Vor- und Nachteile von Paddocktrails

Der Paddocktrail im Sommer. Hier liefen sie alle gemeinsam, galoppierten und buckelten. Foto: Klara Freitag

 

Seit anderthalb Jahren stehe ich in einem Paddocktrail-Stall. Der ist genial angelegt, vor allem, weil dieses System für viele Hofbesitzer gut nachbaubar wäre: Er verläuft rund um die Reithalle und die daran anschließenden Boxen. Was auch bedeutet: es sind verhältnismäßig kurze Wege für den Menschen, der sein Pferd holen möchte. Die Pferde jedoch legen einiges an Distanz täglich zurück. Wie der Stall genau aufgebaut ist, habe ich Euch bei wehorse aufgeschrieben.

Viele unserer Pferde im Stall sind ehemalige Turniersportler. Foto: Klara Freitag

 

Der absolute Knackpunkt für mich ist die Fütterung, dazu später mehr. Hier erst mal die größten Vorzüge und Nachteile vom Paddocktrail-System auf einen Blick.

Boxen gibt es auch im Paddocktrail-Stall! Zum Füttern, zum Trocknen nach dem Training im Winter und wenn es gesundheitlich notwendig ist.

Vorteile vom Paddocktrails:

 

  • artgerechte Haltung durch hohe Bewegungsanreize
  • Gruppenhaltung ist für das soziale Pferd immens von Vorteil
  • Keine Zentrierung des Raumes wie beim Offenstall, dadurch weniger Langeweile und auch weniger Konflikte

 

Typische Fehler bei Paddocktrails:

 

  • zu enge Wege! Wer bei youtube mal nach Paddocktrails googelt, sieht mit Litze einfach abgesteckte, lange Wege, die so schmal sind, dass ein Pferd sich da mal gerade drehen kann. Das ist gefährlich!
  • Ecken sind unvermeidbar, aber man sollte bedenken, dass sie zu Engstellen werden, in denen es gefährlich werden kann. Ein Pferd, dass dort von einem anderen hineingetrieben wird und dem ein Ausweg durch das treibende Pferd versperrt wird, ist in großer Verletzungsgefahr. Besser ist es, Ecken so abzurunden, dass keine 90-Grad-Winkel mehr vorhanden sind.
  • Matsch. Müsste ich mich zwischen Nur-Matschhaltung im Offenstall oder Paddocktrail und einer Box mit Balkon entscheiden, würde ich die Box mit Balkon nehmen. Was natürlich viel mehr Pflichten bezüglich des Auslaufs und der Bewegung mit sich bringt.
  • Nicht harmonische Gruppen oder zu viele Pferde. Das führt dazu, dass sich die Pferde nicht gut ausruhen können. Dass jedes Pferd zur Ruhe kommen kann, ist immens wichtig. Zu jeder Jahreszeit liegen unsere Pferde gern zum Mittagsschlaf im Sand, sobald es sonnig wird – ein gutes Zeichen!

 

Der Trail im Winter. Foto: Klara Freitag

Bedarfsgerechte Fütterung

Passend jedes Pferd zu füttern ist in einer solchen Gruppenhaltung weitaus aufwendiger, als wenn man einem Boxenpferd einfach die passende Ration vorlegt. Wir füttern alle Zusatzfutter per Hand, dafür werden die Pferde einzeln in die Boxen gebracht oder aber nach dem Reiten auf der Stallgasse gefüttert. Die Rentnerpferde kommen mehrfach am Tag in die Box, um in Ruhe ihre Heucobs und Zusatzfutter zu fressen – das ist immens aufwendig, funktioniert aber sehr gut. Schwierig ist es für die Kandidaten, die mit stets frei zugänglichem Heu zu viel fressen. Unser Pony Chamonix ist so ein Kandidat. Auch mit viel Bewegung bleibt der Bauch. Das ist nicht nur unschön, sondern auch ungesund. Mittlerweile bin ich der Überzeugung, dass nicht jedes Pferd für 24/7 Heufütterung geeignet ist. Wir haben einfach überwiegend recht reichhaltiges Heu hierzulande und für solch leichtfuttrigen Pferde ist das einfach zu viel des Guten. Auch mit Heunetzen drüber. Interessant fand ich: sie hat in der Boxenzeit, als sie mehr als zwei Monate wegen des Griffelbeinbruchs stehen musste, abgenommen. Obwohl auch da das Heu frei zugänglich war. Vielleicht spornt gemeinsames Fressen noch zusätzlich an.

Leichtfuttrige Pferde in der Gruppe

Ich habe mich noch nicht dazu durchringen können, ihr stundenweise eine Fressbremse anzuziehen. Noch hoffe ich, durch noch mehr Training den Bauch bekämpfen zu können. Ein anderes Pferd auf dem Trail geht tagsüber in einen abgezäunten Offenstall, wo das Heu rationiert wird – gute Idee, vielleicht machen wir da bald mit. Idealerweise wäre die Gruppe nach Futterbedarf getrennt (wollen wir aber alle nicht, denn dann wären ja die guten Bewegungsmöglichkeiten eingeschränkt) oder aber es gäbe automatische Tore, die die schwerfuttrigen Pferde in Bereiche lassen, die die leichtfuttrigen Pferde nicht erreichen können.

Chamonix im Herbst. Mit Regendecke, weil mir das bei lang anhaltendem Regen in Kombination mit Wind lieber ist – so bleibt die Rückenmuskulatur warm. Die Stangen links im Bild gehören zur Heuraufe. Foto: Klara Freitag

 

Management eines Aktivstalls

Wer jetzt denkt: Futterautomaten sind DIE Lösung – da kann ich nur bedingt zustimmen. Ich habe mit meinen früheren Pferden, Fee und Devil, auch schon in einem Aktivstall gestanden. Seitdem sehe ich Futterautomaten nicht nur positiv – es gibt Pferde, die den Automatismus austricksen. Oder welche, die den Eingang blockieren oder stoisch vor den Kraftfutteranlagen rumstehen, um endlich dranzukommen.

 

Der häufigste Fehler in Gruppenhaltungen

Außerdem: Auch die technisch hervorragendste Anlage macht das Auge desjenigen, der die Anlage führt, nicht wett. Das ist nämlich das meiner Meinung nach Allerwichtigste: Dass derjenige, der die Anlage führt Pferdeverstand hat, sieht, wenn etwas in einer Gruppe nicht stimmt und die Gruppe harmonisch hält. Zu viele Pferde auf zu wenig Platz gehen gar nicht und das ist der häufigste Fehler in Gruppenhaltungssystemen.

Ailena und Tejano kamen zusammen in den Stall. Hier sind sie im Eingliederungsbereich. Foto: Klara Freitag

 

Zu viel Wechsel stört ebenso die Herde. Und das ist gravierender, als wenn eine Weidegruppe, die abends jeweils in einzelne Boxen geht, Unruhe hat. Denn Aktiv- oder Paddocktrailpferde können dem sozialen Leben nicht ausweichen. Sie können nur in der Gruppe zur Ruhe kommen. In Gruppen, die lange zusammen sind, ist die Verletzungsgefahr minimal. Bei jeder Eingliederung steigt sie immens. Ein falscher Tritt, und ein Pferdeleben kann dahin sein.

 

Mittagsschlaf im Februar auf dem Paddocktrail. Chamonix trägt eine mit 100 Gramm gefütterte Outdoordecke.

Gefahren im Paddocktrail, Aktivstall und Offenstall

Ich halte meine Pferde seit 20 Jahren nur in Offenstall, Aktivstall oder eben Paddocktrailform. Das war für die Ponies schon immer so, meine Warmblüterin Fee hat mir sehr schnell gezeigt, dass das für sie auch gelten muss – nur in dieser Haltungsform war sie gut händelbar als junges Pferd. Während der Boxenhaltungszeit lag ich regelmäßig im Dreck. Ich habe es ausprobiert, denn damals fand ich es irgendwie noch richtig schick, eine Box zu haben, an die man ein Schild hängen kann. Sowieso gehörte ein Warmblut für mich in die Box. Das machte Fees Geist aber nicht mit.

 

Verletzungen durch die Gruppenhaltung

An Verletzungen habe ich in diesen Jahren bei meinen eigenen Pferden mal einen Einschuss oder eben Chamonix’ Griffelbeinbruch gehabt. Als der passierte, war es knackig gefroren auf dem Trail. Es gab keine Glatteisstellen, aber buckelig gefrorenen Sand. Ich vermute, sie ist einfach irgendwie doof ausgerutscht. Das war meinerseits die schlimmste Verletzung in zwei Jahrzehnten. Damit kann ich leben (und man wird ja auch klüger: Vor dem Frost den Boden glattziehen hätte vielleicht so etwas verhindert!). Ich habe allerdings auch schon zwei Mal mitbekommen, dass wegen Zwischenfällen der Gruppenhaltung ein Pferd eingeschläfert werden musste. Einmal war das Bein gebrochen aufgrund eines Trittes. Seitdem bin ich der Meinung, dass in Gruppenhaltungen keine Hufeisen aus Metall an die hinteren Pferdefüße gehören. Das andere war auch ein Tritt – ohne Eisen, aber so ungünstig platziert, dass er schwere Folgen in Kombination mit Vorerkrankungen des betroffenen Pferdes hatte.

Letztlich muss das jeder für sich entscheiden, ob er die natürlich erhöhte Verletzungsgefahr in einer Gruppenhaltung in Kauf nimmt oder nicht. Meine Entscheidung ist klar: Eine gut gemanagte Gruppe hat eine recht geringe Verletzungsgefahr. Ich möchte meinem Pferd nicht die Chance nehmen, ein artgerechtes Leben in der Gruppe zu führen.

Wie gefährlich ist es, WFFS-Trägerhengste zu nutzen?

Fohlen

Angst vor WFFS: Ein gesundes Fohlen ist viel wert. Foto: Canva

 

Vor drei Jahren habe ich nicht gewagt, davon zu träumen: WFFS ist in aller Munde. Damals fiel mein WFFS-Fohlen und seitdem schreibe ich über das Thema. Nun ist es auf allen Ebenen angekommen: Es ist Thema bei allen Züchtern und kein Hengsthalter wird daran vorbeikommen, demnächst den genetischen Status seiner Hengste den Züchtern gegenüber zu äußern. Als erstes Staatsgestüt ging Neustadt/Dosse voran und veröffentlichte eine Liste, welche Hengste Träger bzw. Nichtträger des Gendefekts sind.

In einer internationalen Gruppe auf facebook sind mehr als 900 Hengste und mehr als 600 Stuten als N/N getetstet, also Nichtträger aufgeführt, 67 Hengste und 70 Stuten als Träger. Das ist natürlich eine lose Sammlung, die auf Vertrauen beruht, aber dennoch sind es langsam wirklich große Zahlen, die getestet wurden!

Dennoch gibt es noch viel Unklarheit, wie sich WFFS genau vererbt. Deshalb erkläre ich hier gern die wichtigsten Fragen zu WFFS! Habt Ihr weitere Fragen? Dann stellt sie gerne. Aufklärung ist total wichtig und es gibt keine dummen Fragen.

 

Kann ich ein krankes Fohlen erhalten, wenn ich einen Trägerhengst nutze?

Wenn die Stute nachweislich kein Träger ist, wird das Fohlen gesund sein! Ein lebensunfähiges Fohlen kann man nur erhalten, wenn man Träger mal Träger anpaart (und dann mit 25% Wahrscheinlichkeit, aber Achtung, eine Träger x Träger Anpaarung ist nicht mit dem Tierschutzgesetz zu vereinbaren!) Deshalb ist es von enormer Bedeutung, den Genstatus von Stute und Hengst zu kennen.

 

Wenn meine Stute Trägerin ist, ist dann ihr Vater auch Träger?

Nein, muss nicht sein! Sie hat die  Trägerschaft entweder von der Mutter oder vom Vater. Wer diese vererbt hat, ist nicht ohne Gentest der direkten Eltern zu ermitteln.

 

Wenn meine Stute Trägerin ist, ihr Vater aber kein Träger, dann ist der Muttervater der Träger?

Nein, auch das muss nicht sein. Sicher ist dann nur, dass die Mutter der Stute ebenso Trägerin war. Welches Elternteil der MM ihr die Trägerschaft vererbt hat, ist unklar.

 

Wenn mein Fohlen Träger ist, die Mutterstute aber Nichtträgerin, dann ist der Hengst ein Träger?

Korrekt. Das ist ein Ausschlussverfahren, das vom heutigen wissenschaftlichen Stand nicht anzuzweifeln ist. Der Erbgang ist auch so ausreichend erforscht, dass es keinen Grund gibt, daran zu zweifeln.

 

War Donnerhall Träger?

Durch das Testen von Stuten und deren Nachkommen werden immer mehr Trägerschaften von Hengsten decodiert. Ist ein Nachkomme Träger, die Stute jedoch definitv Nichtträger, dann kann die Trägerschaft nur über den Hengst erworben worden sein. Auf diese Weise wurden Hengste wie Don Darius, Edward und jetzt Donnerhall als Träger eingeordnet. Bestätigt wurden diese Ergebnisse von den Hengstbesitzern bisher nicht. Auch Balous Bellini, den ich als Hengst für mein Fohlen wählte, ist bisher vom Hengsthalter weiterhin nicht als Träger bestätigt worden.  Dr. Axel Brockmann, der für Edward zuständig ist, versprach im Interview, den Genstatus aller aktueller Celler Hengste zu veröffentlichen.

Genau durch ein solches Ausschluss-Verfahren kam übrigens auch die Diskussion um WFFS überhaupt erst in Gang.

 

Sind Vollgeschwister identisch, was den WFFS-Status angeht?

Nein, das muss nicht so sein. Beispiel: Ein ganz interessanter Fall ist der der Hengste Cristallo I und Cristallo II. Der eine Hengst ist Träger des Gendefekts (Cristallo I), der andere (Cristallo II) ist frei davon. Das ist absolut möglich – wenn zwei Träger gepaart werden oder ein Nicht-Träger und ein Träger. Sicher ist lediglich, dass die Vollbrüder nicht aus einer Verpaarung von zwei Nicht-Trägern gefallen sind. Übrigens steht auf der Homepage der Hengststation Ludger Beerbaum, wo die Hengste aufgestellt sind, der entsprechende Genstatus direkt in der Beschreibung. Vorbildlich!

Anpaarungsbeispiele:

 

Nichtträger x Nichtträger von WFFS

Verpaart man zwei Nicht-Träger, sind die Nachkommen garantiert Nicht-Träger.

 

Träger x Nichtträger von WFFS

Verpaart man einen Träger mit einem Nicht-Träger, sind alle Nachkommen äußerlich unbeeinträchtigt und voll einsatzfähig. 50% werden jedoch die Trägerschaft erben.

 

Träger x Träger von WFFS

Verpaart man zwei Träger von WFFS, spaltet sich die Nachkommenschaft auf in 25 % WFFS-WFFS Träger, also nicht lebensfähige Fohlen, bei denen sich die Haut vom Köprer löst. 25 % werden Nicht-Träger sein, also genetisch die Trägerschaft nicht weitergeben können, 50 % werden gesunde Träger sein. ACHTUNG: Diese Anpaarung ist nicht mit dem Tierschutzgesetz zu vereinbaren und kann daher gerichtliche Folgen nach sich ziehen.

 

 

Den ganz genauen Erbgang habe ich Euch im wehorse Blog erklärt, hier.

 

Mehr zu WFFS hier:

Interview mit der Forscherin, die das Gen entdeckte

Interview mit Dr. Axel Brockmann vom Landgestüt Celle

Wie die Diskussion ins Rollen kam: Der erste Hengsthalter, der 2018 testen ließ

Erfahrungsbericht WFFS-Fohlen: Über mein WFFS/WFFS Fohlen 2015

Facebook-Gruppe zum Thema, deutschsprachig

Facebook-Gruppe zum Thema, englischsprachig

 

 

Mein Hausaufgabenzettel von Dressurausbilderin Claudia Butry

Schreibt Euch nach jeder Unterrichtseinheit auf, was wichtig war! Sonst ist die Hälfte danach weg – Erfahrungswerte! Foto: Klara Freitag

 

Einige von Euch haben sich auf Instagram gewünscht, mal meine Hausaufgaben zu sehen, die mir Claudia Butry im Junikurs gegeben hat. Kein Problem – hier sind sie, und daran arbeiten wir bis Anfang September, denn dann kommt Claudia wieder zu uns!

 

Mein großes Thema  war: Übungen genauer planen. Nicht irgendwo anfangen mit Schulterherein und irgendwo zum Renvers wechseln. Sondern sich vorher überlegen, wo man das genau tun möchte. Also sich zum Beispiel eine Aufgabe stellen wie: Zirkel bei C, ab C Schulterherein, bei X zwei Schritte geradeaus, dann ins Renvers bis C, danach geradeaus ganze Bahn, beim ersten Zirkelpunkt eine Volte. Auch das Spur halten war ein Thema.

Im Märzkurs: Claudia Butry mittig, rechts Philippa, mit der ich die Kurse organisiere, links ich.

 

Wir übten dies an der Hand, und mein Zirkel war alles andere als wirklich schön rund. Gerade, wenn Seitengänge auf dem Zirkel geübt werden, ist es wichtig, einen Plan zu haben, eine bildliche Vorstellung, wo man jetzt genau langlaufen muss. „Stell Dir einfach zwei Linien in den Sand gemalt vor, und genau zwischen diesen bewegst Du Dein Pferd“, sagte Claudia Butry. Das machte ich dann auch und das funktionierte viel besser.

 

Also steht auch genau das auf meinem Hausaufgabenzettel: Die Arbeit an der Hand genauer nutzen. Ich wärme meist an der Hand vor dem Reiten auf. Das mache ich jetzt eben mit genauerem Plan. Manchmal lege ich mir auch blau-gelbe Gassen so auf den Zirkel hin, so dass ich eine Gasse habe, in der ich die Seitengänge abfrage.

 

Was ansonsten noch auf meinem Hausaufgaben-Zettel steht (ja, Hosen runter, ein bisschen so fühlt sich das an):

 

Bei der Arbeit an der Hand:

  • dem eigenen Körper mehr Raum geben, nicht so dicht kommen (ich drückte die Hand ab und zu an die Pferdeschulter, das sollte nicht passieren.) Vor allem im Renvers mehr Raum geben.
  • das Übertreten im Trab mit ins Programm an der Hand aufnehmen. Kurze Sequenzen Übertreten im Trab, dann Schritt, dann wieder Trab, daraus Halt, Rückwärtstreten lassen, wieder Trab.
  • die Gerte anders fassen (Ich habe ursprünglich mal gelernt, sie wie beim Reiten in der Hand zu halten, wenn ich Arbeit an der Hand mache. Jetzt soll ich sie mit dem Zeigefinger und Daumen führen, was mir noch motorisch schwer fällt.)

 

 

Beim Reiten:

  • Stangen nutzen, um präzisere Linien zu reiten. Schlangenlinien durch die Bahn auf der Mittellinie damit bestücken, oder Stangen als Fächer auslegen auf dem Zirkel oder auf der einfachen Schlangenlinie.
  • Schulterherein im Trab auf dem kleinen Zirkel reiten. Im Schulterherein zum Stand durchparieren. Auf der rechten Hand dabei nicht so viel stellen, sondern eher an Außenstellung oder Schenkelweichen denken, während ich Schulterherein reite. Dadurch beachte ich ihre natürliche Schiefe – auf der linken Hand sieht es komplett anders aus!
  • beim Schulterherein über das innere Ohr des Pferdes gucken und vor allem auf der rechten Hand an die gute eigene Rotation denken (Mir hilft das Bild ‚wie ein Zentaur dabei mit dem Pferd verbunden sein’).
  • Die Anlehnung ist immer wieder störanfällig. Wenn das Pferd gegen das Gebiss geht, Hand auf und wieder zu, es quasi fallen lassen, anstatt eine Fläche für Gegendruck anzubieten. („Ailena ist ultrapingelig, was das Gegeneinanderlaufen der Hilfen angeht“, so erklärt das Claudia Butry. „Das ist eine sehr gute Reiterschule – wenn du für den Bruchteil einer Sekunde zu spät bist mit der Hand, ist sie sehr deutlich in ihrer Antwort!“).
  • generell noch mehr die Idee haben, nur über den inneren Schenkel zu biegen und mit elastischen äußeren Hilfen dem Pferd es dort angenehm zu machen. Die innere Hand weich in jeder Situation halten. So dass es schön an die äußeren Hilfen, die es wie ein Gummiband einschließen, herantreten kann.
  • Meine Frage war: Soll ich nicht mehr Geradeaus einbauen? Claudias Antwort war: Ja, später bzw. dosiert. Die Seitengänge sind das Werkzeug für alle Hilfen. Durch sie wird auch die Anlehnung irgendwann nicht mehr störanfällig sein.

 

 

Das war nicht alles – es gab zum Beispiel noch Claudias Spezialübung für einen getrageneren Galopp. Aber die verrate ich ein anderes Mal.

Ein Foto aus dem Kurs im März – Ailena lernt, die Touchiergerte zu akzeptieren. Foto: Klara Freitag

 

Wer sticht mein Pferd?

Wie lange schützen Fliegensprays? Und warum wirken sie eigentlich? Foto: Canva

 

Wie funktionieren Insekten? Wodurch lassen sich Fliegen, Bremsen und Mücken am besten verjagen? Wer seinen Feind bekämpfen will, muss ihn verstehen. Ein Ausflug ins Insektenreich und ein Exkurs zu den neuesten Trends, sie zu verscheuchen.

 

Insekten sind die Plage Nummer Eins für Pferdebesitzer. Hartnäckig, lästig, unausweichlich. Stechmücken, Bremsen, Fliegen und Kriebelmücken ärgern Pferde, gar 190 Arten der Gnitzen, das sind Mücken mit auffällig hochgewölbter Brust, gibt es beispielsweise alleine in Deutschland. Diese Gnitzen sind es, die sich gern in Schweifrübe und Mähnenkamm setzen, um ihren Blutdurst zu stillen. Wahnsinnig effizient sind die kleinen Lebewesen, wenn es darum geht, Wirtstiere, unsere Pferde, zielsicher anzusteuern. Genau deshalb schaffen sie es ja, Pferde und deren Besitzer Jahr für Jahr zu ärgern. Wie machen sie das bloß? Daher erst mal eine Runde Begeisterung und Respekt für den Feind, das Insekt.

 

Was Insekten am Pferdeschweiß genau mögen

 

Insekten sind in Dauer-Alarmbereitschaft. Mit tausenden von Riechhaaren auf ihren Antennen nehmen beispielsweise Mücken und Bremsen ständig Gerüche auf. Sekunde für Sekunde gehen hier Informationen für das Insekt ein  – ganz im Gegensatz zu Säugetieren, die erst riechen, wenn sie einatmen. Mit dem Geruchssinn finden sie vor allem ihre Beute, es ist der wichtigste Sinn für ihre Jagd. Jedes Riechhaar funktioniert wie eine Nase, es ist ein in sich geschlossenes System. Duftmoleküle, die in der Luft umherschwirren, werden hier von Rezeptoren-Neuronen entschlüsselt. Herrlich duften für Stechinsekten Ammoniak, Aminosäuren, Steroide, Milchsäure – eben Schweißbestandteile, genauso wie sie Harnstoff und Kohlenwasserstoffe anziehend finden, ebenso wie ausgeatmetes Kohlendioxid. Kohlendioxid wird daher auch in verschiedenen Insektenfang-Behältern eingesetzt – es verbessert die Fangraten, weil es die Insekten anlockt.

 

Dem nicht genug: Die Plagegeister haben weitere Sensoren, die ihnen bei der Wirtstiersuche helfen. So genannte Thermorezeptoren sind auf ihrem Körper verteilt. Mit ihnen können sie Temperaturunterschiede und Wärmeabstrahlungen identifizieren, so finden sie zum Beispiel ein warmes Pferdehinterteil. Atemluft oder Schweiß eines Wirtstieres können sie zudem durch Feuchterezeptoren entcodieren.

 

Die Spezialisten

 

Das Sehen der Beute ist gar nicht so ausschlaggebend. Bremsen lieben es zwar, vorzugsweise dunkle Pferde anzufliegen. Die Wärmeabstrahlung ist für sie auch ein ganz wichtiges Indiz. Denn auch wenn viele Sensoren baugleich für diverse Insektenarten sind – ein jedes Tier hat noch mal Spezialmethoden, die es nutzt, um seine Opfer, die Pferde, zu finden.

 

Wie Bremsenfallen funktionieren

 

Bremsen :nehmen über ihre Fühler die Stoffe im Schweiß und Atem der Pferde und die Körperwärme wahr. Gerüche registrieren sie aus weiter Entfernung, und sie können sich bewegende Ziele gut orten. Je mehr Pferde auf einer Weide sind, und je mehr die Herde in Bewegung ist, desto besser sind die Pferde von der Bremse zu orten. Bremsen mögen hohe Luftfeuchtigkeit. Sie bevorzugen, das ist in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen, braune und schwarze Pferde. Der Geruch von Rinderurin zieht sie noch mehr an, als der von Pferdeurin – auch das ist das Ergebnis einer wissenschaftliche Studie. Das spricht dafür, dass bei der Nachbarschaft von Kühen noch mehr Bremsen die Pferde belästigen. Bremsen fliegen besonders gern alle Bereiche des Pferdes an, die dieses nicht mit dem Schweif erreichen kann. Übrigens sind es stets weibliche Bremsen, die Pferde beißen, die Männchen ernähren sich von Blütennektar. Ihre Schwachstellen bei der Jagd: sie fliegen ihre Beute nur im Freien an – geschlossene Räume werden nicht genutzt. „Gibt es auf der Weide einen Unterstand mit Wänden, dann lernen die Pferde recht schnell, dass sie dort vor den Bremsen geschützt sind und ziehen sich zu den Hauptangriffszeiten zurück“, empfiehlt Dr. Burkhard Bauer vom Institut für Parasitologie und Tropenveterinärmedizin der Freien Universität Berlin, der unter anderem auf Lästlinge und blutsaugende Insekten spezialisiert ist.Eine weitere Schwachstelle der Bremse: Sie fliegt geradeaus, aber kaum gute Flugmanöver. Deshalb funktionieren zum Beispiel Bremsenbälle. Diese frei schwingend schwarzen Gummibälle locken die Bremsen an (warm bei Sonneneinstrahlung, da schwarz, und großflächig). Über den Ball ist ab dessen Hälfte von oben ein Trichter gestülpt. Ist die Bremse am Ball angekommen, dann kann sie nur noch weiter nach oben in die Falle fliegen – seitlich wegfliegen geht aufgrund des Trichters nicht, Wenden und Umdrehen schaffen Bremsen nicht.

 

Stechend-saugende Fliegen(Wadenstecher und Weidestechfliegen): sie legen ihre Eier in verrottendes Material, das kann Mist sein, aber auch ein feuchter Silageballen. Daher: auf die Stallhygiene achten. Die Fliegen brauchen Blut, um sich fortpflanzen zu können. Ansonsten können sie auch von Nektar und Pollenextrakten leben. Sie setzt sich besonders gern auf Flanken, Rücken, Beine und Hals, auch das ist wissenschaftlich untersucht worden. Stechmücken: bei diesen Insekten brauchen die Weibchen vor der Eiablage eine Blutmahlzeit. Die Gesichts- und Augenfliegeist die häufigste Fliege, die man auf Pferden im Sommer findet. Sie wird aktiv, sobald es wärmer als 15 Grad ist und es nicht regnet oder windig ist. Daher: an Fliegenmasken denken, sobald die Temperaturen steigen. Die weiblichen Fliegen suchen nach proteinhaltiger Nahrung, also Sekreten oder Restblut, das aus Verletzungen von Stechinsekten stammt.

 

Welche Insektensprays wie genau funktionieren, habe ich hier bei wehorse aufgeschrieben. Da steht genau drin, welche Inhaltsstoffe gefährlich für die Umwelt sind und welche nicht. Und auch, warum sich manche Pferde nicht einsprühen lassen wollen – je nach Inhaltstoffe kann es nämlich brennen, wenn das Pferd kleine Hautverletzungen wie Insektenstiche hat!

 

Welche Insektensprays funktionieren wie?

Ein Hashtag geistert im Internet herum: #keineunnötigechemieanspferd heißt er. Damit soll darauf hingewiesen werden, keine chemischen Substanzen auf das Pferd zu sprühen. Warum eigentlich? Was ist daran schlecht?  Und was bitte bedeutet das genau? Ich habe mir mal angesehen, woraus die gängsten Insektensprays hergestellt sind. Das könnt Ihr hier auf wehorse nachlesen!

Dr. Axel Brockmann zu WFFS

Immer mehr Hengsthalter lassen ihren Bestand auf WFFS testen, gestern erst veröffentlichte die Hengststation Beerbaum ihre Testergebnisse. Auch das Landgestüt Celle wird in Kürze bekanntgeben, welche der Hengste Nichtträger oder Träger des WFFS-Gens sind. Wie zeitnah das genau ist, darauf legte sich der Landstallmeister Dr. Axel Brockmann nur ungefähr fest:

„Wenn die Hengste wieder herein kommen, dann testen wir, für die Australier im August und für die anderen wird es dann komplett im Katalog zu lesen sein.“

Gemeint sind die Züchter aus Australien, bei denen die Saison einen anderen Rhythmus hat, als hierzulande.

WFFS ist so brisant wie die Diskussion um den Wolf

Der Druck aus dem Ausland tut der Debatte gut, zeigt sich auch hier. Aber auch in Deutschland selbst ist die Diskussion um den Umgang mit der Erbkrankheit nicht mehr wegzudenken. „Egal wo man sich trifft, das ist Thema“, sagte Axel Brockmann, „so emotional diskutiert wurde bisher nur das Thema Wolf.“  WFFS sei das Hauptgesprächsthema, ob beim Deutschen Hengsthalterverband oder bei den Sitzungen der Hannoveraner.

Don Darius und Edward

Konkret habe ich ihn auf die Trägerschaften von den Hengsten Don Darius und Edward angesprochen. Von beiden wurden Nachkommen als Träger genetisch dechiffriert, die Mütter waren jedoch Nichtträger. Daraus folgt aufgrund des Erbgangs, der hinlänglich erforscht ist, dass die Trägerschaft über die Väter vererbt worden sein muss. Erkennt Dr. Brockmann diese Ergebnisse an? Oder lässt Dr. Brockmann diese Hengste selbst testen?  „Don Darius ist diesbezüglich kein Thema mehr“, so die Auskunft. Der Hengst ist verkauft, er gehört inzwischen Nina Neuer, der Frau des Fußballprofis Manuel Neuer. Dr. Brockmann  sagte er im Gespräch, er kenne den Erbgang, müsse den Testergebnissen aber mit der gebührenden Vorsicht begegnen: „Ich weiss nicht, in welchen Labors das getestet wurde.“ Daher brauche er eigene Tests. Er würde Edward trotz der Vermutungen nicht vorab testen lassen, „Ein Mal publiziere ich den Bestand zusammen, dann habe ich aus dem Labor von allen Hengsten den Befund, ob sie positiv oder negativ sind.“ Der Doppelvererber Edward sei, egal ob Träger oder nicht, ein „toller Hengst, von ihm gibt es ein paar Gute!“ Obwohl Celle den Hengst vor allem als Dressurpferd präsentiert, würden immer mehr auch gute Springpferde Edward zum Vater haben.

Die Skepsis den Testmethoden gegenüber ist ein häufiges Argument, auch für Dr. Astrid Velsen-Zerweck, Landoberstallmeisterin ausMarbach, wiegt dieses Argument so schwer, dass sie die in Auftrag gegebene Studie abwarten wird und nicht vorab testen lassen wird. Sie ließ mir zu dem Thema folgende Zeilen zukommen: „Die Hengsthalter DSP unterstützen ausdrücklich das gemeinsame Vorgehen der Pferdezuchtverbände und der Deutschen Reiterlichen Vereinigung, die wissenschaftliche Studie „Untersuchungen zum Vorkommen des WFFS und weiterer Erbdefekte in der Population Deutscher Reitpferde“ an der Universität Göttingen (Prof. Tetens) durchzuführen. In der Göttinger Studie wird auch der von Laboklin angebotene Test überprüft werden.“ An der Studie wird sich Marbach mit Testpferden beteiligen.

Ursprung der Skepsis ist vermutlich, dass vor Jahren der CA-Test bei den Arabern (eine weitere Genkrankheit) unterschiedliche Ergebnisse aus zwei Laboren lieferte. Nena Winand, die Forscherin, die das WFFS-Gen entdeckte, habe ich nach der Zuverlässigkeit der Tests befragt, hier im Interview ist dies nachzulesen.

 

 

Mehr zu WFFS hier:

Interview mit der Forscherin, die das Gen entdeckte

Wie die Diskussion ins Rollen kam: Der erste Hengsthalter, der 2018 testen ließ

Erfahrungsbericht WFFS-Fohlen: Über mein WFFS/WFFS Fohlen 2015

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