Leichtsinnig darf man übrigens meiner Meinung nach im Alltag nur aus zwei Gründen werden: Erstens, weil auch etwas, das generell risikobehaftet ist, aufgrund von Erfahrung und Training kein Risiko mehr darstellt. Zweitens, weil man sich als erwachsener, erfahrener Mensch bewusst für’s Risiko entscheidet. Damit meine ich so Sachen wie: Mit Turnschuhen statt Sicherheitsschuhen ein Pferd führen. Da darf man sich natürlich hinterher nicht beschweren, wenn ein Zeh dick ist. Bewusste Entscheidung, eigenes Risiko.

 

Und wie seht Ihr das?

 

Ich freue mich über Eure Meinungen dazu!

 

 

P.S.: In diesem Artikel habe ich schon mal darüber gesprochen, wie wahnsinnig mich manche Leichtsinnigkeiten machen, nur weil einjeder denkt, auch er könne jetzt mal auf Halfter oder sogar komplett ohne Zaumzeug draußen herum reiten.

 

Rein versicherungstechnisch kommt es übrigens darauf an – es gibt die verschiedensten Varianten von dem, was in einer Haftpflichtversicherung für Pferde eingeschlossen ist. Ob gebissloses oder gar Reiten ohne Zaumzeug eingeschlossen ist oder nicht, sollte jeder mal bei seiner Versicherung im Vertrag nachsehen.

 

 

So wirst Du Sitzfehler los

Dieses hilfreiche Buch von Mary Wanless verlose ich mit dem Verlag Müller Rüschlikon an drei Blogleser! Was Ihr tun müsst, lest ihr ganz unten im Text. Foto: Müller Rüschlikon Verlag.

 

 

Die Mary Wanless Methode hilft effizient, Deinen Reitersitz verbessert. Mit dieser Methode kannst Du zudem Deinem Pferd vermitteln, tatsächlich über den Rücken zu gehen. Und nein, es ist kein neuer Reitstil. Sondern einfach nur eine extrem gute Sitzschulung.
Plus: Gewinne das neueste Mary-Wanless-Buch!
Dieser Beitrag enthält Werbung.

 

Zeit, mal anzugeben. Ich bin gerade voll in der Fitness-Welle. Man könnte auch sagen: Ich habe ein paar neue Spleens. Zum Beispiel:

 

➢ Im Auto: Halte ich neuerdings das linke Bein hoch. (Es ist ein Automatik, ich brauche das Bein nicht.)
➢ Beim Aufstehen vom Stuhl: Stehe ich NUR über die Oberschenkel auf – ohne den Oberkörper vorzunehmen! (Klingt einfach? Probiere es mal!)
➢ Beim Treppensteigen: Mache ich den Bauch fest und zieh’ die Beckenbodenmuskeln an.
Zwischendurch: Hocke ich mich auf den Boden, Schienbeine dabei platt auf den Boden gelegt, Gesäß auf die Unterschenkel und ziehe mich nur über die Oberschenkel mit angespannter Bauchmuskulatur hoch. So, dass die Unterschenkel weiter auf dem Boden liegen, aber der Rest vom Körper aufgerichtet wird. (Aua!)
➢ Ansonsten: War ich diese Woche schon zwei Mal joggen und ein Mal habe ich sogar wieder Yoga gemacht.

Muskelkater: Ja.
Inneres Jubilieren: Und wie!
Denn ich weiß: Genau das hilft mir, im Sattel besser zu sein. Viel besser.

Hilfen korrekt geben

Diesen Anschub gibt mir nicht nur der Frühling. Das sind auch die Nachwirkungen vom Elaine-Butler-Kurs bei uns. Sie unterrichtet Sitzschulungen nach Mary Wanless (Auf pferdia könnt ihr Euch übrigens Lehrfilme mit Elaine Bulter unter anderem zum Thema Einknicken in der Hüfte ansehen.) Man lernt mit dieser Methode, den eigenen Körper so im Sattel anzusteuern, dass man mit minimalen Änderungen die korrekten Hilfen gibt. Und sich auch darüber klar wird, was alles fehlt (zum Beispiel ein Doppelkinn! Warum ein Doppelkinn beim Reiten ein gutes Zeichen ist, habe ich hier aufgeschrieben). Bei mir ist ein Knackpunkt die Oberschenkelmuskulatur, die vor allem links schwächer ist als rechts. Das merke ich im Sattel immer dann, wenn das Pferd auf die linke Schulter kippen möchte und ich sitztechnisch zu wenig dagegen tun kann. Übrigens geht es bei der Oberschenkelmuskulatur  um die oben aufliegende Muskulatur, nicht um die dem Sattel zugewandten Muskelstränge. Klemmen soll man natürlich nicht, klar.

 

Besser sitzen

Es ist nicht so einfach zu beschreiben, was für Sachen die Mary-Wanless-Leute anders machen. Man reitet, ganz normal, nicht etwa an einer Longe wie bei gewöhnlichen Sitzschulungen. Elaine Butler analysiert während man reitet mit ihren Röntgenaugen jede Stelle des Körpers. Während des Reitens und danach noch mal per Video. Dabei siehst Du, wie Du vor ihrer Korrektur im Sattel sitzt und wie danach (Wie man eigene Reitvideos erträgt bzw. sie wohlwollend ansieht, habe ich hier aufgeschrieben). Manchmal ist das erschreckend, was man da sieht. Weil das, was sich für Dich vielleicht gerade richtig anfühlt, es wirklich nicht ist. Nach der Videoanalyse geht es nochmal eine Runde auf’s Pferd. Das Tolle ist: Sie kommt mit diesem System an Sachen heran, die man vielleicht auch schon lange weiß, aber nicht geändert bekommt. Es gibt jedes Mal so viele AHA-Erlebnisse. Bei mir: In der Rechts-/ Linksschiefe meinerseits. Bei anderen aus dem Kurs: Beim Aussitzen, beim Galoppieren, beim Oberkörper stabilisieren. Während den Reiteinheiten schon sind die Fortschritte sichtbar: Da ruderte jemand nicht mehr im Oberkörper, da floß plötzlich die Bewegung besser durch den Körper, da war ein Angaloppieren mit minimaler Hilfe plötzlich möglich.

 

Was das Pferd beim Stuhlsitz fühlt

In der Theorie beim Kurs schaut man nicht nur Videos, sondern probiert auch Sachen aus. Irre ist für jeden das Gefühl, mal selbst als Reitpferd herzuhalten. Es sieht von außen so sehr nach Spielerei aus! Ein Reiter stellt sich auf alle Viere, ein Reiter setzt sich auf ihn, in den Bereich, in dem die Rippen sind, also nicht zu weit hinten. Diese Erfahrung vergisst man nie: Wie krass unterschiedlich schwer sich ein Reiter anfühlt, je nachdem ob er im Hohlkreuz, lotrecht oder im Stuhlsitz auf dem Rücken sitzt. Schon eine Tendenz ins Hohlkreuz macht immens etwas aus! Auch, welche Miniveränderungen an Oberschenkeln und Sitzbeinhöckern den das Pferd spielenden Menschen dazu bringen, sich seitwärts zu bewegen, ist erstaunlich. Ich kann jedem nur empfehlen, sich so eine Sitzschulung mal anzusehen. In Deutschland unterrichten zur Zeit als zertifizierte Trainer Elaine Butler, Ulrike Hoesch-Vial, Angie Lohmann und Hannah Engler (auf www.die-wanless-methode.de findet Ihr mehr über die Methode und diese Trainer).

Sieht bescheuert aus, aber ist unglaublich aufschlussreich! Unbedingt ausprobieren! Aus „Perfekt sitzten – effektiv einwirken“ von Mary Wanless mit freundlicher Genehmigung des Müller Rüschlikon Verlags.

 

 

Über den Rücken reiten

Persönlich kenne ich zwei Trainer, die in England von Mary Wanless ausgebildet wurden. Das sind Elaine Butler und Hannah Engler. Hannah Engler kann ich ebenso sehr wie Elaine Butler empfehlen, auch sie kommt regelmäßig zu uns. Ohne Hannahs Sitzschulungs-Unterricht würde ich so, so, so viel schlechter auf dem Pferd sitzen! Sie hilft mir zum Beispiel bei unserem Pony, nur mit dem Sitz das Pony dazu zu bringen, den Brustkorb anzuheben, es zu animieren, tatsächlich über den Rücken zu gehen und sich an die Hand heran zu dehnen, statt sich hinter dem Gebiss zu verkriechen. Das sind reiterlich ziemlich anspruchsvolle Sachen, finde ich zumindest. Für mich war es wie eine neue Welt betreten, zu lernen, dass man nur mit dem Werkzeug „Reitersitz“ hier enorm etwas verändern kann.

Core Muscles machen gutes Reiten aus

Was ich übrigens sehr spannend finde: Chris Bartle spricht in seinem neuen großen Film bei pferdia die Core-Muscles an, die zentralen Muskeln im Oberkörperbereich. Wie wichtig diese für den korrekten Sitz sind, erwähnt er explizit, genauso wie die Oberschenkel. Genau das lernt einjeder und zwar absolut bis ins kleinste Detail in der Mary-Wanless-Methode! Das ist nämlich nicht nur etwas, das Spitzen-Vielseitigkeitsreiter nutzen sollten. Jeder, jeder, jeder Reiter ist klarer für’s Pferd, ist leichter für’s Pferd und reitet schlichtweg besser, wenn er beigebracht bekommt, den richtigen Muskeltonus zu finden. Und das macht dieses Mary-Wanless-Sitzschulungstraining so hervorragend: Man lernt, die richtigen Muskeln anzusteuern, Teile zu entspannen und Teile anzuspannen, sowie die Sitzbeinhöcker korrekt zu nutzen. Genau das macht es möglich, die Hilfengebung zu verfeinern und korrekt einzusetzen. Die gute Nachricht ist: das kann man lernen! Es gibt Lehrer, die es vermögen, genau das zu vermitteln, was Naturtalente automatisch richtig machen.

 

Gewinnspiel: 3 Mary Wanless Bücher

Zum Reinschuppern in diese Sitzschulungsmethode hier die Osterüberraschung für Euch: Gewinnt eines von drei Mary-Wanless-Büchern aus dem Müller Rüschlikon Verlag! Es ist das aktuellste Buch von Mary Wanless namens „Perfekt sitzen, effektiv einwirken“ und bietet einen guten Einblick in die Methode. Es kostet im Handel 19.95 Euro, zum Beispiel hier.

Deine reiterlichen Ziele

Was ihr tun müsst? Schreibt mir in die Kommentare, was Eure drei reiterlichen Ziele sind. Das kann eine Kleinigkeit am Sitz sein, das kann eine Turnierklasse oder Wertnote sein, das kann ein Lebensziel sein. Aber drei müssen es sein!  Doppelte Gewinnchancen haben alle Leser, die zudem auf Facebook oder Instagram einen der Beiträge zum Text „So wirst Du Sitzfehler los“ kommentieren und liken. Die oder der Gewinner wird hier in den Kommentaren bekannt gegeben. Alle genauen Gewinnspielbedingungen findet ihr HIER im Impressum.

Das Gewinnspiel startet am 2.04.2018 um 18 Uhr und endet am 5.04. um 18 Uhr.

Viel Erfolg und Glück! Ich freue mich jetzt schon auf Eure Kommentare, denn das ist immer das Schönste an den Gewinnspielen für mich, etwas mehr über Euch zu erfahren!

Die Wut und ich

Negative Gefühle im Sattel auf die Zuschauerbank zu verdammen, ist ein Bild, das mir ganz gut hilft. Und wenn es wiederkommt? Dann einfach wieder an seinen Platz verweisen.

 

Wut im Sattel – darüber will niemand sprechen. Dabei ist dieses Gefühl der kleine Bruder vom Ehrgeiz und deshalb ist er leider öfter im Sattel zu Gast, als uns lieb ist. Wie Du die Wut beim Reiten in den Zuschauerbereich verdammst. 

Alle Fotos: Klara Freitag

 

Da sitzen sehr merkwürdige Zuschauer beim Kurs. Den einen habe ich da vorn auf einen Stuhl gesetzt: die Wut. Zwei weitere kommen von anderen Reitern: der Ehrgeiz und der Frust. Am Kragen gepackt haben wir sie und in den Zuschauerbereich verdammt. Weil sie einfach mitreiten wollten. Uneingeladen. Aber sie sind wie unerzogene Hunde: Kommen immer wieder zu uns und wollen erneut weggeschickt werden.

 

Wut im Sattel

Das ist natürlich nur ein Bild. Ich bin darauf gekommen, als ich nach einer Unterrichtseinheit mit dem Hund spazieren ging, und nachdachte, was ich gegen die Wut tun könnte. Denn die Unterrichtseinheit zuvor ging emotional schief. Weil ich ungeduldig wurde, sauer auf mich und meinen Körper, weil ich doch alles schon im Kopf glasklar hatte, aber nicht so schnell umsetzen konnte. Ich wurde wütend.

 

In mir, wohlgemerkt. Denn ich lasse keine Wut am Pferd aus.

Ich werde nicht unfair.

Das zu erklären ist mir wichtig, denn ich höre schon die Stimmen, die sagen: „Oh weh, das arme Pferd, wenn Du wütend wirst, dann ganz schnell runter vom Pferd!“

 

Wer nörgelt, wird wütend

Wann die Wut kommt, ist bei jedem Reiter anders.

Wütend werde ich so gut wie nie, wenn ich alleine reite. Ich werde wütend, wenn ich zum Beispiel im Unterricht zu viel Input bekomme, nicht mit dem Umsetzen nachkomme und dadurch so ein mit-mir-selbst-Unzufriedenheits-Teufelskreis entsteht.

Ein Platz, der voller Emotionen steckt. Das Bild wurde kurz vor einem Sattlertermin gemacht – Ailena ist breiter geworden, der Sattel wurde geweitet und liegt jetzt wieder im Schwerpunkt.

 

 

Mentaltraining für den Reiter

Wenn ich sie gedanklich nicht los werde, habe ich inzwischen gelernt, sie nicht einfach zu ignorieren. Ich sage das im Unterricht dem Ausbilder. Zum Beispiel so: „Stopp, das ist gerade zu viel Input für mich. Brauche gerade mehr Zeit zum Nachfühlen, zum Umsetzen.“ Denn ich weiß: Wenn ich das nicht ausspreche und in so einer Situation immer mehr Input bekomme, geht’s komplett schief, weil die Wut wächst. Das findet nicht jeder Ausbilder toll, das zu hören. Ist ja auch nicht gerade old school.

 

Alte Schule wäre, einfach nur gnädig zuhören und zu machen. Notfalls still heulend auf dem Pferd sitzen, aber weiter machen, und bloß nicht widersprechen. Für mich ist Stopp sagen ein Weg, aus dem Gefühl rauszufinden. Das ist mir mehr wert, als ein unkomplizierter Schüler zu sein.

 

Emotionslos Reiten

Übrigens sind wir damit bei einem meiner Lieblingsthemen angekommen: Unemotional Reiten. Ohne negative Gefühle reiten, ohne Selbstbewertung des eigenen Reitens währenddessen. („Nach dem Frust ist knapp vor dem Lernerfolg“ – habe ich hier geschrieben, und das ist die gute Nachricht an dem ganzen Thema!).

 

Was Du tun kannst, um die Wut im Sattel los zu werden

Langfristig hilft die Einsicht, dass jedes Gefühl nur ein Gast ist. Dass die nicht zu uns gehören, sondern kommen und gehen, und dass man lernen kann, sie früher wegzuschicken. Bevor sie so groß sind, dass sie das Reiten so sehr beeinflussen. Muss man allerdings üben. Wird aber besser, sukzessive, durchs Üben. Meine Freundin Philippa hat sich das zum Beispiel antrainiert (wie, steht hier). Ich kenne niemanden, der sich beim Reiten so sehr freut wie sie.

 

GELASSEN BLEIBEN BEIM REITen

 

Doch was tun, wenn das im Unterricht passiert? Oder noch ätzender, beim Reitkurs, bei dem auch noch viele zuschauen? Das Bild, die Wut zu packen und aus dem Sattel hinaus in den Zuschauerbereich zu verdammen, finde ich super. Denn man drängelt das Gefühl nicht weg, sondern nimmt es wahr, aber gibt ihm einen Platz außerhalb der Zone, in der es stört.

 

Auf der Stallgasse später sprachen wir noch darüber. Eine Reiterin meinte, so etwas würde vor allem ehrgeizigen Menschen passieren.

Auch wenn man die Wut nicht am Pferd auslässt – das Pferd merkt natürlich genau, dass etwas nicht stimmt.

Ehrgeiz und Wut sind dicke Kumpels

Klingt direkt annehmbarer, zu ehrgeizig zu sein, oder? „Ich bin ein ehrgeiziger Reiter“ klingt besser, als wenn man sich eingestehen muss: „Ich werde wütend im Sattel.“ Es ist ja auch in keiner einzigen Reitweise schick, zuzugeben, man würde wütend. Angst zu haben – dafür gibt es schon viele Bücher, viele Ratgeber, das ist ein häufiges Thema. Selbstkontrolle und Kadavergehorsam gehören konventionell absolut zum guten Ton dazu. In vielen alternativen Lehren steht hingegen die Harmonie so sehr im Fokus. Klar, danach gieren wir ja alle. Da passt so ein Thema wie Wut auch gar nicht rein.

 

Ehrgeiz iM Sattel

Sagt man Wut, dann wird vielleicht als erstes irgendetwas Tierquälerisches assoziiert. Dabei ist das doch Blödsinn. Ein Gefühl ist nicht einfach vom Erdboden verschwunden, nur weil wir es nicht aussprechen.

 

Die Wut und ich – das gibt es manchmal. Bei Euch auch?

 

P.S.: Wie aktuell das Thema Wut unter jungen Reiterinnen ist, wird in diesem Interview mit dem niederländischen Springtrainer Albert Voorn deutlich. Wie ich während eines anderen Kurses mal kurz davor war, das Reiten komplett an den Nagel zu hängen (na, kennt das jemand???) und dann eine Sternstunde erlebte, weil ich doch durchhielt, habe ich HIER aufgeschrieben.

Weiterlesen extern: Im Blog „Penny das Pony“ findet Ihr einen Artikel zum Thema Wut, der den Gedanken „Wut bedeutet einfach: Achtung!“ sehr schön erklärt.