Von Ponys, großen Hengsten und Laufenten

Bin zurück aus der Schreib-Einsamkeit. Erste Station: Pferd & Sinfonie, eine Show die zum CHIO Aachen gehört.

 

Alle Fotos: Klara Freitag

Über die Show Pferd & Sinfonie, über das Hengstbuch, an dem ich mitgeschrieben habe und über die unglaublich süßen Laufenten, die bei der Show mitmachten.


Hallo, bin wieder unter den Lebenden!

Es tut mir leid, Ihr habt ewig auf mich warten müssen. Hatte einfach zu viel auf dem Zettel: Neben dem ganz normalen Wahnsinn (pferdiathek-Magazin und Aufträge für andere Magazine wie Feine Hilfen, Reiter Revue, Equitrends- beim letzteren ist mir aufgefallen, dass ich zu so 2/3 die gesamte aktuelle Ausgabe getextet habe, krass!) kam noch das Hengstbuch dazu. Das ist ein Klassiker, der alle zwei Jahre neu aufgelegt wird. „Ausgewählte Hengste Deutschlands“ heißt er. Der größte Teil ist ein Lexika aktueller Hengste, muss man sich so ähnlich vorstellen wie ein Quartett-Spiel – Kördaten, Leistungsdaten, Zuchtleistung wie erbrachte Staatsprämienstuten oder gekörte Söhne. Dazu eine Abstammungstafel und ein Text über jeden Kandidaten. Außerdem gibt’s einen redaktionellen Teil, in dem ich diesmal über Donnerhall, die genialen Ausbilder Rehbein und den Grönwohldhof, wo diese Persönlichkeiten zuhause waren, geschrieben habe. Das ging natürlich nur, weil ich mit etlichen Zeitzeugen gesprochen habe.

Der Gelegenheitszüchter und sein Weltstar
Grandiose Fotos, zum Teil in Schwarz-Weiß, von Jacques Toffi konnten wir dazu im Buch abdrucken. Ist richtig schön geworden, finde ich. Dann habe ich noch über Dimaggio geschrieben, einen Hengst, den ich sehr mag und der von seiner Relevanz her durchaus die Berechtigung hat, portraitiert zu werden. Witziges Detail: Er wurde von einem Reiter, der alle Jubeljahre mal ein Warmblutfohlen hat, gezüchtet. Ein Volltreffer, denn Dimaggio war schon vor seiner Wertschätzung als Zuchthengst Weltmeister der Jungen Dressurpferde. Heute hat sich sein Züchter auf Mini-Shettys spezialisiert und züchtet die ebenso sehr erfolgreich. Dimaggio ist inzwischen verstorben, aber er ist immer noch ganz aktuell in den Abstimmungen zu finden (zuletzt gewann ein Sohn in Hagen das Qualifikationsturnier zum Louisdor-Preis, noch vor Ingrid Klimke und Geraldine). Das Buch gibt’s in 2-3 Wochen zu kaufen.

Mehr als 550 Seiten Korrektur zu lesen – das war der letzte Tag vom Marathon für „Ausgewählte Hengste Deutschlands 2018/2019“. Erscheint Ende Juli!

 

Laufenten-Fan ab  heute!
Auf jeden Fall war das eine krasse Zeit, diese zwei, drei Monate ohne ein arbeitsfreies Wochenende. Jetzt ist das Buch in Druck, und ich habe endlich wieder viel Zeit im Stall verbringen können und war gestern mal aus: auf dem CHIO Aachen,  um mir Pferd und Sinfonie anzusehen. Das ist eine Pferdeshow, die von einem Liveorchester begleitet wird. Spannend, denn: Die haben da oft ein Händchen für gute Showacts, die noch nicht überall zu sehen waren. Das kann ich diesmal leider nur von einer Nummer behaupten, die zuckersüß, humorvoll und überraschend auf einmal war: Eine Gruppe von Laufenten wurde von Bordercollies übers Viereck geleitet, sie bildeten Formationen und spazierten über kleine Brücken.

Zwei Reiterinnen leiteten die Hunde an, mit so einer Enten-Pfeife, die seltsame Quietschgeräusche macht. Einen Pausenclown hatten sie auch dabei, einen Retriever, der sich gemütlich in einen Sessel drückte und sich Kissen herbeiholte, während seinen Border-Kollegen der Eifer nur so aus den Augen stach. Woher das Wörtchen „wieselflink“ kommt, war mir schlagartig bewusst, als ich die Hunde da sah, dicht an den Sand gedrückt, der Oberkörper erscheint daher ganz länglich, und sich schlängelnd nach vorn bewegend. Die sehen eben aus wie ein Wiesel, wenn sie arbeiten.

 

Kerstin Brein: Eine meiner liebsten Freiheits-Dressuren
Eine andere Nummer fand ich auch toll, die habe ich aber schon ein paar Mal gesehen: Kerstin Brein und ihre Welshponies. Sie zeigt eine Freiheitsdressur mit diesen Ponies, die ausschauen, als wären Schleich-Tiere lebendig geworden: einfach zum Niederknien. Mit Kerstin haben wir noch ein Video-Interview aufgenommen, das zeige ich Euch morgen (Denn: Ich hab‘ ja jetzt wieder mehr Zeit, juchu!)

Bisschen abgespeckt war die Besetzung ansonsten, aber vergangenes Jahr hatten sie auch so richtig zugelangt, mit Alizée Froment, Ingrid Klimke, der schwedischen Sulky-Quadrille und Asagao xx mit seiner Superman- Springnummer war das schon richtig fett (HIER habe ich damals darüber geschrieben).

Schenkelgänger oder LDR-Quadrille?
Viele Iberer waren zu sehen, viele Kutschen, und man konnte gut lernen, wie ein astreiner Schenkelgänger aussieht: Die zwei Tennessee Walking Horses tun dem klassisch geprägten Auge echt weh. Wir haben schon gemunkelt, ob man die vielleicht eingeladen hat, damit sich bloß die Woche über niemand über das Partnerland Niederlande aufregt? Ich hatte ja schon auf eine LDR-Quadrille gehofft, aber die gab’s nicht (Ironiemodus aus).

Stattdessen stellte Isabell Werth Sorento vor, der ziemlich was zu gucken hatte im Viereck – Hilfe, eine Tribüne! Hilfe, Wechsel soll ich springen! Gute Übung für ihn, so ein Flutlichtabend, wahrscheinlich. Sehr süß, wie Isabell Werths kleiner Sohn ihr zuwinkte von der Tribüne, er hat wirklich mitgefiebert.

Mit Klara bei Pferd und Sinfonie

 

Als wir dann auf dem Heimweg waren, Klara und ich, sagte Klara: „Ich bin ja nicht so der absolute Turnierfan, aber die Atmosphäre hier, die ist so schön, ich bin so gern  hier!“ Und das stimmt. Auch, dass dieser Abend von Pferd & Sinfonie immer so richtig in die Nacht hineinreicht, bis 23 Uhr fast, ist toll.

Zum Schluss hatten die Reiter Fackeln in der Hand (zu Fuß, bei der Ehrenrunde am Ende), und man sieht zuvor über die Tribüne hinweg, wie die Sonne untergeht. Genial finde ich jedes Mal die Glaswand auf der Pressetribüne – Du siehst geradeaus das Programm, und wenn Du links durch die Scheibe guckst, siehst Du den Abreiteplatz.

Und wenn da etwas besonders spannend ist, flitzt Du einfach schnell runter. So wie wir das diesmal gemacht haben, als wir Kerstin Brein mit ihren Ponys entdeckten.

Freut Euch auf das Video morgen, sie hat tolle Trainingstipps gegeben und man spürt sehr gut die Einstellung dieser Pferdefrau!

Vom Loslassen können

 

Mit Ailena, der großen Warmblüterin, die ich immer mal wieder reite, und Chamonix, unserem Pony, auf dem Trail. Die beiden schauen nach den Nachbarkühen.

 

Tina vom Blog auf Procavallo hat HIER aufgeschrieben, dass sie am allerbesten selbst nach den Pferden schauen kann. Niemand versorgt die Pferde besser als sie, deshalb muss sie immer raus – auch, wenn sich die Arbeit häuft, und der Mann anbietet, die Pferde für sie zu versorgen.

Das brachte mich zum Nachdenken.

Ich habe ziemlich unterschiedliche Phasen in meinem Leben diesbezüglich durch. Sogar so viele, dass es für eine Kategorisierung reicht. Hier also ein kleines Lexika der Versorgungtypen – ich bin gespannt, wer sich wiederfindet.

 

a) Der Kontroletti

Dieser Typ muss alles selbst checken. Als Teenager ließ ich niemanden, und zwar wirklich niemanden, mein Pony reiten. Das hatte ich alleine mit meiner damaligen Reitlehrerin angeritten, und niemand anders als ich durfte in den Sattel. Nichts war gut genug. Ich konnte übrigens auch am besten kehren oder rechen. Eine Familienanekdote ist immer noch jene, in der ich meinem Bruder den Heuwender aus der Hand reiße, weil er das wohl meiner Meinung nach nicht ordentlich genug gemacht habe. Wahnsinnig sympathisch, nicht wahr? Der Stall war am Haus, ich und meine Eltern betreuten die Ponys täglich. Heiligabend genauso wie im Sommer. Wir machten Heu und stampften durch nasse Wiesen. Das war eine sehr nahe Zeit mit den Ponys.

 bDie Durchorganisierte mit einem Team um sich herum

Als Studentin mit zeitweise drei Pferden, die alle von mir betreut wurden, kam ich absolut an meine Belastungsgrenze. Ich habe immer im Studium gearbeitet, ich hatte diese Pferde, und obwohl sie in Vollpension standen war es, na sagen wir mal, anspruchsvoll. Ich erinnere mich wie heute an ein Gespräch mit meiner damaligen Reitbeteiligung, die sagte, nichts entspanne sie so sehr vom Studienstress wie das Reiten. Das kam mir damals total abstrus vor. In dieser Zeit hatte ich viel Hilfe, wie sollte es auch anders gehen. Jedes Pferd wurde noch von anderen Menschen geritten, und dennoch war es viel Verantwortung, Zeit und Arbeit: 20 Kilometer Radfahren zum Stall täglich, Hund, Pferde, studieren, abends am Wochenende kellnern und in den Semesterferien Praktika machen. Für mich waren die Pferde in dieser Zeit nicht entspannend. Sie waren meine tierische Familie und meine Verpflichtung – aber sehr selten eine Auszeit.

 

Chamonix daheim. Auch wenn’s hier nicht so aussieht: Sie wohnt in der Gruppe auf einem kleinen, feinen Trail. Foto: Klara Freitag

 

c) Die Abwesende

In meinen ersten Jobs in verschiedenen Städten lernte ich sehr schnell, dass Nähe nicht das wichtigste Kriterium ist. Wer zwölf Stunden am Tag arbeitet, der braucht vor allem verlässliche Leute im Stall. Ich optimierte es immer mehr, wo die Pferde untergebracht waren, damals waren es nur noch zwei, und sah sie dafür weniger. War scheiße, war notwendig. Übrigens war das meine erste Zeit in einem Aktivstall. Den hatte ich zu dieser Zeit auch wirklich nötig!

d) Die mit dem sorgsamen Umfeld

Die Ära, in denen meine Pferde nah und super versorgt stehen, begann mit der Geburt meiner Tochter und dem letzten Umzug. Sie wurden von Freunden versorgt, oder eben heute nur das Pony, und ich könnte es nicht besser machen. Ich bin ersetzbar – jederzeit. Und genieße das sehr, zum Pony zu kommen, und mich einfach nur um die Extras zu kümmern. Beziehung zum Pferd, Reiten, Ausbildung, all das.

e) Die Selbermacherin

Dennoch hat etwas gefehlt, und das gibt es jetzt wieder durch die Jungpferde in meinem Leben: Viel selbstmachen und mehrfach am Tag nach dem Rechten sehen. Seit diesem Frühjahr gibt es nämlich eine Sommerweide für Jungpferde bei mir. Wenn ich mal weg bin, übernehmen wieder Menschen meines Vertrauens. Tatsächlich genieße ich auch das sehr – vor allem abends, wenn meine letzte Runde vor dem Schlafengehen über die Wiese führt.

Nach Tinas Text dachte ich: mhhh, bin ich jetzt nachlässig, weil ich kein Kontroletti mehr bin? Was sagt mein Stresslevel, was sagt Tinas Stresslevel? Sind wir einfach unterschiedlich? Sie ist ein Tausendsassa, der immer wieder die tollsten Sachen ausgräbt, die es im Pferdeumfeld gibt. Einen Mann, der das absolute Gebiss-Know-How hat, zum Beispiel. Eine Firma, die Grassamenmischungen anbietet, die exakt auf die natürliche Flora der Region angepasst sind, zum Beispiel. Ich glaube, ich bin auch schon ein ziemlicher Freak mit dem Herausfinden von Pferdesachen, aber Tina ist da noch mal eine Spur krasser, was ich super finde (ihr findet sie HIER). Dieses hungrig nach Wissen und guten Lösungen sein hat aber auch die Kehrseite, hohe Ansprüche an sich und andere zu stellen. Vielleicht ist das die andere Seite davon? Schnüffelnase geht nicht ohne Kontroletti sein?

Wir brauchen uns nicht – aber wir sind gern zusammen. Foto: Klara Freitag

 

Ich weiß nicht, ob ich einfach andere Pferdemenschen in meinem Umfeld habe, oder ob meine Umzieh-Karriere mich etwas Demut gelehrt hat. Was allerdings stimmt: Ich weiß, worauf ich mich nicht mehr einlasse. Von Reitbeteiligung bis Stall sind alle sorgsam ausgesucht, und ich fange keine Halbheiten mehr an. Bei denen, die um mich rum sind, liegt es mir echt fern, zu denken, dass nur ich das am besten könnte. Obwohl ich mir hunderttausend Gedanken um das richtige Futter mache, Heu kritisch prüfe, überlege, wie was idealer gemacht werden könnte.

Fern von Supereasy

Was allerdings sein könnte: Dass meine Leutchen mich da vielleicht nicht so entspannt wahrnehmen, wie ich das gerade kommuniziere. Ich denk da an so manche Gespräche über Wurmkuren, Futter und Hufe. Vielleicht bin ich kein Kontroletti mehr, aber doch noch ein Diskutierer und Hundert-Mal-Überleger. Klingt anstrengend – danke also an all die Menschen, die das in Kauf nehmen, in meinem Umfeld. Ist jetzt nämlich nicht gerade viel besser, vermute ich!

 

Ich besitze eine Rarität – ein einfaches Pferd!

Man darf sie sogar anfassen – jeden Tag! Ein echtes Kuschelpferd. Foto: Klara Freitag

 

Neuerdings habe ich eine Rarität im Stall: Ein einfaches Pferd.

Meist hat man ja den Eindruck, das gibt’s gar nicht mehr. Auch ich hatte bisher den Typ Prinzessin auf der Erbse im Stall, und ich liebte sie (das wisst Ihr ja). Und ich kenne genug Leute, die sich unkomplizierte Pferde kaufen wollen und einfach keins finden.

Mein Rezept, so ein Pferd zu finden, ist nicht zum Nachahmen geeignet. Dieses Pferd habe ich so gekauft: Ich wusste, was ich wollte (sehr gute Zuchtstute mit Potential zum Sportpony, vom Gemüt her ein Kinderpony). Dann habe ich dem richtigen Menschen vertraut. Es stand auf der Weide, das Pony, mit Fohlen bei Fuß, also ausprobieren ging nicht. Ein Video aus ihrer Turnierzeit habe ich gesehen. Ich habe nicht einmal drauf gesessen, und ich habe keine Ankaufsuntersuchung machen lassen. Also genau so, wie man das nicht machen soll.

Muss ich nicht erwähnen, dass meine Tierärztin das ziemlich doof fand, und auch ansonsten mich die Menschen mit großen Augen anguckten, als ich das erzählte. Die kritische Jeannette, die sich um alles Mögliche einen Kopf macht, kauft auf diese Art und Weise ein Pferd.

Meine Erwartungen wurden aber nicht enttäuscht. Im Gegenteil. Sie war sogar noch besser, als ich dachte.

Falls sich jemand fragt, was das für eine Zäumung ist: Ein leichter Kappzaum mit eingeschnallten Gebissriemchen. Foto: Klara Freitag

 

Diese Ponystute guckt sich neue Situationen in aller Ruhe an. Sie hat noch nie gebuckelt oder sonstigen Blödsinn gemacht. Und das, nachdem sie zwei Jahre nur auf der Weide stand. Ich hätte ihr den ein oder anderen Buckler oder Tester schon verziehen und auch zugetraut. Aber: das gab es einfach nicht. Anlongiert, bis wieder etwas Kondition da war. Dann an der Longe draufgesetzt, am nächsten Tag ohne Longe geritten, am Tag danach ins Gelände. Unglaublich.

 

Darf ich galoppieren?

Sie nimmt es nicht krumm, wenn der Reiter einen Fehler macht, das Kind in den Rücken plumpst oder sonst was. Chamonix war zuvor nicht von Kindern geritten, aber wir haben jetzt  schon alles Mögliche ausprobiert: Absteigen über die Kruppe (namens ‚Popo-Rutsche’), knien auf dem Pony, erste Voltigierübungen. Sie geht ins Gelände, galoppiert in der Gruppe an jeder Stelle, und das ruhig. Sie fragt mit zum Reiter gewendeten Ohr ganz fein an, ob sie denn mitgaloppieren darf, oder nicht. Auch wenn die anderen schon los sind. Ohne nur ein bisschen flotter zu werden. Das Pony steigt in den Anhänger ein, ohne mit der Wimper zu zucken. Es gibt sich in der Dressurarbeit wahnsinnig viel Mühe und ist sehr geschickt. Einmal übertreten an der Hand gezeigt – und schwupps, bietet sie es das nächste Mal sofort an.

 

Vom Glück, ein einfaches Pferd zu haben

Noch nie habe ich so ein einfaches Pferd gehabt, glaube ich. So sensibel und brav zugleich.

 

Dabei ist das kein Wald- und Wiesenpony, das auf pur brav gezüchtet wurde. Das ist ein Sportpony. Sie war vorher zwei Jahre lang nur Mama, und davor, von drei bis fünf Jahren, ging sie die üblichen Jungpferdeprüfungen bis hin zum Bundeschampionat. Das merkt man manchmal noch – es ist schwierig für kleine Kinder, sie mit ihrem Wahnsinnsschwung zu sitzen. Kommt dann der Schenkel ein wenig zu viel (als Anker in der Not, auch Klemmen genannt, grins, ja, das kommt leider schon mal vor), dann denkt sie: „Ah, Mitteltrab! DAS kann ich, und zwar wie!“ Findet das Kind in Sitznot nicht so prickelnd, aber über die Stimme ist die Ponystute ganz schnell wieder runtergefahren. Wir arbeiten also gerade daran, den Trab von groß auf kindertauglich zu verändern. Hust.

 

Also – manchmal braucht man einfach Glück im Leben! Und Menschen, die solche Edelsteine einem anvertrauen (Danke, Christina!).  Und das Zutrauen ins Pony – es ist einfach unglaublich, und so vieles ist für sie selbstverständlich, wo ich noch denke: „Na, mal schauen, ob das geht, wie sie sich verhält und so.“ Pony sagt dann immer: „Klar, warum nicht?“

 

Schätzt diese Edelsteine – es ist so toll, mal ein einfaches Pferd zu haben.

 

 

Zäune bauen statt Yoga – meine ultimative Wellness.

Anderes Jahr, Nachbars Zaun, auch schön! Echte Fotos von unserem Zaunbau sind  auf Instagram zu sehen, sogar mit Video, wie ich die Pfosten einhaue. Schaut mal rein, HIER. Foto: Klara Freitag

 

Während ich diesen Text tippe, stecken meine Füße in einem Eimer heißen Wasser. Ich habe einen dicken Schafswollpullover an und kann über die Laptopkante in unseren Garten und die Weiden dahinter gucken.

 

 

Das ist für mich gerade das ziemlich ultimative Glücksgefühl. (Okay, neben dem, wenn ich im Stattel sitze und auf einmal fluppt alles). Das hat Seltenheitswert, denn ich bin eigentlich der Meister des Stresses und des zu viel in einen Tag Packens und des busy, busy, busy Seins.

 

Muskeln und Schwielen – super Sache!

Hier ist mein Rezept für dieses Glück: Ich bin durch nasses Gras gestiefelt. Habe nasse, kalte Füße bekommen dabei. Ich habe Zaunpfähle in die Erde gesteckt und bin Weiden abgeschritten. Habe gezählt, wie viele Pfosten ich bestellen muss. Ich habe mir erklären lassen, wie ich genau elektrische Tore aufbaue. Habe meine Muskeln benutzt, um T-Pfosten einzurammen und habe mir Schwielen an den Händen geholt.

 

Ich habe etwas mit meinem Körper getan und dabei in die Weite geguckt.

 

Wie cool. Die beste Wellness für mich, es funktioniert für mich gerade besser als Yoga, und das will was heißen.

 

Ich arbeite vorm Rechner, und das einige, einige Stunden am Tag. Ich liebe meinen Beruf, und dennoch ist es manchmal echt lang, dieses Laptop-Starren. Ich entscheide mich täglich, ob ich es mir leisten kann, abends zu reiten, oder doch besser am Bildschirm zu sitzen. Da runterzufahren, nicht abends noch an Texte, Interviews und was noch alles zu tun ist zu denken, fällt mir oft schwer. Die Gedanken sind eben oft beim Arbeiten, auch wenn ich eigenlich gerade am Tisch sitze, Auto fahre oder das Kind von der Schule hole. Dagegen hilft jetzt dieses Wieseneinzäunen. Das erdet ungemein.

 

Projekt Jungpferde-Aufzucht

Mehr als drei Hektar zäunen wir über dieses lange Wochenende ein, das wird das Land für unsere Jungpferde-Aufzucht. Ihr erinnert Euch, das Buch, von dem ich sprach? In diesem Text HIER ? Die Idee von Schloß, Kindern Ponys?

 

Das ist auch ein Anfang davon: Platz zu schaffen fürs eigene Züchten. So schön!

 

Freud und Leid der Selbstversorger

Sicher wird es jetzt auch Warner geben: Puh, so viel Arbeit, zu romantische Vorstellung, warte mal einige Zeit ab! Naiv vielleicht sogar?  Nö. Ich kenn das Leid von Selbstversorgern, ich habe es vor vielen Jahren lange selbst gehabt, Ponies am Haus und abendliches Füttern in Gummistiefeln mit Matschpisten im Winterwetter. Wie froh war ich, als ich das alles nicht mehr mußte! Denn die Zeit, die ich sonst für Zaunbau und Nachbessereien vertat, konnte ich dann Reiten.

 

Das ist einige Jahre her. Jetzt ist wieder die Zeit dafür gekommen, selbst etwas zu tun.

 

Es gibt allerdings eine Einschränkung: Mein Pony Chamonix steht in einem traumhaften Stall, und da soll sie auch bleiben. Vollpension, Paddocktrail, Reithalle, alles da. Die Weide ist ein Extraprojekt. Bis die eigene Züchterei da ist, werde ich Jungpferde auf Weiden im Sommer haben, auf supergut durchdacht eingezäunten Weiden. Die Arbeit, die zu tun ist, die tut mir verdammt gut.

 

Grüne Smoothies sind nichts dagegen

Ich brauche gerade keine Massagen, keine grünen Smoothies, keine Meditation, keinen Urlaub woanders – ich brauche genau das. Eine Ramme, einen T-Pfosten, Handschuhe und Isolatoren, die bezwungen werden wollen, um sich endlich um den Zaun zu krallen (Der Beweis: Hier ich und ein sehr widersätzlicher Pfosten!). Dann der Blick auf die Reihe von Pfosten! Wie schön lang sie da stehen, und wir haben die alle gesetzt! Genial. Das ist Zaunbau-Wellness. Endlich mal wieder was mit den Händen tun.

 

Natürlich ist das nichts für jeden. Genau das finde ich an dem Beispiel so wichtig, und deshalb schreibe ich es auf: Jeder muss für sich rausfinden, was ihn wirklich gut tut. Das kann eben auch so was wie Zäune bauen sein, was in keinem Wellness-Ratgeber der Welt steht.

 

Was ist Deine Zaunbau-Wellness?

Würde mich wirklich interessieren: Was ist Deine ultimative Entspannungs-Technik, mal abgesehen vom Reiten? Schreibt es mir doch gern in die Kommentare. Ich bin gespannt, ob jemand auch sowas Seltsames wie Zäune bauen besonders entspannend findet!

Pferdesommer – 10 Dinge, auf die Du Dich jetzt schon freuen kannst!

Sehnsucht nach Abenden wie diesem hier.


Für alle, die den Frost der Nächte und Abende in den letzten Tagen auch so gruselig fanden: Es dauert nicht mehr lange! Dann wird es warm (echt, passiert jeden Sommer in unseren Breitengeraden!), und wir werden so schöne Sachen mit unseren Pferden machen können.

Sagt mal, war das ernst gemeint? Diese Einladung an den Winter, vorbeizuschneien? Weiß ja nicht, wie es bei Euch war, aber hier kommt es mir vor, als ob einem der Nordwind ins Gesicht bläst. Ich hatte wieder mal die Winterjacke und die gefütterten Stiefeletten an am Stall. Aaaaber: Bald ist vorbei, und bald ist Weidesaison und bald ist auch schon der Sommer da, denn das geht ja dann doch immer schneller als gedacht!

 

Es gibt sooo unsagbar tolle Sachen, die man im Sommer mit den Pferden machen kann. Was sind Eure Favoriten? Meine Top-Ten-Liste ist hier! Vielleicht ist ja auch etwas für Dich dabei!

 

  1.  Ans Wasser fahren mit den Pferden! Ich werde auf jeden Fall ans Meer fahren. Einmal mit einer Gruppe Jugendlicher und Ponies, und am liebsten noch ein zweites Mal nur fürs selbst Rumreiten ohne Aufpassen!
  2. Abendritte. Ich liebe das, spät abends noch im Sommer auf dem Pferd zu sitzen. Es ist dann so ein bisschen Unendlichkeit dabei, so, als ob man alle Zeit der Welt habe, immer!

    Mit Fee auf der abgemähten Nachbarwiese 2016. Foto: Klara Freitag

     

  3. Heuwiesengeruch. Auf das Piecksen und die Schrammen kann ich verzichten, aber wie das riecht! Herrlich. Bei uns werden übrigens viele Weiden erst aufgrund von Bio-Verordnungen nach dem Blühen und Aussamen gemäht. Das ist zwar immer ein Bangen, ob das Gras umfällt oder nicht, aber es ist optisch der Knaller, so ein wogendes Meer aus Gräsern, wenn der Wind hindurchstreift!
  4. Fohlen gucken gehen! Gestern schon habe ich eine Kaltblutstute mit ihrem Fohlen gesehen, so schön! Die Sommerweiden mit den Fohlen, die zu dieser Zeit schon anfangen, miteinander zu spielen, sind wie Kino, finde ich. Könnte ich stundenlang zusehen.

    Fohlensommer auf dem Ferstlhof 2016, Foto: Sabine Grosser

     

  5. Die Kondition ist da! Ist ja jetzt nicht so, als würden wir im Winter nicht reiten – aber weniger schon. Im Sommer sind die Mukkis alle wieder da, und das ist super.
  6. Matschfreie Zone. Einfach alles sieht lieblich aus im Sommer – auch Offenställe, die im dunklen Halbjahr eher einem Moorbad gleichen.
  7. Endlich ohne Jacke raus. Hat schon was, den Stall ohne Zwiebelsystem der Kleidung zu betreten.
  8. Die Weidesaison ist da, was meint: Die Ponys und Pferde sind glücklicher! (und manchmal auch dicker. Aber davon und von Fressbremsen und eingeschränktem Weidegang reden wir hier in der Lobhudelei jetzt mal nicht)
  9. Waschaktionen sind kein Problem und die Pferdchen sind durchweg blitzblank. Übrigens genauso wie das Sattelzeug – wenn man öfters raus muss, zu Turnieren, Kursen, irgendwas, ist das eben viel gepflegter, quasi automatisch!
  10. Fotoshootings mit was Grünem im Hintergrund – das ist jetzt vielleicht nicht für jedermann wichtig, aber ich kann das Grau-in-Grau echt nicht mehr sehen. Und freue mich über jedes Buchenblättchen, dass sich gerade entfaltet!