Pferdesommer – 10 Dinge, auf die Du Dich jetzt schon freuen kannst!

Sehnsucht nach Abenden wie diesem hier.


Für alle, die den Frost der Nächte und Abende in den letzten Tagen auch so gruselig fanden: Es dauert nicht mehr lange! Dann wird es warm (echt, passiert jeden Sommer in unseren Breitengeraden!), und wir werden so schöne Sachen mit unseren Pferden machen können.

Sagt mal, war das ernst gemeint? Diese Einladung an den Winter, vorbeizuschneien? Weiß ja nicht, wie es bei Euch war, aber hier kommt es mir vor, als ob einem der Nordwind ins Gesicht bläst. Ich hatte wieder mal die Winterjacke und die gefütterten Stiefeletten an am Stall. Aaaaber: Bald ist vorbei, und bald ist Weidesaison und bald ist auch schon der Sommer da, denn das geht ja dann doch immer schneller als gedacht!

 

Es gibt sooo unsagbar tolle Sachen, die man im Sommer mit den Pferden machen kann. Was sind Eure Favoriten? Meine Top-Ten-Liste ist hier! Vielleicht ist ja auch etwas für Dich dabei!

 

  1.  Ans Wasser fahren mit den Pferden! Ich werde auf jeden Fall ans Meer fahren. Einmal mit einer Gruppe Jugendlicher und Ponies, und am liebsten noch ein zweites Mal nur fürs selbst Rumreiten ohne Aufpassen!
  2. Abendritte. Ich liebe das, spät abends noch im Sommer auf dem Pferd zu sitzen. Es ist dann so ein bisschen Unendlichkeit dabei, so, als ob man alle Zeit der Welt habe, immer!

    Mit Fee auf der abgemähten Nachbarwiese 2016. Foto: Klara Freitag

     

  3. Heuwiesengeruch. Auf das Piecksen und die Schrammen kann ich verzichten, aber wie das riecht! Herrlich. Bei uns werden übrigens viele Weiden erst aufgrund von Bio-Verordnungen nach dem Blühen und Aussamen gemäht. Das ist zwar immer ein Bangen, ob das Gras umfällt oder nicht, aber es ist optisch der Knaller, so ein wogendes Meer aus Gräsern, wenn der Wind hindurchstreift!
  4. Fohlen gucken gehen! Gestern schon habe ich eine Kaltblutstute mit ihrem Fohlen gesehen, so schön! Die Sommerweiden mit den Fohlen, die zu dieser Zeit schon anfangen, miteinander zu spielen, sind wie Kino, finde ich. Könnte ich stundenlang zusehen.

    Fohlensommer auf dem Ferstlhof 2016, Foto: Sabine Grosser

     

  5. Die Kondition ist da! Ist ja jetzt nicht so, als würden wir im Winter nicht reiten – aber weniger schon. Im Sommer sind die Mukkis alle wieder da, und das ist super.
  6. Matschfreie Zone. Einfach alles sieht lieblich aus im Sommer – auch Offenställe, die im dunklen Halbjahr eher einem Moorbad gleichen.
  7. Endlich ohne Jacke raus. Hat schon was, den Stall ohne Zwiebelsystem der Kleidung zu betreten.
  8. Die Weidesaison ist da, was meint: Die Ponys und Pferde sind glücklicher! (und manchmal auch dicker. Aber davon und von Fressbremsen und eingeschränktem Weidegang reden wir hier in der Lobhudelei jetzt mal nicht)
  9. Waschaktionen sind kein Problem und die Pferdchen sind durchweg blitzblank. Übrigens genauso wie das Sattelzeug – wenn man öfters raus muss, zu Turnieren, Kursen, irgendwas, ist das eben viel gepflegter, quasi automatisch!
  10. Fotoshootings mit was Grünem im Hintergrund – das ist jetzt vielleicht nicht für jedermann wichtig, aber ich kann das Grau-in-Grau echt nicht mehr sehen. Und freue mich über jedes Buchenblättchen, dass sich gerade entfaltet!

 

Eine tödliche Fohlennacht

Meine Stute mit dem Hengstfohlen, dass wir wenige Stunden später aufgrund des Gendefekts WFFS einschläfern lassen mussten: Die Haut war zu locker mit dem Rest des Körpers verbunden und löste sich ab.

 

Hosen runter: Ich habe Euch schon häufig erzählt, dass ich die Zucht so mag. Dass ich als Journalistin zum Beispiel für das Buch „Ausgewählte Hengste Deutschlands“ arbeite, dass ich mich in Stutenfamilien verlieren kann und gern zuhöre, wenn mir jemand seine Zuchtphilosophie erklärt. Doch Züchten ist genauso wunderschön wie grausam. Das habe ich am eigenen Leib erfahren. Mein letztes Hengstfohlen wurde nur wenige Stunden alt. Warum, erfahrt ihr in diesem Text. 

Ich schreibe das auf, weil ich mir wünsche, dass jeder Züchter von der Genkrankheit WFFS weiß. Und bekannt wird, wie man das verhindern kann.

 

DIE WICHTIGSTEN FAKTEN:

  • WFFS tritt auf, wenn Stute und Hengst beide die Veranlagung dazu dem Fohlen mitgeben.
  • Jedes Fohlen mit WFFS muss eingeschläfert werden: Die Haut löst sich vom Körper ab.
  • Ein einfacher Bluttest für 100 Euro verschafft Klarheit, ob das eigene Tier diese genetische Veranlagung unbemerkt trägt oder nicht.
  • Es gibt keine sicheren Zahlen, wie viele Pferde die Veranlagung zu WFFS in sich tragen.
  • Studien lassen vermuten: Es ist wahrscheinlich nicht selten und könnte auch ein Grund für Aborte und Todgeburten sein.
  • Während der Recherche habe ich von insgesamt 3 Warmblutvererbern erfahren, die diesen Defekt weiter geben. Darunter ein Vererber, der vor wenigen Jahren eingegangen ist, und als ein wirklicher Hauptbeschäler zu bezeichnen ist (was die Frage aufwirft, wie viele seiner Töchter in der Zucht den Defekt als Trägertier in sich haben). Ein weiterer Vererber ist aufgestellt in einer der größten Hengststationen, die wir in Deutschland haben. Der dritte Hengst ist derjenige, den ich selbst ausgesucht hatte: Springer mit einigen gekörten Söhnen

 

Der folgende Text erschien zuerst in der Reiter Revue international, 2016

2015.

Es war eine Bilderbuchgeburt. Bei der Abendkontrolle gegen neun Uhr abends steht die Stute dort mit gesenktem Becken, das Fruchtwasser geht ab, kurz darauf ist ein schickes, agiles Hengstfohlen da. Große Freude. Wir machen Fotos: die Mutterstute, wie sie ihr Fohlen leckt, meine Tochter im Grundschulalter, wie sie staunend die beiden beobachtet, strahlende Gesichter.

45 Minuten später steht das Fohlen noch nicht. Nun ja, bisschen Zeit ist ja noch. Ich sehe einen Hautschnitt am Kronrand. Desinfiziere die kleine Wunde. Komisch, denke ich noch, hat er sich das bei den Aufsteh-Versuchen geholt? Ich hab ihn doch keinen Moment aus den Augen gelassen. Ein paar Minuten später: Verletzung auf dem Vorderfußwurzelgelenk. Mist.

Vielleicht liegt doch zu wenig Stroh in der Box, überlege ich. Mehr Stroh muss her. Machen wir. Das Fohlen steht immer noch nicht, wir melken Kolostralmilch ab, füttern es mit der Flasche. Es saugt kräftig. Einige Minuten vergehen, dann ist die Wunde auf dem Vorderfußwurzelgelenk so groß wie eine 2-Euro-Münze. Das wird mir zu heiß. Ich rufe meine Tierärztin. Als sie ankommt, ist der Hautlappen auf dem Vorderfußwurzelgelenk handtellergroß abgerissen. Ohne Fremdeinwirkung. Man kann auf das Gelenk gucken. Die Wunde am Vorderfußwurzelgelenk wird getackert und verbunden. Nichts blutet. Dann sehen wir eine weitere Wunde: Sprunggelenk, eine Hauttasche, senkrecht offen, als ob man einen Speer hindurchstecken könnte. Wir fahren in die Tierklinik, hunderte Kilometer in der Nacht. Dort in der Fohlenintensivmedizin wird der kleine Hengst auf eine blaue Turnmatte gebettet, Kanülen werden gelegt. Der Arzt notiert: „Lebensschwaches Fohlen. Trink- und Saugreflex vorhanden. Großflächige Defekte, Trennung von Haut und Unterhaut ohne Blutungen, Unterhautemphysem.“ Das Fohlen wird intensivmedizinisch versorgt. Sechs Uhr morgens, ich fahre nach Hause und hoffe.

Sonntagnachmittag, wieder in der Klinik: Keine Verbesserungen. Wir versuchen noch etwas, sagt der Tierarzt der Klinik, doch dann bleibt nur noch einschläfern. Dann Blutungen aus den Ohren. Das Fohlen wird geröngt, um eine Schädelfraktur auszuschließen. Die Hinterbeine sind angeschwollen, eine stecknadelgroße Oberlippenverletzung entwickelt sich zu einer großen Fleischwunde. Einfach so.

17 Uhr: Tod durch Einschläfern.

Die Obduktion ergibt: Ohren und Körper waren gar nicht mit festen Strukturen verbunden. Hätte ich einmal am Ohr gezogen, hätte ich es in der Hand gehabt.

So sieht es aus, wenn der Gendefekt WFFS zuschlägt. Die Fohlen stehen spät oder gar nicht auf, die Haut löst sich vom Körper, es entstehen nicht blutende Wunden ohne Fremdeinwirkung. Bei WFFS, „warmblood fragile foal syndrome“, ist die Kollagenverbindung zwischen dem Körper des Tieres und seiner Haut verändert. Überlebenschancen: Null Prozent.

 

Auch gesunde Pferde können Vererber sein

Meine Stute hatte zuvor gesunde Nachkommen. Es gab keinen Hinweis darauf, dass sie eine Erbkrankheit in sich trägt. Der Hengsthalter sagt, auch er habe davon nichts gewusst. Erster Fall.
Erbkrankheiten wie diese sind wohl die schlimmste Nebenwirkung der Jahrtausende langen Zuchtauswahl, der wir unsere modernen, kooperationswilligen Reitpferde zu verdanken haben, die aber auch die Ausbreitung unerwünschter Genmutation begünstigt hat. Das Phänomen, das in der Fachsprache die „genetische Last der Domestikation“ genannt wird, ist nicht nur von Pferden, sondern unter anderem auch von Hunden, Tomaten und Reis bekannt. Natürlich sind nicht alle Gendefekte tödlich, doch die Liste mit schwerwiegenden Erbkrankheiten ist lang. Dazu zählen unter anderem die bei zahlreichen Rassen bekannte und lebensgefährliche Glykogen-Speicher Störung PSSM (Polysaccharid-Speicher-Myopathie) und die unheilbare Stoffwechselerkrankung HYPP (Hyperkalemic Periodic Paralysis Disease). Bei OLWS, dem „overo lethal white syndrome“, das überwiegend, aber nicht nur bei Arabischen Pferden und American Paint Horses auftritt, führt eine Mutation am Endothelin-B-Rezeptor-Gen zum qualvollen Tod in den ersten Lebenstagen.

 

HYPP und PSSM werden autosomal-dominant vererbt. Die anderen genannten Krankheiten werden autosomal-rezessiv vererbt. Bedeutet: Paart man zwei Träger miteinander an, erhält man zur Hälfte ebenfalls Träger, die lebensfähig und augenscheinlich unversehrt sind. 25% der Nachkommen sind weder phänotypisch (= äußerlich) noch genotypisch (=genetisch) betroffen. Bei den restlichen 25% geben beide Eltern die Veranlagung zu WFFS oder einem anderen Defekt weiter, die Krankheit bricht aus.

 

Keine verlässlichen Zahlen

Wie weit verbreitet einzelne Mutationen bei verschiedenen Rassen sind, ist vor allem bei den Warmblütern unbekannt. Während 2009 US-amerikanische Universitäten ausgiebig untersuchten, wie viele Quarterhorses Träger von einem von fünf schwerwiegenden Gendefekten sind (das erschreckende Ergebnis: 700.000 von insgesamt 3,24 Millionen Tieren), gibt es bei Warmblütern noch keine vergleichbaren Ergebnisse. Die Zahlen, die es schon gibt, sind jedoch durchaus alarmierend: In einer Studie mit 500 Vergleichspferden waren 9,5% dieser Pferde Träger von WFFS, in einer Studie mit 124 Pferden waren es 11 %. Um Hochrechnungen für die Gesamtpopulation erstellen zu können, ist die Anzahl der untersuchten Pferde zu klein. Als Bluttest im Elterntier nachweisbar ist die WFFS-Veranlagung erst seit Ende 2012, im Patent dazu, dass von der Cornell Universität in den USA angemeldet wurde, sind Hannoveraner, Selle Francais, KWPN, Oldenburger und Westfalen als Trägerrassen genannt. Als vermutlich betroffen werden jedoch bei mehr als 20 Rassen, darunter sämtliche europäische Warmblutrassen, aber auch Anglo-Normannen und Friesen, genannt. Die Träger sind phänotypisch unauffällig, ganz normale, fitte, gesunde Pferde also. Da selbst bei einer Anpaarung zweier Trägertiere 75% der Nachkommen klinisch gesund sind, kennen selbst viele langjährige Züchter die Krankheit gar nicht, viele Tierärzte nur aus der Fachliteratur. Eine Studie von 2015 legt nahe, dass das auch damit zusammenhängen könnte, dass WFFS eine mögliche Ursache für Aborte und Totgeburten ist.

 

Die Chancen der Molekulargenetik

Bis vor einigen Jahren war es einfach Pech, wenn eine der tückischen Erbkrankheiten ausbrach. Heute wäre es dank der modernen Gentechnologie in vielen Fällen vermeidbar. Denn Träger eines mutierten Gens können für viele Erbkrankheiten durch eine einfache Blutuntersuchung identifiziert werden. Genauso, wie man herausfinden kann, ob ein Pferd nur dunkle Fellfarben vererbt (man denke an die Werbeaussage „kein Rotfaktor“ bei Hengsten), kann seit wenigen Jahren auch WFFS per Bluttest erkannt werden.

 

Die Geburt war einfach, das Fohlen sehr agil. Die Stute hatte zuvor gesunde Nachkommen. Es gab zu Beginn keinen Hinweis auf eine Krankheit.

 

Trägertiere dürfen nur mit einem Tier verpaart werden, das eben kein Trägertier ist, sondern homozygot auch genetisch gesund. Selbst wenn das Trägertier dann sein verändertes Gen weitergibt, ist die Nachkommenschaft phänotypisch gesund. Unter den Nachkommen gibt es dann höchstens Träger, aber keine kranken Tiere. So schränkt man die Anzahl der möglichen Zuchttiere nicht zu drastisch ein und erhält damit die Genvielfalt. Gleichzeitig verhindert man den Ausbruch der Krankheit. So wird es schon routinemäßig bei vielen Nutztieren und immer mehr Hunderassen gehandhabt. Auch die Deutsche Quarter Horse Association (DQHA) schreibt seit dem Deckjahr 2015 einen fünffachen Erbkrankheitentest für alle Hengste vor.

 

Nicht so bei den Zuchtverbänden der Warmblüter. Ich frage nach. Ist ihnen das Thema als problematisch bewusst? Warum werden Köranwärter nicht auf WFFS und CA, eine andere, häufigere Gendefekt, getestet? Tatsächlich sind die Antworten der Zuchtverbände durchgängig eher ausweichend. Gentests für Krankheiten, die bei manchen Spezialrassen häufig vorkommen, werden schon zum Teil berücksichtigt, zum Beispiel beim ZfDP. Das ist zum Beispiel die Myotonie beim New Forest Pony und JEB bei belgischen Kaltblütern. Doch auch hier heißt es, dass CA nur beim Arabischen Pferd vorkäme (was nicht stimmt, es kann bei Tieren auftreten, die arabische Blutanteile führen), und WFFS sei unbekannt. Das westfälische Pferdestammbuch gibt zu: „Der Fakt, dass in der Warmblut- und Kleinpferdezucht nicht auf Gendefekte wie CA und WFFS oder andere geprüft wird, lässt sich gerade im Vergleich mit anderen Tierarten im ersten Augenblick nur schwer begründen.“

 

Lieber zahlen, als den Ruf riskieren

Neben Unwissenheit ist es offenbar vor allem Angst vor wirtschaftlichen Einbußen und vielleicht auch die Sorge vor einem schlechten Ruf, weshalb Züchter ihre Pferde nicht einfach freiwillig testen lassen. Über das Thema Erbkrankheiten wird lieber den Mantel des Schweigens gedeckt. „Wenn das herauskommt, ist der Hengst wirtschaftlich tot“ höre ich von meinem Hengsthalter. Ich sage ihm: ich werde seinen Namen nicht öffentlich nennen. Aber jedem Bekannten, der den Hengst anpaaren will, davon erzählen. Der Hengst ist gut. Nach wie vor. Aber man muss doch wissen, was man kauft. Was sich ändern muss, ist nicht nur ein kleiner Familienbetrieb, der nicht hinschauen will, sondern das System. Bei der Recherche spreche ich mit Züchtern, die ähnliches erlebt haben wie ich. Allerdings aus anderen Anpaarungen, zum Teil mit Hengsten, die weit größere Bedeutung haben und denen man einen Einfluss auf die gesamte Warmblutzucht Deutschlands zusprechen kann. Bei wieder anderen Fällen wird von Geld gesprochen. Geld, das geflossen ist, damit betroffene Züchter nicht erzählen, was ihm mit welchem Hengst passiert ist.

Mit offenen Karten spielen

Dabei wäre das alles vermeidbar, wenn mit offenem Visier gespielt würde. Die Tests auf Genmutationen ermöglichen Züchtern, gezielt und gesund anzupaaren, also zum Beispiel für eine Stute mit Gendefekt nur solche Hengste auszuwählen, die den jeweiligen Defekt eben nicht haben. Durchaus offen haben viele Hengststationen auf Anfrage angeboten, ihre Hengste testen zu lassen, falls man als Züchter mit Trägerstute mit ihnen ins Geschäft kommen möchte. Unterhält man sich über dieses Thema, gibt es aber natürlich auch Stimmen, die sagen: alle Trägertiere ausschließen. Ob das sinnvoll ist, ist eine Frage, die in den Zuchtverbänden zu diskutieren ist.

 

Zuchtauschluss für Trägertiere?

Fakt ist: Durch den medizinischen und wissenschaftlichen Fortschritt werden in Zukunft immer mehr solcher Defekte entschlüsselt werden können. Es wird also kaum mehr möglich sein, vor diesem Thema die Augen zu verschließen. Zuchttechnisch würde es im Hinblick auf diese Entwicklung wenig Sinn machen, jedes Tier mit einem Gendefekt von der Zucht auszuschließen. Denn das würde den Genpool einer Rasse so beschränken, dass die daraus folgende Inzucht schon mal neue gesundheitliche Probleme mit sich brächte. Allerdings hat auch die Molekulargenetik – zumindest nach heutigem Wissenschaftsstand – ihre Grenzen. Es werden noch nicht für alle bekannten Mutationen kommerzielle Gentests angeboten. Zudem kann man mit einem DNA-Test immer nur eine Mutation eines spezifischen Gens nachweisen. Es bleibt also ein Restrisiko, dass auch ein gesundes, homozygotes Tier eine Erbkrankheit bekommen oder weitervererben kann, wenn es noch ein anderes mutiertes Gen trägt, das für das gleiche Krankheitsbild verantwortlich ist.

 

So können sich Züchter schützen

Auch wenn es zur Zeit noch keine offiziellen Bestrebungen gibt, Hengsthalter zu verpflichten, ihre Tiere auf die gängigen Gendefekte testen zu lassen, wächst immerhin das Bewusstsein für die Problematik. Dr. Thomas Nissen vom Holsteiner Verband arbeitet gemeinsam mit anderen Zuchtverbänden, wie auch dem Westfälischen, und der FN an einer Gesundheitsdatenbank. Bis 2018 werden Daten gesammelt, einige Jahre später sind Ergebnisse zu erwarten, schreibt Zuchtleiter Dr. Thomas Nissen. Vor allem die Röntgenthematik, aber auch Gentests sollen hier eine große Rolle spielen. Man kann nur hoffen, dass die Chance, hier bezüglich der Verbindlichkeit von Gentests nachzubessern, genutzt wird. Wilken Treu, Zuchtleiter des Westfälischen Verbandes, ist hier guter Dinge: „Die Einführung der standardmäßigen Überprüfung von Gendefekten bei Pferden kann aber mit dem Start in die genomische Selektion für Gesundheitsmerkmale als ‚Nebenprodukt’ beginnen.“

 

100 Euro gegen Tierleid

Meine Stute ist positiv. Sie trägt das WFFS-Gen und kann es weitergeben. Das wusste ich klinisch gesehen nach dieser Geschichte, aber um schwarz-auf-weiße Fakten zu haben, habe ich sie testen lassen. Ein einfacher Bluttest, 100 Euro ausgegeben, und nun habe ich die Gewissheit, dass diese Stute eben nur mit einem Hengst, der nachgewiesen kein WFFS-Gen in sich trägt, sicherlich gesunde Nachkommen haben kann. Die Stute wird nicht mehr gedeckt – aber das hat für mich nichts mit diesem Testergebnis zu tun, das hat andere Gründe. Fest steht aber: Bis es in Warmblutzuchtverbänden für Hengste die Pflicht zum Testen gibt, muss jeder Stutenbesitzer selbst vorsorgen. Ich kann ich mich als Züchter nur schützen, indem ich jede Stute testen lasse. Und für positive Stuten gezielt Hengste aussuche, dessen Besitzer freiwillig testen lässt. Das spart tausende Euro und extremes Tierleid.

 

 

Mehr Infos dazu:

http://www.animalgenetics.eu/equine/equine-genetic-disease/WFFS.html

http://bmcvetres.biomedcentral.com/articles/10.1186/s12917-015-0318-8

 

10 ungewöhnliche innere Bilder für’s Reiten

Pferdeköpfe schauen aus Boxen auf die Stallgasse.

So schön: Die Kurspferde in ihren Gastboxen bei uns. Foto: Klara Freitag

 

Das mit den Reitbildern ist so eine Sache. Erst letztens beim Reitkurs mit Elaine Butler bei uns daheim verzweifelte ich fast an dem Bild, mein Oberschenkel solle Saugnäpfe haben, wie die Arme eines Oktopus. Das Bild sollte mir helfen, das Pferd beim Schenkelweichen sicherer zu führen. Ich checkte es nicht.

Erst, als wir in einer Körperübung diesen Bewegungsablauf trocken übten, merkte mein Körper, was gemeint war. Das Bild ist nicht schlecht. Aber nicht jedes Bild funktioniert für jeden Menschen. Der Kaffeefilter, der unten in der Auflistung ist – der erschloss sich mir sofort. So soll es sein: Im Idealfall verschafft dem Reitschüler ein Bild ein Aha-Erlebnis. Und das ist genial. Hier ist eine Sammlung der zehn ungewöhnlichsten Bilder beim Reiten:

 

  1. „Das Korsett zuschnüren!“ sagt Elaine Butler (mehr über sie HIER), wenn sie sich mehr Rückenstabilität vom Reiter wünscht. Das soll dieser muskulär tun, zum Beispiel beim Übergang vom Galopp in den Trab (natürlich neben noch so einigen anderen Dingen).

Elaine Butler bei uns im Kurs.

 

  1. „Den Kaffeefilter nach unten drücken!“ Spielt auf diese Kaffeekannen an, in die das Pulver lose gegeben wird, und bei denen man dann einen Stab, an dem ein Sieb ist, nach unten drücken muss, um Kaffee zu erhalten. Diese nach unten drückende Bewegung braucht man im Galopp im Rumpf, um im Pferd statt auf dem Pferd zu sitzen. Das Kaffeesieb habe ich bei Hannah Engler (mehr über sie HIER) kennengelernt, die nach Mary Wanless unterrichtet und mit Elaine Butler schon mal als Co-Teacher arbeitet (bei unserem letzten Kurs nämlich!).

 

  1. „Sitzt Deine Brille auf dem Brustbein?“ Dieses Bild stammt von Blogleserin Doris, ich habe nämlich kürzlich danach gefragt, welche guten Bilder ihr so verwendet. Ihr half das, in Wendungen nicht nur den Kopf zu drehen, sondern den Rumpf.

 

  1. „Das Pony hat ein Einhorn, und das muss in die Richtung zeigen, in die es gehen soll!“ Dieses Bild ist auch von Hannah Engler, das nutzt sie im Kinderreitunterricht – und es funktioniert ziemlich genial.

 

  1. „Dein Becken ist eine Suppenschüssel, und es soll so gut positioniert sein, dass keine Suppe herausschwappen kann!“, dieses innerer Bild nutzen diverse Trainer – zurecht!

 

  1. „Die Scheinwerfer herunterblenden!“ – meint, dass die Reiterin sich nicht so in die Brust werfen soll, schützt also vor dem Hohlkreuz. Auch ein Elaine-Butler-Spruch.

  1. „Stell Dir vor an Deinen Knien sind Taschenlampen befestigt, und die leuchten Dir den Weg“. Hilft gegen die Gefahr, dass der Oberkörper etwas anderes tut, als der untere Rumpf. Kann das bessere Bild sein, als beispielsweise die Taschenlampe am Bauch oder die Brille am Brustbein zu haben, kommt auf den Reiter an. Auch aus dem Mary-Wanless-System, ich kenne es von Elaine Butler.

 

  1. „Mein Brustbein ist leicht“. Das hilft Blogleserin Heinke, den Oberkörper müheloser aufzurichten.

 

  1. „Stell’ Dir vor, Du schiebst einen Einkaufswagen vor Dir her“ – das ist ein Bild von Hannah Engler, dass den Reiter bei Tempovariationen im Trab dabei helfen kann, dies aus dem eigenen Rumpf heraus zu fördern, genauer aus dem Brustbeinbereich.

 

  1. „Mach die Zehen weit wie eine Bärentatze!“. Das Bild stammt von Blogleserin Katrin O., und es hilft ihr, mit dem Fuss viel Platz im Steigbügel einzunehmen und so den Absatz besser federn zu lassen.

P.S.: Bei uns wird im Oktober wieder ein Kurs mit Elaine Butler stattfinden. Bei Interesse jetzt schon eine Mail senden, denn Elaines Kurse sind immer ganz schnell voll!  Sie ist gerade auf Europatour, also wer noch Bedarf hat: am besten per Facebook verfolgen. Bei Hannah Engler selbst in Aachen gibt’s auch Sitzkurse und Unterrichtseinheiten zu buchen!

Wie man sich sein Reiterglück selbst macht // Oder: Das neue Pony zieht ein!

Das war zu der Zeit, als ich wieder anfing, mich richtig zu freuen. Das Foto ist skurril, aber ich mag es genau deshalb. Auch wenn Chamonix hier aussieht wie ein Fohlen. Foto: Klara Freitag

Weshalb man auch das Reiterglück im Leben selbst in die Hand nehmen muss: Über meine neue Ponystute, gute Stallgemeinschaften und warum es kein Zufall ist, wenn sich gleich tickende Reiter treffen.

 

Vor ungefähr zwei Jahren postete ich das Cover eines Buches namens: „1 Schloß, 7 Kinder und 150 Ponys“, damals noch auf meiner privaten Facebookseite. Ich schrieb dazu, es war der erste Januar:

 

 

Ich meinte und meine das so.

 

Natürlich nicht wirklich 7 Kinder, und erst recht nicht 150 Ponys. Und ich finde das Haus, in dem ich wohne, sehr schön, das ist für mich schon erfüllt, das Ding mit dem Schloß. Aber dieses Lebensgefühl, das in diesem Buch, was so ein Dick&Dalli-Verschnitt ist mit vielen plüschigen Shetlandponys mit Kindern drauf, das finde ich wunderbar.

Züchten!
Mein ganz konkreter kleiner Traum ist der, meiner Züchterseele ein bisschen mehr Raum geben zu können. Und daher hätte ich gern eine Warmblutstute und eine Reitponystute. Richtig, richtig gute, so dass man das, was man da züchtet, nicht nur irgendwie verkauft, sondern sich die Menschen dazu aussuchen kann (gute Haltung, gute Ausbildung, richtige Einstellung – ihr wisst schon!). Alle paar Jahre ein Fohlen ziehen und zwischendurch sind die beiden eben Familienreitpferde. Also eierlegende Wollmilchsäue in der Pferdewelt.

 

Rheinisches Tafelsilber
Ich habe mit dem Pony angefangen. Suchprofil: So brav im Kopf, dass es wirklich als Kinderpony gilt und so gut von der Qualität her, dass es ziemlich weit oben mitmischen kann. Schon im Sommer kreuzte so etwas meinen Weg, und da wusste ich: „Jetzt musst Du ja sagen, genau jetzt!“ Es hat dann doch noch etwas gedauert, ich habe lange nichts gesagt, doch jetzt, vor vier Wochen, ist sie tatsächlich bei mir eingezogen: Chamonix, Vollschwester zum Hengst Can Dance, HIER nachzulesen, bestes rheinisches Dressurponyblut und dabei vom Gemüt her ein Sonnenscheinchen sondergleichen! (Ich habe noch keine Fotos, die ihre Genialität zeigen, bisher nur dieses da oben, das ich aber wichtig finde, denn das war so in der ersten Zeit, in der ich wieder fröhlich statt traurig durch die Welt lief).

 

Darf man weitermachen, wenn das Pferd gestorben ist?
Dass sie jetzt so flott nach Fee da ist, ist einfach Zufall. Als ich das von Fee schrieb, dass sie tot ist (HIER zu lesen), da erreichten mich sehr, sehr viele Nachrichten. Tröstende, mitfühlende, viele Menschen, denen ähnliches passiert ist, die auch ein Pferd von Kindheit bis ins Erwachsenenleben hatten. Es gab auch Mails von Leserinnen, die gerade erst ihr Pferd verloren hatten. Die sich fragten, ob sie wieder ein neues Pferd wollen, ob sie überhaupt reiten wollen, ob es jemals wieder so wird, wie es war.

 

Ich kann darauf nur für mich eine Antwort geben, aber die ist sowas von klar: Natürlich! Ein Leben ohne Pferde möchte ich nicht! Immer wieder entscheide ich mich neu fürs Pferd! Das hat auch was mit sich bewusst ins Leben stürzen zu tun: Egal, wie sehr ich um Ponys, Fohlen, Pferde, Hunde, Menschen trauern musste – es lohnt sich immer wieder, sich zu öffnen, und verletztlich zu sein. Wenn es später schmerzt, zeigt das ja nur, dass man zuvor im Stande war zu leben, sich darauf einzulassen. Ja, sogar: zu lieben.

 

Aber: Das musst Du selbst angehen.

Dieses Glück backt einem niemand anders.

 

Ich habe mir ganz egoistisch, weil es gut für mein Leben ist, dieses Pony zugelegt. Und das war erst Schritt Eins – schließlich steht auf dem Buchcover ja nicht „1 Pony.“

 

Es ist so kitschig, so Klischee, aber es ist auch so verdammt wahr: Mach’ Dir Dein Glück selbst. Lebe das, was Dir wichtig ist, es kommt keine gute Fee und macht das für Dich.

Chamonix in ihrer neuen Herde. Dieser Auslauf ist Teil eines Paddocktrails.

 

Wenn du weisst, wohin es gehen soll, öffnen sich Türen
Was aber schon passiert, ist so ne kleine Kiste Magie, die einem hilft, wenn man glasklar ist, was man denn gern hätte. Ich hätte dieses Pony nie gefunden und nie bekommen, wenn ich nicht meine Nase danach gerichtet hätte, was mich wahnsinnig fasziniert und da immer weiter hätte lernen wollen. Und das hat was mit diesem Blog und mit unseren Kursen zu tun. Der Blog ist für mich die Möglichkeit, das was ich an meinem Leben mit Pferden so mag, eine Bühne zu geben. Immer wieder über Menschen zu erzählen, deren Zusammensein mit Pferden mich fasziniert. Über Motivation, über Pferde und Menschen, die in die gleiche Richtung schauen und gehen.

 

Das hier, das ist meine innere Pferdewelt in Buchstaben und Fotos.

 

Das Pendant dazu in echt und zum Anfassen sind die Kurse. Und hätten wir nicht den Kurs mit Alizée Froment (HIER habe ich darüber geschrieben) im letzten März gemacht, dann wäre Christina, (HIER mehr über sie) nicht mit ihrem Ponyhengst mitgeritten und dann hätte ich nicht sie und ihre Zucht kennengelernt. Und dann stünde hier jetzt kein Pony, auf jeden Fall nicht dieses.

 

Das ist nur ein Beispiel von vielen. Es treffen sich einfach Menschen auf den Kursen, die auf der Suche sind nach guter Arbeit mit den Pferden und die nicht verfrüht urteilen wollen. Die Rassen, Ausbildungsständen, Vorerfahrungen einfach auch mal stehenlassen können, und sich einfach über gutes Arbeiten mit Pferden austauschen wollen. Finde ich schon besonders.

 

Das ist kein Schwafel meinerseits. Das ist so. Es ist einfach das Ergebnis davon, wenn man schnurstraks darauf zugeht, nach was man sich sehnt.

 

Meckern in Ställen – ist aussortiert
Wie selten das ist, wurde mir erst letztens wieder klar, als jemand, den ich beruflich sehr schätze (gleiches Metier, fast der gleiche Beruf), mir erzählte, wie furchtbar das doch in der Reiterwelt sei, dass man ja privat schon keinen Bock mehr habe, wenn man in die Halle käme und Person X sich wieder über Person Y aufrege und Person Z garantiert auch noch etwas am eigenen Reiten zu meckern hätte. Das kenne ich privat nicht mehr. Das gibt es in meinem echten Leben Tag für Tag nicht, und das seit Jahren nicht mehr. Und das gibt’s auch nicht bei unseren Kursen.

 

Dass wir die Kursatmosphäre (HIER nachzusehen), und die Art meiner Blogleser, von denen nämlich viele genau so ticken, nicht mit Zauberstäben herbeigehext haben, ist wohl klar. Wir, Philippa und ich, schleppen Stühle für die Zuschauer, wir füllen nachts Listen aus und zerbrechen uns den Kopf darüber, wie alles am besten fluppt. Ich tippe diesen Text irgendwann in der Nacht, wie viele der Blogtexte. Es ist anstrengend.

 

Greif nach dem Zuckerguss (und leg‘ die Hände nicht in den Schoß)

Die Zuckerstückchen fallen nicht vom Himmel – aber das ist kein Grund, sie nicht haben zu wollen, und erst recht kein Grund, sie nicht zu bekommen.

Während der Eingewöhnung in die Herde ging es nachts noch in die Box. Damit sie ohne Sozialstress fressen und ruhen konnte.

 

So wie mein Wunschpony. Sie bringt mich jeden Tag dazu, zu grinsen und mich an ihr zu freuen. Weil sie so ein freundliches Pferd ist, weil sie so unglaublich brav ist, weil ich mich jedes Mal, wenn ich sie an der Longe habe, nicht daran satt sehen kann, wie sie sich bewegt.

 

Was mich wirklich interessieren würde: Was macht Ihr für Euch selbst wahr? Mit den Pferden, in Eurem Leben?

 

P.S.: Wer mitgezählt hat, dem fällt auf, dass es vom Post über das Buchcover bis jetzt ganz schön lange gedauert hat. Ist nicht überraschend, oder? Es dauert fast immer länger, als man gerne hätte, aber dann, dann zieht es an und schwupps, passiert ganz viel auf einmal. Kennt Ihr das?

 

 

Drei Tipps von der Instagram-Göttin der Reiterstiles (das bin nicht ich)

Die Insta-Göttin bin natürlich nicht ich, sondern Rachel Reunis, die ihr auf Instagram unter ‚The stylish equestrian‘ findet. Foto: Klara Freitag

 

Mode für Reiter ist ihr Ding: Rachel Reunis kombiniert die schönsten Reiteroutfits. Sie hat mir drei Regeln verraten, wie das auch Dir oder mir gelingt.

Vor ein paar Tagen hatte ich die Frau am Telefon, die es einfach völlig drauf hat, die schönsten Reiter-Outfits zu kombinieren. Unter dem Namen „The stylish equestrian“ zeigt Rachel Reunis auf Instagram (HIER), wie sie Klamotten miteinander kombiniert. Fast 30.000 Menschen gucken ihr dabei täglich zu. Zurecht: Es sieht einfach immer aus, als ob es von vorneherein genau so gedacht gewesen war.

 

Aus dem Ei gepellt contra Heuhalm-Sammler
Ich interviewte sie für ein Magazin, es ging dabei darum, wie man den britischen Country-Look modern und als Reiter interpretiert (das steht demnächst dann in der equitrends). Doch so nebenbei musste ich einfach noch mehr wissen. Zum Beispiel, wie man denn darauf kommt, Mode für Reiter zusammenzustellen, und was sie denn vorher gemacht hat. Und wie man das zur Hölle macht, aus dem Ei gepellt am Stall aussehen. Ich hatte ja hier schon mal davon erzählt, dass ich das selten hinbekomme, sondern lieber jeden Heuhalm und jede Dreckspfütze magisch anziehe.

 

Ein Outfit von Rachel Reunis – mit viel Lila und dicken fetten Boots. Günstige Horze-Reithose mit Stella-McCartney-Tasche und Ariat-Stiefel – warum nicht!

Hier mag ich besonders die Jacke, die Stiefel und die Tasche in der ungewöhnlichen Form. Überhaupt auf die Idee zu kommen, eine passende Handtasche auszusuchen! Die Tasche ist von Linda Farrow, die Jacke von Sorel Fotwear, die Reithose von Eurostar und der Pulli ist von Burberry. Mehr findet Ihr auf www.thestylishequestrian.com

 

First office, then barn

Dabei herausgekommen sind drei Regeln zum guten Reiter-Styling. Also:

 

  1. Schabracke und passende Reithose kann jeder! Das ist ein No-Go weil total unkreativ. Lieber schauen, was in einer Farbfamilie liegt, aber eben ein wenig unterschiedlich ist. („Do not buy sets, try to buy from different brands.“)
  2. Reitsachen und Nicht-Reitsachen kombinieren. Genauso, wie sehr teure Stücke mit sehr günstigen zusammen tragen („The best outfits come out of these!“).
  3. Es ist total legitim, Reitsachen im Büro zu tragen, natürlich mit anderen Schuhen und durchdachtem Oberteil. Das war übrigens Rachels Motivation, sich überhaupt mit dem Thema zu beschäftigen. Sie wollte Zeit sparen und schon im Büro Reitsachen tragen, die aber nicht nach Stallmädchen aussahen. Leuchtet ein. Aber was tut sie gegen den Geruch? Hah!, sagte mir Rachel Reunis dazu, es gäbe eine goldene Regel: Immer erst ins Büro, und dann in den Sattel! („It’s office first – then barn not the other way around!“)

 

Mein Lederjackentest
Ohne Witz: Direkt am gleichen Tag bin ich dann mal in Lederjacke ausreiten gegangen. Passte nämlich zu allen Kriterien da oben: Kam aus dem Büro, war kein Reiterutensil, passte nur halbgut zur Schabracke (das hätte Rachel bestimmt besser hinbekommen, braune Lederjacke und rote Schabracke ist eher so naja!).

Und, sind den anderen die Augen ausgefallen, weil ich plötzlich so stylisch daherkam? Ah – nö. Da alle von mir eher Pragmatismus statt Style gewöhnt sind, lag nahe, dass ich einfach zu spät zum Umziehen aus dem Büro gehechtet kam.  Ne, ihr Modebanausen. Das war Ausreiten in schick. Nächstes Mal schreib ich’s dazu, also quasi: Jetzt!