Wie Boxenruhe erträglich wird

Unsere Art von Boxenruhe. Achtung, Ihr seid Zeugen eines seltenen Moments! Meine Fee fand schmusen hier ausnahmsweise super, seht Ihr die genießerisch lange Oberlippe? Foto: Klara Freitag

 

Das Pferd muss stehen. Seit Wochen. Natürlich ist das furchtbar langweilig, und wenn man dann auch noch einen Kandidaten hat, der Arbeit eigentlich auf die Stirn geschrieben trägt, wird es nicht einfacher. Wie man helfen kann. Und was Humbug ist. 

 

Das Pferd steht, oder genauer: darf Schritt gehen. Trauma auf dem Griffelbein bedeutet: es dauert Wochen.

 

Fees Laune ist so richtig mies
Ätzend. Ihre Laune ist schlecht, sie ist genervt, sie ist ein Arbeitstier, vom Gemüt her, kein Schmusepferd. Das macht es nicht leichter.

 

Was kann man tun, wenn das Pferd so lange stehen muss? Ich habe einige Sachen gefunden, die funktionieren und andere, die ich für Humbug halte.

Was funktioniert: 

1.     Keine Box. Pferd hat einen Offenstall für sich alleine, vorzustellen wie eine XXL-Box mit einem XXL-Paddock dran. Der ist noch schön langgezogen, so dass sie auf und ab spazieren kann. Zum Glück nutzt sie es nicht als Rennpiste. Dennoch spreche ich hier im Text oft von ‚Boxenruhe‘ – das ist nun mal der übliche Begriff, wenn es ums lange Stehen aus Krankheitsgründen geht.

2.     Nachbarn. Da kann ich nur dem Winter danken, denn ansonsten ständen ihre Paddock-Freunde auf der Weide, und nicht Zaun an Zaun bei ihr. (Sie freut sich übrigens mehr über die Warmblüter rechts am Zaun als über die Islandstute links vom Zaun. Und klar, es wäre schöner, wenn sie mit anderen Pferden gemeinsam stünde, ohne einen Zaun dazwischen. Es gibt jedoch Gründe wie Fütterung zum Beispiel, die das nicht möglich machen, momentan, leider.)

3.     Heu. Langsame Futteraufnahme, so dass sie immer was zu futtern hat. Bei uns im Heunetz. Immer gut gefüllt, sie muss nicht auf ihre Figur achten und daher ist das ohne Probleme möglich.

 

Von der Mineralbar bis zum nach-Äpfeln-tauchen

So. und jetzt googlet mal alle Boxenruhe und Pferd beschäftigen. Man findet da sehr viele Ideen.  Ich könnte Clickern, ich könnte Möhrenstücke im Stall verstecken, ich könnte Äste zum Beknabbern aufhängen. Ich könnte Äpfel in eine Wasserwanne schmeissen, sie schwimmen lassen, und zuschauen, wie mein Pferd versucht, sie rauszufischen. Ich könnte ihr Obstgehölze und Haselnusszweige anbieten, zur Abwechslung. Ich könnte Bälle aufhängen. Ich könnte ihr eine Mineralbar bauen.

 

Das wäre alles nett.

Und würde sie 20-60 Minuten beschäftigen.

 

An den anderen 23 Stunden des Tages kämen wir wieder zu Punkt 1 bis 3.

 

Boxenruhe erträglich machen

Fakt ist: Es ist langweilig und öde. Ich kann es kaum ändern. Alle Extras, die da oben aufgelistet sind, sind keine Langzeit-Zeittodschlager fürs Pferd. Sie befriedigen vielleicht meinen menschlichen Drang, ihr was Gutes zu tun. Aktionismus, wenn man es böse sagen will.

 

Denn das, was sie am dringendsten braucht, das darf ich ihr gerade nicht zukommen lassen: tatsächliche Bewegung.

 

Die Ideen mit den Beschäftigungsmöglichkeiten als puren Aktionismus abzustempeln – so weit würde ich nicht gehen. Ich finde das nicht total umsonst. Ich finde, es sind nette Ideen. Ein paar davon machen wir auch schon mal. Am besten finde ich noch, wenn ich es hinbekomme, dass sie zwei Mal am Tag besuchen kann. Sie freut sich immer, man sieht es ihr an, dass sie nach Abwechslung giert.

Spaziergang im Schnee. Zum Glück ist sie so brav, dass das ohne Probleme auch nach wochenlanger Pause möglich ist.

 

Licht, Luft, Freunde, und soviel Bewegung, wie möglich ist.

Nur, da darf Mensch sich nichts vormachen: Es ist langweilig, die meisten Stunden des Tages. Das ist Fakt, und ich kann dagegen nichts machen. Ist so. Erträglich machen die Wochen des Wartens nur die Grundbedingungen, die stimmen müssen: Licht, Luft, soviel Bewegung wie in ihrem Zustand möglich, Pferdefreunde, langsame Futteraufnahme. Punkt eins bis drei.

Die Basics. Die wertvollen.

P.S.: Wie meine Fee so tickt, das habe ich HIER beschrieben. Dann wird glaube ich jedem klar, weshalb für sie auch mit 24 Jahren (sogar bald 25, wohohooo! ) rumstehen so gar nichts ist.

 

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