Drei Tipps von der Instagram-Göttin der Reiterstiles (das bin nicht ich)

Die Insta-Göttin bin natürlich nicht ich, sondern Rachel Reunis, die ihr auf Instagram unter ‚The stylish equestrian‘ findet. Foto: Klara Freitag

 

Mode für Reiter ist ihr Ding: Rachel Reunis kombiniert die schönsten Reiteroutfits. Sie hat mir drei Regeln verraten, wie das auch Dir oder mir gelingt.

Vor ein paar Tagen hatte ich die Frau am Telefon, die es einfach völlig drauf hat, die schönsten Reiter-Outfits zu kombinieren. Unter dem Namen „The stylish equestrian“ zeigt Rachel Reunis auf Instagram (HIER), wie sie Klamotten miteinander kombiniert. Fast 30.000 Menschen gucken ihr dabei täglich zu. Zurecht: Es sieht einfach immer aus, als ob es von vorneherein genau so gedacht gewesen war.

 

Aus dem Ei gepellt contra Heuhalm-Sammler
Ich interviewte sie für ein Magazin, es ging dabei darum, wie man den britischen Country-Look modern und als Reiter interpretiert (das steht demnächst dann in der equitrends). Doch so nebenbei musste ich einfach noch mehr wissen. Zum Beispiel, wie man denn darauf kommt, Mode für Reiter zusammenzustellen, und was sie denn vorher gemacht hat. Und wie man das zur Hölle macht, aus dem Ei gepellt am Stall aussehen. Ich hatte ja hier schon mal davon erzählt, dass ich das selten hinbekomme, sondern lieber jeden Heuhalm und jede Dreckspfütze magisch anziehe.

 

Ein Outfit von Rachel Reunis – mit viel Lila und dicken fetten Boots. Günstige Horze-Reithose mit Stella-McCartney-Tasche und Ariat-Stiefel – warum nicht!

Hier mag ich besonders die Jacke, die Stiefel und die Tasche in der ungewöhnlichen Form. Überhaupt auf die Idee zu kommen, eine passende Handtasche auszusuchen! Die Tasche ist von Linda Farrow, die Jacke von Sorel Fotwear, die Reithose von Eurostar und der Pulli ist von Burberry. Mehr findet Ihr auf www.thestylishequestrian.com

 

First office, then barn

Dabei herausgekommen sind drei Regeln zum guten Reiter-Styling. Also:

 

  1. Schabracke und passende Reithose kann jeder! Das ist ein No-Go weil total unkreativ. Lieber schauen, was in einer Farbfamilie liegt, aber eben ein wenig unterschiedlich ist. („Do not buy sets, try to buy from different brands.“)
  2. Reitsachen und Nicht-Reitsachen kombinieren. Genauso, wie sehr teure Stücke mit sehr günstigen zusammen tragen („The best outfits come out of these!“).
  3. Es ist total legitim, Reitsachen im Büro zu tragen, natürlich mit anderen Schuhen und durchdachtem Oberteil. Das war übrigens Rachels Motivation, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen. Sie wollte Zeit sparen und schon im Büro Reitsachen tragen, die aber nicht nach Stallmädchen aussahen. Leuchtet ein. Aber was tut sie gegen den Geruch? Hah!, sagte mir Rachel Reunis dazu, es gäbe eine goldene Regel: Immer erst ins Büro, und dann in den Sattel! („It’s office first – then barn not the other way around!“)

 

Mein Lederjackentest
Ohne Witz: Direkt am gleichen Tag bin ich dann mal in Lederjacke ausreiten gegangen. Passte nämlich zu allen Kriterien da oben: Kam aus dem Büro, war kein Reiterutensil, passte nur halbgut zur Schabracke (das hätte Rachel bestimmt besser hinbekommen, braune Lederjacke und rote Schabracke ist eher so naja!).

Und, sind den anderen die Augen ausgefallen, weil ich plötzlich so stylisch daherkam? Ah – nö. Da alle von mir eher Pragmatismus statt Style gewöhnt sind, lag nahe, dass ich einfach zu spät zum Umziehen aus dem Büro gehechtet kam.  Ne, ihr Modebanausen. Das war Ausreiten in schick. Nächstes Mal schreib ich’s dazu, also quasi: Jetzt!

Das erste Date: Fünf Reitlehrer und der Dressurreitsimulator

Ihr könnt einen Ritt auf dem Dressurreitsimulator gewinnen

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Fünf Reitlehrer und das automatische Pferd – so sah’s aus! Wir haben uns alle gemeinsam auf den Weg gemacht, dieses Ding zu testen. Auf der vorherigen Equitana, 2015, tauchten die ersten Reitsimulatoren in Deutschland auf, und kurz darauf kaufte Anja Schade einen. Der steht nun in der Nähe von Frankfurt und man kann ihn für einen Ritt mieten. Das schwarze Pferd ist ausgestattet mit einer Menge Sensoren, die die Zügel-, Schenkel- und Gewichtshilfen des Reiters messen. Zudem ist es richtig gut ausgebildet: Black Beauty geht alle möglichen Lektionen bis hin zu den Einerwechseln. 

 

Drei Knöpfe auf der Schulter – auch damit kann die Gangart bestimmt werden. Oder über ganz normale Reiterhilfen.

 

Wir haben ihn zu fünft besucht. Das Besondere: Jeder von uns hat eine Trainer- oder Reitlehrerausbildung. Vom Trainer C über den Übungsleiter VFD und den Trainer B bis zur Pferdewirtin war an Qualifikationen alles dabei. Der schwarze Plastikhengst wurde also fachmännisch ausprobiert.

Was an Black Beauty anders ist

Der Reitsimulator steht in einem Ladengeschäft. Uns empfängt in Hessen also kein Stallgeruch, dafür aber Milchkaffee und Cappucinoduft – sehr gut! Anja Schade gehört der Simulator, und sie erzählt uns, was an ihm anders ist, als an leibhaftigen Pferden. So einige Probleme des Reiterlebens gibt es bei Black Beauty nicht:  „Ihr reitet geradegerichtet auf der Stelle!“, erzählt seine Besitzerin. Es gibt bei diesem Pferd keine natürliche Schiefe, keine Koordinations- oder Konditionsprobleme.  Sie erzählt, in welchen Fällen er besonders gut hilft. So hätte ein Kunde ein großes Erfolgserlebnis bei der Hilfe zu den Einerwechseln gehabt: Der Dressurreiter habe die Hilfen zuvor immer zu langsam, zeitverzögert, gegeben, und habe daher den Sprung hin zu den Einerwechseln mit seinem lebendigen Pferd nicht hinbekommen. Nach wenigen Übungsstunden auf Black Beauty konnte er es. Das ist ein Vorteil am Simulator: Man kann nicht nur mal eine lange Seite lang üben, sondern quasi endlos, solange der Reiter fit ist. Bis es schließlich klappt.

 

Ohne Nickbewegung, mit viel Raumgriff

Philippa testet das Pferd zuerst. Ein grüner Kreis auf dem Monitor stellt ihre Sitzfläche dar. Kleine Punkte zeigen Gewichsverlagerungen an. „Du kannst jetzt zum Beispiel sehen, was es ausmacht, wenn Du mal den rechten, mal den linken Gesäßmuskel anspannst“, erklärt Anja Schade, „Das siehst Du bei keinem Pferd!“

Anja Schade ist die Besitzerin von Black Beauty, dem Simulator aus Hessen (www.dressur-reitsimulator.de).

 

Black Beauty fühlt sich schon anders an, als ein normales Pferd. „Der Schritt wackelt ganz schön“, sagt Philippa, „das würde man von außen nicht vermuten!“ Der Simulator zeigt keine Nickbewegung. Ansonsten vermittelt er dem Reiter große Bewegungen. Der Schwarze hat zwar nur 1,58 Stockmass, erklärt seine Besitzerin Anja Schade, aber große Bewegungen wie ein 1,80er Pferd. „Das ist ungewohnt für mich“, sagt Philippa, „ich reite überwiegend Gangpferde.“

 

Jeder von uns kommt für eine Sitzanalyse aufs Pferd. Anja Schade steuert per Knopfdruck Schritt, Trab, Galopp an, damit man sich einfühlen kann. Das kann der Reiter auch selbst erzeugen, durch ganz normale Hilfengebung, aber hier soll es im ersten Schritt darum gehen, einfach zu messen, wie der Reiter beim ganz normalen Sitzen einwirkt.

Dafür ist der Monitor so eingestellt, dass der Reiter während des Reitens seine Analyse nicht sieht.  Black Beauty lässt sich gut sitzen, er hat eine richtig schöne Bergaufgaloppade (Eindrücke vom Simulator findet Ihr übrigens auch auf Anjas Seite www.dressur-reitsimulator.de.)

Danach sehe ich in Diagrammen, wie ich zum Beispiel im Sattel mein Gewicht verteilt habe. Im Galopp ist bei mir deutlich zu sehen, dass ich den hinteren Sattelteil mehr belaste als es gut wäre. Um festzustellen, warum das so ist, schaltet Anja Schade die Kameraansicht auf dem Monitor ein. Denn rings um Pferd und Reiter sind Kameras installiert, so dass man sich selbst von allen Seiten betrachten kann. Das ist sehr aufschlussreich – denn es macht schon einen Unterschied, ob man nur in Reithallenspiegel blicken kann, oder sich tatsächlich auch mal selbst von hinten beim Reiten sieht.  Der Monitor kann alle vier Kameraansichten nebeneinander anzeigen, – von vorn, hinten und beiden Seiten . So kann der Reiter sich selbst sehen, analysieren und vor allem sein Reitgefühl mit dem Bild in der Realität überein bringen.

Die Punkte im weißen Kreis zeigen die Spitzen der Gewichtshilfe. Die weiteren Diagramme zeigen, wie viel Zügelkontakt und Schenkelhilfe gegeben wurden.

 

Zweite Etappe: Unterricht auf dem elektrischen Pferd

Nachmittags kommt eine externe Ausbilderin noch dazu: Ljudmila Schmid unterrichtet Centered Riding, wendet die Alexandertechnik an und ist auch Dressurausbilderin. Denn nachdem wir unsere Baustellen selbst sehen konnten, will sie uns jetzt helfen, diese zu verändern. Wir starten aber nicht auf dem Pferd, sondern mit Alexandertechnik-Übungen im Stehen und auf Stühlen.

Auf dem Pferd übt sie mit mir, den Oberkörper besser zu stabilisieren, zum Beispiel soll ich den Bauchnabel in Richtung der Wirbelsäule ziehen und den Brustkorb anheben, „wie beim Luftholen!“ Ich werde stabiler, und kann auch im Galopp besser darauf achten, die Sitzbeinhöcker lotrecht zu halten.

Black Beauty trägt einen Dressursattel – und glänzt Tag für Tag.

 

Fazit der Reitlehrer

In unserer Gruppe hätten zwei Reitlehrer als Note ein Sehr Gut verteilt, zwei ein Gut und eine ein Befriedigend. Die sehr guten Noten gab es zum Beispiel für eine Einheit, in der es um die Galopparbeit ging, und einer, bei der es ums Aussitzen ging. Besonders positiv fiel auf, dass man auf einem unechten Pferd eben ewig weiterüben kann: Es wird nicht müde oder verlangt nach Abwechslung. Die guten Noten gab es für die tolle Überprüfung des eigenen Sitzes durch die Videokameras, kombiniert mit der Kraftmessung durch den Simulator: Es ist eine super schöne Möglichkeit, sich selbst zu korrigieren und den Ist-Zustand festzustellen. Viele waren sich einig, dass die zusätzliche Trainingseinheit mit der Centred-Riding-Trainerin noch mal einen guten Impuls hinzugefügt hat. Doch da es auch ein bisschen Glückssache ist, ob die Chemie zwischen einem fremden Reitlehrer und dem neuen Schüler passt, sind hier die Beurteilungen unterschiedlich, und es gab auch eine nicht so ganz zufriedene Schülerin. Alle fanden es bereichernd, den Sitz mit dieser Analyse zu überprüfen und einen Ausflugs-Tag mit diesem Thema miteinander zu verbringen.

Man muss ein bisschen üben, bis man weiß, wo man genau treiben muss, um die Messflächen des Simulators mit dem Schenkel zu treffen.

 

Meinerseits kann ich sagen: das war eine gute Erfahrung. Gerne hätte ich noch etwas drangehangen – denn tatsächlich verpufft so eine einzelne Einheit ganz schön schnell. Damit sich langfristig etwas ändert, braucht es mehr Wiederholung. Gut funktioniert es bestimmt, mehrere Einheiten an aufeinanderfolgenden Tagen zu machen oder sogar den eigenen Trainer mitzunehmen, der den Reiter eben auch auf dem echten Pferd daheim kennt. Allerdings muss der sich mit diesen speziellen Simulatoren auskennen, damit so eine Kooperation funktioniert.

 

 

Gewinnspiel

 

Ihr könnt einen Ritt auf dem Dressurreitsimulator für Euch und eine Freundin oder einen Freund gewinnen.

Das umfasst ungefähr 90 Minuten Training mit Anja Schade. Es ist der Teil, der Euren Sitz analysiert und auswertet, in ihrem Angebot, das ihr HIER einsehen könnt,  nennt sich diese 90-Minuten-Einheit „Einführung“. Der Gewinn hat einen Wert von 2 x 119 Euro. Alle Bedingungen zum Gewinnspiel findet Ihr HIER, es startet am 12.03.2017 um 14.30 und endet am 14.03.2017 um 24 Uhr.

 

So nehmt ihr teil: Schreibt mir in den Kommentar, welcher Reitlehrer-Kommentar oder welches sprachliche Bild im Reitunterricht Euch in der letzten Zeit besonders geholfen hat!

Was man von alten Männern lernen kann

Mit Kurd Albrecht von Ziegner beim Dreh für pferdia tv. Foto: Inge Vogel

 

Kurd Albrecht von Ziegner war bis zuletzt auf einer Mission. Von der hat er mir wenige Wochen vor seinem Tod erzählt. Mit dem Wunsch, dass die Reiterwelt von seinem Herzensthema erfährt. Daraus kann man eine Menge lernen – und zwar nicht nur fachlich.

 

Eine superschöne Sache an meinem Beruf ist diese: Die Post kommt und bringt Bücher und DVDs. Zum Rezensieren. Ich lese, gucke, mache mir ein Bild davon und schreibe dann darüber.

 

Die Urschrift der Reiterei

Finde ich super. Diese Woche habe ich eine Rezension aber ganz besonders gern geschrieben. Das letzte Werk von Kurd Albrecht von Ziegner kam an, HIER, die kommentierte H.Dv. 12. Das ist ein Standardwerk, die Urschrift der Richtlinien für Reiten und Fahren, das ich schon lange mal in angenehm lesbarer Schrift daheim haben wollte.

 

Doch auch dieser Mensch hat mich sehr fasziniert. Wir haben ihn im vergangenen Jahr noch besucht, Inge und Tom Vogel von pferdia tv und ich. Wir haben ihn lange interviewt, wir haben seine Stute angesehen, seinen Unterricht verfolgt. Wir haben zwei seiner Schriften HIER, im pferdiathek Magazin (in dem ihr mich ja ebenso jede Woche mehrmals lesen könnt) exklusiv veröffentlicht. Vor fast genau einem Jahr nun verfasste er diese Schriften.  Mit mehr als neunzig Jahren war er hellwach.

 

Seine Mission

Ganz besonders imponiert hat mir seine Mission. Ja, er war auf einer Mission unterwegs, und die hieß: Noch etwas gerade rücken. Er hat damals die Skala der Ausbildung mit abgesegnet, so wie sie nun seit Jahrzehnten in den Richtlinien steht. Er war einer der Menschen, die die erste Version der Richtlinien gelesen haben, und dazu etwas sagen sollten. Damals war er absolut damit einverstanden. Später dann nicht mehr – weshalb, das ist HIER im pferdiathek-Magazin nachzulesen. Die zweite exklusiv im Magazin zu lesende Originalschrift von ihm ist diese HIER über die Hangbahn.

 

Im Herbst 2016, wenige Wochen vor seinem Tod, rief er mich an. Er sagte, das ginge ihm alles zu langsam, er hätte ja die FN schon lange angeschrieben, mit ihnen geredet, dass man da nachbessern müsse, dass die Reihenfolge der Skala der Ausbildung so nicht korrekt sei, wie sie da stünde. Was er denn tun könne, damit die Reiterwelt davon erfahre.

 

Einer seiner letzten Wünsche

Ein über 90-jähriger, der auf Änderung drängt, der Leute animieren will, sich mehr zu engagieren. Für ein Thema brennen: Ja, das kann man neben allen pferdefreundlichen Methoden und bedachten Ausbildungswegen von diesem Mann lernen.

 

Damals versprach ich ihm, bei der FN noch mal nachzuhören. Das habe ich auch gemacht, und meine Ansprechperson dort erzählte, dass sie schon reagiert habe, dass Herr von Ziegner eine Antwort bekommen hätte.

 

Nur war ihm das zu wenig.

 

Er hätte sich einen Donnerhall gewünscht, nicht einen Nebensatz, der erklärt, dass die Skala der Ausbildung nicht statisch zu verstehen ist. Gesunder Menschenverstand in der Ausbildung, Akribie und für seine Sache brennen:

 

Das ist es, was er zuletzt noch vermittelt hat.
Und was jeder Reiter sich von ihm abgucken kann.

 

Er wird sehr glücklich darüber sein, dass es diese kommentierte H.Dv. 12, die auch seine Ideen zur Ausbildung wie die Hangbahn, den Ausbildungsbaum und eben die Skala der Ausbildung enthält, nun von jedem interessiertem Reiter zu lesen ist.

Schlittenfahren mit den Ponys

Startklar! Alle Fotos: Klara Freitag

 

Das Beste am Winter: Schlittenfahren mit den Ponies. Fast ist die kalte Jahreszeit vorbei, also wird’s Zeit, mal von ihren guten Seiten zu erzählen.

Denn erstens macht nichts mehr Spaß, als auf einem Schlitten zu sitzen, der von Ponies gezogen wird (wobei das für manche hier auch bedeutet: nur nebenherlaufen… öhm!)

Und zweitens wird es Zeit, noch mal auf die schönen Seiten des Lebens zu gucken. So. Beschließe ich jetzt einfach.

Also: Ein Sonntag vor einiger Zeit. Der kleine Onkel stampft durch den dicken Schnee auf unserem Reitplatz. Schlittenfahren, endlich! Ich renne nebenher, und die Kinder juchtzen und feuern uns an. Ein paar Galoppsprünge macht Onkel, schöne runde, aber dann zieht er doch den Trab vor.

 

„Stop!“ höre ich auf einmal und drehe den Kopf nach hinten. Huch, wir haben ein Kind verloren. Das liegt lachend im Schnee. Wir warten, die wertvolle Fracht steigt wieder auf und weiter geht’s.

Nach fünf, sechs Runden hat einer nicht mehr viel Puste: Ich. Im Schneeanzug durch Schnee rennen ist besser als jede Joggingrunde und jeder Stepper, glaube ich.

Also machen die Kinder alleine weiter, auf dem so zuverlässigen Bjarki geht das ganz wunderbar. Das Shetty Onkel verschnauft derweil ein bisschen mit mir.

Bjarki ist so ein unglaublich liebes und vielseitiges Therapiepferd – von Schlittenfahren über jegliche Therapieeinheiten bis Trainerschein-Prüfungen – er macht einfach alles.

 

Dieser Sonntag im Schnee war einer der besten in diesem Winter.

Ich muss da gerade dran denken, denn soeben merkt man: Der Winter verzieht sich. Manchmal singen die Vögel schon so, als ob wir mitten im Frühling stecken, manchmal zieht eine Eiseskälte herauf. In Zeiten, in denen der Winter noch mal aufmuckt, wird es auch jetzt noch ganz schön ungemütlich. Ich sage nur: Reithalle, sichtbarer Atem, bei Kursen Frostgefahr für den ganzen Körper durchs Rumstehen und Gucken, die kalte Füße!

 

Mit Jahreszeiten ist es komisch: Gerade, wenn sie gehen, habe ich mich daran gewöhnt und könnte sie noch ein paar Wochen länger bei mir haben. So wie jetzt: Richtig viel Schnee fand ich supertoll. Das Schönste, was wir mit den Pferden im Schnee gemacht haben, war: Die Ponys genommen und Schlitten drangehängt.

Kann ein Pferd süßer dreinschauen? Onkel ist genauso wie Bjarki eines der Therapiepferde vom Hof Abenteuerland in Aachen (www.reiten-im-abenteuerland.de).

 

Da, wo wir wohnen, ist das nur alle paar Jahre möglich. Die beiden Ponys sind im Hauptberuf Therapiepferde, sie sind super gelassen und machen auch nach Jahren einfach mit, als ob man das gestern erst geübt hätte.

Wenn ich an Winter denke, will ich bis zum nächsten Winter nur das behalten: Die Kinder juchtzten, ich rannte durch den Schnee, und die Ponies machten begeistert mit. Hach.

Winter kann so schön sein.

 

Zur Ausrüstung: Wie man es richtig macht

Das, was ihr auf den Bildern als Ausrüstung sieht, ist improvisiert. Ich bin kein Fahrer, und meine Kenntnisse da sind sehr, sehr beschränkt. Ein richtiges Geschirr trägt Onkel, das ist schon mal gut. Noch besser wäre es, wenn seine Zugstränge  in einem Verbindungsstück aus Holz münden würden (wie heißt das korrekt, Ihr Fahrer da draußen?). Wir haben sie einfach mit einem Strick an den Schlitten geknotet. Immerhin: So, dass man mit einem Handgriff Schlitten und Zugstränge wieder trennen kann.

Dennoch ist das nicht ideal, kann gefährlich werden. Ich fand es dennoch zu verantworten: Die Ponys kennen das beide und sind als Therapiepferde wirklich sehr zuverlässig. Auch wenn Onkel schon mal seine eigenen Ideen hat (ja, es gibt einen Grund, warum ich bei ihm lieber mitlaufe!) Also, liebe Leute da draußen: Wenn ihr das nachmacht, dann lieber mit ganz korrekter Ausrüstung!

 

Lauf, Fee, lauf.

So ein kluges Gesicht. Danke, Klara, dass ich diese Bilder von Fee habe. Foto: K. Freitag

 

Fee ist tot.

Es kam alles ganz plötzlich. Ich war ja gerade dabei, sie wieder langsam anzutrainieren, ihr wisst, dass ich letztens erst von der Boxenruhe erzählte.

Doch es kam alles anders, und es hatte nichts mit dieser Lappalie zu tun, die uns die Boxenruhe beschert hatte.

An der Longe rutschte sie an Tag Eins plötzlich weg, obwohl der Boden gut war. An Tag Zwei konnte ich sie nicht mehr zum Putzplatz führen, ohne den Eindruck zu haben, sie fällt mir gleich hin. Es fiel ihr so schwer, die Hinterbeine zu koordinieren, sie konzentrierte sich für jeden einzelnen Schritt. An Tag Drei ging sie nur noch unter größter Konzentration langsam von einer Seite des Offenstalls zur anderen. An Tag Vier konnte sie nicht mehr aufstehen, ihre Hinterbeine machten einfach nicht mehr mit. An Tag Fünf gab es keinerlei Koordination der Hinterbeine mehr. Ich habe sie einschläfern lassen. Sicher: Es war etwas Neurologisches. Vermutung: Tumor, der auf die Nerven drückte.

Wir haben alles Mögliche versucht. Wir haben ihr etliche Infusionen gegeben, Osteopathen gerufen, falls doch nur das Rückenmark gestaucht gewesen wäre. Alle arbeiteten zusammen, wir haben Fee mit dem Traktor aufgestellt und umgedreht, ihr wieder Medikamente gegeben – letztlich konnte ich nichts mehr medizinisch tun.

Es waren zweiundzwanzig gemeinsame Jahre.

Wir. Foto: Klara Freitag

 

 

Vor 22 Jahren habe ich sie ausgesucht. Auf einem Vermarktungstag für Jungpferde. Ich sehe es noch vor mir, Fee beim Freispringen, wir – Mutter, Vater, Tante, Oma, ich – stehen in der Mitte der Halle. Alle ahnungslos. Und gucken zu und gucken zu. Bis der Verkaufsleiter irgendwann sagte: „Ist es jetzt genug?“ Wir wussten nicht, dass wir Stopp sagen sollten, und die arme Fee musste etliche Mal über das Hindernis springen.

 

Junges Mädchen bekommt junges Pferd
Es war genau so, wie man es nicht machen sollte: Junges Mädchen bekommt junges Pferd. Es ist zunächst gehörig in die Hose gegangen. Ich dachte, ich kann das mit jungen Pferden, weil ich half, Ponys anzureiten. Nur war das Pferd eine komplett andere Nummer. Schnell hatte sie raus, mich steigend und bockend in den Sand zu befördern. Als wir das hinter uns hatten – es dauerte Jahre, bis wir ein Team waren – tat sie alles für mich.

Im Herbst. Mit Lotta und Eldir. Foto: Klara Freitag

 

Alle Grenzen, die wir hatten, waren meine Grenzen. Sie dachte immer mit, sie bot immer an, sie war unermüdlich.

Zuneigung? Sie entschied.
Sie suchte sich ihre Leute aus. Ich konnte eine Vorauswahl treffen, wer dieses Pferd reiten durfte – aber letztlich fällte sie die Entscheidung. Es gab niemanden am Stall, der Fee neutral gegenüber stand. Entweder, man fand sie fantastisch, oder man sah Fee lieber weit weg von sich selbst.

Vor einem Jahr entschied sie, dass meine kleine Tochter sie auch reiten durfte. Ganz vorsichtig trug sie das Grundschulkind durch die Halle. Bemerkenswert, wenn man weiß, was für ein Geschoss Fee sein konnte. Aber ich wusste, ich kann ihr da vertrauen.

Jetzt, diese Tage danach – es ist, als ob ich >Pause< gedrückt hätte. Ein stumpfer, trockener Schmerz. Leer irgendwie.

Das Einzige, was mir wirklich etwas gibt in letzter Zeit: Wenn Menschen, die Fee kannten, über sie sprechen. „Sie war so ein besonderes Pferd“, sagte meine Tierärztin, als wir bei meinem toten Pferd saßen. Ich antwortete, „ja, sie war so klug, sie wusste es immer besser!“ „Sie war zu klug, manchmal!“ sagte meine Tierärztin, und wir mussten beide lachen, schniefend.

Diese Schnute. Foto: Klara Freitag

 

„Sie war ein sehr geliebtes Pferd, wie man gestern sehen konnte“, schrieb mir Lotta. Ja. Das stimmt. Lotta meinte damit die Menschen, die am Tag vor dem Einschläfern gekommen waren. In diesen heftigen Tagen, an denen es Fee immer schlechter ging, wechselten die Zeiten, die ich alleine mit ihr verbrachte mit Zeiten, zu denen bei ihr im Stall ein paar mehr Menschen waren. Abwechselnd saß jemand bei uns. Hielt die Infusion hoch. Schaute, was man ostheopathisch noch machen konnte. Brachte etwas zu Essen, Tee. Das war sehr schön.

 

Es entsteht eine seltsame Energie, etwas Magisches, wenn es um alles geht.

 

„Sie war so eine tolle Charakterstute und so Pferde mag ich immer gern“, schrieb mir der Osteopath, und die Osteopathin (ja, es waren zwei da) sagte „sie ist eine Kämpferin“.

Natürlich weiß ich das alles. Aber es ist so schön, wenn andere Menschen in diesem Pferd das sehen, was ich immer darin gesehen habe.

 

Wir, der letzte Kurs gemeinsam bei Elaine Butler im Herbst. Foto: Klara Freitag

 

Zwei so wahre und treffende Sätze sagte mir Sara Oliveira, als sie bei uns war, um zu unterrichten:

 

„Wenn Du einen Hund verlierst, dann geht ein Teil Deiner Familie.

Wenn Du ein Pferd verlierst, dann geht ein Teil Deines Lebens.“

-Sue Oliveira-

 

Ihre Mutter habe das stets so gesehen, deshalb steht auch Sue Oliveira an den Zeilen dran.

Ich muss an Fee denken, wie ich sie mit zum Studieren genommen habe, rechts im Anhänger das Pferd, links meine Vespa und meine Zimmerpflanzen. Wie mir dieses Pferd, und der westfälische Bauer beigebracht haben, ordentlicher zu reiten, als ich das bisher kannte. Ich muss an Fees erste Tochter denken, die auch bei uns groß geworden ist. Diese schöne Rappstute, viel ausdrucksstärker als ihre Mutter, und mit dem gleichen starken Charakter ausgestattet. Ihre späteren Besitzer nannten sie ‚die Randale-Elli’. An meinen Ponywallach, der jahrelang mit Fee gemeinsam lebte.

Es war meine Tierfamilie: Devil das Pony, Fee das Pferd, und Nike, meine Hündin. Ich habe sie alle von Aachen aus mit nach Münster und mit nach Berlin geschleppt. Dann aufs Land nach Rheinland-Pfalz und dann wieder zurück nach Aachen.

Fee ist die letzte von ihnen, die gegangen ist.

 

T61, das Mittel für drüben.

In meiner Erinnerung ist das eine Szene in Zeitlupe:

Die Fläschchen mit T 61. Die geschickten Handbewegungen meiner Tierärztin. Ich sage Fee ständig, was für ein gutes Pferd sie ist. Wische ihr über Stirn und Augen. Bemühe mich, ruhig und gelassen zu klingen.

Als es vorbei ist, schauen wir uns an, die Tierärztin und ich. Reichen Taschentücher.

Ach. Ich kann mir so gut vorstellen, wie sie aufstand, sich schüttelte, kurz uns Heulsusen nachschaute, und sich auf den Weg machte.

Fee, Du tolles Pferd.

Danke.